Die Kategorie der world whiskies wird immer größer und breiter, da ist es nur zu verständlich, dass Serge Valentin öfter mal auf eine geschmackliche Weltreise geht – so auch heute.
Die Kandidaten stammen diesmal aus Frankreich, England, Island, Samoa und Schweden – und so weit die Länder auseinanderliegen, so sehr tun es auch die Wertungen der Verkostung:
Abfüllung
Punkte
Domaine des Hautes Glaces ‚Secale‘ (57%, OB, France, single rye, 782 bottles, 2023)
89
Filey Bay ‚Sherry Cask Reserve #3‘ (46%, OB, Spirit of Yorkshire Distillery, England, 2000 bottles, 2022)
Die Dresdner Whisky Manufaktur (unser Video-Interview zur Eröffnung der Dresdner Whisky Manufaktur finden Sie hier) führt ihre Serie Sächsische Winzeredition fort. Nach dem Auftakt mit dem Weingut Schuh aus Coswig (wir berichteten) erscheint nun Edition 2. Diese wurde in zwei Fässern, ein Spätburgunder- und ein Zweigeltfass, des Radebeuler Weingutes Große gefinisht. Alle näheren Details sowie die Bezugsmöglichkeit finden Sie in den Infos, die wir von der Dresdner Whisky Manufaktur erhalten haben:
Presseartikel
Für den Inhalt ist das Unternehmen verantwortlich
Dresdner Whisky Manufaktur veröffentlicht den zweiten Teil der Sächsischen Winzeredition
Die sächsische Winzeredition – die Idee
Die DDV-Mediengruppe, ausgewählte sächsische Winzer entlang der sächsischen Weinstraße und die Dresdner Whisky Manufaktur haben eine gemeinsame Idee Wirklichkeit werden lassen. Zusammen kreieren sie Whiskys, die regionaler nicht sein könnten.
Sieben Winzer entlang der sächsischen Weinstraße stellen jeweils zwei ihrer besten Fässer für die Fassnachreifung des HELLINGER 42 Single Malt Whiskys zur Verfügung. So entstehen einzigartige Whiskys, die die regionale Vielfalt Sachsens widerspiegeln.
Edition 2 – Weingut Große
Inmitten der Weinberge der Oberlößnitz, unterhalb des Spitzhauses in Radebeul, liegt das Weingut Ulf Große. Mit einer über 300jährigen Geschichte wurde das Gut 1987 von der Familie Große übernommen.
Zwei Fässer, ein Spätburgunder- und ein Zweigeltfass, dieses Weingutes bestimmen den Geschmack des Whiskys der zweiten Ausgabe der Sächsischen Winzeredition.
Beide Weinfässer sind hervorragend geeignet für die Veredelung von Whisky. Die Komplexität beider Weine und die markanten Aromen geben dem darin liegenden HELLINGER 42 Single Malt Whisky eine ungewöhnliche Reife und Tiefe und verleihen dem Whisky seine außergewöhnlich lachsfarbene Erscheinung und fruchtige Note. Das Zusammenführen beider Lagerungen verleiht der 2. Ausgabe der Sächsischen Winzeredition eine hohe Dichte an Aromen und Geschmacksnuancen.
Mitten im Weingut Große in Radebeul wurde am Mittwoch, den 19. April 2023, die Winzeredition Nr. 2 präsentiert. Frank Leichsenring von der Dresdner Whisky Manufaktur übergab die erste Flasche aus der neuen Edition an Winzer Ulf Große.
Der Geschmack
In der Nase erscheint diese Edition malzig, aber auch getrocknete Kirschen, Orangenblüten, etwas Zitrone und herbale Noten können wahrgenommen werden.
Auf dem Gaumen wiederholen sich die malzigen Noten intensiver, begleitet von weichen Röstnoten, Milchschokolade, Karamell und würzigen Noten.
Im Nachklang erscheint wieder die Schokolade, öliger Kakao und wieder Würznoten.
Insgesamt offenbart dieser Whisky seine Finesse erst beim zweiten Schluck. Er ist elegant mit einer hervorragenden Balance und einem komplexem Mundgefühl.
Erhältlich ab dem 2. Mai 2023, die Abfüllung jedoch bereits auf der Website der Brennerei vorbestellt werden
Dresdner Whisky Manufaktur Winzer-Edition No. 2 – Weingut Große
Limitierte Sonderedition: 780 Flaschen – nummeriert Single-Malt-Whisky (Ex-Bourbon-Reifung, Finish im Spätburgunder- und Zweigeltfass) Inhalt: 700 ml Alk. 46% vol. Preis: 69,- €/Flasche
Fünf weitere Edtionen folgen. Die Winzeredtition Nr. 3 wird zur Weinlese 2023 erscheinen.
Zur Feier des hundertjährigen Jubiläums des japanischen Whiskys erscheint, wenn wir die Angaben richtig deuten, erstmals das Japanese Whisky Yearbook. Herausgegeben wird es vom Japan Whisky Research Centre, für den Inhalt ist als Autor Mamoru Tsuchiya verantwortlich, und für die Übersetzung ins Englische kümmerte sich Liam McNulty, den wir besser als Whiskey Richard von seiner Website nomunication kennen.
Wie Whiskey Richard schreibt, ist das Japanese Whisky Yearbook ist kein Spaziergang in die Vergangenheit, vorbei an geschlossenen Brennereien. Sondern es geht um den aktuellen Stand der japanischen Whiskyindustrie. Insgesamt werden 80 aktuelle und zukünftige Destillerien dargestellt. Weder on- noch offline wird in dieser Art, wie Whiskey Richard schreibt, der japanische Whisky in seiner jetzigen Form dargestellt. Und wie beim Malt Whisky Yearbook ist auch eine jährliche Aktualisierung geplant.
Das Japanese Whisky Yearbook 2023 ist als Print-Version und als Digital-Kindle-Version erhältlich. Wer möchte, kann dieses Buch über Amazon bestellen, es sollte aber auch über den normalen, lokalen Buchhandel beziehbar sein.
