Mittwoch, 25. November 2020, 09:44:15

Wir verkosten: Tormore 23yo, 55,1%, Five Lions

Beam 2020 Bowmore

Die pinke Serie aus dem Hause Five Lions markiert die „Ambassadors of Scotland“ Abfüllungen, neben Kuriositäten, lost & closed distilleries oder speziellen Finishes, werden hier besonders alte und rare Malts präsentiert.

Tormore ist eine eher weniger bekannten Brennerei aus Moray, Speyside und für diesen speziellen Whisky treffen einige der gerade genannten Attribute zu – alt, speziell und mit einem markanten Fasstypus: Pedro Ximenez Sherry Butt.

Von stattlichem Alter ist hier – zumindest in gesamtschottische Relation gesetzt – nur der Malt selbst, seine Brennereiheimat gehört zu den Jungspunden und wurde erst im 20. Jahrhundert erbaut. Dabei hat man sich aber alle Mühe gegeben und die Gemäuer zählen zu den eindrucksvollsten unter Schottlands Destillerien.

Ob der „Aged 23 years“ auch so imposant ist?

Tormore, 23yo, 55.1%
Distilled 1991, Bottled 2015
1st Fill Pedro Ximenez Sherry Butt
Single Cask
Cask Strength
ungefärbt, nicht kältefiltriert
Verkoster: Reinhard Pohorec
Sample von: Five Lions

 

FL_Etikett_15-06-Tormore

Es gibt die jungen Wilden, die „Hier“ schreien, blendend, laut und schrill, hell duftig und grell. Und dann gibt es jene, die scheinbar alles gesehen und erlebt haben, voller Ruhe, innerem Frieden und dunkel anmutiger Eleganz. Fahre ich Fiat 500 in Quietschrosa oder doch dunkelgrünen Jaguar? Keines von beiden ist „besser“, in keinster Weise soll dies ein wertendes Kriterium sein – es sind einfach unterschiedliche Stilistiken, und variierende Situationen verlangen ja schließlich nach unterschiedlichen Herangehensweisen und Gesellen.

 

Nase: ja, dunkel trifft es wohl… Ruhig, kühl, erfahren. Ich tauche die Nasenspitze in das Glas und fühle die Welt und das Leben auf „Entschleunigung“ geschalten. Tiefe offenbart sich, Vielfalt, die Komplexität und charaktervolle Reife, wie sie nur Zeit, gute und schlechte Erfahrungen sowie viel Güte hervorbringen können. Ankommen, heimkommen. Wie ein Stück gegerbtes Leder, voller Patina und auch der Duft wiederspiegelt dies Eins zu Eins. Hier ist wirklich eine ganze Menge Leder, erdig rauchige Aromen. Harzig, schwarze Walnüsse, dunkler Karamell, voll gerösteter Gerste, Malzkaffee, Mokka und eine entzückende, sich ständig hervorschmeichelnde Note von Propolis. Bienenwachs, Waldhonig und darin geschwenkte Kräuter. Rosmarinnadeln, Lavendel und Balsam. Mit etwas Zeit kommt auch Marillenröster, etwas Herbe vom Holz, erinnernd an Schalen von leicht überreifem Obst. Noch ein Spritzer Wasser und die Erinnerung an Nektarine, roten Apfel und Balsamessig wird deutlicher.

Lass es nicht aufhören, mehr davon! Jede Sekunde gibt andere Noten, jede Minute scheint einen neuen Blick in die Tiefen dieses Malt Ozeans zu offenbaren – versinken möchte man…

Gaumen: Stringent und absolut analog zum Duftbild, soviel Ruhe, Kraft und Eleganz in absoluter Harmonie. Dunkel geröstete Nüsse, Mandel- und Nougatcreme, Feigen und in Honig gekleidete Datteln, auch etwas Teeblatt, Moschus – im positivsten Sinne – Patchouli und süßer Senf. Blockmalz, dahinter dann ein wenig trockenblättrige Würze von elegantem Alter. Insgesamt sehr harmonisch, der doch stattliche Alkohol ist exzellent eingebunden, das Spiel aus Röstnoten, dann wiederum heller Frucht, eingekochter Süße und kraftvoller Pikanz macht schlichtweg Freude und permanent Lust auf mehr. Fleischig – meaty, beafy, Moray’s Charakter tief in die Speyside eingebettet offenbart sich hier in schwer-öliger Signatur.

Finish: lange wäre eine Untertreibung, ich sitze und kaue seit geraumen fünfundvierzig Minuten an diesem Single Malt – kein Ende in Sicht! Es kommen stets neue Aspekte hinzu. Mal ist das Kräutersträußchen noch präsenter, mal sagt der Lavendel „hallo“, bevor doch wieder die Bienenwabe und Propolistinktur alle Überzeugungskraft in die degustatorische Wagschale werfen. Riesig langes Finish, wir gehen in die Verlängerung. Und bitte bleiben Sie dran. Wenn Sie ohnehin nur fünf Minuten oder keine Muße hätten, ist dieser Malt nicht die richtige Wahl. Der Tormore braucht Zeit und Aufmerksamkeit, er hat sie verdient.

 

Alles in allem: Dieser Whisky ist definitiv nicht die Sorte Lady Gaga im Glas, das ist Pierce Brosnan oder Sean Connery, perfekt gekleidet, elegant und trotzdem mit einem verschmitzten Lächeln und flotten Spruch auf den Lippen.

Großes Kino, ein hochkarätiger Malt, wie ein Klassiker der Weltliteratur, den man zum hundertsten Male liest und immer noch neue Kniffe findet. Wie ein gutes Gespräch mit erfahrenen Menschen, denen Sonne und Leben tiefe, gütige und demütige Falten ins Gesicht gezeichnet haben. Mit einem Wort: Spitzenklasse.

Reinhard Pohorec

Tormore

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!

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