Whiskyexperts auf Islay Teil 3 – Port Ellen Maltings und eine ganz besondere Flasche

Dies ist der dritte Teil des Berichts über unsere Reise nach Islay, in deren Rahmen wir, unter anderem, die Destillerien Lagavulin und Caol Ila, sowie die Port Ellen Maltings besucht haben. Gastgeber Diageo hat uns und einer internationalen Journalistengruppe dabei Einblicke abseits der touristischen Wege gegeben, die wir hier gerne mit Ihnen teilen. Teil 1 des Berichts über unseren Besuch finden Sie hier, Teil 2 hier:

Port Ellen Maltings

Seit 1974 arbeiten kurz vor der Ortseinfahrt zu Port Ellen die Port Ellen Maltings, Diageo’s Mälzerei, die aber auch, bis auf zwei Ausnahmen, die anderen Destillerien der Insel mit gemälzter Gerste beliefert. In den Port Ellen Maltings, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft der legendären, aber verlorenen Destillerie Port Ellen befinden, wird nur getorftes Getreide erzeugt.

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Ein Blick vom Ort Port Ellen aus auf die alte Destillerie und die dahinterliegende Mälzerei

Für unsere Tour durch die Port Ellen Maltings hatten wir fachkundige Begleitung. Colin Gordon, Operation Manager, zeigte uns die einzelnen Schritte, wie hier aus Gerste getorfter Grundstoff für die Destillerien hergestellt wird.

Colin Gordon vor den Torföfen, die die Kilns in den Port Ellen Maltings befeuern
Colin Gordon vor den Torföfen, die die Kilns in den Port Ellen Maltings befeuern

Eigentlich aber beginnt die Produktion schon im Hafen von Port Ellen. Das nicht besonders schmucke Gebäude im Bild unterhalb ist der Getreidespeicher im Hafen, von dem aus dann die Gerste in die Mälzerei gebracht wird.

Der Getreidespeicher im Hafen von Port Ellen.
Der Getreidespeicher im Hafen von Port Ellen

Der Ort selbst ist durchaus schmuck, wie diese beiden Bilder vielleicht zeigen:

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Zurück aber in die Mälzerei, die während des Feis Ile übrigens auf Voranmeldung besucht werden kann. Man sollte Interesse für das Thema mitbringen und besser keine Höhenangst haben – zum Teil bewegt man sich weit über dem Boden auf durchsichtigen Metallstegen.

Die Gerste für die Port Ellen Maltings kommt aus ganz Europa, nicht nur aus Schottland oder England. Momentan wird die Sorte Concerto verwendet, früher war es Golden Promise. Der Grund des Wechsels, so Colin, ist einerseits die Suche der Industrie nach Sorten, die mehr Alkohol pro Tonne erzeugen können (bei Concerto sind es ca. 420l, etwa 20l mehr als bei Golden Promise), andererseits ist Gerste genetisch sehr schwach und fällt nach einigen Jahren Intensivanbau Krankheiten anheim.

Hier eine Karte, auf der man rechts oben die Anbaugebiete für Gerste in Großbritannien sieht. Sie konzentrieren sich auf die Ostküste.

in Grün: Gerstenanbaugebiete
In Grün: Gerstenanbaugebiete

Wir haben gefragt, ob die Sorte der Gerste geschmacklich einen Unterschied mache. Colin verneinte dies, meinte, es ginge nur um die Ergiebigkeit. Charles McLean, der uns wieder begleitete, meinte allerdings, dass es ihm in einer Blindverkostung möglich gewesen sei, Golden Promise aus vier anderen Concerto-Samples im New Make zweifelsfrei und sehr deutlich zu erkennen.

Nun aber zur Bearbeitung. Zunächst einmal kommt die Gerste in riesige Bottiche, in denen sie in Wasser eingelegt wird:

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Schon nach kurzer Zeit beginnen die Körner zu keimen, wie uns Colin zeigte:

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Im Grunde genommen will man hier die Stärke, die im Korn enthalten ist, besser verwertbar machen – sie ist es, aus der dann Zucker und somit später Alkohol entstehen kann. Dieses Aufschließen geht auch hier nicht ohne Reaktionen in den Bottichen über Zeit:

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Am Ende dieses ersten Prozesses bleibt dann jede Menge Gerste mit Keim übrig, die danach in die Mälztrommeln eingebracht wird:

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Diese ganzen Vorrichtungen und Bottiche befinden sich über den Mälztrommeln, was uns die Möglichkeit gab, durch die Fenster einen ersten Blick auf die alte Destillerie Port Ellen zu werfen, oder auf das, was von ihr noch übrig ist:

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Mit dem nächsten Foto befinden wir uns auf der Zwischenebene zwischen Wässerungsbottichen und den Mälztrommeln. Die Konstruktion muss ein heftiges Gewicht tragen:

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Die Trommeln selbst sind imposant. Jede fasst 50 Tonnen, sie sind die größten in Europa und es gibt vier Stück davon. Heute, so Colin, würde man diese Trommeln aus Kostengründen auf keinen Fall mehr bauen – heute würde man in einer Mälzerei den Mälzvorgang und den Trockenvorgang in den Kilns kombinieren. Unser Video zeigt die Trommeln in Bewegung:

Jetzt, nach der Mälztrommel, sieht die Keimung so aus – und das ist der Moment, in dem man sie durch Trocknung stoppen muss:

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Das geschieht durch Torffeuer, die unter dem Trockenboden entfacht werden. Die Feuer werden durch Öl gespeist, der Torf, der die passende Konsistenz haben muss, wird auf das Feuer geworfen und erzeugt den Rauch:

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Hier ist ständige menschliche Aufsicht gefragt, denn manchmal, wie auf unserem Video zu sehen, bricht das Ölfeuer durch die Torfschicht und verhindert die richtige Rauchbildung.

Kontrolliert wird das Ganze mit vielen anderen Parametern hier aus diesem Kontrollraum. Temperaturänderungen über dem Torffeuer werden erkannt und angezeigt. Dann rücken die Mitarbeiter aus und legen Torf nach.

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Der ppm-Gehalt (parts per million) des Malzes, der von den Destillerien bestellt wird, wird erst durch Mischen der Chargen eingestellt. Beim Torfen selbst kann man das natürlich nur ganz grob steuern.

Port Ellen

Nach dieser interessanten Führung ging es hinaus aus der Mälzerei und in Richtung Küste, an den ehemaligen Lagerhäusern der Port Ellen Distillery vorbei.

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Während sich die Gruppe zur Küstenfront begab, ließen wir es uns nicht nehmen, schnell zum Gelände der Port Ellen Destillerie selbst zu gehen und ein paar Bilder aufzunehmen. Der Zahn der Zeit nagt dort leider schon sehr offensichtlich:

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Zurück bei der Gruppe erwartete uns eine Überraschung: Dr. Nick Morgan, Head of Whisky Outreach bei Diageo, hatte es sich nicht nehmen lassen, einen ganz besonderen Whisky an diesem ganz besonderen Ort zu öffnen:

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Die Erstausgabe der Port Ellen Special Releases, destilliert im Jahr 1979 und abgefüllt 2001, wurde entkorkt und ausgeschenkt. Port Ellen in Port Ellen zu genießen, und dazu noch eine der begehrtesten Abfüllungen, da gibt es schon ein wenig Gänsehaut, und man kann auch ohne mit der Wimper zu zucken über die verwendeten Gläser hinwegsehen. DER hätte dort auch aus Yoghurtbechern fantastisch geschmeckt. In diesem Sinne: Sláinte!

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Im vierten Teil nehmen wir Sie nach Caol Ila mit und besuchen einen geschichtsträchtigen Ort: Finlaggan…

Glengoyne 10yo und 12yo mit neuer Verpackung

Wie The Drinks Report heute berichtet, erhalten die Verpackungen der beiden Entry Level Glengoyne eine neue Verpackungsgestaltung. Während das generelle Design unverändert bleiben wird, werden die Tuben in Kupfergold und Silbergrau gestaltet. Damit versucht man, die einzelnen Altersstufen besser zu differenzieren.

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Serge verkostet: Glen Mhor 50yo, Millburn 16yo

Mit der Überschrift wäre eigentlich schon alles gesagt, wären es nicht zwei ganz besondere Destillerien und zwei ganz besondere Abfüllungen, um die es heute geht. Nummer eins, von Serge als Aperitiv der heutigen Verkostung gedacht, ist eine alte Signatory-Abfüllung aus der Destillerie Millburn. Diese Highland-Destillerie zählt zu den Lost Distilleries, und neue Abfüllungen von ihr sind, sagen wir es frank und frei: fast unbekommbar. Seit 2009 gibt es eine einzige Millburn-Abfüllung, nämlich von Gordon & McPhail aus dem Vorjahr. Ansonsten: Nada. Niente. Nichts. Direkt aus der Urquhart-Familie wissen wir aber, dass es noch etwas aus Millburn in den Lagern von Gordon & McPhail gibt. Uff.