Japanese Whisky Yearbook 2023 Editor and Publisher: Japan Whisky Research Centre Author and Supervisor: Mamoru Tsuchiya ISBN-10: 4909432442 ISBN-13: 978-4909432445
Nach einer pandemiebedingten Pause fand am 23. April 2023 endlich wieder ein Flughafen-Tasting am Albrecht Dürer Airport Nürnberg statt, nachdem es zuvor nur online abgehalten werden konnte. Das Besondere an diesem Tasting: Alle in der Verkostung präsentierten Whiskys stammen aus dem Duty Free und können offiziell auch nur dort erworben werden.
Diesmal waren es offiziell sechs teilnehmende Whiskys, die zu einem 3-Gänge-Menü gereicht wurden, und dazu gab es für die mehr als 120 Gäste noch einen siebten Whisky, der nach dem offiziellen Teil ausgeschenkt wurde. Und: St. Kilian war als Nummer acht sozusagen als „Lokalmatador“ ebenfalls vertreten – Andreas Kreser, der extra von Limburg nach Nürnberg kam, schenkte an einem Stand Whiskys und Liköre der größten deutschen Whiskybrennerei aus Rüdenau aus.
Die whiskyinteressierten Gästen fanden sich am späten Nachmittag im Saal des Mövenpick-Restaurants am Flughafen ein, mit einem wunderbaren Blick auf das Vor- und Rollfeld.
Nach der Begrüßung durch den Leiter der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit des Flughafens, Christian Albrecht, moderierte Michael Gradl, Whisky-Urgestein aus Nürnberg, den Abend zwischen Kulinarik und Whiskygenuss.
Im Folgenden wollen wir Ihnen die Whiskys des Abends kurz vorstellen und beschreiben um Ihnen unseren persönlichen Eindruck vom Tasting wiederzugeben. Begonnen wurde mit einem Japaner, dem The Kurayoshi 8yo Pure Malt Whisky von Matsui Shuzou aus der Tottori-Präfektur. Er ist ein freundlicher, fast fröhlicher Whisky mit süßem Malzton und einem fruchtigen Überbau und einer fast irisch anmutenden Gesamtstimmung. Nichts Herausforderndes, aber angenehm und gut trinkbar.
Zur Vorspeise, eine Lachsvariation mit Honigsenf, gab es dann den Talisker Surge (zu deutsch: Flut). Wer wegen des Namens hier einen Ansturm der maritimen Noten erwartet, der musste seine Erwartungshaltung revidieren: Der Talisker Surge setzt mehr auf Malzigkeit, ist eher wie ein von der Brandung rundgeschliffener Stein als eine kantige Klippe in der Brandung. Während er für einen ausgewiesenen Talisker-Freak wohl zu rund und zu sanft sein mag, kam er bei den Gästen hervorragend an – das lag wohl daran, dass er bei seiner Weichheit die maritime Noten trotzdem behalten konnte.
Als Zwischengang gab es dann eine besondere Abfüllung aus einer Lost Distillery: Caperdonich. Am Caperdonich 18yo peated ist dreierlei interessant: Der Whisky stammt aus einer Destillerie, die bereits abgerissen ist und daher nichts mehr „nachproduzieren“ kann und der dementsprechend immer seltener wird. Noch dazu ist es eine leicht torfige Abfüllung – etwas, was es aus Caperdonich kaum gab. Und dann kostet dieser mit 48% vol. Alkoholstärke Whisky mit 120 Euro nicht viel mehr als manche gleichaltrige Abfüllung aus noch arbeitenden Brennereien (obwohl man aus berufenem Munde hört, dass dieser Preis nicht mehr lange halten wird).
Am Geschmack kann es nicht liegen, denn der fruchtig-blumige Speysider mit einer zarten Rauchnote zählte für uns zu den Highlights des Abends, er hat schöne Süße durch die amerikanischen Eichenfässer, und der Rauch gibt ihm mehr Würze als Rauchigkeit.
Zum Hauptgang, einem herrlichen Rindsragout, kam dann die zweite Überraschung für uns auf den Tisch: Der Macallan Terra, der mit über 200 Euro pro Flasche teuerste Whisky des Abends. Warum Überraschung? Weil er im ersten Schluck etwas flach wirkte, und verhalten, sich aber über die Zeit immer mehr entwickelte und dann schöne Noten eines excellenten Sherryfasses entwickelte und ein „echter Macallan“ wurde. Bei Macallan zahlt man zwar immer den Namen mit, aber am Macallan Terra selbst gab es wenig auszusetzen, wenn man polierte und samtige Whiskys schätzt.
Und wieder kam ein Whisky als Zwischengang, diesmal der Dalmore The Quartet – eine Komposition aus vier Fass-finishes: first fill ex-bourbon, 30 Year Old Matusalem sherry, 30 Year Old Apostoles sherry und Bordeaux Cabernet Sauvignon. Das Ganze ergibt vielfältige Geschmackseindrücke von dunklen und hellen Früchten, Tabak und poliertem Holz, er hätte aber nach unserem Gefühl vielleicht eine etwas höhere Alkoholstärke für den Zusammenhalt vertragen als die 41,5% vol., mit denen er abgefüllt wurde.
Das Dessert war ein Tiramisu mit einem Kern aus Shortbread, und als Begleitung hatte man den Ardbeg Smoketrails ins Rennen geschickt, der mit seinen Bourbon- und Manzanillafässern (ein recht trockener Sherry) sehr pointiert rauchig daherkam und die Süße einerseits mit der Vanille aus der amerikanischen Eiche aufnahm, andererseits mit dem doch kräftigen Raucharoma wieder konterkarierte. Ein schöner Ardbeg, der mit den Standardabfüllungen gut mithält.
Den Abschluss der Verkostung bildete der St. Kilian Signature Edition Thirteen, und der zeigte, dass man mit kombinierten Vollreifungen aus unterschiedlichen Holzarten druckvolle Aromen bringen kann. Verwendet wurden Fässer aus Pfälzer und Ungarischer Eiche, wilde Robinie (Scheinakazie), Kastanie und Kirsche – das Destillat wurde aus getorfter Gerste (54ppm) gewonnen. Dennoch ist der Thirteen kein Rauchhammer, die Aromen stehen beim Eindruck klar im Vordergrund – und die über 53% vol. Alkoholstärke tun ein Übriges, um den St. Kilian Signature Edition Thirteen zu einem Genuss zu machen, der an diesem Abend viel Zustimmung fand.
