Montag, 13. Juli 2020, 08:03:47

Whisky des Monats März 2018: Glen Scotia 15yo

Ein altes Flaggschiff auf neuem Kurs - die erstaunliche Wandlung von Glen Scotia

Waterford für Kirsch und Whic

Im Februar haben wir einen Whisky der Destillerie Springbank zu unserem Whisky des Monats gemacht. Damit zeichnen wir Whiskys aus, die sich durch folgende Eigenschaften über die Masse hinausheben: Eine sehr gute Verfügbarkeit, kombiniert mit einer hohen Qualität, und das alles zu einem attraktiven Preis.

Für unseren Whisky des Monats März tun wir etwas wahrscheinlich Unerwartetes: Wir bleiben in der Region Campbeltown und verleihen unsere Auszeichnung der zweiten von drei Destillerien dort, und nachdem die anderen beiden zu Springbank gehören, eigentlich der „Anderen“: Glen Scotia – und von ihr pars pro toto dem Glen Scotia 15yo.

Vor fünf Jahren, als wir mit Whiskyexperts online gingen, hätten wir Glen Scotia in dieser Rubrik links liegen gelassen. Die 1832 gegründete Brennerei, die seit 1999 von den Loch Lomond Distillers betrieben wird (im ersten Jahr mit tatkräftiger Mithilfe von Springbank übrigens), hatte eine bewegte Vergangenheit mit einigen Schließzeiten und Konkursen hinter sich – und einen eher unterwältigenden Ruf, was die Qualität der Abfüllungen anbelangte. Neben dem strahlenden Stern Springbank dümpelte sie im Bewusstsein der Whiskyfreunde eher dahin.

Glen Scotia. Bild © Alexandra Kreutz, Genuss am Gaumen

Glen Scotia. Bild © Alexandra Kreutz, Genuss am Gaumen

Glen Scotia. Bild: Lars Pechmann

Die Ausrichtung und den Kurs einer Destillerie zu verändern, das dauert seine Zeit. Loch Lomond Distillers hatten sich auf die Fahnen geschrieben, Glen Scotia wieder nach vorne zu bringen, und zu diesem Zweck setzte man zwei ganz entscheidende Schritte: Man sah sich die Produktionsabläufe an und drehte dort an verschiedenen Schrauben (zum Beispiel entschloss man sich, wesentlich langsamer zu destillieren), und man widmete sich mit aller Energie dem Fassmanagement und kaufte hochwertige Fässer ein. Zudem, als sichtbares Zeichen der Erneuerung, änderte man auch das Flaschendesign sowie die Verpackungen und setzte auch visuell auf Wertigkeit – ein Schritt, der sich durch die erzeugte Aufmerksamkeit bezahlt machte.

Die Mühe, die man in Glen Scotia steckte, machte sich bezahlt: Wer heute eine der neuen Abfüllungen von Glen Scotia probiert und die alten kennt, der wird aus dem Staunen nicht herauskommen: Aus einem eher muffigen, in seinem Charakter gedämpften ist ein lebendiger, ausdrucksstarker und interessanter Whisky geworden, der sich vor keinen Vergleichen mehr zu scheuen braucht. Vom extrem zugänglichen und einfach trinkbaren Double Cask über den 15jährigen, der den Destilleriecharakter schön zeigt, hin zum spannenden, weil vielschichtigen Victoriana – die neue Generation aus Glen Scotia kann überzeugen und ist eine Entdeckung mehr als wert.

Unter Distillery Manager Iain McAlister erwachte Glen Scotia zu neuem Leben. Die Destillation wird auch heute noch handgesteuert. Copyright Ernst J. Scheiner

Den Glen Scotia 15yo empfehlen wir, weil er um knapp 60 Euro ein gutes Verhältnis zwischen Preis und Leistung bietet und für den neuen Stil der alten Brennerei steht: fruchtig, eine leichte Meeresbrise und etwas abtrocknend mit einem würzigen Finish. Wir freuen uns über das neue Leben einer traditionsreichen Destillerie in Campbeltown und über das, was sie uns Whiskyfreunden jetzt bietet!

Zum Abschluss können Sie hier noch ein Interview mit Archie MacBrayne von Glen Scotia sehen, das wir im letzten Herbst führen konnten und in dem er auch mehr über den Glen Scotia Victoriana erzählt…

 

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