Abfüllung Nummer 2 stammt ebenso von Signatory, und zwar aus der Vintage-Serie. Ein 50jähriger Glen Mhor ist schon etwas Besonderes, und glaubt man dem Geschmack von Serge, so bezieht sich das nicht nur auf das Alter oder die Herkunft aus einer Lost Distillery, sondern auch auf den durchaus bemerkenswerten Geschmack. 2×90 Punkte heute – nicht übel.

  • Millburn 16 yo 1979/1993 (60.1%, Signatory Vintage, butt, cask #1102, 308 bottles): 90 Punkte
  • Glen Mhor 50 yo 1965/2016 (47.1%, Signatory Vintage, 88 months oloroso finish, cask #3934, 353 bottles): 90 Punkte

Unser Titelbild: Hier stand bis 1986 die Destillerie Glen Mhor – Foto von Potstill

Ian Macleod Distillers (Tamdhu, Glengoyne) steigern Gewinn um 23%

Ganz gut geht es dem unabhängigen Abfüller Ian Macleod Distillers (IMD), der die beiden Destillerien Tamdhu in der Speyside und Glengoyne in den südlichen Highlands sowie einige Abfüllungslinien wie zum Beispiel Chieftain’s Choice besitzt: Laut Press and Journal konnte er seinen Gewinn um satte 23% vor Steuern steigern, und zwar im Finanzjahr, das am 30. September 2015 endete.

Damit machte das Unternehmen, 8.3 Millionen Pfund Gewinn, verglichen mit 6.7 in der Periode davor. Der Lagerbestand an Whisky, den das Unternehmen besitzt, wird übrigens mit einem Wert von 67.2 Millionen Pfund beziffert – eine Steigerung um 4%.

2.7 Millionen Pfund des Gewinns will man in ein neues Lagerhaus für Tamdhu stecken. Auch interessant: Ein Gutteil der laufenden Ausgaben sei in den Ankauf von hochwertigen Sherryfässern investiert worden.

Jetzt neu im Travel Retail: Glenmorangie Tarlogan

Angekündigt war er ja schon Anfang April (wir berichteten damals hier), und zwar für den April – aber es hat dann doch noch vier Wochen gedauert und es ist Mitte Mai geworden, bis Glenmorangie den neuen Tarlogan im Travel Retail plazieren konnte.

Der Glenmorangie Tarlogan ist der dritte und letzte Whisky in der Legends-Serie und folgt damit dem Glenmorangie Duthac und dem Glenmorangie Tayne nach. Er wird mit 43% angefüllt und reifte in Virgin Oak und ex-Bourbon-Fässern. Laut Destillerie soll er erdige und süße Noten vereinen, Butterscotch, Vanille, malzige Kekse und frische Eichennoten, original englische Banoffee-Torte sowie Birnen, Ananas und weiche Früchte. Preis: 80 Pfund in Großbritannien, bei uns dann wohl etwas günstiger.

Ach ja, und die Wartezeit hat es uns ermöglicht, diesmal ein größeres Bild zu finden als bei unserem ersten Artikel. Bitte, hier ist es 🙂

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Whiskyexperts auf Islay Teil 2 – Inside Lagavulin und Dinner mit Nick Morgan

Dies ist der zweite Teil des Berichts über unsere Reise nach Islay, in deren Rahmen wir unter anderem die Destillerien Lagavulin und Caol Ila sowie die Port Ellen Maltings besucht haben. Gastgeber Diageo hat uns und einer internationalen Journalistengruppe dabei Einblicke abseits der touristischen Wege gegeben, die wir hier gerne mit Ihnen teilen. Teil 1 des Berichts über unseren Besuch finden Sie hier.

Lagavulin von innen

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200 Jahre wird Lagavulin in diesem Jahr alt, und ein genaues Geburtstagsdatum an dieses Jubiläum anzuheften ist nicht wirklich möglich. Nick Morgan, Head of Whisky Outreach bei Diageo und von seinem Hintergrund Historiker an der Universität Edinburgh, räumt freimütig ein, dass das Datum eigentlich das spätestmögliche sei, denn entweder 1815 oder eben 1816 seien die Destillerien, die am Standort von Lagavulin arbeiteten, zu einer Produktionseinheit zusammengefasst worden.