Mit dem Ende des offiziellen Teils war der Genuss aber noch nicht vorbei – im Foyer gab es danach noch den Big Peat Duty Free Edition zu verkosten, ein typischer Big Peat mit rauchigem und kohligen Fokus und viel Bourbonfass-Einfluss. Und auch bei St. Kilian konnte man noch die eine oder andere Abfüllung nachprobieren.
Bild (c) Whiskyexperts
Der Abend wurde einhellig als großer Erfolg gesehen, und man plant, sollte es dann genügend neue Abfüllungen geben, die Veranstaltung im Herbst zu wiederholen.
Whiskys, die man sonst nicht so geballt an einem Ort verkosten kann, eine einzigartige Location, gutes Essen und gute Unterhaltung – bei dieser Mischung sollten auch die Nachfolge-Events kein Problem haben, wieder rasch ausverkauft zu sein.
Vor kurzem lud der deutsche Importeur der Whiskys der Nc’Nean Distillery, Kirsch Import, zu einem Event auf dem Biogut Wulksfelde in der Nähe von Hamburg, bei dem unter anderem auch die Gründerin und Geschäftsführerin der Destillerie, Annabel Thomas anwesend war.
Über das, was dort vor Ort geschah, hat unser Autor Peter Eichhorn einen Bericht geschrieben. Kommen Sie also mit auf das Biogut und erfahren Sie mehr über den Whisky, der in keiner passenderen Umgebung hätte präsentiert werden können:
Gastartikel
Autor: Roland Graf
Single Malt am Hühnerstall – Mit Nc’Nean auf Bio-Landpartie
Grimmig hat sich der Himmel verdunkelt, der Regen prasselt in Strömen hernieder. Und in wenigen Minuten soll sich die Schar der Whisky-Experten und Pressevertreter auf einem Bio-Bauernhof an der Schnittstelle zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein einfinden, um die ökologische Landwirtschaft dort kennenzulernen und mit einem Glas Whisky zu zelebrieren. Immerhin legt das einladende Team von Kirsch Import einen Regenschirm, hergestellt aus recycelten Materialien, für die Teilnehmenden bereit. Wie heißt es doch so schön: Der Regen von heute ist der Whisky von morgen!
Doch wie durch ein Wunder bricht plötzlich der Himmel auf, die Regenwolken ziehen weiter und die Mienen der Anwesenden hellen sich schlagartig auf. Also hinein in das ländlich Idyll und auf zur Erkundung von Nc’Nean Whisky.
Unsere Gastgeberin ist Annabel Thomas, die Gründerin und Geschäftsführerin der Destillerie, idyllisch gelegen am Sound of Mull. Quasi vis à vis von Tobermory. Das junge Whisky-Projekt entstand 2017 und seit 2020 können auch die ersten Whiskys der Destillerie probiert werden. Das Team um Annabel Thomas schreibt sich auf die Fahnen, aufregende Destillate zu erzeugen und dabei zugleich ein Vorreiter im Hinblick auf Nachhaltigkeit zu sein. 2012 erhielt Nc’Nean als erste schottische Destillerie das Zertifikat, das die Brennerei als Null-Emissions-Unternehmen auszeichnet.
Nach einem entspannten Whisky-Soda mit Minzzweig unternehmen wir zunächst eine Begehung des traditionsreichen Gutshofs Wulksfelde. In Schleswig-Holstein gelegen, verweist es dennoch auf eine Hamburger Geschichte als Staatsgut der Hansestadt, das seit 1989 mit Hof und knapp 270 Hektar Land an die Betreiber des mittlerweile größten Biobauernhofes der Region verpachtet wird. Wir erhalten spannende Einblicke in die Kreisläufe einer Bio-Landwirtschaft und die erforderliche Balance aus Tieren, Dünger, Anbau und Wasser. Nach einem Besuch der Hofbäckerei, die täglich 4.500 Brote in 26 verschiedenen Variationen fertigt, geht es zu fröhlichen Schweinen und glücklichen Hühnern. Zur Fütterung gibt es für die Hühner Korn, für die Whisky-Enthusiasten wird Whisky ausgeschenkt. Die Landluft, die Bio-Tradition und Aura der Nachhaltigkeit setzen die Atmosphäre für die kommenden Stunden und die Gespräche rings um den Whisky und die Zukunftsvision von Nc’Nean.
Ein vorzügliches Menü, auf Whisky-Basis kreiert vom Küchenchef des gutseigenen Restaurants, Matthias Gfrörer, und abwechslungsreiche Drinks von den Barkeepern des Kirsch-Teams, bildeten den Rahmen für das Gespräch mit Annabel Thomas.
Schmunzelnd erinnert sie sich an die Anfänge: „Früher war ich London als Beraterin tätig. Berater sind stets gut darin, Pläne zu verfassen. Aber sie müssen diese Pläne in den seltensten Fällen selbst ausführen. Somit war der Aufbau einer eigenen Destillerie für mich komplettes Neuland und eine große Herausforderung. Doch Investoren wurden gefunden und auch die wichtigen Fragen rings um Energie, Holz, Biomasse und alle damit verbunden Anlagen wurden nach und nach geklärt, auch wenn der Transport der Gerätschaften zu unserer eher abgelegenen Destillerie doch etwas beschwerlich waren.“
Unbedingt wollte Annabel Flaschen aus wiederverwertetem Glas: „2020 hatten wir urplötzlich etwas, was wir abfüllen konnten. In was sollten wir es hineintun? Wir wollten, dass die Leute unser Destillat sehen können, also galt es, eine klare Flasche zu verwenden.“ Eine schwierige Jagd begann, die in Berlin auf dem BCB begann und von dort über Spanien und Italien nach Polen führte und schließlich so von Erfolg gekrönt war, dass nun das Glas, die Etiketten und die Verschlüsse der Flaschen alle Vorgaben erfüllen, die das Team gestellt hatte.
