Freitag, 02. Januar 2026, 16:23:56

Distillery Stories: Eine Reise zu Laphroaig

Auf dem englischsprachigen Blog Distillery Stories findet man heute einen interessanten und bebilderten Beitrag über eine Reise zur Destillerie Laphroaig. Das Ganze ist recht locker geschrieben und mit Bildern aus dem Arbeitsalltag dort illustriert. Selbst wenn man nicht sattelfest im Englischen ist, sind es schon die Bilder wert, unserem Link zu folgen…

Der Stuhl von Price Charles bei Laphroaig. Foto von Frank Gauert, alle Recht vorbehalten.
Der Stuhl von Price Charles bei Laphroaig. Foto von Frank Gauert, alle Recht vorbehalten.

Blogrundschau: Von Altem und Neuem

Und wieder werfen wir einen Blick auf internationale Blogs und deren Verkostungsnotizen. Wir haben für Sie über die letzten Tage eine Auswahl der Veröffentlichungen zusammengestellt und präsentieren sie hier in der gewohnten Kurzform:

  • Auf Malt Review findet sich eine Besprechung des Glenglassaugh 30yo – und der Verkoster ist dort voll des Lobes für diese Originalabfüllung.
  • Für Mutige scheint der Breeder’s Choice zu sein, ein argentinischer Blend-Whisky, den man  auf Best Shot Whisky billig und unbefriedigend fand.
  • Mortlach 22yo aus der Platinum Serie von Douglas Laing wird auf WhiskyIsrael sehr gelobt, aber der Preis ist mit 335 Pfund ein Aufreger für den Verkoster.
  • Words of Whisky bespricht den Caol Ila 1997 Unpeated, den man in einer Blindverkostung gar nicht so unpeated empfand, aber sehr trinkbar.
  • Mit einer guten Bewertung wird der Benromach Organic 2008 von The Malt Desk versehen – die Virgin Oak Casks haben ihr Werk gut getan, sagt der Autor.
  • Und auf The Mashtun genießt man den Arran „Miss Black“ – dort findet man diese nur in der Destillerie erhältliche Abfüllung einfach nur großartig.

arran_spring

Die Top 10 der neuen American Whiskey Destillerien

0
Aus der Jack Daniels Distillery, Foto von Serge Melki, CC-Lizenz
Aus der Jack Daniels Distillery, Foto von Serge Melki, CC-Lizenz

Nicht nur in Schottland wird im Moment massiv in Brennerei-Neubauten investiert. Auch in den USA entstehen gerade und in der nächsten Zeit eine Vielzahl neuer Destillerien. Denn auch der amerikanische Whiskey erlebt einen Boom, und die Hersteller reagieren auf die gestiegene und noch zu erwartende Nachfrage. The Spirit Business listet heute eine Top 10 der neuen American Whiskey Destillerien. Einige gehören zu den großen Spirituosen-Konzernen, bei anderen handelt es sich um Wieder-Eröffnungen vor langer Zeit eingemotteter Brennereien. In der Kurzübersicht:

Balcones
Oktober 2015

Old Forester
Herbst 2016

The Bulleit Distilling Co.
2016

Angel’s Envy
2016

Old Taylor Distillery
2015

Boundary Oak Distillery
Schon eröffnet

Dueling Barrels
Herbst 2015

Bardstown Bourbon Company
2016

Nelson’s Green Brier Distillery
Schon eröffnet

Maker’s Mark
2015

Tamdhu mit neuer Website

Die Speyside-Destillerie Tamdhu, die sich im Besitz von Ian Mcleod Distillers befindet, so wie übrigens Glengoyne auch, hat ihre Website mit neuen Inhalten – und wie wir finden in ansprechender Gestaltung – gefüllt. Neben der Geschichte der Destillerie werden dort natürlich auch die Whiskys aus Tamdhu vorgestellt – alles sehr schön und wie schon zuvor im typischen Tamdhu-Design präsentiert.

tamdhu

PR: D.E.W. & Ginger, die irische Erfrischung

Langsam wird es nun wirklich Frühling, und weil auch der Sommer bald mal über den Horizont blinzeln könnte, hat uns Tullamore D.E.W. ein erfrischendes Rezept für einen einfachen Sommerdrink geschickt. Das, und den begleitenden PR-Text, bringen wir hier für Sie:

D.E.W. & Ginger

Zuerst eroberte der Longdrink mit Whiskey und Ginger Ale Irland, dann die USA, und von dort aus die Szene-Bars auf der ganzen Welt! Seine Frische und leichte Schärfe machen den D.E.W. & Ginger zum Longdrink für lange Sommernächte.

Tullamore D.E.W. und Ginger Ale sind der perfekte Mix, da diese beiden mehr als nur ihre irischen Wurzeln gemeinsam haben: die gleiche Farbe, ein kräftiges Aroma und einen einzigartigen Geschmack.

Das intensive, natürliche Ingweraroma macht das Ginger Ale der Marke Thomas Henry zur perfekten Wahl als Filler für diesen Longdrink. Wer es etwas schärfer mag, probiert die Mischung mit der Sorte Spicy Ginger von Thomas Henry.

„Beim D.E.W. & Ginger kommt zusammen, was zusammen gehört! Das natürliche Aroma des Original Irish Blend wird betont. Die Würze seines Pot-Still-Anteils harmoniert hervorragend mit der Schärfe des Ingwers.“ – Vena Steinkönig, Tullamore D.E.W. Brand Ambassador in Deutschland.

Hier das Rezept:

D.E.W. & Ginger:

  • 5 cl Tullamore D.E.W
  • 20 cl Ginger Ale
  • Halbe Zitronenscheibe

 

Whisky Fair Rhein Ruhr – unsere Eindrücke in Bildern

Schön war sie, die zweite Whisky Fair Rhein Ruhr in Düsseldorf am vergangenen Wochenende. An zwei Tagen hatten über 1500 Besucher die Gelegenheit, Whisky in all seinen Facetten kennen zu lernen. Und auch wir waren wieder mit einem Stand vertreten und konnten mit unseren Lesern eine schöne gemeinsame Zeit verbringen. War der Samstag vom Andrang her sehr voll, so gab es am Sonntag erwartungsgemäß weniger Besucher, da blieb mehr Zeit für Gespräche und Verkostungen.