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Morgan, hier auf unserem Bild vor der Destillerie, arbeitet mit einem Team von Archivaren daran, die Geschichte des Whiskys in Schottland zu dokumentieren und aufzuarbeiten. Sein Wissen über dieses Gebiet und vor allem seine tiefe Begeisterung dafür können wir später beim Dinner noch einmal ausführlich erleben und genießen.

Jetzt aber geht es mit Distillery Managerin Georgie Crawford in die Destillerie zu einer Besichtigungstour.

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Erste Station ist eine Malzmühle, mit der das in den Port Ellen Maltings gewonnene Malt für die Weiterverarbeitung aufgebrochen wird. Die Maschine stammt aus dem Jahr 1963 und wurde in Leeds gebaut. Bis auf ein neues Sichtfenster auf der Rückseite ist sie im Originalzustand.

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Neu sind auch die Sensoren, die oben an der Mühle angebracht sind und die Fernüberwachung des Vorganges ermöglichen. So können Nachfolgeprozesse automatisch gestoppt werden, sollte in der Mühle etwas schief laufen.

Automatisierung trifft man im Grunde genommen überall – und während sie natürlich den Unternehmen hilft, gleichbleibende Qualität günstig zu produzieren, vernichtet sie unweigerlich auch Arbeitsplätze – so können selbst große Destillerien mit gerade einer Handvoll Leuten betrieben werden. Größter Arbeitgeber auf Islay von Seiten der Destillerien ist übrigens Bruichladdich, mit 80 Arbeitsplätzen.

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Nächste Station war dieser Mash Tun aus Edelstahl, in dem das Malz mit Wasser ausgelaugt wird, wie ein Blick ins Innere zeigt:

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Von hier geht die Reise der Lösung dann weiter in die Gärbottiche, von denen es in Lagavulin acht an der Zahl gibt.

laga05Sie werden zeitversetzt befüllt, sodass die Gärung in ihnen unterschiedlich weit fortgeschritten ist. Das kann man erstens einmal am Zustand des Inhalts erkennen (nachfolgend 2x der Blick in die Bottiche, die sich übrigens noch mehrere Meter nach unten fortsetzen), aber auch am immer intensiver werdenden Geruch, der aus ihnen entweicht, wenn man die Luken oben öffnet. Am Ende ist das beißend wie Essig:

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Der Inhalt, der dann zur Destillation geht, ist eine Art Bier, das man durchaus auch trinken kann (solange man sich nicht zu sehr vor warmem Bier ekelt). Georgie hat uns das Gebräu zum Verkosten angeboten – und neugierig, wie wir eben sind, haben es einige von uns auch probiert. Whisky wird es allerdings in der Beliebtheit den Rang nicht ablaufen ;-). Untenstehend Georgies freundliche Einladung im Bild festgehalten.

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Aus dem Gebäude mit dem Mash Tun und den Gärbottichen kommt man über eine Außentreppe in das Gebäude mit den vier Stills von Lagavulin. Im Gegensatz zu Caol Ila arbeitet die Destillerie nach wie vor rund um die Uhr, und so waren auch die Brennblasen heiß wie Hölle. Der Zugang zu ihnen von der Rückseite (ein Eingang, der Betriebsfremden normalerweise verschlossen bleibt) ermöglichte uns einige interessante und in der Perspektive ungewohnte Aufnahmen:

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Wer noch keine Destillerie mit arbeitenden Brennblasen besuchen konnte, der hat keine Vorstellung davon, welche Hitze die Kupferblasen ausstrahlen. Zwischen ihnen durchzugehen ist durchaus ein sensorisches Erlebnis – Angreifen ist absolut nicht ratsam.

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Die Tür in den Raum unter den Brennblasen stand offen, also konnten wir einen Blick auf deren Befeuerung werfen. Zum Einsatz kommt hier Öl.

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Das Ergebnis der Destillation und deren Nebenprodukte landen dann im Spirit- und Feints Safe. Das kleine Gerät davor ist ein tragbarer Gasmesser – unser Garant dafür, dass wir in den Destillerien diesmal fotografieren durften. Er hätte auf entzündbare Gasgemische aufmerksam gemacht, die den Einsatz von Kameras verboten hätten. Im letzten Jahr in Dalwhinnie war uns Journalisten das Fotografieren im Gebäude noch komplett verboten.