Weiter berichtet unsere charmante Gastgeberin von der biologisch angebauten einheimischen Gerste, von der Auswahl der Fässer, die ideal zum Destillat passen würden. Fündig wurde man bei früheren Bourbon, Oloroso Sherry und Rotwein STR Fässern. Nebenher stellten sich stets die Herausforderungen der konsequenten Nachhaltigkeit. Destillerien haben einen sehr hohen Wasserverbrauch. Kurzerhand wurden Pläne für einen eigenen See entwickelt, der einen Wasserkreislauf ermöglicht und Verschwendung reduziert.
„Wir brennen zwei sehr unterschiedliche Destillate. Das eine ist so konzipiert, dass es jung getrunken wird. Das Zweite ist für eine längere Reifungszeit vorgesehen. Dieses zweite Destillat konnte aber offensichtlich noch niemand trinken“, lacht Annabel. Das junge Destillat hat einen sehr hohen Cut Point, um einen sehr reinen New Make zu erhalten. Auf diesem basiert auch der „Organic Spirit“, ein naher Verwandter des Gins, den Nc’Nean produziert. Der reifere New Make basiert auf eher traditionellen Rezepten mit altbewährten Hefen und einem niedrigeren Cut Point. „Dieser New Make schmeckt viel erdiger, mit Ledernoten. Ich hoffe, er reift gut. Wir werden es in ungefähr sechs Jahren herausfindet“, wendet Annabel ihren Blick in die Zukunft: „Auch weiterhin werden wir intensiv experimentieren. Neben der Nachhaltigkeit sind diese Experimente unser zweiter Schwerpunkt.“
Als Resultat dieser Experimentierfreudigkeit dürfen wir eine Deutschlandpremiere erleben und sind die Ersten, die die „Huntress 2023 – Woodland Candy“ hierzulande verkosten dürfen. Ein besonderes Augenmerk legt Nc’Nean auf Hefen verschiedenster Art. Annabel deutet an, dass einige Bierhefen vorzüglich zu ihrem Produkt passen. Doch heute geht es zunächst um Weinhefen. Insgesamt wurde der neue Jahrgang der Huntress mit vier Hefen behandelt: Anchor, Fermentis und jeweils noch eine Rot- und Weißwein Hefe. Bei der Reifung spielten STR-Rotwein-Fässer eine prägende Rolle. Das Ergebnis fasziniert: in der Nase zarte Waldaromen mit Kräutern und Moos. Am Gaumen gesellen sich Nuancen von Getreide, Brot, Erde und Tabak hinzu. Aber auch etwas Frucht mit subtiler Aprikose. Röstnoten und Vanille begleiten den Nachhall.
Insgesamt wird es 4.558 Flaschen von dem spannenden Destillat mit 48,5 % Vol. Alc. geben.
Und mit diesem anspruchsvollen Tropfen geht ein spannender Tag im hohen Hamburger Norden zu Ende. Annabel Thomas ist gespannt, wie das „Woodland Candy“ hierzulande angenommen wir: „Deutschland ist nach Großbritannien unser wichtigster Markt, die Deutschen haben mich persönlich und Nc’Nean sehr freundlich aufgenommen.“ Sie freut sich auf ihren nächsten Besuch. Wir freuen uns auch auf sie und die „Queen of Spirits“. Denn nach jener legendären gälischen Neachneohain, Hüterin der Natur, eigenwillig voranschreitend, ist Nc’Nean benannt.
In der us-amerikanischen TTB-Datenbank sind die nächsten Label der neuen Special Releases von Diageo aufgetaucht. Nach der großen Aufregung am Sonntag über vermeintliche Tabu-Brüche innerhalb der diesjährigen Abfüllungen stellen wir Ihnen heute, ganz entspannt, Clynelish 10 yo, Glenkinchie 27 yo, Oban 11 yo und Roseisle 12 yo vor, inklusive alle bisher bekannten Details:
In diesem Jahr wieder bei den Special Releases ist die Highland-Brennerei Clynelish. Die Abfüllung für 2023, Clynelish 11 yo, reifte in First-Fill-Bourbon American Oak Casks, und ist laut Label abgefüllt mit 57,5 % Vol..
In Refill Barrels und Butts aus amerikanischer & europäischer Eiche reifte der Glenkinchie 27 yo, um dann mit 58,3 % Vol. in die Flaschen gefüllt zu werden. So sehen die Label aus:
Wenn wir es richtig sehen, wird es innerhalb Special Releases 2023 der erste Single Malt Scotch Whisky der Brennerei Roseisle erscheinen. Gereift in First Fill Ex-Bourbon und Refill Fässern, ist der Roseisle 12 yo mit 56,6 % Vol. abgefüllt, und erscheint mit diesem Label:
Auch in diesem Jahr erneut mit einer Abfüllung innerhalb der Special Releases vertreten ist die Highland-Destillerie Oban. Mit einem Finish in Caribbean Pot Still Rum Casks kam dern Oban 11 yo mit glatten 58 % Vol. in die Flaschen, die diese Labels zieren werden:
Wie üblich der Hinweis zu den TTB-Einträgen: Dass ein Label in der TTB-Datenbank eingetragen wurde, bedeutet nicht automatisch, dass die Abfüllung dann auch erscheinen wird. Es ist allerdings ein sehr starker Hinweis darauf.
Vor kurzem hatten wir die Gelegenheit, auf Einladung von Kirsch Import, dem Importeur und Distributor der Whiskys aus der irischen Waterford Distillery, die Brennerei im gleichnamigen an der Südostküste Irlands gelegenen Ort zu besuchen. Diesen Besuch möchten wir für Sie miterlebbar machen – mit Bildern und Videos.
Unser erster Beitrag beschäftigt sich mit der alten Waterford Brewery, die nach wie vor am Gelände der Destillerie zu finden ist. Die Destillerie selbst wurde in der neuen, von Diageo erbauten Brauerei eingerichtet und benutz einige der sehr interessanten Anlagen weiter.
Davon aber in einem kommenden Beitrag, denn heute soll es einmal um die Brauerei gehen. Sie ist seit über 20 Jahren nicht in Betrieb, wurde davor aber benutzt, um Smithwick’s Beer zu brauen. Dort stehen noch die alten Mash Tuns aus den Fünfzigerjahren, die Kontrollanlage, die eher an ein sowjetisches Atomkraftwerk denn eine Brauerei erinnert, und offene Gärbottiche, wie man sie heute kaum mehr findet. Und sogar eine alte Porteus-Mühle ist dort zu finden!
