Um nicht weniger als, wer berichtigt ist, sich als „Kentucky’s first Black-owned bourbon distillery“ bezeichnen darf, ging es am 26. März 2026 vor dem 6. US-Berufungsgericht. Geklagt hatte Victory Global LLC mit ihrer Brough Brothers Distillery in Louisville im März 2021. Beklagter ist Fresh Bourbon LLC mit Sitz in Lexington. Zwei Bourbon-Unternehmen in schwarzem Besitz (Black-owned). Und zwei Unternehmen blicken jeweils auf eine leicht unterschiedliche Geschichte, aus der sich unterschiedliche Interpretationen ableiten, wer nun die erste Black-owned bourbon distillery in Kentucky war. In der Klage wirft die Brough Brothers Distillery vor, Fresh Bourbon hätte Aussagen getroffen, „die entweder direkt falsch oder irreführend genug waren, um Verbraucher zu täuschen und ihr Kaufverhalten zu beeinflussen“.
Was sich für Nicht-Juristen vielleicht für einen simplen Sachverhalt anhört, stellt sich für Fachleute komplexer dar. Denn zum einen galt es zu klären, wer wirklich der Erste war.
Die Brüder Victor, Chris und Bryson Yarbrough gründeten 2013 Brough Brothers, 2020 begannen sie mit dem Verkauf von Bourbon und füllten noch im selben Jahr, nach Erhalt der erforderlichen Lizenz, ihr erstes Fass in der eigenen Destillerie in Louisville ab (wir berichteten).

Via www.whiskeypulse.com
Fresh Bourbon, im Besitz von Sean und Tia Edwards, stellte Bourbon bereits 2018 in Zusammenarbeit mit der Hartfield & Co. Distillery in Kentucky her, und startete wie Brough Brothers den Vertrieb im Jahr 2020. Ihre eigene Produktionsstätte in Lexington eröffnete Fresh Bourbon 2022 (die Pläne hierzu stellten wir Ihnen hier vor), und wurde 2020 bereits in einer Resolution des Senats von Kentucky aus dem Jahr 2020 offiziell als erste Bourbon-Destillerie des Bundesstaates in schwarzem Besitz anerkannt.
Bereits Anfang des Jahres wies ein US-Gericht die Klage der Brough Brothers Distillery ab und entschied zugunsten von Fresh Bourbon. So auch das 6. US-Berufungsgericht: Richter Eric Murphy, der die Urteilsbegründung verfasste, räumte zwar ein, dass Brough Brothers seine eigene Brennerei vor Fresh Bourbon errichtet hatte. Diese hätten jedoch, so stellte das Gericht fest, bereits 2018 im Rahmen der Vereinbarung mit Hartfield & Co. mit der Produktion von Kentucky Bourbon begonnen.
Der Begriff der „ersten“ in der Werbung von Fresh Bourbon folgte zudem keiner einheitlichen, allgemein anerkannten Definition. Bedeutete es die erste Bourbon-Produktion im Bundesstaat? Die erste Eröffnung einer eigenen Brennerei? Der erste Verkauf des Produkts? Je nach Interpretation durch den Verbraucher konnte die Aussage zutreffen. Und im Vorwurf der Brough Brothers Distillery ging es ja darum, die Aussage von Fresh Bourbon „entweder direkt falsch oder irreführend genug waren, um Verbraucher zu täuschen und ihr Kaufverhalten zu beeinflussen“.
Richter Murphy schrieb, die beanstandeten Aussagen seien mehrdeutig und könnten unter einer bestimmten Interpretation eine wahre Aussage vermitteln. Da ihre Wahrheit oder Falschheit von der Interpretation durch die Verbraucher abhänge, urteilte das Gericht, könnten sie nicht als wörtlich falsch eingestuft werden.
Selbst wenn die Frage der wörtlichen Falschheit außer Acht gelassen wird, konnte die Brough Brothers Distillery keinerlei Beweise dafür vorlegen, dass Verbraucher durch das Marketing von Fresh Bourbon getäuscht wurden. Richter Murphy schrieb:
„Brough Brothers, though, fails to identify any unambiguously false statements that Fresh Bourbon made, so it had the burden to introduce evidence that Fresh Bourbon’s statements had deceived consumers . It made no effort to do so.“
Fresh Bourbon hofft, dass nachdem nun zwei Gerichte den Fall geprüft und zum selben Ergebnis gekommen sind, die Angelegenheit endgültig abgeschlossen ist. Perry Adanick, der Anwalt von Fresh Bourbon, sagte nach dem Urteil, er sei sich nicht sicher, ob Brough Brothers Berufung einlegen werde, aber die Position seines Mandanten sei eindeutig. Mehr bei Whiskeypulse.
