Wir hatten den Eindruck, dass das Publikum das Angebot sehr genossen hat. Anfänger wie alte Hasen fanden in Düsseldorf viel zu sehen und zu verkosten, in einer entspannten und freundlichen Atmosphäre. Die Wiederholung ist schon fix eingeplant, für den 9. und 10. April 2016. Und wir, wir werden wohl auch wieder dabei sein.

Hier einige unserer fotografischen Eindrücke von den Ständen und den Menschen in Düsseldorf. Ein Klick aufs Bild bringt Sie zur größeren Version.

[justified_image_grid preset=9 row_height=370 ng_gallery=30]

Serge verkostet: Littlemill

Littlemill ist eine der noch am häufigsten anzutreffenden Lost Distilleries aus den Lowlands, aber auch hier werden die Bestände langsam weniger. Serge Valentin hat heute einige Abfüllungen aus dieser nicht mehr existierenden Destillerie verkostet, und seine Wertungen könnte man mit einem Running Gag der Gruppe Whisky.de – der Treffpunkt feiner Geister auf Facebook zusammenfassen: Der kann was :-).

Hier die Abfüllungen und die Punktewertungen:

  • Littlemill 22 yo 1992/2014 (46.7%, Archives, hogshead, cask #43, 59 bottles): 90 Punkte
  • Littlemill 21 yo 1996/2014 (52.9%, The Whisky Mercenary, bourbon cask): 90 Punkte
  • Littlemill 21 yo 1992/2014 (53.6%, Lady of the Glen, bourbon, 320 bottles): 88 Punkte
  • Littlemill 22 yo 1991/2013 (47.2%, Eiling Lim, 4th Release): 89 Punkte
  • Littlemill 23 yo 1991/2014 (48%, The Whisky Agency, refill hogshead, 275 bottles): 91 Punkte
  • Littlemill 24 yo 1990/2014 (50.6%, Maltbarn, 158 bottles): 89 Punkte
Die letzten Reste von Littlemill vor der Verbauung. Foto von Potstill.org
Die letzten Reste von Littlemill vor der Verbauung. Foto von Potstill.org

Whisky im Bild: Der neue Octomore Edition 7.1 (mit ersten Eindrücken)

So hat man ihn uns am Freitag nachmittags in Düsseldorf am Stand von Bruichladdich gezeigt: Das ist der neue Octomore Edition 7.1, diesmal abgefüllt mit satten 208ppm und 59.5%. So neu ist er, dass uns selbst Bruichladdich noch keinen offiziellen Verkaufspreis nennen konnte. Aber: Wir durften ihn bereits am Stand verkosten, und unser erster Eindruck war: viel Süße vorne, viel Rauch hinten – viel Octomore insgesamt.

Für eine genauere Verkostungsnotiz haben wir auch ein Sample bekommen, das wir in den nächsten Tagen nochmals in aller Ruhe probieren wollen. Während der Messe waren die Eindrücke dann doch zu dicht und mannigfach, als dass wir in die Tiefe hätten gehen können.

WP_20150412_11_40_09_web

RP Online: Kurzer Nachbericht zur Whisky Fair Rhein Ruhr

Auf RP Online ist heute ein kurzer Nachbericht zur Whisky Fair Rhein Ruhr erschienen, die ja an diesem Wochenende in der Remise in Düsseldorf stattfand. 1500 Gäste hatte die Messe an beiden Tagen zu verzeichnen, so der Bericht, die dort neben Whisky aus Schottland und Irland auch heimisches Wasser des Lebens verkosten konnten.

Blick über den Besucherstrom am Samstag Nachmittag.
Blick über den Besucherstrom am Samstag Nachmittag.

„Prohibitiv guter Stoff“ – DerStandard.at über die KOVAL Distillery

Die KOVAL-Distillery in Chicago zählt nach wie vor zu den Shooting Stars am amerikanischen Whiskey-Himmel – und sie hat enge Bindungen nach Europa, genauer gesagt nach Österreich: Der Brennmeister und Gründer der Destillerie ist Robert Birnecker, der aus dem Salzkammergut stammt.

DerStandard.at hat heute dem KOVAL-Whiskey einen eigenen Artikel gewidmet, der den Weg von Robert und seiner amerikanischen Frau nachzeichnet. Hier ein Ausschnitt:

Robert und Sonat Birnecker sind Quereinsteiger. Beide hatten gut bezahlte Jobs. Sonat arbeitete als Lektorin für Literaturwissenschaft an diversen Universitäten. Robert war stellvertretender Pressesprecher im österreichischen Konsulat in Washington DC. Ihre Karrieren waren vorgezeichnet. „Irgendwann erfüllte uns das nicht mehr“, erinnert sich Sonat, „wir wollten gemeinsam etwas schaffen, womit wir uns identifizieren können.“

Insgesamt ein lesenswerter Artikel – und auch bei uns finden Sie mehr über diese interessante Destillerie, deren Produkte auch bei uns in ausgesuchten Fachhandlungen zu bekommen sind – Links dazu unter unserem Beitrag.

koval

Serge verkostet: Longrow

Unsere Redaktion ist zum Teil noch auf der Rückreise von der Whisky Fair Rhein Ruhr (den Bildbericht dazu gibt es deswegen auch erst am Dienstag), aber natürlich bemühen wir uns auch jetzt, Sie mit den Neuigkeiten des Tages zu versorgen.