Head Brewer Neil Conway (der noch an den alten Anlagen arbeitete, bevor er zu Waterford wechselte) und Communications Manager Ian O’Brian führen uns durch die Anlage und erzählen dabei so manch interessante Geschichte zu den Anlagen und zur Verbindung mit der Destillerie. Viel Vergnügen mit dem zehnminütigen Video hier und auf unserem Youtube-Kanal!
Moët Hennessy als Eigentümer der Brennerei führt im Rahmen von Glenmorangies „It’s Kind of Delicious & Wonderful“-Kampagne an sechs Flughäfen Pop-up-Friseure ein. Der Erste startete am Flughafen Adolfo Suárez Madrid-Barajas in Madrid, Spanien. Weitere sollen am Flughafen Paris Charles de Gaulle, am Flughafen Heathrow, am Flughafen Luton und am Flughafen Edinburgh folgen.
Die Kampagne „It’s Kind of Delicious and Wonderful“ wurde erstmals 2020 vorgestellt (wir berichteten). Hier sollen alltägliche Momente als „wunderbare“ Erlebnisse neu interpretiert werden. Ziel der Kampagne und natürlich auch des Pop-up-Friseurs ist es, neue Verbraucher für die Whisky-Marke zu gewinnen, indem es eine jüngere Generation anspricht und „mehr weibliche Whiskyliebhaber“ einlädt. Glenmorangie’s Pop-up-Friseur bietet die Möglichkeit einer Verkostung, zusätzlich können Kaufende können eine Hand- oder Gesichtsmassage erhalten. Die Kampagne soll ein „Self-Care-Erlebnis“ bieten.
Sehr langfristig plant der schottische Whisky-Hersteller Whyte & Mackay die Erhöhung seiner Lagerkapazitäten. Das Highland Council genehmigt die Erweiterung der Lagerhäuser in Invergordon. Die Pläne von Whyte & Mackay sehen vor, innerhalb der nächsten 5 Jahrzehnte die Anzahl der Lagerhäuser Stück für Stück um 42 zu erhöhen und die Expansion im Jahr 2077 abzuschließen.
Gegen diese Genehmigung bzw. die neuen Lagerhäuser gab es große Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Umwelt. Hier ging es ganz konkret wieder um den sogenannten „Whiskypilz“, der sich bekanntermaßen von den Alkoholdämpfen (Flüchtige organische Verbindung) ernährt und wie ein schwarzer Teppich auf seine Umgebung legt. Der Gemeinderat von Invergordon lehnte den Bauantrag von Whyte & Mackay zunächst ab, die schottische Umweltschutzbehörde hatte allerdings keine Einwände, sagte zudem jedoch zu, dass die Leitlinien zu den flüchtigen organischen Verbindungen überprüft werden. Ratsmitglied Matthew Reiss hatte gegenüber den Ausbauplänen noch einen weiteren Einwand: Er habe „noch nie etwas Hässlicheres gesehen“. Whyte & Mackay sagte allerdings zu, die Optik mittels eines umfangreichen Pflanzprogramm etwas abzumildern. Mehr zu der Erweiterung auf der Website des ross-shire journal.
Auch der unabhängige Abfüller Gordon & MacPhail veröffentlicht anlässlich der Krönung von King Charles III. eine ganz besondere Abfüllung. Der Single Malt der Glen Grant Distillery kam am 10. April 1948, dem Geburtsjahr des neuen britischen Königs, in ein First-Fill Sherry Cask. Am 15. Dezember, dem Tag seiner Taufe, konnten 281 Flaschen in Fassstärke mit 50,4 & Vol. befüllt werden. Das Ergebnis der 74 Jahre langen Reifung, so heißt es in der englischsprachigen Presseaussendung, ist ein lebendiger und wohlriechender Single Malt. Bepreist ist die Abfüllung mit £25.000 (etwas mehr als 28.000 €), wobei Gordon & MacPhail genau dieser Summe auch der Prince’s Foundation zukommen lassen wird. Näheres zur The Private Collection 1948 der Glen Grant Distillery von Gordon & MacPhail zu Ehren der Krönung von König Charles III. finden Sie in der folgenden Presseaussendung:
Presseartikel
Für den Inhalt ist das Unternehmen verantwortlich
GORDON & MACPHAIL TO RELEASE 74-YEAR-OLD WHISKY TO COMMEMORATE CORONATION OF KING CHARLES III
Gordon & MacPhail is set to unveil a special single malt whisky from 1948 – the year of his birth – to honour King Charles III’s Coronation in May.
The Private Collection 1948 from Glen Grant Distillery was filled into a first-fill Sherry cask on 10th April 1948 by Gordon & MacPhail. Only 281 bottles will be available of this ultra-rare release which was bottled on 15th December – the anniversary of His Majesty’s christening.
Priced at £25,000, the whisky retains a remarkable cask strength of 50.4% after more than seven decades of maturation. And the result is a vibrant and fragrant single malt packed with festive spices, mulled berries, a hint of raisin and lemon zest.
Last year, Gordon & MacPhail released a 70-year-old single malt to mark the Platinum Jubilee of Her Majesty Queen Elizabeth II. Prior to this, HRH Prince Charles – as he was known then – officially reopened its Benromach Distillery in 1998.
To celebrate the release of The King Charles III Coronation Edition, a donation of £25,000 will be made by Gordon & MacPhail to The Prince’s Foundation. The charity runs a diverse programme of education and training for all ages and backgrounds, including traditional arts and heritage craft skills, horticulture, wellbeing and hospitality, and regeneration projects to support communities.
Stephen Rankin, Director of Prestige at Gordon & MacPhail, said:
“This exceptional whisky is a fitting tribute to His Majesty, who has continually promoted and protected British tradition and excellence over many decades. This release has been carefully nurtured for over seventy years and is testament to great patience, long term thinking and commitment to creating high quality products; principles that have been handed down through generations of people working for our family business.
