Samstag, 28. Januar 2023, 15:39:03

Wir verkosten: Millstone 2017/2022 – 5yo 1st Fill Oloroso Sherry Cask No. 170446 (Whisky Druid)

Die Zuidam Distillery ist die älteste Whiskybrennerei Hollands - Michel Reick hat aus ihr ein Einzelfass mit torfigem Sherrywhisky abgefüllt

Millstone 2017/2022 5yo
Single Malt Whisky 54,7% vol.
1st Fill Oloroso Sherry Cask No. 170446
Peated

Sample zur Verfügung gestellt von Michel Reick
Verkoster: Bernhard Rems

Zwei Dinge müssen unbedingt vorweg erwähnt werden, bevor wir uns konkret mit diesem Whisky beschäftigen: Erstens sind für mich persönlich rauchige Sherryabfüllungen schwierige Genossen, die bei mir nicht wirklich ins Beuteschema passen. Zu schnell schlagen die ins Schwefelige, zu selten haben sie die speckigen Selcharomen, die sie für mich retten. Und zweitens sind mir Whiskys, die mich dann dennoch freudig über den Schatten meiner persönlichen Vorlieben springen lassen, irgendwie besonders lieb.

Und der Millstone ist ein solcher. Produziert in der holländischen Zuidam Distillery (die älteste im Land) und ausgesucht von Michel Reick aka Whisky Druid, hat der Whisky der ausgesuchten Abfüllung von beidem viel: Viel Sherry und viel Rauch (obwohl der zunächst, wenn man ungeduldig ist und gleich mal kosten will, sich dezent zurückhält – aber gib dem Whisky etwas Zeit im Glas, so wird er deutlich präsenter).

Nase: Vor allem jede Menge Süße von Honig und ein zitroniger Unterton, dann dunkle Früchte und das typische Oloroso-Bouquet, das ziemlich schwer und dominant ist, der Rauch kommt anfangs gar nicht durch – das ändert sich erst nach längerer Zeit im Glas, da ist er dann im Vordergrund.

Gaumen: Der Rauch liegt, wenn man dem Whisky Zeit gegeben hat, über allem, aber ohne alles zu verdecken. Da sind dunkle Beeren, Zitronenzeste, etwas Bitterschokolade, Nussigkeit und Eichenwürze vermitteln einen angenehm herben Eindruck. Das ist kein geräucherter Speck und auch kein Schwefelteufel, der Millstone zeigt einen eigenen Charakter mit vielen Nuancen und changierenden Gewichten. Spannend.

Finish: Doch recht lang, der Rauch und die Süße wetteifern um den letzten Eindruck, und auch die Zitrusfrucht und Orangen spielen im Wettstreit mit. Zurück bleibt eine herbe, aber nicht abtrocknende Note.

Alles in allem: Das Fass hat sich Michel Reick nicht umsonst ausgesucht. Spannend ist ein Attribut, das man dem Millstone umhängen kann, weil er in seiner Kategorie doch ein wenig mit den Erwartungen bricht, ohne sie zu verlassen, und für seine fünf Jahre ist er auch erstaunlich nuanciert. Für mich kein Whisky für jeden Tag, aber die Flasche, die da jetzt am Tisch steht, verlockt dann doch immer wieder, ihn zu probieren und sich an ihm zu erfreuen. Schöne Sache, höchst empfehlenswert.

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