Serge Valentin zum Beispiel hat heute eine Reihe von Abfüllungen von Longrow verkostet, der getorften Variante von Springbank. Die erste Abfüllung ist der neue Standard, der den Longrow CV ersetzte, und er erhält gute Noten, so wie zwei Longrows, die heute auf dem Programm standen (nicht aber die Longrow Red aus den Jahren 2013 und 2014, die eher schwach bewertet wurden):

  • Longrow (46%, OB, +/-2014): 88 Punkte
  • Longrow 11 yo ‚Red‘ (53.7%, OB, Australian shiraz, 2013): 79 Punkte
  • Longrow 11 yo ‚Red‘ (51.8%, OB, fresh Port, 2014): 78 Punkte
  • Longrow 15 yo 1998/2014 (48.1%, OB, Distillery Release, Open Day, Madeira hogshead, 186 bottles): 89 Punkte
  • Longrow 18 yo 1990/2008 (54.1%, OB, private bottling for Magnus Fagerström, cask #178, 237 bottles): 87 Punkte
Das hier ist noch die zweite Edition - von der neuen Ausgabe haben wir noch kein verwendbares Bild...
Das hier ist noch die zweite Edition – von der neuen Ausgabe haben wir noch kein verwendbares Bild…

Erste Eindrücke von der Whisky Fair Rhein Ruhr

Auch heute noch befindet sich ein Teil unserer Redaktion auf der Whisky Fair Rhein Ruhr und freut sich auf Ihren Besuch. Wir haben gestern, am Eröffnungstag, einige Bilder geschossen (Zeit dafür war nicht viel, denn der gestrige Messetag war ausgesprochen gut besucht und dementsprechend aktiv war es auch auf unserem kleinen Stand), die wir hier für Sie bringen. Eine ausführlichere Bildreportage (und unseren regulären Newsbetrieb) gibt es dann nächste Woche.

Falls Sie heute auf der Messe sind, freuen wir uns natürlich auf Ihren Besuch!

Die Redaktion auf der Whisky Fair Rhein Ruhr (v.l.n.r.): Simon Rosenkranz, Dirk Piesczek, Berrnhard Rems, Silvia Behrens
Die Redaktion auf der Whisky Fair Rhein Ruhr (v.l.n.r.): Simon Rosenkranz, Dirk Piesczek, Bernhard Rems, Silvia Behrens
Unser erster Gast drufte gleich den Bell Blend aus den 80er-Jahren probieren. Zur Belohnung für den Mut gab es nachher einen Schluck vom Highland Park Odin :-)
Unser erster Gast durfte gleich den Bell Blend aus den 80er-Jahren probieren. Zur Belohnung für den Mut gab es nachher einen Schluck vom Highland Park Odin 🙂
Blick über den Besucherstrom am Samstag Nachmittag.
Blick über den Besucherstrom am Samstag Nachmittag.
Das Publikum konnte an über 30 Ständen Whisky entdecken und verkosten.
Das Publikum konnte an den vielen Ständen Whisky entdecken und verkosten.
Blick über die Remise in Düsseldorf. Eine wirklich schöne Location!
Blick in die Remise in Düsseldorf. Eine wirklich schöne Location!

Video: Lagavulin – Port Ellen Maltings

0

Wir haben natürlich auch heute wieder ein Sonntagsvideo gesucht – auch wenn wir uns schon auf den zweiten Messetag in Düsseldorf vorbereiten. Fündig geworden sind wir bei einem Beitrag über die Port Ellen Maltings, die auf Islay gemälzte Gerste für die Destillerien produzieren. Lagavulin hat darüber ein gut gemachtes Video gedreht, das knapp über 10 Minuten dauert und die Produktionsschritte dort sehr schön und ausführlich erklärt.

Port Ellen Maltings ist ja in der Regel nicht öffentlich zugänglich – daher genießen Sie mit uns hier oder auf Youtube einen Einblick, den man sonst nicht bekommen kann…

„Ich bin ein echter Traditionalist“ – Interview mit Ian MacMillan, Master Distiller bei Burn Stewart Distillers Ltd

Unser Gastautor Michael Schmidt hat für Whiskyexperts ein Interview mit Ian MacMillan, Head of Distilleries und Master Distiller bei Burn Stewart Distillers Ltd, geführt, in dem Ian detailliert auf verschiedene Aspekte seiner Arbeit und die Kunst des Destillierens eingeht. Zudem erfahren wir sehr Interessantes über geplante neue Abfüllungen in der Gruppe. Michael Schmidt hat uns das Interview freundlicherweise zur Verfügung gestellt – alle Rechte daran und an den begleitenden Bildern liegen bei ihm.

Mr. MacMillan, Sie gehören zu den bekanntesten Köpfen im schottischen Whiskybusiness. Seit fast 25 Jahren sind Sie bei Burn Stewart tätig. Wie hat alles angefangen? 

In der Whiskyindustrie arbeite ich seit 42 Jahren. Meine Karriere begann in der Glengoyne-Brennerei. Das ist ganz in der Nähe von dem Ort, wo ich aufgewachsen und zur Schule gegangen bin. Heute noch leben einige meiner Verwandten in Balfron – nur etwa fünf Meilen von der Brennerei entfernt. Ich bin Glengoyne immer noch sehr verbunden, weil ich solch gute Erinnerungen an diese Zeit habe. Damals habe ich die Grundlagen der Malt Whisky-Herstellung gelernt und ich erinnere mich gerne an all die Leute zurück, mit denen ich einst zusammen gearbeitet habe.

Ian MacMillan. Copyright Michael Schmidt
Ian MacMillan. Copyright Michael Schmidt

Die Glengoyne-Brennerei liegt nur einen Katzensprung von Glasgow entfernt. Trotzdem steht auf dem Etikett „Highland Whisky“. Was für ein Stil hat der Malt?

