Zu Beginn des bereits jetzt aufregenden Whiskyjahres 2014 ist eines wohl klar, Hölzer, Fässer, Finishes, Age Statements und die Suche nach qualitativ hochwertigen und vollauf gereiften Whiskys wird ein immer herausfordernderer Teil der Entdeckungsreise.

Auch wenn man dem Thema etwas zwiespältig gegenüberstehen mag, so ist es doch immer wieder wichtig, sich bewusst auch einmal einen „Exoten“ aus dem Regal zu greifen und neue Eindrücke zu erschließen.

Ben Riach wusste in den letzten Jahren durchaus mit einigen Abfüllungen und einer soliden Linie zu überzeugen, unterschiedliche peating levels bieten zudem eine ordentliche Bandbreite abseits von kuriosen finishes.

Der Arumaticus Fumosus, der Name erinnert vielleicht ein wenig an den kleinen Zauberschüler mit der markanten Blitznarbe, ist Teil einer Trilogie von zwölfjährigen Bränden, die in ehemaligen Bourbonfässern gelagert wurden, um anschließend einen finalen Touch in Sherry, Port oder hier eben jamaikanischen „Dark Rum“ barrels zu erhalten.

Torf und Rum, klingt verwegen, aber wie immer: „the proof is in the pudding…“!

baf2

Nase: Fruchtig, getreidig, spicy Salami, Trockenfleisch, etwas dunkle Melasse, Vanille, Buttertoffee, Schieferstein, schwarzer Rauch, Demerarazucker spielt mit grünlich moosigen Erinnerungen, Vanille in Seetang gekleidet, nasse Steine, dann kommt wieder fruchtige Süße in Form von Marillenmarmelade, die ist etwas im Topf angebrannt, rote Beerenfrucht, Johannisbeere, umflossen von Ahornsirup, Pfeffer, entwickelt sich sehr fleischig, geselcht, meaty, beefy, etwas Mortlach kommt einem in den Sinn, auf jeden Fall vielfältig und spannend

Gaumen: salzig, Vanillinzucker, etwas Gemüse, Sellerie und Brokkoli, frische maritime Noten, wiederum dieser dunkle Schiefer, steinig, mineralisch, manchmal schon fast stählern, dunkel, vollmundig, sehr weich und geschmeidig, mit Butterkaramell. Banane, getrocknete Weintrauben, Rosinen-Honigbrot, etwas Sherry, dann wiederum ein verbrannter Kokoscharakter und dezent Gummi (nicht negativ…), schön balanciert, genug Salz und Pfeffer, um die Süße zu konterkarieren, harmonisch, Würze, in der Pfanne angebräuntes Currypulver, Zimt, Macis und verbrannte Kräuter

Finish: ein langer Abgang, zuerst von dunkler Süße und den Fruchtnoten, gegen Ende hin von trockener Pikanz getragen, mineralisch, buttrig, trocken, Liebstöckel, Thymian und frischer Estragon, Kirschwasser lässt noch einmal Frucht über das Finish tanzen, Mon Cherie, etwas Aprikosenkerne, Mandel, Marzipan

Alles in allem: traut man sich einmal an den Liber Latinus Spielereien und der vielleicht etwas abschreckenden Ansage „heavily peated + Rumfass“ vorbei, so wird man belohnt mit einem verspielten, komplexen und durchaus runden, harmonischen Whisky. Besonders zu schätzen ist auch der Umstand, dass man mit 46% vol., ohne Kühlfiltration und Farbbeigabe abgefüllt hat, das Mundgefühl dankt es einem. Und das alles, zu einem durchaus fairen Preis.

Mit den besten Spirits,
Reinhard Pohorec

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!