St. Kilian Whisky
 

RANGE 144

Die Destillerie The Spey (ehemals: The Speyside) hat eigentlich keine lange Tradition. In den Sechzigerjahren wurde sie in der Tradition alter Farmhouse-Destillerien von George Christie erbaut. Sie entstand am Platz einer alten, gleichnamigen Destillerie, die von 1895 bis 1905 produzierte. Allerdings wurde die Destillerie erst 25 Jahre nach Baubeginn fertiggestellt – der Fluch des nebenberuflichen Hobbies. Und selbst dann ging es noch nicht los, weil das Geld für die Inneneinrichtung fehlte.

Um die Geschichte abzukürzen: Im Jahr 2000 übernahm Andrew Shand die Destillerie als Manager. Er führt sie auch noch heute, trotz eines erneuten Besitzerwechsels im September des Vorjahrs. Übernommen hat sie Harveys of Edinburgh, die zuvor überwiegend auf dem taiwanesischen Markt vertreten waren und ihre Single-Malt Bottlings in den letzten Jahren mit Whiskys von der Speyside Distillery gefüllt haben. Als die Destille zum Verkauf stand, war der Weg dann für John Harvey McDonough schnell klar. Er hat das komplette Equipment samt Fassbestand gekauft und das Destilleriegebäude gepachtet. Das war nämlich aufgrund der Familientradition nicht Bestandteil des Kaufs.

John Harvey McDonough
John Harvey McDonough

Mit der Neuübernahme wurde auch die Produktlinie komplett umgestellt. Nach wie vor geht ein Gutteil der rund 500.000 Liter, die in Spey produziert werden, in Blends, aber die Zehnjährigen, die 15yo und 17yo, die zuvor die Single Malt Produktion darstellten, gibt es nicht mehr. Sie wurden durch einen neuen 12yo, sowie durch die älteren 18yo und 21yo ersetzt. Auch gibt es jetzt einen Chairman’s Choice, der ohne Altersangabe daherkommt, von dem man aber munkelt, dass er eher in der älteren Abteilung angesiedelt sei.

Alle verkosteten Abfüllungen kommen übrigens aus dem Sherry-Fass.

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The Spey Reserve 12yo (0.7l, 40%)

Spey 12Nase: schön dicht und fruchtig, man riecht reife Birne, später dann gesellt sich Citrusfrucht dazu.

Gaumen: Die Frucht aus der Nase tritt hier für mich zurück, man schmeckt weiche Vanille, Durchbeißer, etwas Crème brûlée. Danach kommen Ingwer und Kardamom. Insgesamt aber eher flach im Mund, nicht besonders prononciert.

Finish: Relativ lang für einen 12jährigen, Honigaromen, die Frucht wieder sehr dezent. Kaum Holz spürbar, höchstens ganz am Ende.

Alles in allem: Ein durchaus angenehmer Trinkwhisky, kein großer Charakter, aber er erfreut durch seine Unkompliziertheit.

 

 

 

Unsere Wertung: Gut.

 

The Spey Chairman’s Choice (0.7l, 40%)

Spey CCNase: Holla, das beginnt mit Gummi und Kleber – nicht wirklich angenehm. Also etwas im Glas lassen und warten – und tatsächlich, zumindest der scharfe Klebergeruch verfliegt und macht Platz für einen Hauch schwarze Johannisbeere, Pfirsich und Mandarine. Aber dennoch: so richtig freuen will sich die Nase nicht.

Gaumen: Hier regiert Sherry, ummantelt von einer Sahnigkeit – er ist frischer, als nach der Nase erwartet. Süße ist da, aber nicht dominant.

Finish: Zuerst erfreut er mit Fruchtigkeit, dann aber kommen alte Möbel in den Vordergrund und er wird bitter und ledrig, so als bisse man auf Traubenkerne. Und diese Bitterkeit setzt sich danach fest. So fest, dass sie auch mit einem Nachschluck Wasser nicht leicht vertrieben werden kann.

Alles in allem: Irgendwie passt bei diesem Whisky nicht alles zusammen. Man hat so ein Gefühl, was er hätte sein sollen, aber geworden ist er das nicht. Der größte Showstopper für mich ist diese Bitterkeit, die nach dem ersten Auftreten kaum mehr etwas anderes durchkommen lässt.

