Nachdem die französische Weinanbauregion Champagne zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde, sieht der schottische Staatssekretär für Nahrungsmittel, Richard Lochhead, reelle Chancen, auch die sechs schottischen Whiskyregionen zum Weltkulturerbe erklären zu lassen, berichtet The Highland Times heute. Man solle aus den Schritten, die die Champagne gesetzt habe, lernen, so der Staatssekretär, und die schottischen Regionen Speyside, Islay, Campbeltown, Highlands, Islands und Lowlands anlässlich des Jahres für Essen und Trinken, das Schottland gerade feiert, als Weltkulturerbe einreichen.
Video: Ein Besuch in der Wild Turkey Distillery
Sonntag ist Videotag, und heute schauen wir uns die Wild Turkey Distillery in Kentucky an – in einem sehr schön gemachten Video von Kentucky Farm Bureau. Master Distiller Jimmy Russell erzählt die Geschichte der Destillerie und jede Menge über die momentane Produktion.
Das Englisch ist sehr amerikanisch, also manchmal nicht ganz einfach zu verstehen, wenn man ihm nicht öfter begegnet ist – aber die fast 8 Minuten des Videos (natürlich auch auf Youtube) sind insgesamt sehr sehenswert, finden wir.
Irishtimes: Teeling – eine Familie schreibt Whiskeygeschichte
Irishtimes.com nimmt einen Besuch in der Teeling-Destillerie zum Anlass, einen Blick auf die Familie Teeling und ihre Bedeutung für den irischen Whiskey zu werfen. Jack und Stephen Teeling sind die Besitzer der Destillerie und wohl den meisten unserer Leser dadurch bekannt, aber besonders ihr Vater, John Teeling, ist eine der zentralen Figuren der jüngeren Erfolgsgeschichte des irischen Whiskeys. Er hat im Jahr 1987 die Cooley Distillery gegründet und damit den Markt kräftig in Bewegung gebracht.
Warum – und was die Cooley Distillery, die ja mittlerweile an Beam Suntory verkauft ist, mit den Whiskeys der Teelings zu tun hat, erfahren Sie im englischsprachigen Artikel.

Whisky im Bild: Bruichladdich – Ein Tanklaster fährt nach Islay…
…um dort zu bleiben: Bruichladdich hat vor kurzem dieses Bild ihres brandneuen Tanklasters gepostet, der auf die Überfahrt mit der Fähre nach Islay wartet.
Eines muss man der Destillerie (und Remy Cointreau) lassen: Sie verstehen dort nicht nur was von schönen Whiskys, sondern auch von schönem Branding.
Wozu gibt es den Tanklaster? Nun, er wird laut der Website während der ganzen Betriebszeit nur jeweils einige hundert Meter von der Destillerie zu den Lagerhäusern fahren und dabei New Make Spirit transportieren, der dann in die Fässer gefüllt wird. Bruichladdich ist ja stolz darauf, dass der Whisky während der gesamten Lagerung niemals Islay verlässt. Und das ist keine Selbstverständlichkeit.
Exklusiv: Hibiki Japanese Harmony Tasting mit Hiroyoshi (Mike) Miyamoto
Suntory hatte geladen, und Whiskyexperts war in Person unseres Redakteurs Dirk Piesczek erschienen. Im Strauchs Falco in der Hafencity in Hamburg präsentierte Hiroyoshi (Mike) Miyamoto am letzten Dienstag die neueste Kreation des japanischen Getränkeriesen: den Hibiki Japanese Harmony.
Mike kann auf eine mehr als 30 Jahre lange Karriere in der Whiskywelt zurückschauen. Unter anderem war er Deputy Managing Director der Islay-Brennerei Bowmore. In Japan arbeitete er als Master Distiller in den Destillerien Yamazaki und Hakushu, nun ist er als Global Brand Ambassador für Suntory tätig.
