Mittwoch, 25. November 2020, 11:25:50

Buchrezension: Thomas Domenig – Sweating the Cask

Beam 2020 Laphroaig

Sweating the Cask, ein Buch über amerikanischen Whiskey, ist im Selbstverlag des Autors Thomas Domenig im September 2014 in Hamburg erschienen. Der Untertitel dieser auf Deutsch verfassten, 90 Seiten starken Publikation im Softcover-Format nimmt den fachlichen Charakter wie auch die umrissenen Themenschwerpunkte schon einmal vorweg: Eine spezifische Betrachtung von American Whiskey in besonderer Bezugnahme auf den weltumspannenden Sekundärhandel mit Ex-Bourbon-Fässern. Mit der ISBN-Zahlenfolge 978-3-00-046610-6 versehen, wurden vom Autor 18,- € als Verkaufspreis festgesetzt. Eine Leseprobe finden Sie hier – mehr Infos zum Autor und zum Buch auf der offiziellen Webseite.

Unser Gastautor Erhard Ruthner hat das Buch für uns gelesen und hier für Sie besprochen.

cover

American Whiskey gehört derzeit zu den Spirituosenkategorien, die deutlich an Profil und damit auch an Beliebtheit gewinnen. Längst ist das Image von Jack und Jim, die man, am besten mit Cola, eher wegen der Wirkung, als wegen des Genusses zu sich nimmt, weit verbessert worden. Immer neue Spezialeditionen schwappen über den großen Teich und in den USA selbst wird in neue Destillerien investiert, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wer sich allerdings näher mit dem Thema beschäftigen will, muss meist auf Literatur in englischer Sprache zurückgreifen, da deutschsprachige Sachverständige sich lieber mit schottischem Lebenswasser auseinandersetzen, dass in allen nötigen und teilweise auch unnötigen Facetten beleuchtet zu werden scheint. Amerikanischer Whiskey kommt in einschlägigen Fachschriften meist nur als Randthema vor, wobei neue Entwicklungen, wie zum Beispiel die boomende Craft Distillers Szene bisher kaum Erwähnung finden. Wohl auch aus diesem Antrieb heraus hat Thomas Domenig, ein junger Barkeeper aus dem schönen Kärnten sich dieses Themas angenommen und seine Abschlussarbeit für die Erlangung des Titels Weinakademiker dem amerikanischen Whiskey gewidmet. Im Laufe der Recherchen dazu stieß er auf derart umfassendes Material, dass er beschloss, seine Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Nun liegt sein erstes Buch „Sweating the Cask“ vor, das, wie im Untertitel erwähnt eine „spezifische Betrachtung von American Whiskey …“ darstellen soll.

Der Autor Thomas Domenig. Foto: Bernd Euler
Der Autor Thomas Domenig. Foto: Bernd Euler

Den wissenschaftlichen Anspruch des Buches erfährt man bereits im ersten Kapitel, wo Domenig mit viel Kompetenz die Entstehung des amerikanischen Whiskey im Allgemeinen und des Bourbon im Besonderen erläutert. Der Unterschied der Whiskey Kategorien wird genau aufgezeigt, wobei der Versuch die teils komplexen Verhältnisse der amerikanischen Whiskeylandschaft naturgemäß dazu führt, dass er sehr ins Detail gehen muss. Hierbei leitet er aber schön die Zusammenhänge der Geschichte der einzelnen Familiendynastien, wie etwa der Beams und Samuels ab, ohne die der heutige Bourbon gar nicht möglich wäre. Die Beschreibung des Herstellungsprozesses erfolgt in angemessener Kürze und nicht zu technisch. Dem Faktor Holz wird hingegen ein eigenes Kapitel gewidmet. Dieses zu wagen ist ebenso neu in der deutschsprachigen Whiskeyliteratur, wie gekonnt umgesetzt. Natürlich ist dieser Aspekt  von Haus aus keine leichte Kost, die Whiskeyeinsteiger leicht verdauen können. Für Whiskey Enthusiasten dagegen beantwortet es viele Fragen und klärt über den einen oder anderen Mythos, den das Holz betrifft mit viel Sachverstand auf.

Sich über eine Beschreibung des Bourbonmarktes darüber zu wagen, so wie Thomas es im dritten Kapitel versucht, ist eine große Herausforderung, denn kaum eine Szene ist derzeit so in Bewegung, wie die Whisk(e)yszene. Gerade in Amerika ist das Gewirr von Marken, Besitzverhältnissen, Abfüllern ohne eigene Brennerei, etc. extrem verwoben und kompliziert. Doch schafft der Autor es diese Strukturen einleuchtend nachzuzeichnen, ohne dass der Lesern nach wenigen Sätzen verwirrt aufgeben muss. Das macht das Buch zu einem guten Nachschlagewerk für Besitzverhältnisse und Strategien der großen Bourbonfirmen. Die noch schnelllebigere Craft Distillers Szene findet nur am Rande Erwähnung, allerdings wäre die Untersuchung derselben wohl ein eigenes Buch wert. Sehr interessant ist, wie Thomas Domenig in der Beschreibung des relativ neuen Jim Beam Devil´s Cut versucht die Denkweise moderner Bourbon Produzenten zu untersuchen, die dem Markt immer neue Produkte bieten müssen und sich hier einer „kindlichen“ Tradition bedienen, um einerseits die Effizienz der Produktion zu steigern und andererseits mit einer „Innovation“ am Markt punkten zu können. Dieses „Barrel sweating“ (auf das der Titel Bezug nimmt) hat natürlich Einfluss auf die Qualität der Fässer, die ja in bekannter Weise weiterverkauft werden, aber der Autor kommt zu dem Schluss, dass diese Praxis von Jim Beam für den Verkauf gebrauchter Fässer bisher nicht sehr ins Gewicht fällt.

Wer sich ein leichtes Lesebuch über amerikanischen Whiskey mit Beschreibungen und „tasting notes“ einzelner Produkte erwartet hat, dem ist „Sweating the Cask“ wohl nicht als erstes Bourbonbuch zu empfehlen. Für diejenigen unter uns, die, gleich ob Spirituosenprofis, Whiskey Connaisseurs, oder einfach wissensdurstige Liebhaber, ihr Verständnis von der komplexen Welt amerikanischer Whiskeys mehren wollen, darf dieses Buch nicht im Regal fehlen.

Erhard Ruthner ist Diplomsommelier mit praktischem Hintergrund in der gehobenen Gastro und im Wein- Spirituosenhandel, Vortragender am Wirtschaftsförderungsinstitut und Lehrer an der HTLW. Sein Faible für Bourbon & Co hat ihn dazu veranlasst, sich sein Wissen über amerikanischen Whiskey vor Ort anzueignen. Er hat die großen Brennereien in Kentucky und Tennessee (inkl. Prichards) besucht und weitere Craft Distilleries in 4 Bundesstaaten. Erhard Ruthner ist Leiter von Verkostungen und Mitglied von Kostjuries sowie ausgewiesener Kenner der österreichischen Brennereiszene.

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