Bevor Amrut als Schöpfer des Indian Single Malts im Blickfeld der europäischen Whisky-Connoisseure erschien, betätigte sich die in Bangalore ansässige Firma hauptsächlich auf dem heimischen Markt. Schon kurz nach der Gründung 1947 war Amrut in der Produktion von sogenannten Indian Made Foreign Liquors (IMFL) tätig.

Kleiner Exkurs: Die Basis eines Indian Made Foreign Liquor ist Neutralalkohol, welcher durch Zusatz von Aromen veredelt wird. Bei indischem Blended Whisky wird dem Neutralalkohol, welcher meist aus Melasse gewonnen wird, Malt Whisky beigefügt. Je höher dieser Anteil, desto hochwertiger der indische Blended Whisky.

Produzierte Amrut vorher nur Neutralalkohol, begann man dort in den 60ern mit der Destillation und Herstellung eigenen Rums, in den 70ern kam dann auch Brandy dazu. Aus Sicht eines Destillateurs sind die Unterschiede zwischen Brandy, Rum und Whisky in der Produktion nur marginal. So begann Amrut auch zu Beginn der 80er Jahre, Whisky für den indischen Markt zu produzieren. Den dafür benötigten Single Malt destillierte Amrut selber, mit MaQintosh, Three Aces und Prestige ist man mit drei Whisky-Marken auf dem heimischen Markt vertreten.

Amrut's Marken für den indischen Markt
Amrut’s Marken für den indischen Markt. Bild © Whiskyexperts

Von der Qualität des eigenen, selbst produzierten Single Malt Whiskys war (und ist) man bei Amrut sehr überzeugt. Anfang des neuen Jahrtausends wollte man prüfen, da Single Malt zu diesem Zeitpunkt in Indien keinen Markt hatte, ob Amruts Single Malt in Europa einen Markt finden kann. In Schottland organisierte man unterschiedliche Tastings und führte einem „blinden“ Publikum den eigenen Indian Single Malt vor. Das dortige Tasting-Publikum war von der Qualität dieser Whiskys überzeugt, Amruts Single Malt wurde für einen Whisky aus der schottischen Region Speyside gehalten. Der Beginn von Amruts Single Malt kam dann 2004, im Glasgower Restaurant Cafe India wurde Amrut Indian Single Malt erst auf dem britischen und danach dann auch auf dem europäischen Markt eingeführt.

Die Gerste des bei Amrut verwendeten ungetorften Malzes wird im Norden Indiens angebaut. In Ermangelung indischen Torfs greift Amrut für ihre rauchigen Whiskys auf getorftes Gerstenmalz aus Schottland zurück und importiert dieses. Amruts Single Malts sind weder gefärbt noch kühlgefiltert (bis auf eine Ausnahme) und haben in der Regel keine Altersangabe. Wer sich die besonderen Bedingungen der Reifung in Indien anschaut, kann dies auch nachvollziehen. Die klimatischen Bedingungen mit ihren deutlich höheren Temperaturen in Süd-Indien führen zu einem beschleunigten Reifeprozess, allerdings auch zu einem höheren Angels‘ Share. Benötigt im deutlich kühleren Schottland ein Single Malt vielleicht zehn bis zwölf Jahre, um eine gewisse notwendige Reife im Fass zu erreichen, kommt man in Indien ungefähr mit der Hälfte der Zeit aus. Für den Durchschnitts-Whisky-Käufer ist das Alter ein vermeintliches Qualitätsmerkmal, einer Altersangabe bei Amruts Single Malts müsste daher eine längere Erläuterung der Wechselwirkungen Fass-Klima-Zeit beigefügt werden, um beim Thema Alter einen fairen Vergleich zu ermöglichen.

Im Rahmen unserer Destillerie-Führung hatten wir die einmalige Gelegenheit, uns vor Ort in einem kurzen Tasting einen Überblick über die unterschiedlichen Abfüllungen für den europäischen Markt aus dem Hause Amrut zu verschaffen.

