Während des Whiskybooms des späten 19. Jahrhunderts gegründet, ist Longmorn bis heute ein stolzer Fixstern des Malt Whisky Firmaments. Besonders bei Blendern ist der kräftige, volle Speysider beliebt, ein Hauch Rauch und üppig-fleischige Noten wissen oft markant aufzuzeigen.

Je vier wash stills und spirit stills erbringen im Jahr eine Brennleistung von über 3,5 Millionen Liter reinen Alkohols, seit 1994 werden die Kessel nicht mehr mittels Kohle sondern durch Dampf erhitzt.

Duncan Taylor blickt auf lange Jahre der Experimentierfreude mit Fassgrößen und Reifung zurück, eine äußerst gelungene Ausprägung dessen ist die Octave Reihe. Single Malts werden nach einer traditionellen Lagerung in Eichenfässern in sogenannte Octave Casks gelegt, ehemalige Sherryhölzer. Ein Butt entspricht „one eight the size of a butt“, ein deutlich beschleunigter Prozess hin zu Komplexität, Fülle und Harmonisierung ist die Folge. Dass von diesen feinen Tropfen stets recht limitierte Mengen verfügbar sind, ist durch die Füllmenge eben jener Fässer auch verständlich.

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Nase: Rauchig und sehr füllig – stoffig, dunkel würzig, ledrig, fleischige Anmutung, Trockenfleisch und etwas Speck, selchige Noten, etwas gesalzenes Popcorn, Getreide gesellt sich in den Mix, Rosmarin, Pfefferkörner, ein Kraftprotz, erdig, pur! Lavendel, Koriander

Gaumen: zuerst blitzt wieder Popcorn auf, dann extrem fett, ölig und cremig, aufgebrochen von der gerbstoffigen Würze des Holzfasses, das Mundgefühl ist sensationell, ein Reigen aus Opulenz und  Leichtfüßigkeit, brotig, Cherry Brandy, eingelegte Kirschen, schwarze steinige Anmutung, dicht gewoben, wiederum die fleischigen Akzente, die auch schon in der Nase präsent waren,

Etwas Wasser bringt dann mehr Cremigkeit, hellere Noten von Vanille und Zimt hervor, geröstete Salzmandeln, etwas Liebstöckel

Finish: Sehr langer Abgang, viel Druck, viel Würze, kräftiger Sherrynachhall, Duftpelargonien, Eberraute und confierte Birne, auch das Holz bleibt stets präsent, ausgewogen, auch wenn im Finish ein etwas üppiger Holzton die ganz große Vorstellung verhindert, ein Muskelprotz mit Charme, aber sehr dunkler Anmutung

Alles in allem: Die Whiskys der Octave Reihe sind stets eine absolute Bereicherung des eigenen Spirituosenkabinetts und der Verkostungsmemorien. Der Destillerie Charakter bleibt gut erhalten und erfährt dennoch eine ungewöhnliche Prägung, mehr Ecken und Kanten. Und das Mundgefühl dieses Longmorn ist einfach nur zum Dahinschmelzen und Niederknien. Mehr davon bitte!!! Schnell sein, zugreifen und genießen, lautet die Devise.

Mit den besten Spirits,
Reinhard Pohorec

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!