Vor dem Tasting gab er eine kurze Einführung in die mittlerweile fast 100-jährige Geschichte des japanischen Whiskys. Der Mann, ohne den es diese Geschichte so nicht geben würde, heißt Shinjiro Torii. Er lernte, wie die Schotten Whisky herstellen und brachte dieses Wissen nach Japan. Mit der Yamazaki Brennerei baute er 1923 die erste Whisky-Destillerie Japans und musste allerdings auch 1929 mit seinem ersten japanischen Whisky „Shirofuda“ erfahren, dass seinen Landsleuten die rauchige Interpretation des Whiskys, die er in Schottland erlernte, überhaupt nicht zusagt. Acht Jahre später traf Shinjiro Torii dann den Geschmack der Japaner: Der Blend „Kakubin“ wurde ein Erfolg.

Im Vergleich zu ihren schottischen Kollegen hatten es die japanischen Whisky-Blender schwerer. Um einen ausgewogenen Blend herzustellen, benötigt man verschiedene Whiskys mit unterschiedlichen Charakteren und Geschmacksnoten. In Schottland tauscht man deshalb einfach Fässer untereinander, so stehen den Blendern dann die unterschiedlichen Whiskys zur Verfügung. Bei Yamazaki löst man diese Aufgabe, indem man Gärbottiche sowohl aus Edelstahl als auch aus Holz verwendet und 6 unterschiedliche Still-Paare verwendet. In Verbindung mit verschiedenen Fasstypen und -größen ist man in der Lage, die für einen guten Blend benötigten unterschiedlichen Whiskys selber herzustellen. So fehlt nur noch ein Grain-Whisky. Auch diesen produziert Suntory in ihrer Brennerei Chita selber.
Bevor es zur Verkostung des neuen Hibiki kam, lüftete Mike ein klein wenig das Geheimnis einiger einzelnen Bestandteile dieses Blends. In seinem Gepäck hatte er Proben von fünf Varianten der Suntory Whiskys. Bei diesen Komponenten stechen besonders der Grain Whisky aus der Brennerei Chita heraus und der in Mizunara-Eichenfässern gelagerte Malt Whisky. Der Grain präsentiert sich in der Nase süß und würzig mit Toffee-Aromen, am Gaumen ebenfalls gefällig süß mit einer öligen Schwere. Der Whisky aus dem Mizunara-Fass offenbart eine ungewohnte, äußerst spannende Würzigkeit. Mizunara-Eiche oder auch Quercus mongolica benötigt 200 Jahre, bis ein Baum die notwendige Größe erreicht hat, um aus seinem Holz Fässer herstellen zu können. Nachhaltigkeit ist hier notwendig und wichtig, Suntory kann deshalb nicht mehr als 200 Fässer aus dieser japanischen Eichen-Art in der eigenen Küferei herstellen. Der Malt Whisky aus amerikanischer Weiß-Eiche sowie der leicht rauchige Whisky – zwei weitere Komponenten, die Mike mitgebracht hat – wissen mit ihrer zarten Eleganz ebenfalls zu gefallen. Einzig der in Ex-Sherry-Fässern gelagerte Malt zeigt eine deutliche Wucht und viel Kraft und Stärke.

Bei den Hibiki Blends bilden die Whiskys aus den american white oak Fässern die Basis. Die Sherry- und Mizunara-Whiskys fungieren als „dressing“, als Zutaten, die zuständig sind für Geschmacksnuancen und deshalb wohldosiert sein müssen. Der rauchige Whisky-Teil hingegen ist als „hidden player“ zwar vorhanden, soll und darf aber nur im Hintergrund erscheinen. Die Aufgabe des Grain-Whiskys ist, diese ganzen Komponenten als „organizer“ zu verbinden und zusammen zu halten.
Japanischer Whisky bezeichnet sich selbst als Kunsthandwerk und ist als solches erst recht bei Blends auch zu verstehen. So zeigt sich der Hibiki in der Nase sehr weich, äußerst rund, fast schon geschliffen. Eine feine Holz-Würze wird durch blumig-fruchtige Noten ergänzt. Insgesamt ist sein Auftritt sehr zart und dezent, fast schon fragil. Am Gaumen schwer differenzierbar, bleibt er äußerst dezent. Eine leichte Alkohol-Note zu Beginn verschwindet beim zweiten Nippen. Zart-fruchtig mit einer dezenten eleganten Süße zeigt er sich auch hier wieder sehr weich und rund, bevor er sich fruchtig mittellang verabschiedet.
