2013-03-08-loki_whisky_caseIm Rahmen der 6. Wiener Whiskymesse hatte ich die Möglichkeit, den neuen Highland Park Loki zu verkosten. Loki ist der zweite Release in der Valhalla-Kollektion, 15 Jahre alt, mit 48.7% abgefüllt und mit einer Holzverpackung in Form eines Wikingerschiffes zum Verkauf angeboten. In England kostet er ca. 130 Pfund, was für einen fünfzehnjährigen Whisky ein stolzer Preis ist (in Österreich und Deutschland wird er wohl, auch nach der Euro-Umrechnung, etwas teurer angeboten werden).

Nase: Das Ganze beginnt sehr fruchtig, fast zitronig. Irgendwie schleicht sich auch noch ein Anflug von Ingwer hinein, eine leichte Bitterkeit schwebt wie ein Mantel über allem. Interessant, weil einerseits Highland Park und dann doch wieder nicht. Es ist fast so, als wolle sich Loki in der Nase nicht fassen lassen.

Gaumen: Na aber hallo! Wo kommt denn plötzlich der ganze Rauch her? In der Nase hat er sich nicht identifizieren lassen, hier ist er aber sehr präsent – zumindest zu Beginn. Und dann wird es aber sofort wieder fruchtig und zitronig, Apfel ist da, wieder eine Bitterkeit über allem (Lakritze?). Auch hier ist Loki fast wie zwei Whiskys in einem. Das Ganze widerspricht sich nicht, sondern ergänzt und verstärkt sich irgendwie. Sehr interessant.

Finish: So ein Schelm, dieser Loki. Hier ist er auf einmal süß, ein merkbarer Vanilleton, der sich mit Gewürz mischt. Der Rauch schimmert noch etwas nach, aber wieder ist Loki anders als erwartet. Ich spüre keine Fruchtigkeit mehr, er schmeichelt sich davon. Das Finish ist mittellang, aber durchaus beeindruckend.

Zusammenfassung: Loki hat was. Man bekommt das Gefühl, er ist ein kunstvoll gemixter Zaubertrank aus verschiedenen Arten von Whisky. Dabei zerfällt er aber nicht, sondern bleibt ein harmonisches Ganzes. Irgendwie will mit kein anderer Whisky einfallen, der das kann, was Loki kann, und es so gut kann wie Loki – nämlich in allen Stufen aus mehreren Seelen zu bestehen. Dennoch: Der Preis ist sicherlich ein Sammlerpreis; im Konzert der Fünfzehnjährigen ist er preislich, auch wenn Loki in seiner Vielschichtigkeit da heraussticht, ziemlich weit vorne weg. Ist einem der Whisky das wert? Das muss jeder selbst für sich entscheiden. An Qualität und Charakter mangelt es ihm jedenfalls nicht.

( Anmerkung: Verkostungsnotizen sind immer subjektive Eindrücke und damit persönliche Wertungen. Sie können die eigene Erfahrung nicht ersetzen. Wir ermutigen Sie daher, sich nicht auf fremde Bewertungen zu verlassen sondern sich Ihre eigene Meinung zu bilden. Welche Verkoster eine Referenz für Ihre persönlichen Vorlieben sein können, stellt sich mit der Zeit heraus)