Als letzten Teil der Berichterstattung über unseren Aufenthalt bei Mackmyra in Schweden Anfang Juni laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam die Gravity Distillery im mittelschwedischen Gävle zu besuchen. Einen Videobericht über die Mackmyra Whisky Villageund ein Video-Interview mit Magnus Dandanell, CEO von Mackmyra, durften wir Ihnen ja bereits unlängst präsentieren. Den ersten Teil unseres Fotoberichts finden Sie hier.

Heute geht es zum Abschluss zu dem Bereich, wo das Malz für Mackmyra getorft wird, in ein Fasslager im Wald und eines in einem ehemaligen Bergwerk – und danach noch in die alte Destillerie, in der jetzt Gin produziert wird.

Nicht weit ab von der Gravity Brennerei findet an einen Haufen Torf und dahinter einen Container sowie ein etwas größeres Barackengebäude. Darin befindet sich das „Herz“ der Produktion torfigen Whiskys bei Mackmyra.

Das „Torfzentrum“ in der Mackmyra Whisky Village. Bild © Whiskyexperts 2019

Im Barackengebäude finden wir den Malzboden, wo die Gerste zum Keimen gebracht wird.

Hier darf die Gerste bei Mackmyra keimen. Bild © Whiskyexperts 2019
Keimende Gerste bei Mackmyra. Bild © Whiskyexperts 2019

Wenn die Keimung genau richtig fortgeschritten ist, wird die Gerste durch die kleine Öffnung mittels eines Förderbandes in die „Räucherkammer“ gebracht, die sich in einem Baucontainer befindet.

In diesem Container wird getorft. Bild © Whiskyexperts 2019

Der Torf wird in der Umgebung gewonnen und unterscheidet sich auch in den Geschmacksstoffen, die er bei der Räucherung abgibt, deutlich von dem in Schottland. Eine Spezialität bei Mackmyra ist es, dass man auch noch Wacholderreisig zur Verfeuerung beifügt – das ergibt, so die Brennerei, den „typisch schwedischen“ Geschmack.

Torf aus der Umgebung wird bei Mackmyra verwendet. © Whiskyexperts 2019
Dem Torf wird beim Verbrennen bei Mackmyra auch Wachholderreisig beigegeben. Bild © Whiskyexperts 2019

Das Ganze wird dann in einem kleinen Ofen verbrannt, der Rauch unter den Boden der Räucherkammer geleitet, wo er dann aufsteigt und die Gerste aromatisiert (und durch die Hitze trocknet und damit das Keimen beendet).

Torfofen bei Mackmyra. Bild © Whiskyexperts 2019
Ein Blick in die Räucherkammer bei Mackmyra. Der Duft hat sich im Holz total festgesetzt. Bild © Whiskyexperts 2019

Ein Fußmarsch von drei Minuten bringt uns danach in das Waldlagerhaus von Mackmyra, einer von mehreren Orten, wo die schwedische Destillerie ihre Fässer lagert. Das Lagerhaus sieht von außen eher aus wie ein Kommandobunker, und auch innen könnte man im ersten Moment nicht erahnen, was hier zu finden ist – wäre da nicht dieser intensive Whiskygeruch…

Nicht schön, aber praktisch: Das Waldlager bei Mackmyra. Bild © Whiskyexperts 2019
Ein Zweckbau, in dem die Schätze von Mackmyra in den Seitenräumen verborgen liegen. Bild © Whiskyexperts 2019

Hier lagern tausende 30l-Fässer mit Mackmyra. In Schweden ist es sehr populär, sein eigenes Whiskyfass von Mackmyra zu besitzen und einmal jährlich zu besuchen.

30 Liter Fässer bei Mackmyra im Waldlager. Bild © Whiskyexperts 2019
30 Liter Fässer bei Mackmyra im Waldlager. Bild © Whiskyexperts 2019

Aber auch einen Museumsraum hat man im Waldlager eingerichtet. Hier sieht man die allererste Brennblase, die im Eigenbau entstand und die Geschichte und den Erfolg der schwedischen Destillerie begründete.

Die erste Brennblase von Mackmyra. Bild © Whiskyexpert 2019

Ein zweites Lager konnten wir ebenfalls besichtigen, und dieses ist in der Regel nicht zugänglich: Gut eine Autostunde von der Destillerie entfernt hat sich Mackmyra in ein stillgelegtes Eisenbergwerk eingemietet und lagert dort ebenfalls einige der 30 Liter Fässer, aber vor allem größere Fasstypen. Das Bergwerk ist zum größten Teil nicht mehr begehbar, aber natürlich sind die verwendeten Stollen und Lagerräume bestens abgesichert und ausgebaut.