Hibiki Japanese Harmony hält, was sein Name erwarten lässt: ohne auch nur den geringsten Anflug von irritierenden Noten einen runden, nach Perfektion strebenden Blend. Japanische Whiskys genießen im Moment eine große Nachfrage, welche sowohl weltweit als auch in Japan nicht gedeckt werden kann. Dieser Hibiki bietet Suntory die Möglichkeit, den Bedürfnissen des Marktes nach Whisky aus Japan gerecht zu werden und den Konsumenten einen Einstieg in die Kunst und Philosophie desselben.
PR: Kavalan feiert Auszeichnung zum World Whisky of the Year
Von King Car Germany haben wir die nachfolgende Pressemitteilung zur Feier der Prämierung des KAVALAN Solist Vinho Barrique zum World Whisky of the Year 2015 erhalten, die wir Ihnen gerne hier wiedergeben:
Am 12.06.2015 wurde die Prämierung des KAVALAN Solist Vinho Barrique zum World Whisky of the Year 2015 im Zenzakan Pan Asian Supper Club gefeiert. Zu diesem Anlass lud die Geschäftsführung aus Taiwan deutsche Geschäftspartner und Pressevertreter nach Frankfurt am Main ein.
Masterblender Ian Chang war eigens aus Taiwan gekommen, um für seine Gäste ein Whisky Tasting mit 5 KAVALAN Abfüllungen zu geben. Highlight dabei waren 2 Abfüllungen, die in Deutschland noch nicht im Handel erhältlich sind, nämlich Manzanilla und Amontillado Sherry. Der deutsche Markenbotschafter Bernhard Schäfer präsentierte interessante Fakten rund um KAVALAN und informierter über Zukunftspläne sowie die klimatischen Besonderheiten, mit denen die Brennmeister in Taiwan konfrontiert sind. Medienvertretern stand Ian Chang mit Informationen aus erster Hand Rede und Antwort. Anschließend genossen die Gäste die kulinarischen Köstlichkeiten des Zenzakans und konnten an der KAVALAN Bar alle in Deutschland erhältlichen Abfüllungen zu probieren und sich über die Whiskys auszutauschen.
Daten und Fakten zur KAVALAN Destillerie
Die 2006 eröffnete KAVALAN Destillerie ist die einzige Brennerei Taiwans und liegt in der Region Yilan, etwa eine Autostunde südöstlich der Hauptstadt Taipeh. Sie gehört zum familiengeführten Unternehmen der King Car Group, deren Gründer und Präsident Tian-Tsai Lee ein leidenschaftlicher Whiskytrinker ist. Nach dem Wegfall des Staatsmonopols erfüllte er sich mit dem Bau der Brennerei einen Lebenstraum. Als Standort wurde Yilan gewählt, da die Region bekannt ist für ihre Quellen mit besonders weichem Wasser, welches KAVALAN seinen besonderen Charakter verleiht. Mit Dr. Jim Swan als Berater und einem Team um Masterblender Ian Chang ist es T.T. Lee gelungen, KAVALAN binnen kürzester Zeit zu einem weltweit etablierten Player zu entwickeln. Mit zahlreichen Auszeichnungen versehen erobern die KAVALAN Whiskys mittlerweile die internationale WhiskyWelt. Die derzeitige Kapazität der Brennerei liegt bei 9 Mio. Flaschen, Tendenz steigend. Jährlich besuchen über 1 Mio. Menschen die Destillerie, das sind mehr als alle schottischen Destillerien zusammen. Nicht nur die Whiskys aus dem Hause KAVALAN haben zahlreiche internationale Auszeichnungen wie beipielsweise Goldmedaillen der IWSC oder der San Francsico Wolrd Spirits Competition erhalten, auch die Destillerie selbst wurde von letzterer 2015 zur „Distillery of the Year“ gewählt.