Unsere Wertung: Geht so.

 

The Spey Reserve 18yo (0.7l, 46%)

Spey 18Nase: Das hier ist die volle Dröhnung Sherry. Etwas Citrus hintendran, aber nicht scharf, nicht konterkarierend. Dazu gibt’s einen Hauch Minze und eine Portion Ananas. Auch ein Hauch Vanille und ein Hauch Holz ist da zu spüren – insgesamt sehr harmonisch und in sich kräftig.

Gaumen: Fruchtattacke! Es wird leicht feurig, aber der Alkohol ist gut eingebunden. Natürlich ist der Sherry präsent, und einige Gummibärchen hat man darin aufgelöst. Keine Spur von geschmacklicher Zurückhaltung, sondern alles prall, alles voll.

Finish: Lang, harmonisch, fruchtig, mit einer Brise Heu darin. Ganz hinten wird es noch ein Quäntchen bitter, aber das hier stört nicht sehr, sondern bringt ein wenig Würze.

Alles in allem: Hier hat kein Pointilist gepinselt – das ist reine Pop-Art. Dieser Whisky verzichtet auf jegliche Subtilität, er hat die Lautstärke des Geschmacks auf Anschlag aufgedreht. Manchmal wird man so einen Whisky nicht mögen, aber manchmal befriedigt er ungemein. Wenn da nicht diese leichte Bitterkeit am Ende des Finish wäre, hätte er sich sogar ob seiner Direktheit ein “Sehr gut” verdient. So aber schafft er es nicht ganz.

Unsere Wertung: Gut.

 

The Spey Reserve 21yo (0.7l, 46%)

Spey 21 - mit BoxNase: Hier kommt ein Erwachsener. Er ist reifer, schwerer und ernsthafter als der 18yo – natürlich ist auch hier der Sherry weit vorne, aber das Holz des Fasses bringt sich mit Vanillesüße mehr ein, er ist sahniger. Man schmeckt die Rosinen, eingekochte Früchte, Kakao. Der Sherry wird mit der Verbleibedauer im Glas dann wieder etwas intensiver.

Gaumen: Ein Mundschmeichler mit dunklem Fruchtkompott, Sahne, Schokolade und Rohrzucker. Weich ist er und gewichtig, ein wenig protzig vielleicht, aber die Komponenten harmonieren.

Finish: Wärmend, süß, schwer und lang. Das Zungengefühl einer Oblate hinterlässt er, man findet ausgeprägte Vanilletöne, das Holz nur im Hintergrund. Wirklich schön und befriedigend.

Alles in allem: Auch er ist nicht von nobler Zurückhaltung geprägt. Wäre er eine Szene eines abendlichen Kaminzimmers in einem Film, dann wären seine Farben ein wenig über den natürlichen Bereich hinausgedreht und übersättigt. Aber in diesem “Kitsch” ist er elegant und stimmig, ein Stück Technicolor in einer ansonsten etwas auf grau gedrehten Welt…

Unsere Wertung: Sehr gut.

 

Spey 21 WF 07

Welchen der Whiskys wir auch verkostet haben: Sie sind allesamt nicht von der leisen Sorte, sondern sehr direkt, sehr ausgeprägt. Wer nach geschmacklichen Feinheiten sucht, wird hier eher nicht fündig, dazu spielt das Geschmacksorchester zu sehr fortissimo. Aber das hat auch seinen Reiz, denn so wie man manchmal gerne einen kräftigen Landwein trinkt, so mag man manchmal auch einen Whisky, der kein Sezierbesteck braucht, damit er sich einem öffnet. Bis auf den Chairman’s Choice, der meiner Meinung nach nicht wirklich gelungen ist, sind sie mit ihrer direkten, lauten Art durchaus etwas Besonderes. Der 21yo ist sicher die Krönung der neuen Produktlinie.

Speyside

 

Verkoster: Bernhard Rems ist Herausgeber von Whiskyexperts, Liebhaber schottischer Single Malts – mit offenem Herzen für Whiskys anderer Länder und Regionen . Er möchte mit seiner Passion ansteckend für alle wirken, die sich mit Whisky beschäftigen wollen.

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!

3 KOMMENTARE

  1. Distribution ist erst im Aufbau, aberwir schicken Dir eine PM mit einem Link.