Der Whisky dort ist eher nach Art der Lowlands gemacht. Es ist ein sehr leichter Whisky. Technisch gesehen liegt ein Teil der Brennerei in den Highlands, ein anderer Teil in den Lowlands. Das liegt an der gedachten Linie, die durch das Land gezogen wurde, um zwischen Highland- und Lowland-Whisky zu unterscheiden. Es ist ein herrlicher Whisky. Ich als Blender nutze Glengoyne in vielen meiner Blends. Wenn ich Blendings herstelle – dann denke ich bei Glengoyne mehr an einen Lowland- als an einen Highland-Whisky.

Wie genau haben Sie Ihr Handwerk gelernt?

Als ich in Glengoyne begann, war ich erst 18 Jahre alt. Ich lernte als Mashman und Stillman zu arbeiten. Also habe ich den Prozess des Whiskyherstellens vom Fässer-Rollen in Lagerhäusern und vom Maischen der Gerste bis zur Destillation von Grund auf mitgemacht. So habe ich dort alle Arbeitsbereiche gelernt. Drei Jahre war ich bei Glengoyne, dann zog ich nach Glasgow.  Dort fing ich in einer Grain-Distillery an, die Port Dundas hieß. 2013 wurde sie abgerissen. Es war eine sehr große Getreidebrennerei. Schließlich versetzte man mich in eine Grain-Distillery nach London. Dort ging es um die Herstellung von Neutral-Alkohol für die Gin-Produktion. Fünf Jahre später war ich wieder zurück in Schottland, um wieder Malt Whisky zu brennen. Diesmal in der Glenturret Distillery in der Nähe von Crieff. Dort war ich zweieinhalb Jahre. Es war eine winzige Brennerei und ich war daran gewöhnt, in wesentlich größeren Produktionsbetrieben zu arbeiten. Ich suchte nach einer guten Gelegenheit – und dann kam das Angebot von Burn Stewart.

 

Wie kam es zu ihrer Arbeit für Burn Stewart?

1991 hatte Burn Stewart die Deanston Brennerei  in der Nähe von Stirling erworben und sie benötigten einen Manager. Seitdem bin ich mit im Boot. Wir haben Deanston umgestaltet und daraus gemacht, was es heute ist. Während dieser Zeit kauften wir auch 1993 Tobermory auf der Insel Mull. Auch hier überwachte ich die Neugestaltung und die Sanierung. Vor elf Jahren kam Bunnahabhain auf Islay hinzu und auch dort habe ich gearbeitet. Meine Aufgaben und Herausforderungen wuchsen und ich fand die Projekte, die ich vorantreiben konnte, äußerst spannend. Heute bin ich gleichzeitig sowohl für die Whisky-Brennereien als auch für das Blending verantwortlich. Seit zwölf Jahren bin ich sowohl Master Blender als auch Chef der Brennereien. Das heißt: bei allem, was in den Flaschen landet, habe ich die Destillation betreut. Dazu gehören die Blends, sowie wie die einzelnen Varianten – all das gehört zu meiner Arbeit.

Wie läuft das ab?

Einen Blend zu kreieren: das ist meine Aufgabe als Master Blender. Aber das Team in den Brennereien ist ebenfalls äußerst wichtig: Ein guter Manager vor Ort und ein Team, das versteht, was wir machen. Alle Mitarbeiter besitzen nicht nur darüber Kenntnisse, was sie herstellen, sondern auch, warum sie es tun. Deshalb habe ich ein persönliches Interesse daran, die Teams der Brennereien fortzubilden. Damit sie wissen, weshalb sie etwas machen. Ich kenne die Angestellten in den drei Brennereien persönlich. Bei vielen habe ich die Bewerbungsspräche selbst geführt und sie eingestellt. Wenn ich etwas probiere, ein Mischungsverhältnis festlege, muss es in der richtigen Weise umgesetzt werden. Es ist wichtig, ein gutes und engagiertes Team zu haben. Es ist eher wie in einer Familie bei uns.

Welches Selbstverständnis haben Sie als Master Blender?

Blenden heißt für mich: weiterentwickeln. Es ist die Evolution der Whiskys. Es geht auch darum, wie anpassungsfähig ein Whisky sein kann, wenn sie verschiedene Fässer mischen. Wenn sie nur einen einzelnen Stil ihres Whiskys herausbringen – und das ist alles was sie haben – dann können die Konsumenten das natürlich genießen. Es gäbe aber auch die Möglichkeit, von der gleichen Brennerei gelegentlich den Whisky, den sie mögen, ein wenig abgewandelt zu genießen. Zum Beispiel dank der Lagerung in Fässern, in denen zuvor ein Pedro Ximenez Sherry gereift war, oder Oloroso oder Manzilla. Ich habe Port Finishes herausgebracht, Marsala Finishes. Bei Bunnahabhain gibt es so viele Variationen. Zum Islay-Festival 2014 gab es einen Bunnahabhain, der zuerst in Cognac und dann in Moscatel-Fässern ein Finish erhielt wurde. All diese Whiskys geben dem Blender eine große Chance zum Experimentieren und neue Dinge für den Konsumenten herauszugeben. Und diese Experimente kommen sehr gut an.

 

Die Destillerie Tobermory (produziert auch Ledaig). Bildrechte bei Torsten Dahmke.
Die Destillerie Tobermory (produziert auch Ledaig). Bildrechte bei Torsten Dahmke.

Was unterscheidet Ihre Whisky-Kreationen von denen der Konkurrenz?

Einzigartig an uns ist, dass wir sehr traditionelle Herstellungsmethoden pflegen. Wenn Sie etwa Tobermory besuchen, sehen sie, dass wir althergebrachte Methoden anwenden. Wir haben noch einige der wenigen Maischebottiche, die auf der Oberseite offen sind. Es sind wohl die größten im ganzen Land. Ich bin ein echter Traditionalist. Ich glaube an die überlieferten Methoden.

Warum behalten sie diese Methoden bei – sie könnten doch auch moderne, vielleicht effizientere Verfahren anwenden?