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Es gibt zwar noch Lagerhäuser von Lagavulin am Betriebsgelände, aber diese sind entweder komplett leer wie das Warehouse No. 3, das in Kürze als Veranstaltungsraum genutzt wird (und in dem man sehr schön den traditionellen Boden sehen kann):

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oder es handelt sich um Schauräume, so wie jenes, in dem Verkostungen für Gruppen durchgeführt werden und das eher dekorativ genutzt wird:

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Die allermeisten Fässer werden, so wie bei vielen anderen Destillerien auch, auf dem Festland gelagert – das hat einerseits wieder Effizienzgründe, andererseits wäre ansonsten Islay wohl mit Lagerhäusern zugepflastert.

Das Dinner

Wir begaben uns nach unserer Tour in die Malt Mill, eine bis ins Jahr 1960 auf dem Gelände von Lagavulin im Betrieb befindliche Destillerie, die nun als Veranstaltungsraum dient. Auch sie ist für das Feis Ile und das Jubiläum frisch gestrichen und behübscht.

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Man servierte uns dort Austern mit dem Hinweis, diese doch einmal mit Lagavulin 16yo zu beträufeln – eine ausgezeichnete kulinarische Idee, denn der rauchige Charakter des Standards aus der Destillerie harmoniert hervorragend mit dem salzigen Ton der Auster und dem Schellfisch, der ebenso gereicht wurde.

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Im Rahmen des weiteren Dinners trug Nick Morgan seine Gedanken zum 200jährigen Jubiläum der Destillerie vor, zitierte aus alten Dokumenten (so zum Beispiel aus einem herrlichen Urteil des Kirchenrates einer Gemeinde auf Islay, der ein Mitglied aus dem Rat ausschloss, weil es nicht trinkfest genug war) und unterhielt uns mit einer fundierten und gleichzeitig kurzweiligen Zusammenschau über Whiskygeschichte und jene von Lagavulin im Besonderen.

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Danach bat man die Anwesenden, Geschichten mit Lagavulin aus ihrem Leben zum Besten zu geben, eine Aufforderung, der unter anderem die zu diesem Zeitpunkt zur Gruppe gestoßenen Hans Offringa und seine Frau Becky (The Whisky Couple) oder Autor Charles McLean, mit unterhaltsamen Anekdoten nachkamen. Im ersten Bild sehen Sie Georgie Crawford mit den Offringas,

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Hier sind Nick Morgan und Charlie McLean im Gespräch.

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Charlie McLean und, frontal, Global Malts Ambassador Donald Colville.

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Wir verkosteten an diesem Abend zum Essen die Standard-Range von Lagavulin: Den 16jährigen, den 12jährigen in Fassstärke und die Distillers Edition – perfekte Begleiter zu den verschiedenen Gängen.

Nicht allzu spät neigte sich der erste Tag dem Ende zu. Die Gruppe war von der Anreise doch etwas müde, also fuhren wir im letzten Tageslicht zurück ins Quartier nach Glenegedale, nicht, ohne zuvor noch die Destillerie im Blau des Abends auf Islay fotografiert zu haben:

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Im dritten Teil unseres Berichts nehmen wir Sie mit in die Port Ellen Maltings, genießen eine besondere Flasche und fahren dann nach Caol Ila. Bis bald!

NAS Whiskys pro und contra: George Grant (Glenfarclas) vs. Ken Grier (Macallan)

Sollte eine Gruppe von Whiskyfreunden einmal an Schweigsamkeit und kommunikativer Verweigerung leiden, hilft es, das Wort „No Age Statement“ in die Runde zu werfen: Die belebende Wirkung tritt sofort und nachhaltig ein. Über nichts lässt sich so trefflich streiten wie über jenen wohl aus der Notwendigkeit geborenen Verzicht auf eine Altersangabe auf einer Abfüllung, der leidenschaftliche Befürworter und Gegner findet.

Zwei davon in den unterschiedlichen Positionen hat nun die englischsprachige Site scotchwhisky.com zumindest in einem Artikel an einen Tisch gebracht und wirft die Frage hin, ob es eine schlechte Idee sei, Altersangaben von Whiskys zu entfernen und zieht sich dann in sichere Entfernung zurück, um die Positionen zu notieren. George Grant, der bei Glenfarclas auf prall gefüllten Lagerhäusern mit Jahrgangswhiskys sitzt, findet die Idee ausgesprochen schlecht – Ken Grier, der für Macallan mit weniger altem Stock auskommen muss, hält vehement dagegen.

