Freitag, 04. April 2025, 00:33:14

BBC mit Investigativ-Reportage zu Betrug mit Whisky-Fässern

Die BBC-Untersuchung ergab, dass Investoren um Millionen Pfund betrogen wurden

Ein Bericht der BBC zu betrügerischen Praktiken im Investmentsektor Whiskyfässer und Fasshandel hat erneut Forderungen nach strengerer Regulierung, parlamentarischen Eingriffen und mehr Transparenz in der Branche ausgelöst. Samantha Poling, Investigativ-Journalistin beim britischen Sender, ermittelte verdeckt in der Schattenwelt betrügerischer Fassinvestitionsfirmen. Das Ergebnis ihrer achtmonatigen Recherche fasst sie unter anderem in ihrer Podcast-Reihe „Hunting The Whisky Bandits“ zusammen, und lässt auch die Opfer zu Wort kommen.

So zum Beispiel die unheilbar an Krebs erkrankte Jay Evans. Ihr wurde mitgeteilt, dass sie 25 Jahre brauchen werde, um die verlorenen 76.000 Pfund wiederzuerlangen, die sie in eine Firma namens Whisky Scotland investierte. Diese Firma ist inzwischen untergegangen, und ihre Geschäftsführer sind verschwunden.

Oder Alison Cocks. Sie bezahlte 103.000 Pfund für vier Whiskyfässer, von denen zwei nicht existieren. Ihr Geld hatte sie in eine Firma namens Cask Whisky Ltd. investiert. Gegen diese Whisky-Investmentgesellschaft ermittelt seit spätestens Oktober letzten Jahres The City of London Police (wir berichteten). Schätzungsweise 200 Opfer forderte Cask Whisky Ltd., bevor sie nach dem Beginn der Ermittlungen der City of London Police wegen mutmaßlichen Betrugs von der Bildfläche verschwand.

Über die 2021 gegründete Firma Cask Whisky Ltd. fand Poling heraus, dass das Unternehmen von CEO Craig Arch geleitet wurde, der identisch ist mit dem verurteilten Betrüger namens Craig Brooks. Dieser wurde 2019 wegen seiner Beteiligung an einem Anlagebetrug in Höhe von 6,2 Millionen Pfund inhaftiert. Die 350 Opfer waren überwiegend ältere Menschen.

Brooks war aus dem Gefängnis entlassen worden, hatte sein Aussehen verändert, seinen Namen in Arch geändert und Cask Whisky Ltd. gegründet. Aufgrund seines Vorstrafenregisters war er von der Geschäftsführung ausgeschlossen. Deshalb setzte er seine Verlobte – eine Augenbrauen-Stylistin aus Essex, England – in den Unterlagen als Chefin ein.

Poling fand weiter heraus, dass das Unternehmen Cask Whisky Ltd. unter dem neuen Namen Cask Spirits Global wieder aufgetaucht war. Es wurde von einem Mann mit dem Namen Craig Hutchins geführt. Um sich mit diesem zu treffen, gab Poling sich als Vertreterin eines wohlhabenden Investors aus, und traf Hutchins persönlich. Bei diesem Treffen fand sie heruas, dass es sich bei diesem Mann um denselben verurteilten Betrüger handelt, der zuvor auch Cask Whisky Ltd. leitete: Craig Brooks aka Craig Arch.

Auch wenn nicht das erste Mal in Groß-Britannien über Betrugsgeschäfte mit Whisky-Fässern berichtet wird, sind die Dokumentation, die begleitenden Nachrichtenartikel und der sechsteiliger Podcast das erste Mal, dass ein nationaler Sender das Thema beleuchtet und den Opfern eine Stimme gibt. The spirits business fasst am Ende des Artikels „Trade reaction: BBC shines light on whisky cask scams“ die Reaktionen des Geschäftsbereichs Whisky zusammen. Auch wenn sich alle einig sind, dass gegen diesen Betrügereien aktiv vorgegangen werden muss, ist es nicht so einfach, wie es scheint. Denn die Financial Conduct Authority (FCA) reguliert den Fassverkauf nicht, da Fässer nicht als Finanzprodukte gelten. Und die Scotch Whisky Association (SWA) sei sich des Problems durchaus bewusst und besorgt, aber Fassbesitz und Betrugsprävention fallen nicht in ihren Zuständigkeitsbereich.

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