Die Regeln für die Produktion von Scotch Whisky sind streng – nicht so streng wie für Bourbon, aber dennoch sehr klar umrissen und strikt. Zu strikt, finden manche Whiskyproduzenten und fordern immer wieder, die Regularien zu überdenken und abzuändern.

Ein Beispiel dafür aus der nahen Vergangenheit war das Bestreben des unabhängigen Abfüllers Compass Box, mehr Transparenz auf die Labels der Flaschen bringen zu können und bei Blends auch die Anteile der verwendeten Whiskys angeben zu dürfen – ein Anliegen, das unter anderem auch von Bruichladdich unterstützt wurde aber letztlich bei der SWA (Scotch Whisky Association) kein Gehör fand.

Jetzt berichtet Herald Scotland von einem weiteren Versuch, die herrschenden Regeln abzuändern und aufzuweichen. Von Diageo sei nun ein bislang geheimes Dokument aufgetaucht, das Änderungen zu bestehenden Regeln vorschlägt und in dem man z.B. Tequila-Fässer als Reifungsmöglichkeit für eine neue Kategorie von Whisky (Scotch whisky infusions, Blends mit Aromastoffen angereichert und mit schwächeren Alkoholstärken abgefüllt) vorschlägt.

Diageo besteht darauf, so der interessante Artikel, dass man sich der Tradition nach wie vor verpflichtet fühle, aber eben auch inovative Wege suche, Whisky zu produzieren und zu vermarkten. Man sieht das auch als Reaktion darauf, dass Scotch seinen weltweiten Anteil von 60% am Spirituosenmarkt wegen starker Konkurrenz nicht mehr halten kann und unter 50% absank. Diageo arbeite nun gemeinsam mit der SWA an Ideen, wie man dieser Entwicklung entgegenwirken könne.

Von der SWA wird allerdings eher Widerstand gegen solche Aufweichungen erwartet. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Scotch Whisky Association gegen zu viel Neuerungsgeist einschreitet. So musste zum Beispiel die Eden Mill Distillery Versuche mit speziell geröstetem Malz (chocolate malt wie es für Porter Beer oder süße Stouts verwendet wird) einstellen, weil die SWA dies nicht als klassischen Scotch Whisky anerkannt hätte. Eine Haltung, für die man bei Eden Mill Verständnis zeigte.

Allerdings sieht Paul Miller von Eden Mill durchaus Gefahren im Stillstand und fordert moderate Adaptionen der Vorschriften, um auf geänderte Marktsituationen reagieren zu können. Man müsse der Tradition treu bleiben, aber gleichzeitig Innovation ermöglichen.

Es bleibt abzuwarten, wie intensiv diese Diskussion in nächster Zeit geführt werden wird und wie sehr kommende Marktentwicklungen das Verhältnis zwischen Traditionalisten und Innovatoren verändern werden. Ein schwieriges Thema mit viel Potential zum Guten und Schlechten, meinen wir.

Strathisla. Bildrechte bei Marcel Freudenstein