Auch wenns vielleicht interessanter gewesen wäre, zwei Personen dazu zu befragen, die sich ihre Meinung nicht eventuell aus geschäftlichen Umständen (mit)gebildet haben – man kann beiden Seiten durchaus zugestehen, valide Argumente für ihren Standpunkt ins Treffen führen zu können.

Video: The Balvenie über Handwerkskunst (Teil 4)

Den vierten Teil der Videoserie von The Balvenie über Handwerkskunst (ihrem Leitmotiv in der aktuellen Marketingkampagne) haben wir nachzutragen – er ist schon vor einigen Tagen erschienen und nun bei uns oder auf Youtube abrufbar.

Diesmal ist Chefkoch Michel Roux Jr in der Ridgeview Winery, um sich dort wieder über das Handwerkliche in der Tätigkeit des Gastgebers zu informieren – und natürlich einen Bezug zum Handwerklichen in The Balvenie herzustellen. Die schönen Bilder und die kulinarische Stimmung machen den achtminütigen Clip jedenfalls sehenswert…

Serge verkostet: Tobermory

In den letzten Jahren ist ein ziemlicher Hype um die getorfte Ausgabe von Tobermory, Ledaig, entstanden – begründet durch die hohe Qualität einiger rezenter Abfüllungen, die mittlerweile zur Konstante zu werden scheint.

Dahinter steht der ungetorfte Whisky aus der Destillerie Tobermory etwas zurück, ob mit Recht oder zu Unrecht, mag man einmal offen lassen. Serge Valentin hat sich jedenfalls heute der ungetorften Variante angenommen und fünf unabhängige Abfüllungen davon verkostet. Das Ergebnis: Gute, wenn auch nicht überragende Wertungen:

  • Tobermory 20 yo 1995/2015 (48%, Claxton’s, hogshead, cask # 1501-652, 279 bottles): 87 Punkte
  • Tobermory 20 yo 1994/2015 (53.5%, Gleann Mor, A Rare Find, cask #98, 274 bottles): 79 Punkte
  • Tobermory 20 yo 1995/2015 (54.7%, Rest & Be Thankful, bourbon, cask #1076, 250 bottles): 86 Punkte
  • Tobermory 21 yo 1994/2015 (55.4%, The Single Malts of Scotland, cask #660881, 265 bottles): 82 Punkte
  • Tobermory 8 yo 2001/2010 (60.9%, The Whisky Agency, Liquid Library, bourbon): 86 Punkte

Bild: Die Destillerie Tobermory (produziert auch Ledaig). Bildrechte bei Torsten Dahmke.

Neu: Kilchoman 100% Islay 6th Edition

Am Abend hat uns die Mitteilung erreicht, dass der neue Kilchoman 100% Islay erschienen ist. Die mittlerweile sechste Abfüllung des rein aus Islay-Barley hergestellten Whiskys der Farmdistillery stammt aus frischen und refill ex Buffalo Trace Bourbon barrels, die 2010 befüllt wurden. Abgefüllt wurde er nun mit 50% Alkohol.

Wie immer ist der 100% Islay wesentlich weniger getorft als die anderen Abfüllungen. Batch #6 erscheint am 12. Mai zunächst über den Webshop der Destillerie, und danach in den Märkten weltweit. In Großbritannien wird er 72 Pfund kosten, rechnen Sie mit einem etwas niedrigeren Europreis.

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Whiskyexperts auf Islay Teil 1 – Ankunft, Kildalton und Lagavulin (erste Eindrücke)

Die Ankunft auf Islay

Die Insel Islay mit dem Flugzeug zu besuchen ist ein besonderes Vergnügen. Von oben sieht man die Größe und die eigentliche Leere des Eilands, mit einigen Häusern und Siedlungen eingestreut, und kommt man wie wir von Süden, so erkennt man wie Perlen an einer Schnur die Destillerien an der Südküste aufgereiht.

Unsere Gruppe, bestehend aus internationalen Journalisten, flog auf Einladung von Diageo mit zwei Beechcraft vom Flughafen Farnborough in der Nähe Londons über diese Route.