Ich bin schon lange in der Whisky-Industrie und habe gelernt, alle Dinge noch in Handarbeit zu machen. Ich glaube, dass Leute, die in Kontrollräumen arbeiten, zwar wissen, was sie machen, aber sie wissen nicht weshalb. Eine der Sachen, die ich als Traditionalist bedauere, ist folgende: wenn du Brennereien besuchst und zuallererst feststellst, dass dort gar kein Mensch zu sehen ist. Alles ist automatisiert. Für mich zerstört das den Mythos des Scotch Whisky – dieses handgemachte Produkt. So ist es kaum handgemacht, wenn keine Menschen mehr in einer Brennerei arbeiten und alles von einer Kontroll-Konsole entschieden wird.

Was gibt es noch für Gründe, die Tradition hochzuhalten?

Für eine Firma unserer Größe müssen wir uns von anderen unterscheiden. Ein Merkmal heißt: traditionelle Produktionsmethoden zu erhalten. Vor ein paar Jahren wollte ich, dass alle Single Malts nicht mehr kühlgefiltert werden – alle. Wir waren nicht die erste Firma in Schottland, die damit begonnen hat, wir waren aber die ersten, die ihre komplette Bandbreite von Single Malts ungefiltert herausgegeben hat. Das war für mich ein großes Ereignis. Ich glaube an den traditionellen Weg Whisky zu machen und an den traditionellen Weg Whisky zu trinken – und nicht kühlgefiltert ist eben der traditionelle Weg.

 

Welche Veränderungen haben Sie umgesetzt, als sie bei Deanston mit der Sanierung anfingen?

Als ich hierherkam, war es eine Brennerei, die acht Jahre lang eingemottet gewesen war. Die Vorbesitzer hatten kurz zuvor den ehemaligen Manager mit ins Boot genommen und sie wieder in Gang gebracht. Aber als ich mit der Arbeit loslegte, war ich überhaupt nicht glücklich mit dem Brand. Er war aus meiner Sicht nicht wirklich rein. Ich begann die Infrastruktur zu überprüfen: den Typ der Maischebottiche, wie gemahlen wurde, welche Fermentation ablief und die Form der Brennblasen. Ich musste abwägen: was ich von diesem Equipment erwarten konnte und welche Art von Malt ich gerne damit machen würde. Ich überprüfte den Mahlvorgang des Malzes und die Fermentations-Zeiten. Es gab kleinere Sachen wie Hygiene-Probleme damals, und Leitungen mussten neu verlegt werden. Den Maische-Ablauf habe ich ebenfalls verändert. In Bezug auf die Destillation fand ich: die Zeitpunkte für die Cuts waren falsch, der Druck des Dampfs, das Destillations-Verhältnis und die Fraktionierung in der Brennblase – all das musste neu ausbalanciert werden. Nach meiner Ansicht sollte eine Brennerei wie diese einen schönen, fruchtigen honigsüßen Whisky herstellen. Das war es dann, was ich vorangetrieben habe. Das machen wir seit 1991 – einen Whisky mit einer süßen Malzigkeit von Gerstenzucker. Ich glaube nicht, dass es einen Whisky gibt, der einen stärkeren Honig-Charakter hat als Deanston. Es ist ein wunderbarer Whisky.

Die Destillerie Deanston. Copyright Michael Schmidt
Die Destillerie Deanston. Copyright Michael Schmidt

Wie entsteht dieser Deanston-Stil denn genau?

Facetten des Deanston Stils entwickeln sich bereits am Anfang der Produktionskette. Dies liegt daran, dass wir einen traditionellen Maischebottich verwenden. Beim Mahlprozess mahlt man normalerweise nicht so fein. Andere Brennereien benutzen ein vollautomatisches „Lauter-System“, was eigentlich mehr mit dem Brauen zu tun hat. Damit können sie die Körner sehr fein mahlen und erreichen einen schnellen Prozess, um die Stärke in den Zucker zu verwandeln. Wenn wir aber einen traditionellen Maischebottich benutzen, dann mahlen wir viel, viel gröber, weil die Getreidespelzen für uns so wichtig sind. Das ist der natürliche Filter im Maischebottich. Wenn wir das Getreide sehr fein mahlen, extrahieren wir Tannin, was eine „Trockenheit“ hervorruft. Wenn wir es nicht so fein machen, haben wir eher eine Süße und es gibt nicht diesen trockenen Charakter im Whisky.

Deanston Destillerie, Foto von Eileen Henderson, CC-Lizenz
Deanston Destillerie, Foto von Eileen Henderson, CC-Lizenz

Welche Rolle spielt der Maische-Prozess bei der besonderen Note des Deanston?

Das traditionelle Maischen ist ein langer Kreislauf, nichts darin geschieht mit Gewalt. Es ist eine  Extraktion der Zuckers durch Gravitation, was die wunderbare Malzigkeit beibehält. Es betont dieses  süße Honig–Aroma, das während der Reifung noch einmal konzentriert wird. Bei uns dauert der Prozess etwa zehn Stunden. Mit einer modernen Lauter Tun würde es vier oder dreieinhalb Stunden dauern – wir sind also sehr langsam. Daraus entsteht schließlich eine besonders dunkle, klare Würze. So erhalten wir die gewünschten malzigen Aromen.

Die Stills der Destillerie Deanston. Copyright Michael Schmidt
Die Stills der Destillerie Deanston. Copyright Michael Schmidt

Welche Rolle spielt der Brennvorgang?

Unsere Brennblasen besitzen in der Mitte runde Ausbuchtungen, sogenannte Bulbs, und einen leicht aufsteigenden Lyne Arm. Wir wollen nicht die öligen Congener haben, es geht uns mehr um die süßen, leichteren Congeners, die diese leichte honigartige Süße erhalten – und das ist es, was bei Deanston herüberkommt. Das ist der Unterschied zwischen Deanston und anderen Whiskys. Jeder Single Malt ist einzigartig. Es gibt ähnliche Stile in bestimmten Gegenden, aber jede Brennerei hat ihre eigene Geschichte zu erzählen. Bei uns ist es mehr ein wachsartiger Charakter wie Bienenwachs. Das ist der Stil, den wir von Deanston bekommen und das macht ihn sehr erfolgreich. Nicht nur als Single Malt, Deanston ist der wichtigste Anteil des Blends ‚Scottish Leader‘, der vor allem nach Südafrika, ins Baltikum, nach Taiwan und in die USA verkauft wird.

