Freitag, 04. Dezember 2020, 15:37:21

Mixen mit Whisky: Einfach (und) gut – der Sazerac

Beam 2020 Bowmore

Whisky pur? Mit Wasser? In Cocktails? Wir von Whiskyexperts finden: Genießen soll jeder auf seine Art – und wir wollen jeden dabei unterstützen, für sich den größten Genuss mit dem Wasser des Lebens zu finden. 

Daher freuen wir uns besonders, Reinhard Pohorec, einen der besten Barkeeper im deutschsprachigen Raum und begeisterten Fachmann für Whiskycocktails, in unserem Team zu haben. Er wird seine Begeisterung in regelmäßigen Beiträgen mit unseren Lesern teilen – und in ihnen seine Lieblingsrezepte für einfache, raffinierte, klassische oder experimentelle Cocktails mit Whisky, exklusiv hier auf Whiskyexperts.

Unser zweites Rezept für einen Whiskycocktail ist ein echter Klassiker – und dennoch so einfach zuzubereiten. Reinhard macht es vor.

WorldClass-Sieger Österreich 2014: Reinhard Pohorec

Kaum ein Drink gilt Cocktail Aficionados und Genießern als solch Ikone wie der Sazerac. Kaum ein Getränk ist so fundamental “New Orleans” und Inbegriff des Big Easy wie die Mischung aus Spirituose, Peychaud’s Bitters, Zucker und Absinth.

Quasi eine Variation dessen, was man heute als Old Fashioned beschreiben würde, ist der Sazerac Cocktail nicht dogmatisch auf eine Basisspirituose festgenagelt. Manche Historiker vermuten die Ursprünge im importierten Karibik Rum, Cognac macht sich aber recht rasch breit, nicht zuletzt ob der stark frankophilen Prägung des amerikanischen Südens und der Präsenz so legendärer Marken wie Forge & Fils. (Dass man hier schier unendlich in den Geschichtsbüchern weiterblättern und einen bis heute fortlaufenden roten Spirituosenfaden aufnehmen könnte, ist in einem früheren Beitrag des Autors dieser Zeilen nach zu blättern – Sazerac ist ja seit Jahren unter den absoluten Top Produzenten und Whiskys dieser Welt.)

Diesem Umstand und generell der Tatsache, dass entlang des Mississippi der American Whiskey immer weiter an Popularität zulegte, ist es geschuldet, dass der Sazerac Cocktail heute auch oft mit Rye Whiskey aufzuwarten weiß.

Dunkel, kräftig und komplex muss sie sein, die Basis des Drinks, ob das nun ein VSOP respektive XO Cognac, ein Rye Whiskey oder – ja, ganz verwegen – eine 50:50 Liaison der beiden ist, bleibt dem Genießer selbst überlassen. Dezent traubig weinige Signatur durch den französischen Edel-Weinbrand, crisp trockene Würze vom Roggen, die Möglichkeiten sind weit gefächert. Wer es noch einen Ticken robuster haben möchte, könnte mit einer Fassstärke wie dem Willet Rye (die jungen, etwa vier Jahre alten Vertreter machen sich exzellent) das letzte Quäntchen ausreizen. Nicht nur die exzellente Qualität, auch die Fülle an verschiedenen Stilistiken der amerikanischen Whiskeys der letzten Jahre lässt die Herzen höher schlagen.

Dem Affen seinen Zucker

Auch über die Süße kann man ein paar Zeilen verlieren oder die Puristen streiten lassen. Im 19. Jahrhundert waren zumeist große Blöcke des braunen Goldes vorrätig, von denen man à la minute kleine Würfelchen abschlug. Findet man also „sugar cube“ in alten Rezepturen, so kann man getrost davon ausgehen nicht den bis zum Geht-Nicht-Mehr raffinierten, wunderschön in Form gepressten weißen Kubus Wiener Herkunft zu meinen. Ein paar wenige Produzenten bieten auch heute erstklassige 100% Zuckerrohr Würfel mit höherem Melasseanteil.

Ein Spritzer Seltzer oder Sodawasser kann dabei helfen, ebendiesen zu zerdrücken und quasi eine Art Instant-Sirup im Glas herzustellen.

Wer es etwas leichter und vor allem leichter löslich im Getränk haben möchte, greift gleich zur Flasche Zuckersirup, je nach Verdünnungsgrad auch rich oder nur simple syrup bezeichnet.

Antoine Amedie

Peychaud’s Bitters sind wohl jener Bestandteil des Cocktails, an dem es kaum etwas zu rütteln gibt, zumindest für eine ganz klassische Interpretation. Antoine Amedie Peychaud hatte unweit des Sazerac Coffee House – der Geburtsstätte des Getränks – eine Apotheke betrieben, jene Bitteressenz die fortan auch seinen Namen tragen sollte galt als Allheilmittel für Krankheiten, Magenverstimmungen, Tropeninfekte und andere Wehwehchen. Die leuchtend rote Farbe und der charakteristische Duft und Geschmack sind noch heute integraler Bestandteil jedes Barsortiments und vieler Classic Drinks. Peychaud’s Bitters verleiht dem Sazerac Tiefe, rundet Ecken und Kanten ab, gibt ihm Eigenständigkeit.

Und dann wäre da noch der obskure und immer leicht anrüchig anmutende Absinth. Ja, diverse Künstler mögen sich im Absinthrausch neuer Inspiration ausgesetzt gefühlt haben, und ja, sicher hat der miese Basisalkohol früherer Jahrhunderte den ein oder anderen dicken Schädel bereitet, von giftig oder groß gefährlich braucht man bei Absinth aber heute längst nicht sprechen. Mythen und Mysterien, Märchen und Mahnung – doch das ist ein andere Geschichte und nicht unser Hauptaugenmerk. Fakt ist und bleibt, die grüne Fee gehört in den Sazerac Cocktail, man kleidet das Glas, in welchem der Drink serviert wird, vorab mit der Anisspirituose aus.

Und so sieht das Ganze dann kompakt aus:

Bulleit Rye_Sazerac_Drink
Der Sazerac – (c) Diageo, mit freundlicher Genehmigung

 

 Sazerac Cocktail

  • 1 Zuckerwürfel (alternativ 1Barlöffel Zuckersirup)
  • 2-3 dashes Peychaud’s Bitters
  • 50ml Rye Whiskey
  • in einem Tumbler auf Eiswürfeln verrühren und in ein vorgekühltes, mit Absinth ausgekleidetes Glas gießen, straight up (sprich ohne Eis) servieren
  • mit den ätherischen Ölen einer Zitronen- oder Orangenschale parfümieren

So einfach und doch so gut – viele Klassiker sind schlichtweg Klassiker aus einem Grund, weil sie den Lauf der Zeit überdauert haben, Geschichte mitgeschrieben haben, und wohl auch, weil sie köstlich schmecken. Kein Chi-Chi, Schäumchen, „An Auf Bei“ und Überhaupt Gemüse Drumherum – ein heftiger Schluck Whiskey mit ein bisschen Bitters und dem guten alten Absinth, Herz, was willst du mehr.


Mit den besten Spirits,

Reinhard Pohorec

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