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Unsere Beechraft in Farnborough

Der nachfolgende kleine Film zeigt die letzten Minuten des Anflugs auf den Flughafen Islay, der mitten in den Moorfeldern an der Küste zwischen Port Ellen und Bowmore liegt. Zu Beginn sehen Sie von rechts nach links die Destillerien Ardbeg, Lagavulin, Laphroaig und Port Ellen, später dann die Port Ellen Maltings. Starker Seitenwind machte den Anflug gelinde gesagt etwas unruhig.

Der kleine Flughafen auf Islay
Der kleine Flughafen auf Islay

Heimisch werden

Vom Flughafen aus ging es gleich zu unserer Unterkunft, dem Glenegedale House, das für die nächsten drei Tage unsere Heimat sein würde.

Ankunft im Glenegedale House
Ankunft im Glenegedale House

Gleich dort wurden wir doppelt mit Lagavulin begrüßt: Einerseits durch eine hervorragende Lagavulin-Torte, die unsere Gastgeberin Emma gebacken hatte, und durch Georgie Crawford, die Distillery Managerin, die uns die nächsten Tage begleiten würde.

Torte mit Lagavulin, Torte mit Guinness und Apfelkuchen. Im Hintergrund Nick Morgan, Head of Whisky Outreach von Diageo
Torte mit Lagavulin, Torte mit Guinness und Apfelkuchen. Im Hintergrund Nick Morgan, Head of Whisky Outreach bei Diageo
Georgie Bell erklärt das Programm der nächsten Tage
Georgie Crawford erklärt das Programm der nächsten Tage

Wie dicht das Programm sein würde, durften wir gleich zu Beginn erleben: Wir hatten kaum Zeit, unsere Sachen auf die Zimmer zu bringen und fanden uns gleich wieder vor dem Gästehaus ein, um die ersten Stationen in Angriff zu nehmen.

Kildalton Cross

Bevor es in die Destillerie Lagavulin ging, durften wir eine der geschichtsträchtigsten Sehenswürdigkeiten der Insel besuchen: Das Kildalton Cross nahe der Siedlung Ardmore. Das 2,65 m hohe Keltenkreuz mit seinem 1,32 m langen Querbalken ist aus einem Stück eines lokal vorkommenden Steins gefertigt und stammt wahrscheinlich aus der zweiten Hälfte des achten Jahrhunderts. Es steht auf einem Friedhof mit einer verfallenen Kirche – und an diesem Nachmittag atmete der Platz eine ruhige, friedvolle und beeindruckende Atmosphäre.

kild1kild2Die Kirche steht nur mehr als Gemäuer, es finden sich Grabsteine darin, die über Bodengräbern angebracht sind. Leider haben die Menschen wenig Rücksicht auf die Platten genommen, und auch die Witterung hat das ihrige getan, um die Reliefarbeiten darauf fast unkenntlich zu machen.

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Die Rückseite der Kirche, auch hier Grabsteine des alten Friedhofs.

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Der Frühling hielt erst Einzug auf Islay. Bäume zeigen die ersten Knospen und Blätter, aber auf den Wiesen sind schon Blumen zu sehen.

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Lagavulin – erste Eindrücke

Von der Stelle, an der das Kildalton Cross steht, ging es wieder ein Stück des Weges zurück, an Ardbeg vorbei, zur Destillerie Lagavulin.

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Donald Colville, Diageo Global Malts Ambassador, weist uns den Weg

Drinnen gab es zur Begrüßung eine Kostprobe des 8jährigen Lagavulin zum 200jährigen Bestehen der Destillerie, die offizielle Jubiläumsausgabe – ein Whisky, der in seiner Art, die durch die reine Bourbonfass-Reifung entstand, mehr an den Lagavulin 12yo erinnert als an die Standardabfüllung. Ihn gibt es ja schon einige Zeit auf dem Markt, und er wurde durchwegs sehr wohlwollend aufgenommen. Einerseits durch seinen wirklich prägnanten Geschmack, andererseits wegen der Entscheidung der Destillerie, ihn mit Altersangabe zu versehen.