 

Schon im 19. Jahrhundert nutzte die Baumwollfabrik von Deanston Wasserkraft. Wie steht es um die Brennerei?

Deanston ist die einzige Whiskybrennerei, die ihren Strom vollständig selbst produziert. Wir besitzen Wasserturbinen. Auch wenn die Brennerei rund um die Uhr läuft, produzieren wir genügend Strom, um diesen wieder in das Nationale Netz einzuspeisen. Wir haben ein Plus an Energie, das hoch genug ist, um 700 Wohnungen mit Strom zu versorgen.

An den Stills der Destillerie Deanston. Copyright Michael Schmidt
An den Stills der Destillerie Deanston. Copyright Michael Schmidt

Wird der Strom auch für die energieintensive Beheizung der Brennblasen genutzt?

Nein, die Elektrizität ist nur für die Lichter und die Maschinerie zuständig. Die Brennblasen werden von ölbefeuerten Dampfheizungen erwärmt.

Könnten Sie diese nicht auch elektrisch betreiben?

Ja, wir könnten. Die Boiler sind aber noch nicht sehr alt. So müssen wir schauen, wann wir diese abschreiben können. Wenn es soweit ist, alles zu erneuern, dann würden wir nach neuen Alternativen suchen. Es gibt alle möglichen Optionen wie Biomasse-Boiler, Holzchips-Boiler und all diese Möglichkeiten. Wir denken auf jeden Fall darüber nach. Wir möchten unseren Herstellungsprozess noch „grüner“ gestalten. Wir stellen übrigens auch einen Bio-Whisky her. Das mache ich schon seit 14 Jahren – wir haben eine Zertifikation dafür, aber noch nichts davon verkauft. Wir planen 2015 einen 14 Jahre alten Single Malt Bio-Deanston herauszubringen.

Die Destillerie Deanston. Copyright Michael Schmidt
Die Destillerie Deanston. Copyright Michael Schmidt

Sie haben nicht nur Deanston neu ausgerichtet, sondern auch Tobermory auf der Insel Mull. Was haben Sie dort von ihren Ideen umsetzen können?

Tobermory wurde damals von einer privaten Firma betrieben. Meine Aufgabe nach der Übernahme bestand darin, auch diesen Whisky auf Herz und Nieren zu prüfen. Damals produzierten sie einen Whisky mit Speyside-Charakter auf Mull – und der war vollkommen unausgewogen. Es war ein nichtssagender Whisky. Es war weder das eine noch das andere, aber sie versuchten einen Speysider zu produzieren. Es war einfach unmöglich und der Whisky hatte keinen Charakter. Auch dort überprüfte ich die Ausstattung, Technik und Produktionsabläufe und arrangierte alles neu. Am Ende ließ ich einen traditionellen West Highland Whisky entstehen, der mehr Gewicht hatte und mehr Stil. 1996 führte ich den torfigen Ledaig Single Malt wieder ein, dessen Produktion einige Jahre zuvor gestoppt worden war. Erst 2003/2004 konnten wir wieder mit unseren neuen Whiskys starten. Denn wenn Sie den Stil ändern, müssen Sie gut zehn Jahre warten, bis der neue Whisky – also der Tobermory Single Malt – soweit ist, um ihn herauszubringen. 2006 kam der Ledaig als zehnjähriger Single Malt heraus.

Ian MacMillan. Copyright Michael Schmidt
Ian MacMillan. Copyright Michael Schmidt

Wie war der Start bei Bunnahabhain, der dritten Brennerei, die Burn Stewart erwarb?

Bei Bunnahabhain sah es etwas anders aus, weil Bunnahabhain bereits ein vielbeachteter Single Malt war. Es ging also eher darum, den vorhandenen Stil zu bewahren. Ich machte einige winzige Veränderungen, um den Whisky von Bunnahabhain ausgewogener zu machen. Aber als Master Blender war es für mich vor allem ein Thema, dass es damals nur den Zwölfjährigen als offizielle Abfüllung gab. Also brachte ich 2003 einen 18-Jährigen, einen 25-Jährigen. Insgesamt gab es bis heute gut 30 verschiedene Varianten des Whiskys. All die limitierten Ausgaben, für die unterschiedlichen Länder, für das Whiskyfestival und die Erweiterung der Range. Das gab es vorher nicht. Für mich war es großartig, dass ich diesem Whisky, in all seinen Stilen, meinen eigenen Stempel aufdrücken konnte. Die Entscheidung auf Kühlfiltration zu verzichten brachte ein weiteres Merkmal mit sich, in dem sich der neue von alten Bunnahabhain unterschied. Auch dies hat den Charakter des Whiskys beeinflusst.

 

Wollen Sie den Varianten-Reichtum von Bunnahabhain auch bei Tobermory und Deanston einführen?

Da gibt es schon einige Varianten. Wir bringen limitierte Ausgaben von Deanston heraus, die es aber nur direkt im Brennerei-Shop gibt. Das gleiche geschieht bei Tobermory. Es gibt zwei Abfüllungen, die nur im Besucherzentrum verkauft werden. Wir bringen jetzt einen 18 Jahre alten Ledaig heraus und auch ein 18 Jahre alter Deanston wird kommen. In die USA exportieren wir die Limited Edition eines 18 Jährigen. Dort befindet sich der beste Markt für Deanston. Die Amerikaner lieben diesen Honigstil. Er wird aber auch immer beliebter auf anderen Märkten.