Whiskyrätsel: Wo sind wir? (Jetzt mit Auflösung)
In lockerer Abfolge wollen wir Sie mit einem kleinen Whiskyrätsel konfrontieren – mit Bildern von Details einer Destillerie, anhand derer Sie uns sagen sollten, wo wir uns befinden. Manchmal wirds schwer, manchmal leicht – aber immer, so hoffen wir, interessant.
Lassen Sie uns mal mit einem Spirit Safe einer schottischen Destillerie beginnen. Sagen Sie uns bitte in einem Kommentar auf unserer Website oder auf Facebook (wir würden die Facebook-User aber gerne auf unsere Seite locken *g*), um welche Destillerie es sich hier handelt. Wir lösen dann am Abend in einem eigenen Kommentar auf der Seite auf. Zu gewinnen gibt es heute einfach nur ein gutes Gefühl :-).
Update um 19:45 – Ganz richtig, Hans. Der Spirit Safe steht bei Dalwhinnie, und nein, man darf bei Dalwhinnie (wie bei allen Diageo-Destillerien) aus Sicherheitsgründen nicht fotografieren. Aber man darf Diageo um ein entsprechendes Bild bitten :-). Ihre Antwort war übrigens die einzig richtige, auf Facebook gab es keine richtige Lösung. Gratulation!
Und wir denken bereits über das nächste Rätsel nach…
Serge verkostet: Junge Nordamerikaner, letzter Teil
Die Vielzahl an amerikanischen Whiskeys ist aus europäischer Sicht etwas erschreckend, vor allem deshalb, weil man nur einen gewissen Teil der oft bemerkenswert guten Abfüllungen hier käuflich erwerben kann. Viele der Craft Whiskeys sind bei uns einfach nicht im Handel zu bekommen, und das ist schade.
Von den vier Whiskeys, die Serge heute im letzten Teil seines Ausflugs über den großen Teich verkostet, sind zumindestens drei bei uns relativ einfach zu bekommen. Und auch die Wertungen dafür sind durchaus im grünen Bereich:
- St. George ‚Lot 14‘ (43%, OB, USA, California, Single Malt Whiskey, 2014): 81 Punkte
- Blanton’s Original ‚Single Barrel‘ (46.5%, OB, USA, bourbon, barrel #325, +/-2014: 82 Punkte
- Evan Williams ‚White Label‘ (50%, OB, USA, bourbon, +/-2015): 78 Punkte
- Wild Turkey ‚Rare Breed‘ (56.4%, USA, bourbon, +/-2015): 85 Punkte
Wir verkosten: Tormore 23yo, 55,1%, Five Lions
Die pinke Serie aus dem Hause Five Lions markiert die „Ambassadors of Scotland“ Abfüllungen, neben Kuriositäten, lost & closed distilleries oder speziellen Finishes, werden hier besonders alte und rare Malts präsentiert.
Tormore ist eine eher weniger bekannten Brennerei aus Moray, Speyside und für diesen speziellen Whisky treffen einige der gerade genannten Attribute zu – alt, speziell und mit einem markanten Fasstypus: Pedro Ximenez Sherry Butt.
Von stattlichem Alter ist hier – zumindest in gesamtschottische Relation gesetzt – nur der Malt selbst, seine Brennereiheimat gehört zu den Jungspunden und wurde erst im 20. Jahrhundert erbaut. Dabei hat man sich aber alle Mühe gegeben und die Gemäuer zählen zu den eindrucksvollsten unter Schottlands Destillerien.
Ob der „Aged 23 years“ auch so imposant ist?