Die Core Range von Amrut Indian Single Malt
Die Core Range von Amrut Indian Single Malt. Bild © Whiskyexperts

Die Core Range von Amrut

Ungefiltert, mit seiner natürlichen Farbe und kräftigen 46 % Vol. abgefüllt – mit seinen Basis-Abfüllungen Indian Single Malt Whisky und Peated Indian Single Malt Whisky trifft Amrut den Nerv der westlichen Whisky-Liebhaber. In seiner ungetorften Version bietet uns Amrut viel kräftige Frucht und viel Reife. Bei der rauchig-torfigen Variante, welche in Batches abgefüllt wird, kommen rauchige Aromen hinzu und lassen ihn ein wenig trockener werden. Beiden gemein ist eine sehr hohe Präsenz, es sind keine zarten, verhaltenen Whiskys, sondern zeigen sich und ihre Aromen sehr deutlich. Diese Deutlichkeit nimmt bei den jeweiligen Cask Strength Abfüllungen natürlich noch zu. Mit über 60 % Vol. möchten sie manchmal mit Wasser ein wenig gebändigt werden.

Amrut Fusion, abgefüllt mit 50 % Vol., ist deutlich mehr als die Summe von ungetorften und getorften Amrut Single Malts. Hervorragend ausbalanciert, sehr dicht und mit hoher Komplexität, vollziehen die Aromen – exotische Früchte, deutliche Süße, Vanillie und Holz – ein feines Wechselspiel und werden durch hintergründigen Rauch ergänzt, welcher diesen Whisky leicht trocken werden lässt.

Amrut’s Limited Editions

Neben ihrer Core Range bietet Amrut des weiteren einige limitierte Abfüllungen an.

Amrut Raj Igala

Mit dem „König der Adler“ bieten die Amrut Destillers einen preisgünstigen Einstieg in die Indian Single Malts. Wo manch andere neu geschaffene Einstiegs-Abfüllung für ein breiteres Publikum dazu neigte, den eigenen Brennerei-Charakter zu verschleiern, finden wir beim Raj Igala eine ähnliche Präsenz seiner Aromen und Reife wie schon bei der Core Range. Abgefüllt mit 40 % Vol. und hier ausnahmsweise mal kühlgefiltert, ist er für ein breiteres Publikum zugänglich.

Amrut Naarangi

Naarangi ist Hindi und heißt Orange. Für diesen Whisky lagerten Orangenschalen für drei Jahre in ehemaligen Sherryfässern. Danach befüllte man diese Fässer mit dreijährigem Single Malt. Dieser Whisky durfte nun weitere drei Jahre reifen und wurde mit 50 % Vol. abgefüllt. Wie zu erwarten finden wir hier deutliche Orangen-Noten, dazu haben die Ex-Sherry-Casks auch ihren Einfluss hinterlassen. Schokolade und Würze ergänzen die fruchtigen Komponenten zu einem sehr dichten Whisky.

Amrut Intermediate Sherry
Amrut Portonova

Die schnelle Reifung des Whiskys in Süd-Indien erfordert eine besondere Aufmerksamkeit beim Einsatz von Fässern, deren Einfluss recht schnell zu dominant werden kann. So ist der Intermediate Sherry kein rein in Sherry-Fässern gelagerter Whisky. Vor seiner Reifezeit in Ex-Oloroso Fässern lagerte er in, unter anderem, früheren Bourbon-Fässern, um auch in solche wieder gefüllt zu werden.
Ein ähnliches Fasskonzept finden wir beim Amrut Portonova, nur dass hier natürlich ehemalige Portfässer ihren Einsatz finden. Gemeinsam ist beiden, dass neben den prägenden Aromen der Oloroso- bzw. Portfässer die ebenfalls noch eingesetzten Fässer einen sehr dichten und vielschichtigen Whisky schaffen. Beide Abfüllungen kommen in Fassstärke (Intermediate Sherry 57,1 % Vol. bzw. Portonova 62,1 % Vol.) und laden zum Spiel mit einer Wasserbeigabe ein.

Amrut Spectrum

Die eigene Küferei (in diesem Beitrag können Sie die Wiederaufbereitung eines Fasses bei Amrut sehen) ermöglicht Amrut, ganz eigene Fässer zu bauen und diese dann für die Whisky-Reifung einzusetzen. So beim Spectrum: hier wurden Dauben vier unterschiedlicher Fass-Arten verwendet. Für ein Fass verwendete man Dauben aus neuer Amerikanischer Eiche und neuer Französischer Eiche sowie Dauben aus Ex-Oloroso- und Ex-PX Sherry Fässern. Viel dunkle Frucht, viel dunkle Schokolade und viel Nuss, ergänzt durch viele Gewürze. Abgefüllt mit 50 % Vol. in unterschiedlichen Batches mit einer übersichtlichen Flaschenanzahl (beim aktuellen Batch 04 sind es 1.800 Flaschen) ist diese Abfüllung nicht ganz günstig.