“For more than 50 years, King Charles has placed a firm focus on sustainability and supporting communities. Our donation to The Prince’s Foundation will support his vision of a more sustainable world and aims to help create future legacies.”
RRP: £25,000 ABV: 50.4%
Tasting Notes
Nose: Fragrant festive spices complement mulled berries with a hint of raisin. Lemon zest comes to the fore alongside demerara sugar and subtle beeswax polish.
Palate: Red apple flavours infuse with bitter orange and milk chocolate. Subtle smoke develops accompanied by fresh peppermint leaves.
Finish: Full finish with lingering grapefruit and mature oak.
Die Destillerie Glen Scotia ergänzt ihr Programm zum ‘Campbeltown Malts Festival 2023’ noch um weitere Punkte. Zum einen stellt die Brennerei in ihrer aktuellen englischsprachigen Pressemitteilung ihre diesjährige Festival-Abfüllung vor (ein 11-jähriger, leicht getorfter Single Malt, der für 12 Monate in White Port Fässern reifte, diese Abfüllung kündigte sich bereits an). Zum anderen wird die Whisky-Autorin Becky Paskin mittels einer virtuellen Reise durch die „Victorian Whisky Capital“ führen. In diesem Video-Experiment, welches im Fass-Lager beginnt und durch die Stadt führt, mitgenommen auf eine sensorische Erkundung, bei der absichtlich Bild, Farbe und Ton manipuliert werden.
Alle Details, und wie Sie am Video-Experiment mit Becky Paskin teilnehmen können, dinden Sie in der englischsprachigen Presseaussendung
Presseartikel
Für den Inhalt ist das Unternehmen verantwortlich
Glen Scotia unveils limited-edition ‘Campbeltown Malts Festival 2023’ release with its first-ever on-pack virtual experience with whisky expert, Becky Paskin
Multi-award-winning distillery, Glen Scotia has unveiled its 2023 Festival release – a limited-edition bottling to mark the Campbeltown Malts Festival (23-24th May 2023), the yearly event hosted in the distillery’s hometown to celebrate the region’s rich history.
In keeping with its tradition of bold innovative styles and flavours for this annual global release, this year’s 11-Year-Old lightly peated single malt has been finished for 12 months in white port casks. It is brimming with bright spiced stone fruit flavours, fragrant prune and fig notes, and a sandalwood spice, all intertwined with a distinctly-Campbeltown soft smoke and sea salt.
In a first for Glen Scotia, the packaging of the latest release will be embossed with a bespoke QR code giving those unable to make the trip to the ‘Victorian Whisky Capital’ a chance to transport themselves into the heart of the distillery for a unique new digital experience, the Glen Scotia Whisky Experiment.
Led by award-winning spirits writer, TV presenter, and OurWhisky Founder, Becky Paskin, the virtual video experiment, shot in the dunnage warehouse and around the town, takes viewers on a sensory exploration, intentionally manipulating sight, colour, and sound, as Becky guides audiences to pour a dram and consider how its flavour is influenced by visuals and music in the experience.
She is joined by Glen Scotia master distiller and distillery manager, Iain McAlister, as the pair take a walk through the distinctive Campbeltown landscape. The region, which is characterised by its climate, nature, and location to the sea, is a deeply sensorial spot, defined by the elements, which also play an important role in its whisky-making.
The project follows Becky and Iain’s Whisky Experiment in-person at last year’s Malts Festival, as Glen Scotia continues to seek new ways to bring Campbeltown to audiences around the world.
Made by the experts behind Scotland’s ‘Distillery of the Year 2021’, this 2023 limited-edition release is another remarkable bottling that stays true to the classic Campbeltown character, while offering something intriguing and bold in its unique flavour profile. Available to purchase online and in specialist retailers around the world, the 70cl bottle (54.7% ABV) retails at £65.
Iain McAlister, Glen Scotia master distiller and distillery manager, said:
“As our fanbase continues to grow around the world, we wanted to find a way to give those who might not be able to join us at the Malts Festival this year a rich experience of our home. The Whisky Experiment is just that, and provides a fascinating approach to whisky tasting, as Becky encourages us to reconsider what’s in our glass again and again, as the environment transforms in front of us. I love that it can be done time and time again with any Glen Scotia dram, wherever you are in the world.
“This year’s Festival Release is another superb, limited-edition that showcases the scope of what Glen Scotia can offer; the white port cask finish provides something interesting and different for us, while still maintaining that wonderful fruity, robust, and subtly saline Campbeltown signature profile.”
Becky Paskin added:
“We had such a brilliant time at last year’s Festival bringing to life the sights and sounds of Campbeltown through the medium of whisky, and we wanted to share this wonderful, sensorial experience with everyone.
“The idea behind the Glen Scotia Whisky Experiment is guided by the way our sense of taste is dictated by the environment we’re in; so, what we taste in our glass will be affected by our setting, and Campbeltown is a fantastic place to recreate.
“This is a chance to rip up the rule book on traditional whisky tasting notes, have an open mind, and find new possibilities, which is the most exciting part – drams can be completely re-imagined.”
The Campbeltown Malts Festival is a celebration of the region once known as the ‘Victorian Whisky Capital of the World’ due to its illustrious past and the role whisky-making has played in the town for over 200 years. It celebrates the exceptional whisky-production capabilities of Scotland’s smallest whisky-making region through a series of events and tastings that explore Glen Scotia’s award-winning portfolio.
Der unabhängige Abfüller und Whisky-Broker Mark Littler würdigt die anstehende Krönung des neuen britischen Königs Charles III am 6. Mai 2023 mit einer besonderen Abfüllung. The Mark Littler Macallan 27 Year Old Coronation Reserve ist die Einzelfass-Abfüllung eines Ex-Bourbon-Fass der Macallan Destillerie, welches in Fassstärke mit 41 % Vol. in 90, einzeln nummerierten Flaschen kam. Diese Flaschen erscheinen mit einer handgefertigten, blauen Schachtel.