Tormore, 23yo, 55.1%
Distilled 1991, Bottled 2015
1st Fill Pedro Ximenez Sherry Butt
Single Cask
Cask Strength
ungefärbt, nicht kältefiltriert
Verkoster: Reinhard Pohorec
Sample von: Five Lions
Es gibt die jungen Wilden, die „Hier“ schreien, blendend, laut und schrill, hell duftig und grell. Und dann gibt es jene, die scheinbar alles gesehen und erlebt haben, voller Ruhe, innerem Frieden und dunkel anmutiger Eleganz. Fahre ich Fiat 500 in Quietschrosa oder doch dunkelgrünen Jaguar? Keines von beiden ist „besser“, in keinster Weise soll dies ein wertendes Kriterium sein – es sind einfach unterschiedliche Stilistiken, und variierende Situationen verlangen ja schließlich nach unterschiedlichen Herangehensweisen und Gesellen.
Nase: ja, dunkel trifft es wohl… Ruhig, kühl, erfahren. Ich tauche die Nasenspitze in das Glas und fühle die Welt und das Leben auf „Entschleunigung“ geschalten. Tiefe offenbart sich, Vielfalt, die Komplexität und charaktervolle Reife, wie sie nur Zeit, gute und schlechte Erfahrungen sowie viel Güte hervorbringen können. Ankommen, heimkommen. Wie ein Stück gegerbtes Leder, voller Patina und auch der Duft wiederspiegelt dies Eins zu Eins. Hier ist wirklich eine ganze Menge Leder, erdig rauchige Aromen. Harzig, schwarze Walnüsse, dunkler Karamell, voll gerösteter Gerste, Malzkaffee, Mokka und eine entzückende, sich ständig hervorschmeichelnde Note von Propolis. Bienenwachs, Waldhonig und darin geschwenkte Kräuter. Rosmarinnadeln, Lavendel und Balsam. Mit etwas Zeit kommt auch Marillenröster, etwas Herbe vom Holz, erinnernd an Schalen von leicht überreifem Obst. Noch ein Spritzer Wasser und die Erinnerung an Nektarine, roten Apfel und Balsamessig wird deutlicher.
Lass es nicht aufhören, mehr davon! Jede Sekunde gibt andere Noten, jede Minute scheint einen neuen Blick in die Tiefen dieses Malt Ozeans zu offenbaren – versinken möchte man…
Gaumen: Stringent und absolut analog zum Duftbild, soviel Ruhe, Kraft und Eleganz in absoluter Harmonie. Dunkel geröstete Nüsse, Mandel- und Nougatcreme, Feigen und in Honig gekleidete Datteln, auch etwas Teeblatt, Moschus – im positivsten Sinne – Patchouli und süßer Senf. Blockmalz, dahinter dann ein wenig trockenblättrige Würze von elegantem Alter. Insgesamt sehr harmonisch, der doch stattliche Alkohol ist exzellent eingebunden, das Spiel aus Röstnoten, dann wiederum heller Frucht, eingekochter Süße und kraftvoller Pikanz macht schlichtweg Freude und permanent Lust auf mehr. Fleischig – meaty, beafy, Moray’s Charakter tief in die Speyside eingebettet offenbart sich hier in schwer-öliger Signatur.
Finish: lange wäre eine Untertreibung, ich sitze und kaue seit geraumen fünfundvierzig Minuten an diesem Single Malt – kein Ende in Sicht! Es kommen stets neue Aspekte hinzu. Mal ist das Kräutersträußchen noch präsenter, mal sagt der Lavendel „hallo“, bevor doch wieder die Bienenwabe und Propolistinktur alle Überzeugungskraft in die degustatorische Wagschale werfen. Riesig langes Finish, wir gehen in die Verlängerung. Und bitte bleiben Sie dran. Wenn Sie ohnehin nur fünf Minuten oder keine Muße hätten, ist dieser Malt nicht die richtige Wahl. Der Tormore braucht Zeit und Aufmerksamkeit, er hat sie verdient.
Alles in allem: Dieser Whisky ist definitiv nicht die Sorte Lady Gaga im Glas, das ist Pierce Brosnan oder Sean Connery, perfekt gekleidet, elegant und trotzdem mit einem verschmitzten Lächeln und flotten Spruch auf den Lippen.