Georgie erläutert den Lagavulin 8yo
Georgie erläutert den Lagavulin 8yo

Hier noch einige Bilder der Destillerie von außen – im nächsten Teil unseres Berichts werden wir von der Führung durch die Destilleriegebäude und einigen Eindrücken vom Dinner sowie dem weiteren Reiseverlauf berichten…

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Auch die Fässer vor der Destillerie sind für das Jubiläum geschmückt…
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An diesen Platz kommt man nicht so einfach – die Hochtreppe führt vom Raum mit den Gärbottichen in den Stillroom – und zwar HINTER die Stills von Lagavulin.
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Die Malt Mill. Dies war eine eigene Destillerie auf dem Gelände von Lagavulin, gegründet 1908, geschlossen 1960.
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Die Pagodendächer von Lagavulin. Am Gelände wird übrigens frisch und munter renoviert und gestrichen – zum Feis Ile will man sich im besten Gewand präsentieren

Breaking News: Destillerie Longmorn nach Chemieunfall evakuiert (mit Link zu Video)

Noch weiß man nichts Genaues, aber nach einem Bericht von Press & Journal sind einige Gebäude der Destillerie Longmorn wegen des Auslaufens einer chemischen Flüssigkeit evakuiert worden. Was der Grund des Auslaufens war und um welche Substanz es sich handelt, ist derzeit noch nicht bekannt, ebensowenig, ob es Verletzte gab. Auf der Seite von Press and Journal finden Sie auch ein Video dazu.

Wenn Einzelheiten bekannt werden, werden wir diesen Bericht hier ergänzen.

Update 16:55 – BBC berichtet, dass auch einige umliegende Häuser evakuiert wurden. Verletzte soll es laut Polizei nicht geben.

Update 17:15 – das Leck scheint sich von einem Ventil aus entwickelt zu haben und ist mittlerweile von Feuerwehrleuten mit Schutzanzügen und Atemschutzmasken unter Kontrolle gebracht, berichtet stv.

Update Dienstag 09: 45 – Laut Press & Journal handelte es sich bei der Flüssigkeit um Salpetersäure, die in einem Lagerraum auslief. Zu Schaden kam niemand, das Problem sei beseitig.

Bild: Longmorn. Bildrechte bei Lars Pechmann.

Neu ab Juli im Travel Retail: Johnnie Walker Island Green

Diageo hat heute einen neuen Johnnie Walker angekündigt, und zwar exklusiv für den Travel Retail: Johnnie Walker Island Green. Er ist kein Blend, sondern ein Blended Malt. Das bedeutet, dass er ausschließlich aus Malt Whisky besteht und keinen Grain Whisky enthält.

Wie Moodie Report berichtet, wird der Johnnie Walker Island Green Malts aus vier Whiskyregionen enthalten, mit einem besonderen Augenmerk auf die Inseln. Konkret bedeutet das, dass der Anteil von Caol Ila etwas höher sein wird, dazu kommen dann noch Clynelish, Glenkinchie, und Cardhu.

Erscheinen soll er im Juli, er soll dann 60 Dollar kosten. Ein größeres Artwork der Flasche steht uns derweilen noch nicht zur Verfügung, wir werden es aber dann natürlich gerne nachreichen. Jetzt haben wir ein Bild der Ankündigungsanzeige für Sie:

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Serge verkostet: Ardbeg Dark Cove General Release zur Ardbeg Night

Der Dark Cove in der Committee-Ausgabe hat ja vielen Tasting-Experten sehr gut gefallen (manche bezeichneten ihn als die bisher beste Sonderausgabe seit dem Ardbeg Day) – mit Spannung erwartet man daher den Dark Cove in der regulären Ausgabe zum 28. Mai, dem Tag der Ardbeg Night. Kann er die hohen Erwartungen, die der Dark Cove Committee Release geweckt hat, trotz seiner niedrigeren Alkoholstärke erfüllen?

Serge Valentin meint in seiner heutigen Verkostung: Ja, durchaus. Ganz kann er dem „großen Bruder“ nicht das Wasser reichen, aber mit seinen 86 Punkten ist er recht passabel bewertet. Serge beschreibt ihn als jung und etwas rau, aber er würde summa summarum eine gute Performance abliefern.

Auch ein siebenjähriger Caol Ila von Càrn Mòr und ein zehnjähriger Port Ellen von Cadenhead (der aber aus längst vergangenen Zeiten stammt) sind heute dabei. Rüberschauen zu Serge zahlt sich wie immer aus.

  • Ardbeg ‘Dark Cove’ (46.5%, OB, general release, 2016): 86 Punkte
  • Caol Ila 7 yo 2008/2016 (46%, Càrn Mòr, Strictly Limited, hogshead, 760 bottles): 88 Punkte
  • Port Ellen 10 yo 1981/1992 (46%, Cadenhead, Original Collection): 92 Punkte