Reinhard Pohorec hat uns seine Tasting Notes zu der Zweiervertikale mit Ardmore und Mortlach gesendet, passend zum Bericht über seinen Besuch in der Scotch Malt Whisky Society in London (nachzulesen hier):

 

„New balls please“, Cask No 66.44

Drinking tip: At Flushing Meadows or Hampden Park,
Date Distilled: 17 July 2002, Colour: Shiny conkers, Age: 10 years, Flavour : Deep, rich & fruity, Cask Type: Refill ex-sherry butt, Whisky Region: Highland Eastern

 

Ardmore Destillerie, Foto von Stanley Howe unter CC-Lizenz
Ardmore Destillerie, Foto von Stanley Howe unter CC-Lizenz

Nase: also etwas nachvollziehbar war es schon, das Aufmachen der Dose neuer Tennisbälle, aber dann ging es ganz schnell in eine braune Sherry Bombe über, beafy meaty, unfassbar fleischig, ein Barbecue der aller würzigsten Sorte, geräuchert, fast konnte man den beißenden Rauch in den Augen spüren, nussig, Walnüsse in allen Entwicklungsstadien, grünlich, schwarz und eingelegt, frisch und gleichzeitig überreif, Lakritze, verbrannter Karamell, mit Wasser noch trockener, kräutriger, getrockneter Liebstöckel

4 Sterne

Gaumen: auch hier kommt das Sherryfass mit 200km/h daher, eine Dampframme an Tannin, Gerbstoff, Rauch, Barbecue und geräucherten Wildwürsten, mit Nüssen und getrockneten Zwetschken, Preiselbeermarmelade, dann grünlich, unreife bittere Grapefruit, auch etwas sulphury, kein gänzlich sauberes Sherryfass, auch wenn viele Menschen auf das Aroma abfahren… Hier scheiden sich die Geister!

4 Sterne

Finish: lange, kräutrig, Ingwer und Cardamomkapseln, und dieses Monster will sich nicht beruhigen, es bleiben trockene Noten liegen, salzig, verbrannt, Nüsse, ein bitteres Zigarrenaroma, Möbelpolitur, frisch lackiert, kraftvoll

4 Sterne

Alles in allem: etwas für „Liebhaber und Malt-Schatzsucher“… ganz ehrlich, dieser Whisky ist nichts für schwache Nerven und verlangt einem alles ab – mit Sicherheit kein Dram, den man sich einschenkt, wenn man bisher nur Blended Scotch kennengelernt hat, hierfür braucht man viel Zeit, Geduld und auch Durchhaltevermögen, aber eine Entdeckungsreise allemal, sehr sehr spannend und eine Bereicherung des geistigen Tastingportfolios, man darf diesem Malt nicht unrecht tun, indem man sich schnell „abstoßen“ lässt von seiner Eigenwilligkeit, die Belohnung kommt!

Gesamtwertung: Vier Sterne, sehr gut.

vermutet hätte ich persönlich vielleicht ja auch einen Mortlach, aber dieser Ardmore hat mich völlig aus der Fassung geworfen – so wie der ganze Abend, eine echte Reise der Sinne.

„Continuous snowfall of curiosities“, Cask No 76.105

Drinking tip: To get the juices flowing on a Sunday afternoon
Date Distilled: 31 May 1993, Colour: Hay in the moonlight, Age: 19 years, Flavour : Sweet, fruity & mellow, Cask Type: Refill ex-sherry butt, Whisky Region: Speyside Spey

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Nase: hell flinty, Vanille, cremig gebuttert, Shortbread, dahinter Speck und leichter Rauch, lackig, ledrig, Danish Pastry, Marshmallows wie am Lagerfeuer gegrillt, Sandelholz, etwas Kümmel strömt mir in die Nase, Erinnerungen an Tresterbrände werden wach, dann kommen grünlich grasige Akzente, verspielt und komplex. Mit Wasser kommen mehr Fruchttöne, Erdbeere?! Kiwi und etwas Sherry, geschälte rohe Nüsse

4 Sterne

Gaumen: Fruchtmixcocktail, mundfüllend, feurig, voll, etwas pfeffrig, grüner Apfel, wachsig, treacle tart, Ingwer und Muskat, wieder Ledermöbel, Zigarrenkästchen, Thymian, Kubebenpfeffer, ungewöhnlich, verspielt, mit Wasser weicher, runder, zugänglicher

3. 5 Sterne

Finish: lange, anhalten, etwas spitzig, von der Würze getragen, dann mehr Süße und cremige Noten, bis sich schließlich wieder die frischen Seiten zeigen, grasig, Grappa und erfrischende Apfelnoten

4 Sterne

Alles in allem: ein balancierter, fein gezeichneter und etwas ungewöhnlich anmutender Malt, der nicht gänzlich „in sich ruht“! Lackig, Lokomotivenrauch, wachsig, poliert!

Gesamtwertung: Drei bis vier Sterne, gutes Gut.

zu meiner unendlichen Verwunderung bei den zwei Malts, die vor mir standen, war dies der Mortlach… eine schöne Entdeckung!

 

Verkoster: Reinhard Pohorec arbeitet zur Zeit als Bartender im Savoy in London und beschreibt sich selbst als leidenschaftlicher Whiskygenießer. Er hat sich in seinem Berufsfeld auf den Purbereich und Whiskys spezialisiert und ist für whiskyexperts als freier Kolumnist tätig.

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!