Großes Kino, ein hochkarätiger Malt, wie ein Klassiker der Weltliteratur, den man zum hundertsten Male liest und immer noch neue Kniffe findet. Wie ein gutes Gespräch mit erfahrenen Menschen, denen Sonne und Leben tiefe, gütige und demütige Falten ins Gesicht gezeichnet haben. Mit einem Wort: Spitzenklasse.
Reinhard Pohorec
Whisky im Bild: Happy Birthday, Cotswolds Distillery
Ist das wirklich schon ein Jahr her, dass die englische Cotswolds Distillery in Betrieb gegangen ist? Jedenfalls hat man das dort gefeiert, und zum Fest gleich ein ordentliches Picknick im Freien vor der Destillerie veranstaltet – am bislang heißesten Tag des Jahres (und dem heißesten Julitag, der jemals aufgezeichnet wurde).
Wir sagen einfach nur Happy Birthday und: Yummy!

Countryoutfitter: 5 Whiskey-Cocktails für Hitzetage
Nachdem bei den momentan vorherrschenden Temperaturen selbst die Tauben auf den Dächern sichtbar zu schwitzen beginnen, haben wir uns gedacht, wir sorgen mal mit Whiskey Cocktails für die Möglichkeit einer Abkühlung für Sie. Und dabei sind wir auf einen passenden Artikel im Blog von Coutryoutfitters.com gestoßen – Five whiskey cocktails for warm weather. In ihm erfahren Sie die Rezepte für:
- Whiskey and Grapefruit Juice
- Whiskey Mojito
- Black Cherry Whiskey Cocktail
- Porch Crawler und
- Strawberry Whiskey Sour.
Und wenn Sie dann noch Lust auf einen hitzebeständigen Vorschlag unseres Star-Barkeepers Reinhard Pohorec haben: Wie wäre es mit einem Sazerac?
Bruichladdich baut sechs neue Lagerhäuser
Wie Aberdeen Press & Journal heute berichtet, ist der Destillerie Bruichladdich die Erlaubnis erteilt worden, nördlich von Coultorsay sechs neue Lagerhallen zu bauen. Die Erlaubnis kam, nachdem die Bedenken mehrerer Privatpersonen bei einem Hearing zerstreut werden konnten.
Durch die neuen Lagerhallen werden auch einige Arbeitsplätze auf Islay geschaffen, und, was für die Destillerie nach eigenen Worten das Wichtigste ist, die gesamte Produktion kann auf Islay gehalten werden.
Serge verkostet: Junge Nordamerikaner, Teil drei
Serge Valentin bringt den dritten Teil seiner Verkostung junger nordamerikanischer Whiskeys – und er macht etwas, was sonst nicht seine Art ist: er verkostet auch einen dieser alkoholischen Tropfen, die sich legal nicht mehr Whisk(e)y nennen dürfen und fehlende Alkoholprozente durch den Zusatz von Geschmacksstoffen kompensieren.
