In unserer regelmäßigen Rubrik “Whisky des Monats” stellen wir Ihnen, sehr subjektiv gesehen natürlich, Whiskys vor, die wir besonders mögen und denen wir eine breitere Öffentlichkeit wünschen. In diesem ersten Monat 2016 sind es die Whiskys von Michel Couvreur, womit wir das neue Jahr direkt mit einem Regelverstoß beginnen.

Es gibt sie einfach nicht mehr: Diese beeindruckenden Whiskys, in Fässern gereift, welche vorher lange Zeit in der Sherry-Herstellung zum Einsatz kamen. Jene Ex-Sherry-Fässer, die durch die Jahre langer Befüllung mit den unterschiedlichen Spielarten des Sherrys sich mit diesen Aromen vollgesogen haben. Und denen dann auch genügend Zeit nach ihrer Zeit in Spanien gegeben wird, in den ware houses diese Aromen zu übertragen und so für Old School Whiskys sorgen. So empfand es auch Michel Couvreur, dies allerdings schon vor über 30 Jahren. Und so scheint es sich mit den Klagen über eine schwindende Qualität des Whiskys ähnlich zu verhalten wie mit den Klagen über die heutige Jugend. Denn die Klagen über ihre schlechten Manieren und ihre Verachtung von Autorität begleiten die Menschheit spätestens seit Sokrates – ohne dass die Jugend dadurch sich änderte oder diese Klagen verstummten.

Michel Couvreur - Der letzte Mohikaner
Michel Couvreur
Foto: Marco Bonn

Michel Couvreur, 1928 in Belgien geboren, führte seine Tätigkeit im Weinhandel in den 50er Jahren auf die britische Insel und auch nach Schottland. Dort lernte er den Scotch Whisky kennen, lieben und erlernte auch die Geheimnisse der Herstellung – von der Auswahl der Gerste bis zur Lagerung in früheren Sherry-Fässern. Und er musste dort dann auch erleben, dass der Anteil dieser Fässer immer geringer wurde. In den 70er Jahren zog es ihn wieder auf den Kontinent, in Bouze lès Beaune/Burgund in Frankreich war er nun Besitzer eines alten, in Fels geschlagenen Weinkellers. Auf halbem Wege zwischen Schottland und Spanien begann er nun, seine eigenen Whiskys zu kreieren. Seine jahrelange Tätigkeit im Weingeschäft ermöglichte ihm, seinen Keller mit ausgedienten Sherry-Fässern zu füllen, und aus Schottland bezog er das Destillat, und dieses fand dann in seinen eigenen Fässern die notwendige Umgebung und Zeit, um zu Whisky nach seinen Vorstellungen zu reifen.

Michel Couvreur verstarb am 17. August 2013. Doch seine Idee von sherrylastigem Whiskys wird von seinem Schwiegersohn Cyril weitergeführt.

Felsenkeller 02
Ein Blick in den Felsenkeller
Foto: Marco Bonn

Zur Zeit lagern etwa 600 Fässer im Fels-Keller und einem kleinen Zwischenlager. Die Grunddestillate bezieht Couvreur Whisky aus 20 schottischen Brennereien. Pro Jahr werden ca. 50.000 Flaschen abgefüllt, den größten Teil machen die Bottlings Clearach, Unique und Intravaganza aus. Wir stellen heute allerdings zwei andere Couvreur Whiskys vor.

Couvreur-Whiskys
Michel Couvreurs Candid und Overaged Malt Whisky

Die Malts des Candid kommen, so liest man im Internet, von der Insel Islay und lagerten in Pedro Ximenez Fässern. Seine Nase führt uns auf eine Kirmes. Zum Duft und der Süße von Zuckerwatte und Paradiesäpfeln paart sich kalter Rauch und maritime Noten in Form von ein klein wenig salziger Meeresluft. Am Gaumen, leicht trocken, leicht bitter und würzig mit einer dezenten alkoholischen Note, entwickelt der Candid eine zarte Süße, je mehr Zeit ihm gegeben wird, bevor er sich voll und lang anhaltend im Finish mit einem Anflug von Rauch verabschiedet.

Der Overaged Malt Whisky besteht aus einem Vatting unterschiedlich alter Whiskys. Der Jüngste ist 12 Jahre alt, die Ältesten durften bis zu 27 Jahre im Fass reifen. Mit 43 % Vol. abgefüllt, lassen sich der verhaltenen und weichen Nase zarte Lakritz-Noten mit Toffee und Vanille entlocken. Am Gaumen zeigt er dann allerdings einen starken Antritt, sehr ölig mit fruchtigen Aromen von Birne und Citrus ist der Overaged hier ein sehr komplexer Malt Whisky. Sein sehr wärmendes, würdevolles und elegantes Finish ergänzen die Eindrücke des Gaumens.

Wohnhaus der Couvreur, der Keller befindet sich unter und hinter dem Haus
Das Wohnhaus der Couvreur, der Keller befindet sich unter und hinter dem Haus
Foto: Marco Bonn

Couvreur Whiskys sind keine Massenware. Nach ihrer Zeit in den Eichenholzfässern verweilen sie noch in großen Glasbehältern, bevor sie dann nach Bedarf in die viereckigen Flaschen abgefüllt und mit einem über eine Ecke geklebten Label versehen werden. Verschlossen sind diese Flaschen mit einem Weinkorken, diese werden zudem noch mit Wachs versiegelt. Vor dem Öffnen eines Couvreur Whiskys empfiehlt es sich, die Flasche kopfüber in sehr heißes Wasser zu tauchen, so dieses Wachs zu erwärmen und dann mit einem scharfen Messer zu lösen. Ohne diese Prozedur lässt sich das Wachs nur in sehr kleinen Stücken von der Flasche lösen, die sich dann überall in der nächsten Umgebung verteilen.

In diesem Monat halten wir uns erstmals nicht an unsere Regeln für einen Whisky des Monats. Denn neben einer uns überzeugenden Qualität war es uns auch immer wichtig, dass eine Abfüllung oder die Whiskys einer bestimmten Destillerie auch verfügbar sind. Und dies ist bei den Michel Couvreur Whiskys nicht unbedingt gegeben. Zwar generieren die gängigen Suchmaschinen für den Online-Einkauf einige Treffer, doch oft befinden sich die Couvreur-Abfüllungen „Out of Stock“ und ihre Aufnahme ins Verkaufsportfolio dient anscheinend manchmal nur der Optimierung von Suchmaschinenergebnissen.

Diese nur bedingte Verfügbarkeit führte dazu, dass wir von den Couvreur Whiskys mehrmals als möglichen Whisky des Monats wieder Abstand nahmen. Dass wir es jetzt doch tun, liegt daran, dass man ihre Qualität nicht ignorieren kann. Die Entscheidung dazu ist gefallen, bevor einer der deutschen Importeure unser Werbepartner wurde. Das sei, im Sinne der Transparenz, ausdrücklich festgehalten.

Felsenkeller 01