Das Label dieser Abfüllung stammt vom bereits 2018 verstorbenen Macallan-Designer David Holmes. Vor einigen Jahren entwarf er dieses Label, nach seinem Tod vervollständigte sein Sohn Toby dann das Etikett. David Holmes schuf die Marketing-Kampagnen von Macallan in den 1970ern und 1980ern, die deutlich dazu betrugen, Macallan als Luxus-Single Malt zu etablieren. (Macallan selbst würdigt ihren Kreativen mit der The Macallan Archival Series Folio).
Interessierte können auf der Website von Mark Littler registrieren, der Erwerb (Preis 3.002,95 €) wird dann über ein Los-System für die glücklichen Gewinnenden ermöglicht. Mehr zu The Mark Littler Macallan 27 Year Old Coronation Reserve finden Sie auf Whiskyintelligence, auf marklittler.com und im Video zur Abfüllung, welches Sie auf Youtube finden so wie hier eingebunden:
Am vergangen Wochenende fand das Festival „The Whisky Fair“, oder auch „Whisky 2023 Festival – Das Festival der Sinne“, statt. Zum mittlerweile 21. Mal wurde Limburg an der Lahn, wie der Veranstalter in seiner Pressemitteilung treffend schrieb, „zur Whiskyhauptstadt Europas“. An zwei Tagen lud die Veranstaltung zu über 6.000 Probiermöglichkeiten ein. Unser freier Mitarbeiter Stefan Bügler wählte aus diesem übergroßen Aangebot drei Messeschlaglichter aus, die er uns auf seinem Messe-Rundgang näher vorstellt.
Alle Bilder Copyright Stefan Bügler
Dornoch -Saillt Mór – Chichibu. Die Messeschlaglichter aus Limburg!
Die Schlaglichter aus Limburg erzählen diesmal Geschichten aus Schottland, Deutschland und Japan. Es sind Geschichten die sehr interessante Gemeinsamkeiten, aber natürlich auch ihre individuellen Einzigartigkeiten aufzeigen.
Limburg is back!
Endlich wieder Whiskyfair in Limburg! Die Messe dürfte am letzten Samstag ein Besucheraufkommen wie vor 2020 erreicht haben. Auch der Sonntag war gut besucht, ist aber traditionell eh immer etwas entspannter. Viele bekannte Gesichter der letzten Jahr(e)zehnte aus Sammler-, Händler- oder Genießerkreisen sorgten für ein breites Angebot und rege Nachfrage rund um das Wasser des Lebens.
Dornoch Distillery | Thompson Bros.
In diesem Jahr kamen die Brüder gemeinsam nach Limburg: Phil und Simon Thompson. Mit dabei – erstmalig auf einer kontinentalen Messe – war Dornoch Distillery Manager Euan Christie. Die drei boten einen Querschnitt ihrer unabhängigen Abfüllungen sowie drei Dornoch Fassproben und sogar zwei Dornoch Abfüllungen, die im Grunde kaum zu bekommen sind. Diese Flaschen werden verlost und auf jede verfügbare Flasche kommen häufig 10-15 Interessenten im Losverfahren. Letzteres führt vor Augen, dass Dornoch eine sehr kleine Brennerei ist, die derzeit nur etwa 10.000 Liter reinen Alkohol produziert und davon den größten Teil davon zur Whiskyproduktion nutzt. Die Thompson Bros. Abfüllungen sowie alle Schritte der Produktion von Dornoch erfolgen ausschließlich vor Ort. So sind Simon und Phil immer mit aufgekrempelten Ärmeln unterwegs und stolz, werthaltige Produkte anzubieten.
Dornoch: Distillery Manager Euan Christie, Phil und Simon Thompson (v.i.)
„Niemand hat damals den Whisky produziert, den ich selbst trinken wollte“, sagt Simon. Inspiriert von den Abfüllungen aus den 1920er und 1930er (Glen Grant) sowie aus den 1950er und 60er Jahren (Bowmore, Glen Garioch, Laphroaig) aus der Bar des familieneigenen Hotels, machten sich Simon und Phil auf – quasi um die Ecke – in einer alten Feuerwehrstation eine kleine Brennerei aufzubauen und starteten 2016 mit der Destillation. Parallel zu Dornoch bauten sie Thompson Bros. auf, einen „full process bottler“, der vom Warehousing bis zur Abfüllung alles selbst macht und dadurch außerordentlich flexibel ist. Jetzt schon legendär: die 1990er Secret Islay Abfüllungen.
Seit September 2019 werden sie dabei von Euan Christie unterstützt, der im September 2017 anfing in der Bar und auch in der Brennerei zu arbeiten und dann seinen Master in Brewing & Distilling an der Heriot-Watt University machte. Nun stecken die drei die Köpfe zusammen, um einen Whisky möglichst „wie früher“ zu produzieren, mit traditionellen Methoden und Rohstoffen. Zudem beschäftigen sie sich mit dem Ausbau der Brennerei – die Pläne dafür sind schon eingereicht. Also wird es hoffentlich nicht mehr soooo lange dauern, bis Dornoch vielleicht etwas besser verfügbar ist.
Destillerie Ralf Hauer | Saillt Mór
Von der alten Feuerwache nun zur großen Saline. In Limburg waren sie nur rund zehn Meter voneinander getrennt. Die Rede ist natürlich von der Destillerie Ralf Hauer und deren Whiskymarke Saillt Mór, die auf die große Saline zurückgeht, die einst auf dem Grundstück der heutigen Brennerei stand.