Die Destillerie Bunnahabhain.  Bildrechte bei Lars Pechmann.
Die Destillerie Bunnahabhain. Bildrechte bei Lars Pechmann.

Was können sie noch zum Varianten-Spektrum von Deanston sagen?

Die einzige Erweiterung der Range, die wir bislang herausbrachten, war der ‚Virgin Oak‘ [Anm. d. Red.: Reifung zum Teil in unbenutzten, ausgebrannten Eichenfässern]. Ich war der allererste, der das machte und einige Leute haben mich kopiert. Außerdem haben wir vom 12-jährigen Single Malt zwei limitierte Ausgaben präsentiert: ‚Toasted Oak‘ und ‚Spanish Oak‘ und darüber hinaus einen Jahrgangs-Deanston 1974 vor zwei Jahren. 2015 werden wir einen vierzigjährigen Deanston herausbringen, der 1974 destilliert wurde. Ich habe einige sehr alte Whiskys in Lagerung, deren Entwicklung ich seit Jahren genau überwache – nächstes Jahr wird es einen 42 Jahre alten Tobermory geben, einen 40 Jahre alten Ledaig und wir stellen einen 45 Jahre alten Bunnahabhain vor. Und von unserem Blend, dem Scottish Leader, werden wir einen 50-Jährigen präsentieren. Dies sind alles spektakuläre Whiskys und wir machen limitierte Versionen für Länder wie Russland in kleinen Chargen.

Burn Stewart wurde 2013 von der Distell-Gruppe übernommen? Wie verläuft der Integrationsprozess?

Es ist ein sehr unterschiedliches Setup, weil Distell eine südafrikanische Firma ist. Sie haben keine große Erfahrung mit Scotch Whisky. Sie lernen von uns. Distell produziert bereits südafrikanischen Whisky. Ich war in der dortigen Brennerei gewesen und habe sie bei Ihrer Arbeit unterstützt. Sie machen einen tollen Malt Whisky. Aber das ist ein völlig anderer Stil. Distell ist der größte Spirituosenkonzern Afrikas mit globalen Ambitionen. Es ist eine große Chance für uns bei Burns Stuart, am weltweiten Netzwerk teilzuhaben und auch Distell kann von unserem Netzwerk profitieren. Die Integration in den Konzern schreitet voran. Auf beiden Seiten ist natürlich noch viel zu lernen.

Die Destillerie Bunnahabhain. Bildrechte bei Gerald Petö
Die Destillerie Bunnahabhain. Bildrechte bei Gerald Petö

Wie begegnen Sie der in den vergangenen Jahren gestiegenen Nachfrage nach Scotch?

Es kommen jetzt einige Whiskys ohne Altersangebe heraus – nach meiner Ansicht ist das eine gute Sache, weil das den Master Blendern erlaubt, wirklich ihre Fähigkeiten zu zeigen. Wenn man einen zwölfjährigen Whisky herausbringt, ist man darauf beschränkt, dass das Mindestalter zwölf Jahre beträgt. Wir als Blender wissen, was das Alter zu einem Blend beitragen kann. Junge Whiskys von Deanston oder anderen Brennereien haben etwas an sich, was einfach herrlich ist, wenn man sie mit etwas älterem Whisky mischt und dann noch einen älteren hinzugibt, bis eine Einheit entsteht. Man ist nicht auf ein Alter beschränkt. Es besteht die Möglichkeit, all die verschiedenen Altersstufen  zusammen zu bekommen – deshalb bringen wir momentan so viele Whiskys nur mit Namen oder Titel auf dem Etikett heraus. Was man von jüngeren Whiskys erhält, ist dieses Beschwingte und eine Grasigkeit, die man verliert, wenn der Whisky älter wird. Wenn man dies mit Whiskys vermählt, die durch die Reifung mehr ausgereift sind, trägt das zu größerer Komplexität bei. Es entsteht ein Whiskystil, der sich von der Norm unterscheidet. Das ist eine tolle Sache. Whiskys verschiedenen Alters können so auf unterschiedliche Weise ihren Beitrag zum Ganzen leisten.

Aber bis vor wenigen Jahren galt die Altersangabe doch den Marketingleuten als ein Qualitätsmerkmal, das es herauszustellen galt?

In manchen Märkten herrscht der Glaube, dass eine Altersangabe auf der Flasche bedeutsam ist. Aber schauen Sie auf das Etikett von Johnnie Walker Blue Label: da ist keine Altersangabe drauf. Die Hersteller sagen, es sei alter Whisky drin enthalten, aber nicht wie viel. Der Konsument muss dem Master Blender das Vertrauen schenken, dass er sein Handwerk versteht. Wer beherrscht das schon so gut wie dieser? Ich als Master Blender habe im Kopf, welchen Charakter meine Whiskys in ihren verschiedenen Altersstufen haben und ich weiß, wenn es sich um ein spezielles Fass handelt wie ein Refill Cask, ein Bourbon Cask oder ein Sherry Cask. Sie alle haben etwas, was sie zum Whisky beitragen können. Im Duty Free Bereich haben wir einige Bunnahabhains herausgebracht, die keine Altersangabe tragen. Etwa der ‚Darach Ur‘, der sehr beliebt war. Eigentlich sollte es ihn nur zwölf Monate geben, um den Druck vom Zwölfjährigen zu nehmen, der sehr gut verkauft wurde. Den ‚Darach Ur‘ gab es sechs Jahre lang und vergangenes Jahr musste ich ihn einstellen, weil die Whiskys, die ich dafür vorgesehen hatte, verbraucht waren. Als ich diesen Whisky entwickelt habe, hatte ich niemals daran gedacht, dass es ihn so lange geben würde. 2013 haben wird der ‚Eirigh-na-Greine‘ herausgebracht, bei dem Bunnahabhain in Rotweinfässern gelagert wurde. Das gibt uns die Möglichkeit als Blender, das alles zusammen zu bringen. Und das verstehen auch die Konsumenten, wenn es keine Altersangabe gibt. Das Alter wird dann interessant, wenn die Whiskys sehr alt sind. Die Konsumenten wollen wissen, dass sie in diesem Falle etwas ganz Besonderes kaufen.