Verstehen Sie uns nicht falsch: Diese Liköre oder Fireballs haben ihre Daseinsberechtigung, und sie mögen in den richtigen Situationen auch fantastisch sein – aber wir berichten selbst nicht darüber, weil sie keine Whiskys sind. Heute also die Ausnahme, da sozusagen ein Metabericht :-). Laut Serge’s Punktewertung würden Sie dabei jetzt jedenfalls nicht viel versäumen:
- Rock Town ‚Bourbon‘ (46%, OB, USA, Arkansas, +/-2015): 80 Punkte
- Dad’s Hat ‚Pennsylvania Rye Whiskey‘ (45%, OB, USA, Pennsylvania, +/-2014): 82 Punkte
- Willet 4 yo ‚Single Barrel Rye‘ (55%, OB, USA, +/-2015): 73 Punkte
- Early Times ‚Fire Eater‘ (35%, OB, USA, cinnamon liqueur with whiskey, +/-2015): 26 Punkte
Wir verkosten: Braes of Glenlivet, 20yo, 51.8%, Five Lions
Braes of Glenlivet, 20yo
Distilled 1996, Bottled 2015
2nd Fill American Bourbon Hogshead
Single Cask, Cask Strength
ungefärbt, nicht kältefiltriert
Verkoster: Reinhard Pohorec
Sample von: Five Lions
Braeval ist eine der jüngsten Destillerien Schottlands, 1973 wurde sie als Braes of Glenlivet aus der Taufe gehoben. Mitten im Herzen der Speyside gelegen, befindet sich die Brennerei zwar in der Nähe zu The Glenlivet, hat mit dieser aber nichs weiter gemein. Um Verwechslungen vorzubeugen, änderte man den ursprünglichen Namen dann auch auf Braeval und lies das „Beiwagerl Glenlivet“ hinter sich. Vorbei sind wohl die Zeiten, als man sich mit dem Beinamen zu schmücken versuchte, um der eigenen Destillerie mehr Ansehen und potenzielle Aufmerksamkeit zu schenken. Und seien wir ehrlich, wollten Sie ihre Unternehmung „Was-auch-Immer FACEBOOK“ oder „Ich-bin-Ich APPLE“ taufen? Eben… Time for a wee dram!
Nase: duftig, blumig ist der Beginn, viel frische, grüne Apfelfrucht, umhüllt von zartem Zitrusgelee, etwas Minz Bonbon, Weihrauch und etwas Myrrhe, ein wahrlich „sakraler“ Eindruck, frisch wirkt auch die Bourbon Vanille, weiße Holzscheiter, Sägemehl und ein röstig-karamelliger (wenn auch sehr heller Zucker) Touch, gefällig, anmutig und irgendwie elegant, brav – das Bild der jugendlichen Unschuld, im Blümchen und Rüschenkleidchen. Wo packt der gute Braeval nur seine zwanzig Lenze hin? Custard Creme, Limettenzeste, dann kommt langsam Pfirsich, Melba sogar und das passende Shortbread liefert der Dram auch gleich mit. Rundum entzückend, und ja, eh lieb, und überhaupt….
Gaumen: Stille Wässer sind tief, heißt es doch immer. PENG! Der Gaumen explodiert förmlich, volle Kraft, der Alkohol trägt die Aromen, wenngleich er etwas sehr präsent seinen Senf dazu geben möchte. Wieder Pfirsich, im Spiel mit Honig, Hustenzuckerl – man muss sich nicht einmal zwischen Orange, Zitrone und Litschi entscheiden, es kommt alles mit. Dann etwas stängelig, herbschalig und adstringierend. Tropische Früchte, frische Zitrus, etwas malziger Karamell, bis auf den Alkohol auch hier alles sehr glatt und rund.
Finish: das Finish ist von mittlerer Länge mit etwas Ambitionen nach oben, sprich, nicht kolossal aber auch kein Mauerblümchen. Es zeigen sich vermehrt Steinobstnoten, auch die Holz Bittere bleibt liegen, bevor noch einmal die Limetten und Zitronen „auf Wiedersehen“ sagen. Birnenschale, Quitte und etwas mostig herbe Einsprengsel.
Alles in allem: ein robuster, gefälliger und floral-frischer Malt. Das Alter, man merkt es dem Whisky wahrlich nicht an. Gut, das Fass war ein 2nd fill aber es bleibt doch im Abgang eine Pikanz und herbe Würze, die ein bisschen gegen den sonst sehr runden Charakter steht.
Mit Wasser offenbaren sich mehr von den interessanten, an weißen Rauch erinnernden Blitzlichter, die Weihrauchnote ist hier ein Triumph von Individualität, harzig und holzig.
Weh tun wird sich hier aber dennoch niemand – außer man stört sich an 51,8° alkoholischen PS am Tacho.
Unsere Wertung? Er ist zu gut für nur ein Gut, also gerade noch ein Sehr gut. Irgendwie … nun ja, eh … Brav halt.
Reinhard Pohorec








