Bowmore 12yo
 

Unser Gastautor und international renommierter Sensorik-Experte Reinhard Pohorec hat sich das neueste der Springbank Starkicker-Bottlings des unabhängigen Abfüllers Straight Whisky Austria angesehen und nach allen Regeln der Kunst verkostet. Was dieser aus einem frischen Port Hogshead stammende und in insgesamt 296 Flaschen mit einer Fassstärke (!) von 40% abgefüllte Whisky aus der Region Campbeltown kann und bietet, das können Sie hier nachlesen:

Springbank Starkicker, 17years old, bottled 2018

Einen hab’ ich noch!

Alles, aber auch wirklich alles an Klischee Kalauern und Seifenoper Serenaden hat man strapaziert. Kein Fettnäpfchen umschifft, kein Brechreiz verursachendes Stereotyp umkurvt, ob Fast & Furios Folge gefühlt 793, Der Hobbit Teil 19 oder das 23te Transformers Spektakel, wo es schon nichts mehr zu transformen gibt: sch***EGAL, die Kasse muss klingeln. Einer geht noch.

Fortsetzung folgt. Als Buch, im Kino, netflix-exklusiv oder doch Game für die Playstation … welche Nummer war das nochmal?

Sei’s drum, leidige Fortsetzungsgeschichten hin oder her: Zeit für einen Whisky.

Und der actiongeladenen, ausschweifend cineastischen Overture folgend, kann sich der Plot nur um einen Dram spinnen, dessen Heldengeschichte sich derweil auch in mehrbändiger Ausführung erzählen und über die Jahre begleiten lässt. Ohne schwülstiger Epik oder platt-plumper Prosa, einfach ein spannendes Whisky Projekt von Ambition und Leidenschaft getrieben, bislang stets von qualitativ hochwertig Liquidem gezeichnet.

Springbank Starkicker ist zurück, mit einer 269 Flaschen starken (oder wohl eher schlanken) Auflage eines 17 jährigen Single Malts aus Campbeltown. Von knapp an der Minderjährigkeit kratzender Jugend kann im Glas freilich nicht die Rede sein. Zudem wartet die Abfüllung mit einigen Kuriositäten auf, die samt und sonder vom Etikett glänzen: 2000 destilliert, 2018 abgefüllt – soweit der brave Teil. Jedoch durfte der New Make ausschließlich in einem frischen Portwein Hogshead schlummern, sprich ein auf 250 Liter zurückgebautes Eichenfass, welches zuvor verstärkten Wein aus dem Douro Tal beheimatet hatte. Ist der Einsatz ebensolcher Fässer als Finish nicht ungewöhnlich, so stößt man vergleichsweise selten auf Whiskys, die ihre gesamte Reifezeit in einem derart vorbelegten Gebinde zugebracht haben.

Weiters interessant mutet der Umstand an, dass der Whisky zarte 40% alkoholische Umdrehungen auf die Straße bringt, seitens der Abfüller aber von einer unverdünnten Fassstärke die Rede ist. Entweder wurde hier also bereits vor der Reife verdünnt und der entry proof nieder angesetzt, während der Lagerung langsam herabgesetzt oder die Engel waren bei diesem Fass gierig wie selten zuvor.

Aber das ist vielleicht eine andere Geschichte… Oder Fortsetzung folgt.

Zeit für ein gustatorisches Heldenepos.

Nase:

Bereits beim zarten Öffnen der Flasche mit sich das Bouquet breit und verströmt seinen Wohlduft. Sehr ausdrucksstark, offen, klar, transparent, präsent. Eine einladend rote, saftige Süße dominiert die erste Nase, um in der Sekunde von einer stark expressionistischen Würze eingefangen zu werden. Wie eine schützend, warme Wolldecke legt sich das samtig breite Potpourri aus maritim salziger Herbe, üppiger Beerenfrucht und mineralisch, an Schiefer erinnernder Trockenheit über den präsenten Steinobst Ton. Herbschalige Vanille, cremig fetter Blütenhonig, Akazie, nebst warmem Butterbrioche, da ist Mandelmus, auch etwas geschmolzene Bitterschokolade, stets aber umrahmt von der so archaisch anklingenden Kohlenfeuer Gewalt, eine Meeresbrise, fast jodig, von Seetang grünlich gezeichnet, ein Gischt Nebel Salzwasser mit einer an glimmende Holzscheiter erinnernden Rauchnote. Ein großartiges Spiel aus Fruchtschmelz, sanft üppigem Nuss-Nougat, von einer Idee Bitterkeit konterkariert und dem dunkle Schatten werfenden Rauch-Algen-Speck.

Sehr komplex und verspielt, stets sucht und entdeckt man neue Nuancen, greift gierig wieder nach dem Glas ob der nächsten Duftsensation.

Gaumen:

Analog am Gaumen, zuerst diktiert hier der markant salzige Taktstock den Rhythmus, crisp-maritime Salzwasser-Akzente, dann der Fruchtschmelz, plötzlich kommt hier auch eine floral-elegante Nuance zum Vorschein, die eine ganz neue Seite eröffnet. Iris, etwas Veilchen und im Wiederhall auch Holunderblüte. Die spielt galant mit der grünlich-rauchigen Nori Alge, erst spät zeigt sich im Geschmack der Fruchtcharakter, auch die Süße ist gedämpft und moderat. Dick, ölig, schwer wirkt der Malt zu Beginn, Salzkaramell, Fudge, auch etwas Walker’s Shortbread, stets aber ist die buttrige Komponente von einer markante salzigen Würze, wodurch sich ein wunderbar stimmiges Gesamtbild ergibt.

Dann verklingt der Druck am Gaumen jedoch rascher, wird der Springbank schlanker, kommen nochmals mehr Herbe und stängelige Blütenakkorde zu tragen, zitrische Frische und leicht säuerliche Sanddorn Noten.

Finish:

Der Abgang ist von salzig-herber Rauchigkeit, von Limettenzeste und Pink Grapefruit getragen, auch das fleischig rotbeerige Fruchtcoulis klingt nochmals an.

Alles in allem:

Was sich als Rockstar ankündigt, klingt als filigrane Jazz Sängerin aus. Was üppig fett aus dem ersten Glas brüllt, ergeht sich in subtileren Nuancen und zart, fast schlankem Charakter ins Finish. Vielleicht hängt ja auch das mit dem skurrilen Fassstärke Alkoholgehalt zusammen – es bleibt das ein oder andere Fragezeichen ins Gesicht des geneigt gleichsam kritischen Whiskyfans geschrieben.

Ein sehr spannender und vielfältiger Single Malt, von seiner sensorischen Hauptrolle ebenso wie von der generellen Rahmengeschichte. Und was wäre ein guter Plot ohne so manche Ungereimtheit. Bleibt noch Platz für eine …

Fortsetzung folgt!
mit den besten Spirits
Reinhard Pohorec

Seit 2016 verzichten wir in unseren Tasting Notes auf numerische Bewertungen und geben unseren Eindruck nur mehr über die Beschreibung wieder. Wir tragen damit unserem Gefühl Rechnung, dass man mit einem starren Punkteschema Vergleiche forciert, die den Whiskys nicht gerecht werden. PS: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind also kein richterliches Urteil, sondern unser persönlicher Eindruck.