 

Manche Ihrer Whiskys gibt es nur direkt an der Brennerei zu kaufen. Wieso das?

Ich finde es großartig, wenn ich einen Whisky von nur einem Fass herstelle. Und die Interessenten, die diesen besonderen Whisky haben wollen, müssen direkt zur Brennerei fahren, um ihn zu bekommen. Das macht das Ganze einzigartig. Bei vielen Brennereien ist alles erhältlich, was es auch sonst wo auf der Welt zu kaufen gibt. Bei uns gibt es diese limitierten Ausgaben ausschließlich bei der Brennerei. Es macht einen Besuch bei Tobermory, Deanston oder Bunnahabhain ganz besonders und erinnerungswürdig. Ich liebe es, die Reaktionen mitzuerleben, wenn Besucher solch einen besonderen Whisky probieren – und da gab es 2014 großartige Rückmeldungen. Wir hatten einen neunzehnjährigen Tobermory und einen 16 Jahre alten Ledaig. Beide wurden in Pedro Ximenez Sherryfässern gelagert – aber beide waren letztendlich völlig unterschiedliche Whiskys. Sie waren so erfolgreich, dass sie inzwischen ausverkauft sind. So arbeiten wir nun an einer zweiten Version.

Ian MacMillan. Copyright Michael Schmidt
Ian MacMillan. Copyright Michael Schmidt

Was wird bei Deanston geschehen, wenn die Nachfrage in der Branche weiter so stark bleibt?

In der Tat: Die Nachfrage nach Deanston wächst. Er wird auch von anderen Whisky-Blendern nachgefragt, weil es diesen wunderbaren Honigeffekt gibt. Deanston ist ein phantastischer Whisky, mit dem man arbeiten kann, wenn er jung ist. Besonders bei Blends, weil er diese besondere Note hinzufügt. Das ist essenziell. Es gibt dem Blend eine große Fülle und eine honigartige Malzigkeit. So füllen wir viel Deanston auch für andere Firmen ab, die den Whisky in ihren eigenen Blends nutzen. In Bezug auf die Single Malts habe ich ja bereits den 18-Jährigen und 40-Jährigen Deanston erwähnt, den wir herausbringen werden. Geplant ist auch ein Cognac-Finish, das exklusiv für die USA gedacht ist. Außerdem gibt es eine Reihe limitierter Ausgaben. Ich mache eine ganze Reihe von Experimenten. Offensichtlich klappt nicht alles. Jeder, der sagt, es klappt immer, der ist nicht ehrlich. Manchmal funktioniert es einfach nicht und du probierst etwas Neues. All das ist natürlich zeitaufwändig.

 

Was bedeutet das in der Praxis?

Von Seiten des Marketings kommt öfters die Frage: Wann wird es soweit sein? – und ich kann nur sagen: der Whisky ist dann fertig, wenn er fertig ist. Er wird es mir sagen, wenn es soweit ist. Ich werde probieren, Proben nehmen und feststellen: So muss es sein, wir haben den Punkt erreicht – aber ich weiß nicht genau, wann wir ihn erreichen werden. In Schottland kommt es sehr darauf an, wie hart der Winter verläuft. Im Sommer ist der Whisky dabei zu ziehen und vom Holz zu extrahieren, aber wenn es sehr kalt wird, bis minus zehn oder zwanzig Grad, dann verlangsamt sich die Reife, bis sie sichtbar stoppt. Dann gibt es keine Interaktion mit dem Holz, alles ist statisch bis es wieder wärmer wird und der Prozess von neuem beginnt. Es ist so eine Art Schlummer-Periode im Winter. Im Gegensatz zur milderen und feuchteren Westküste gibt es in Zentral- und Ost-Schottland eher einen kälteren, schneereichen Winter. Die niedrigste Temperatur, die wir hier gemessen haben, war minus 21 Grad – ziemlich kalt! Ich finde: Du kannst Whisky nicht in Eile machen. Whisky braucht seine eigene Zeit im Fass.

Ian MacMillan gehört zu den Urgesteinen der schottischen Whiskybranche. Zu den Brennereien, die er als Head of Distilleries für den Konzern Burn Stewart Distillers Ltd (Distell Group) betreut, gehören Deanston, Tobermory und Bunnahabhain. MacMillan wacht als Master Blender nicht nur über die Qualität der Blends ‚Scottish Leader‘ und ‚Black Bottle‘, sondern auch über die Single Malts des Unternehmens, von denen es inzwischen immer mehr innovative Varianten gibt. Der Autor und Fotojournalist Michael Schmidt hat MacMillan in der Deanston-Brennerei in der Nähe von Stirling getroffen und ihn zu seinem Leben und dem Whiskyhandwerk befragt. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht Deanston. Die Brennerei befindet sich in dem historischen Gebäude einer einstigen Baumwollspinnerei. Dort wurden einige Szenen der whiskylastigen Kinokomödie ‚Angels´ Share’ gedreht.

Michael Schmidt, Jahrgang 1974, arbeitet als Autor, Videoreporter und Fotojournalist in Langen (Hessen). Er hat zwei Jahre im schottischen Glasgow gelebt und war dort als Korrespondent für deutsche Medien und als Reiseleiter tätig. Seine Themen sind neben der Whiskyproduktion und -vermarktung auch erneuerbare Energien, Medien, Kirche sowie Politik und Geschichte Schottlands. Im Rhein-Main-Gebiet veranstaltet er regelmäßig Whiskytastings und hält Multimedia-Vorträge über seine zweite Heimat Schottland. Alljährlich bringt er im Eigenverlag den Bildkalender ‚Scotland – Land of Whisky‘ heraus.