Eine Branche, die momentan auf Grund der generellen wirtschaftlichen Lage und wegen des veränderten Konsumverhaltens ihrer Kunden ohnehin schon genug zu kämpfen hat, mit einer Steuerehöhung zu kommen, ist vom Timing her eher als suboptimal zu bezeichnen.
Dementsprechend wenig amüsiert zeigen sich die Präponenten der Branche, zum Beispiel der Verband der Bayerischen Spirituosenindustrie e.V. – mit der Hausbrennerei Penninger hat man deshalb einen offenen Brief verfasst, um gegen die Erhöhung zu diesem Zeitpunkt zu protestieren. Man schlägt unter anderem vor, die Einführung der höheren Steuer, wenn sie schon sein muss, auf Mitte 2027 zu verschieben, um die bereits für das Weihnachtsgeschäft geschlossenen Verträge noch zu verschonen (dort müssten die Brenner die Steuererhöhung alleine und zu 100% schlucken).
Hier der offene Brief, der wohl stellvertretend für andere Regionen gelten kann:
| Externer Text | Inhalt verantwortet das Unternehmen |
Spirituosensteuer: Bayerische Brenner warnen vor dem Ende gewachsener Handwerkstradition
Wenn der Bundestag nächste Woche erstmals über die geplante Alkoholsteuererhöhung diskutiert, geht es für hunderte bayerische Familienbetriebe um ihre Existenz.
Die im Haushaltsbegleitgesetz 2027 geplante Erhöhung der Alkoholsteuer auf Spirituosen um 20 Prozent — von 13,03 auf 15,64 Euro je Liter Reinalkohol — trifft eine Branche, die bereits unter Druck steht: Der Spirituosenabsatz ist bundesweit in drei Jahren um elf Prozent zurückgegangen, kleine Familienbetriebe kämpfen mit steigenden Energie- und Rohstoffkosten.

„Wir reden nicht über Gewinneinbußen. Wir reden darüber, ob unsere Betriebe dieses Gesetz überleben“,
sagt Stefan Penninger, Inhaber der Alten Hausbrennerei Penninger und Vorsitzender des Verbands der Bayerischen Spirituosenindustrie.
„Unsere Verträge mit dem Lebensmittelhandel laufen Monate im Voraus — und unsere Kunden weichen ohnehin aus: auf Bier, auf Wein, auf ausländische Produkte. Die Mehreinnahmen, die Berlin erwartet, werden nicht kommen.“
Das zeigt das Beispiel Großbritannien: Nach der Steuererhöhung 2023 liegen die Einnahmen dort heute 1,1 Milliarden Pfund unter den ursprünglichen Prognosen. Die britische Finanzministerin hat im April 2026 selbst eine Evaluierung eingeleitet.
Spirituosen tragen bereits heute mit rund 69 Prozent überproportional zum Steueraufkommen aus alkoholhaltigen Getränken bei — bei nur 4,6 Prozent des Gesamtkonsums. Die handwerkliche Brennkunst ist als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt.

Was brauchen die Betriebe konkret? Drei Korrekturen würden den Unterschied machen:
Verschiebung des Inkrafttretens auf frühestens 1. Juni 2027. Ein Inkrafttreten zum 1. Januar trifft das wichtigste Jahresendgeschäft und greift in laufende Preisverträge mit dem Lebensmittelhandel ein, die Monate im Voraus abgeschlossen werden. Kleine Betriebe können die Steuerlast schlicht nicht mehr rechtzeitig weitergeben — das Gesetz würde auf ihren Kosten in Kraft treten.
Mengenbezogene Schutzinstrumente für kleine unabhängige Brennereien. Handwerkliche Kleinbrenner haben gegenüber Handel und Großkonzernen ohnehin eine schwächere Preissetzungsmacht. Was im EU-Biersteuerrecht seit Langem gilt — kleinere Brauereien zahlen nach ihrer Produktionsmenge gestaffelt weniger Steuer — sollte auch für kleine unabhängige Brennereien gelten. Ein solches Modell würde ausschließlich eigene Herstellung begünstigen, nicht Handels- oder Lizenzmengen, und die Wettbewerbsverzerrung zulasten der Kleinen zumindest abmildern.
Verbindliche Wirkungskontrolle. Sollte die Steuer kommen, muss ihre fiskalische und gesundheitspolitische Wirkung anhand vorab festgelegter Kennzahlen evaluiert werden — mit der
klaren Konsequenz, dass keine weiteren Erhöhungen erfolgen, bevor die Ergebnisse vorliegen und parlamentarisch beraten wurden.
„Wir fordern keine Sonderbehandlung. Wir fordern Verhältnismäßigkeit und den Mut, aus internationalen Fehlern zu lernen, bevor es zu spät ist“,
so Penninger.
Über die Alte Hausbrennerei Penninger GmbH

Die 1905 in Hauzenberg gegründete Hausbrennerei Penninger produziert seit fast 125 Jahren hochwertige Spirituosen und ist vor allem für ihre Kräuterspezialitäten Blutwurz und Bärwurz bekannt. Seit 2020 befindet sich der Firmensitz im neuen Besucherzentrum in Waldkirchen. In der anschaulichen Ausstellung erfährt man mehr über die geistreichen Genussmittel, die Geschichte der Spirituosenherstellung und die von Penninger verwendeten Rohstoffe wie Obst, Getreide, Kräuter und Gewürze.
Über den Verband der Bayerischen Spirituosenindustrie e.V.
Der Verband vertritt die Interessen mittelständischer und handwerklicher Spirituosenhersteller in Bayern. Seine Mitglieder sind überwiegend familiengeführte Betriebe, die traditionelle Destillate wie Obstbrand, Enzian, Kräuterlikör und Whisky produzieren. Die handwerkliche Brennkunst ist Teil des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbes. Informationen über seine Mitgliedsbetriebe und seine Aufgaben finden sich auch unter www.bayerischer-spirituosenverband.de.















