Sonntag, 20. September 2020, 06:50:53

Wir verkosten: Auchroisk 1999 – Niepoort Port Finish, 53,5%, Gillespie & Partners

Wee Beastie AUT

[alert type=white]Auchroisk 1999 – Niepoort Port Finish, 53,5%
Bourbon Hogsheads # 13568 – 9 December 3rd 1999 until March 3rd 2015
Niepoort Port Pipe March 3rd – June 8th 2015
bottled 8, Juni 2015 von Morrison & Mackay Ltd. PH1 4EB für Gillespie & Partners
nicht gefärbt, nicht kühlfiltriert
Sample: Gillespie & Partners
Verkoster: Reinhard Pohorec[/alert]

G&P Auchroisk 1999+tube (2)

Während sich manche Destillerien regelrecht überpurzeln mit jahrhundertelanger Tradition, wer denn nicht der Erste hinsichtlich dieses oder jenes gewesen sei und vor wie vielen Zentenarien man nicht auf einer historischen Stätte erstmalig destilliert hätte, steht bei Auchroisk schlichtweg 1974 zu Buche. Die Destillerie wurde von Justerini & Brooks als Blend Fütterer konzipiert und sah später unter Diageo’s Singleton Agnomen erste Single Malt Ambitionen. Sie ist eine der jüngsten Brennereien Schottlands, mit einer stattlichen jährlichen Ausbringungsmenge und von robustem Charakter, Eigenständigkeit und hoher Qualität.

Nicht die schlechtesten Voraussetzungen also für eine gelungene Abfüllung, sofern der wertvolle Gerstensaft nicht schon im J&B Blend aufgeht, sondern alleine glänzen darf, wie bei dieser Gillespie & Partners Vintage Single Malt Whisky Edition. Und dann erst der Portwein…

 

Nase: Frisch, knackig, ungestüm-jugendlicher Überschwang im Duft, sehr malzige Noten, schäumende Getreidemaische, auch hefig, dann macht sich erst einmal Apfelfrucht breit, sehr cremiger und vollreifer roter Cox Orange, Birnencidre, dazu eine leicht parfümartige Anmutung, Quittengelee, immer umfangen von dicklich malziger Körnung, Porridge, Haferbrei, dunkles Pumpernickel, nach ein paar Minuten gesellt sich speckige Würze hinzu, Zimtstange und Piment, es braucht Zeit, es braucht Muse, es braucht Geduld mit diesem Malt, dann offenbaren sich langsam und gemächlich auch buttrige Highlights, Vanilleschote, Schlagobers auf reifen Erdbeeren die Ecken und Kanten der ersten Nase lösen sich, leicht weinige Einsprengsel,

 

Gaumen: auch am Gaumen zeigt sich erst einmal die Kraft dieses Malts, sehr kompakt, fesselnd und zupackend ist das Spiel aus getreidigen Spitzen, apfeliger Frische und etwas Brioche, dann bleibt eine breite, sehr weiche Geschmacksnote, etwas Mandarine im Dialog mit schwarzem Holler, röstig, karamellisiert, etwas Lavendel und ein leiser Anflug von Rosmarinnadeln

 

Finish: das Finish ist gezeichnet von dunklem Karamell, geröstetem Roggenbrot, erdig, sogar ein leiser Anflug von gegerbtem Leder mit insgesamt mittlerer Länge, dabei immer wieder die frische Zitrus, abgelöst von Cassis, Bittermandel und Apfelmost, gegen Ende dann noch einmal Curacao Orange, sogar Likörerinnerungen

 

Alles in allem: Es ist stets faszinierend einen Single Malt in einer eher jugendlichen Ausprägung degustieren zu können – die Gerste, die Fermentationsaromen, das Destillat, all die primären Noten und der ureigene Charakter der Brennerei schimmern durch, nur sanft begleitet von einer hintergründigen, sich leise abzeichnenden Fassnote. Dass das dann selbst noch bei einem Finish so harmonisch eingebaut wurde, ist beachtlich und erfreulich für die Sinne. Etwas mehr als drei Monate gönnte man dem Whisky in einer Niepoort Port Pipa mit 550l Fassungsvermögen, der Wein hatte einmal stattliche 98 Parker Punkte aufs Parkett gelegt.

So ist der Malt insgesamt geprägt von Getreide, vibrierender Würze und charakteristischer Herbe, umrahmt von dunkel fruchtiger Süße und einem Schlagobershäubchen nebst schwarzem Holunder.

Die ursprünglichen Bourbon Hogsheads scheinen insgesamt milden Einfluss auf den new make gehabt zu haben, nicht die mittlerweile so oft anzutreffende Holzkeule neuer amerikanischer Weißeiche dominiert, dieser Auchroisk ist filigraner.

Natürlich darf man dann nicht die komplexesten Reifenoten oder überbordende „rancio“ Eindrücke jahrzehntelanger Lagerung erwarten, das Finish ist von überschaubarem Ausmaß. Aber nicht, dass das dieser Malt je suggeriert hätte. Hier zählen andere Qualitäten, und davon nicht zu wenig! Ein sehr spannendes und mächtiges Erlebnis. Sehr gut, fast schon Spitzenklasse.

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!

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