Ein Bergwerk als Fasslager. Der Blick zurück auf den Eingang. Bild © Whiskyexperts 2019
Ein Bergwerk als Fasslager. Der Blick tiefer in den Berg hinein. Bild © Whiskyexperts 2019

Zwar lagern auch im Eingangsstollen einige Fässer, die wirklichen Lagerräume befinden sich aber in den Seitenstollen. Und dort ist die Luft so dermaßen alkoholgeschwängert, dass man schon nach kurzer Zeit genügend Alkohol in der Atemluft hat, um als betrunken zu gelten (das verfliegt aber binnen Minuten wieder).

Eines der Fasslager im Bergwerk von Mackmyra. Bild © Whiskyexperts 2019
Eines der Fasslager im Bergwerk von Mackmyra. Bild © Whiskyexperts 2019

Hier ist übrigens ein Phänomen festzustellen, das man sonst nur aus amerikanischen Lagerhäusern kennt: Der Alkoholgehalt in manchen Fässern steigt während der Lagerung.

Eines der Fasslager für 30 Liter Fässer im Bergwerk von Mackmyra. Bild © Whiskyexperts 2019

Hier werden die Fässer entleert:

Fassentleerungsanlage Im Bergwerk von Mackmyra. Bild © Whiskyexperts 2019

Dann kommen wir zum Abschluss in den Raum, in dem jede Menge Fassexperimente und alte Schätze gelagert werden – und der ist beeindruckend groß:

Eines der Fasslager im Bergwerk von Mackmyra. Bild © Whiskyexperts 2019
Eines der Fasslager im Bergwerk von Mackmyra. Bild © Whiskyexperts 2019

Die Versuchung war groß, sich dort einfach einsperren zu lassen um dann die verschiedenen Fässer mal durchzukosten – aber noch lag ja der Besuch bei der alten Mackmyra-Brennerei vor uns, diesmal rund 45 Autominuten vom Bergwerkslager entfernt, in der namensgebenden kleinen Ortschaft.

Die alte Mackmyra-Brennerei. Bild © Wiskyexperts 2019

Die ehemalige Schmied wird nicht mehr zur Whiskyproduktion genutzt, aber es sind noch die alten Whiskybrennblasen darin vorhanden – und die liegen in einem ehemaligen Generatorhaus an einem kleinen Bach, der hier früher zur Energieerzeugung genutzt wurde.

Ein Blick auf den malerischen Bach neben der alten Mackmyra-Brennerei. Bild © Whiskyexperts 2019

Bevor wir einen Blick auf die Brennblasen werfen, noch einer auf die alte Mühle, die dort im Einsatz war. Sie stammt von Brewers Engineer & Co aus Leeds in England.

Die beiden Brennblasen dort stammen von Forsyths in Schottland, ebenso wie die neuen Nachbauten in der neuen Gravity-Brennerei.

Die Brennblasen in der alten Mackmyra-Brennerei. Bild © Whiskyexperts
Die Brennblasen in der alten Mackmyra-Brennerei. Bild © Whiskyexperts

Alte und neue Brennerei sind auf jedenfall sehenswert – nicht nur dann, wenn man Fan von Mackmyra ist. Man merkt überall, dass hier jede Menge Enthusiasten Whisky machen, dass man mit Herz bei der Sache ist und dass man seinen eigenen Stil über die Jahre gefunden hat – ein Stil, der auch international ankommt. Kein Wunder also, dass bereits über 19.000 private Fässer verkauft wurden und dass jede neue Abfüllung mit Interesse aufgenommen wird.

Ach ja, und wer sich fragt, woher das Symbol auf den Korken der Bottlings von Mackmyra stammt, dem kann geholfen werden: Dieser Maueranker ist es, der im ganzen alten Gebäude zu finden war und die Wandschichten zusammenhielt – und den man neben dem Eingang wie einen Talisman angebracht hat.

Hier hat man sich das Logo von Mackmyra abgeschaut. Bild © Whiskyexperts 2019

Disclaimer im Sinn unserer Redaktionsrichtlinien: Unser Aufenthalt bei Mackmyra wurde von der Brennerei teilweise mitfinanziert. Das Unternehmen hatte keinerlei Einfluss auf die Gestaltung des Beitrags.