Saillt Mór: Brennmeister Ralf Hauer und sein Sohn Nils
Ralf Hauer hat Brennerfahrung seit 1990 und entwickelte zwei Whisky-Rohbrände autodidaktisch in seinem „stillen Kämmerlein“. Der eine wird in einer Kolonne gebrannt und später in Fässer aus Pfälzer Eiche gefüllt: es handelt sich dabei um den gleichnamigen im Grunde immer erhältlichen Saillt Mór „Standard“ Pfälzer Eiche. Er repräsentiert etwa ein Drittel der Produktion, die insgesamt nur bei etwa 3.200 Liter reinem Alkohol liegt – das entspricht etwa 4.500 Litern in Fassfüllstärke. Die anderen zwei Drittel der Produktion gehen in den Single Malt, der in Bourbon, Sherry, Port oder auch Madeira Fässer gefüllt wird und häufig als Einzelfassabfüllung erhältlich ist. Ralf Hauer erzielt eine kleine aber sehr feine Tagesausbeute von etwa 160 Litern reinen Alkohols nach 16 Stunden Destillation. Damit befüllt er bis zu 20 Fässer pro Jahr. Eines davon kommt demnächst neu auf den Markt: ein Madeira Finish. Rund siebeneinhalb Jahre verbrachte das Destillat in einem Heavy Toasted Woodford Reserve Bourbon Fass und weitere sechs Monate in einem frischen Madeira Fass. Eine Probe hatten Ralf und sein Sohn Nils in Limburg dabei und wussten damit jeden Zweifler, in Bezug auf Deutschen Whisky zu überzeugen. Probieren geht halt über studieren – also bedeutet das: Nicht meckern, Nase reinstecken! Genau das macht übrigens auch Ralf Hauer, der den Rohbrand tatsächlich ohne Instrumente, sondern nur mit seinem Geruchssinn trennt – der hat ihn scheinbar noch nie getrügt. ‚Diese Nase…’
Chichibu Distillery | Venture Whisky
Angesichts der sehr kleinen Produktionskapazitäten von Dornoch und Saillt Mór, wirkt Chichibu mit jährlich 53.000 Liter reinen Alkohols aus der ursprünglichen Brennerei (2008) und den etwa 250-300.000 Litern aus der in 2019 eröffneten Chichibu #2 wie ein Industriegigant. Doch damit ist Chichibu immer noch eine vergleichweise kleine Brennerei. Die Messe in Limburg konnte in diesem Jahr ihren Eigentümer und Japanische Whiskylegende Ichiro Akuto begrüßen, der die Japanische Whiskyindustrie in den letzten 20 Jahren maßgeblich geprägt hat.
Chichibu: Global Brand Ambassador Yumi Yoshikawa, Whisky-Gigant Ichiro Akuto und Taichi Moriyama.
Im Jahr 1625 begann die Familie Akuto Sake zu Brauen. Damit startete eine Tradition über viele Jahrhunderte. Im Jahr 1941 wandelte der Großvater von Ichiro-san die Firma um und produzierte dann unter anderem Pot Still Rum, Sake, Shochu und Whisky. Letzterer wurde in der legendären Hanyu Distillery destilliert. Doch im Zuge der Rezession gingen die Geschäfte schlecht und die Familie war gezwungen die Firma zu verkaufen. Der neue Inhaber war damals nur am schnellen Sake und Shochu Business interessiert und schloss Hanyu in 2000 und baute sie in 2004 ab.
So fügte sich das Schicksal, dass Ichiro-san, der von seinem Vater und Großvater viel über die Whiskyproduktion lernte und bei Hanyu noch als Salesman gearbeitet hatte, die Fässer von Hanyu zurückkaufen konnte, die sein Vater produziert hatte. Er startete seine eigene Firma Venture Whisky und brachte unter anderem seine legendäre Hanyu Playing Card Series heraus.
Damit sollte es für ihn aber nicht getan sein, denn Ichiro-san möchte die Familientradition fortführen und Whisky für zukünftige Generationen produzieren.
Im Jahr 2008 nahm Chichibu den Betrieb auf und war die erste Whiskybrennerei in Japan seit der Hakushu Distllery in 1973. Rückblickend war dies eine Initialzündung zur Revitalisierung der Japanischen Whiskyindustrie und bereitete den Boden für die vielen neuen Brennereien, die in Japan in den letzten Jahren entstanden sind.
Um den Chichibu Stil zu entwickeln hatte Ichiro-san um 2006 herum über 6000 Whiskies innerhalb von zwei Jahren verkostet und auch er wurde vor allem von den Whiskies aus den 1950er und 60er Jahren inspiriert und von den traditionellen Produktionsweisen dieser Epoche. Diese Erkenntnisse, ihre Anwendungen, die leidenschaftlichen Menschen, die bei Chichibu arbeiten sowie die natürlichen Voraussetzungen um die Brennerei (große Temperaturschwankungen nicht nur innerhalb des Jahres, sondern auch des Tages) sind für Ichiro-san die maßgeblichen Faktoren für einen komplexen, geschmackvollen und reifen Chichibu – auch schon in jungen Jahren.
Faßproben dieser Destillationskunst haben Ichiro Akuto, Global Brand Ambassador Yumi Yoshikawa und Taichi Moriyama auch in diesem Jahr wieder mit nach Limburg gebracht. Für mich stach das exzellente First Fill Bourbon Cask stark heraus, das absolutes Gänsehautpotential hat.
Dornoch – Saillt Mór – Chichibu. Frei gedacht nach Ichiro-san, verbindet die drei Brennereien nicht nur dieser Artikel, sondern dass sie mit ihrem individuellen Ansatz Traditionen wieder aufgreifen und fortführen. Ihre Whiskys sind schon jetzt ein Geschenk für die derzeitige Whisky-Generation.
Seine Wartezeit auf Mr George Legacy 1959, die dritte und zugleich allerallerletzte Abfülklung in der Mr George-Serie des unabhängigen Abfüllers Gordon & MacPhail (wir berichteten), verkürzt sich Serge Valentin mit einer kleinen Glen Grant Session, bestehend aus zwei 12-jährigen und einem Bonus. Die beiden Glen Grant 12 yo im Tasting sind recht aktuelle Bottlings. Hier gefällt die im normalen Handel erhältliche Abfüllung ein wenig besser als die Abfüllung für Travel Retail. Den Bonus in der heutigen Verkostung bildet ein 59-jähriger Glen Grant des unabhängigen Abfüllers Gordon & MacPhail. Diese Abfüllung erschien 2014 in einer Auflage von 59 Flaschen für das französische La Maison du Whisky. In der Kurzübersicht sieht das heutige Tasting so aus:
Abfüllung
Punkte
Glen Grant 12 yo (43%, OB, +/-2022)
83
Glen Grant 12 yo ‚Travel Retail‘ (48%, OB, +/-2022)
80
Glen Grant 59 yo 1955/2014 (60.8%, Gordon & MacPhail, Book of Kells for LMDW, refill sherry hogshead, cask #845, 78 bottles)
94
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