Samstag, 16. Januar 2021, 16:22:28

Wir verkosten: Longrow 11y Fresh Port Pipe, 51,8% vol.

Die Springbank Distillery ist eine Whiskybrennerei auf der Halbinsel Kintyre, Schottland. Sie ist neben Glen Scotia eine der beiden letzten Brennereien der Whiskyregion Campbeltown, in der es früher rund 30 Brennereien gab. Springbank ist seit 1837 im Besitz der Familie Mitchell und hat sich ihre Unabhängigkeit bis heute bewahrt. Gleichzeitig ist sie eine der wenigen Brennereien, die mehr als einen Single Malt herstellen – außer Springbank wird hier auch Longrow und, seit Ende 1997, Hazelburn gebrannt. Der Longrow ist die stark getorfte Marke der Destillerie, und unter diesem Label gibt es nun schon das dritte Jahr eine Reihe, die sich „Longrow Red“ nennt, ganz nach der Farbe, die sie durch diverse Fass-Finishes erhält.

Berichtet haben wir ja schon in aller Ausführlichkeit über den dritten Teil der RED Serie von Longrow. Im Glas hatten wir ihn jetzt auch einmal – in diesem Falle unsere prämierte Nase Reinhard Pohorec. Die kühler werdenden Herbsttage scheinen dabei ein ideales Setting für diesen fast schon winterlich anmutenden Whisky-Bomber zu sein, aber lesen Sie selbst…

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Nase: rote Beeren, na no na, sehr duftig aromatisch, fast blumig in der ersten Nase, dann kommt der Rauch, süßliche Briochenoten, etwas Vanillecustard, Wackelpudding oder rote Grütze, wie die Deutschen Freunde wohl sagen, salzig, Essiggurken, Mixed Pickles eigentlich, Trockenfleisch und etwas Olivenlake, dazu süßer Senf, schwarz, aschige Anmutungen, mit der Süße und Dropsigkeit von Karamellbonbons, Teer

Mit Wasser noch einmal eine Spur lebendiger, dichter, trockenblättrig würzig, der Rotweineindruck hintergründiger, dafür die erdig rauchige Signatur prononcierter.

Gaumen: intensiv, intensivst! Dunkel röstig, der Port sehr präsent, dunkle Bratensauce, ein intensiver Jus, mit Port eingekocht, dann wiederum diese nicht zu bändigende Salzlake, Dörrfleisch wiederum, straff, dicht und super engmaschig ist der Eindruck auf der Zunge, ein Kraftbursche! Kräuterbutter, Liebstöckel und auch Minze, von Vanille umweht, hell geröstete Mandeln, Zitronenverbene und etwas Kümmel, sehr verspielt, vielschichtig.

Auch der Gaumen zeigt eine grandiose Entwicklung mit einem Schuss Wasser…

Finish: sehr lange, bleibt füllig und schwer aromatisch liegen, mit Brioche, Erdbeermarmelade dazu, Clotted Cream, Honig und Madeleine Gebäck, samtig, rote Hustenzuckerln, noch einmal gibt der Teer seine große Abschiedsvorstellung, Kräuter, rauchig verbrannter Rosmarin, Balsamico und spicy curry.

Alles in allem: ein Erlebnis der spektakulären Art, kraftvoll, intensiv! Man sollte sich Zeit nehmen, am besten den ganzen Abend frei und das Handy, Fernsehen, Internet und andere Störfaktoren ausblenden und abschalten. Dieser Whisky braucht vollste Aufmerksamkeit. Und dann kann er auch sein ganzes Potential ausspielen – davon hat er nämlich jede Menge. Ein toller Dram!

Mit den besten Spirits,
Reinhard Pohorec

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!

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