Dänischer Whisky: Zu Besuch bei Fary Lochan – Von Brennnessel-Rauch und alten Fässern (mit 32 Bildern)

Jannes Schliephorst war bei der kleinen Brennerei im Ort Farre in Jütland und hat von dort viel Wissens- und Sehenswertes mitgebracht

Nach unserem Bildbericht über das THY Whisky Festival 2026 (Sie finden diesen hier) widmen wir uns ein weiteres Mal dem spannenden Thema Dänischer Whisky. Diesmal geht es um die ebenso handwerklich geführte Destillerie Fary Lochan in Jütland. Gastautor Jannes Schliephorst hat sie besucht und uns seinen Bericht gesendet, der schöne Einblicke in die Besonderheiten dieser Destillerie bietet.

Die Bilder dazu haben wir im Anschluss als klickbare Galerie für Sie aufbereitet. Viel Vergnügen mit dem Artikel!

GastartikelAutor: Jannes Schliephorst

Dänischer Whisky: Zu Besuch bei Fary Lochan – Von Brennnessel-Rauch und alten Fässern

Während meiner Reiseplanung für den Besuch des THY-Whisky-Festivals am 13.06.2026 stieß ich unter den dänischen Destillerien auf Fary Lochan. „Als einzige Brennerei der Welt verwenden wir frische Brennnesseln (…) für das Räuchern unseres Malzes“ – so die Beschreibung auf Fary Lochans Website. Sofort war ich interessiert und so fiel die Entscheidung zum Besuch ziemlich schnell auf diese dänische Destillerie.

Gesagt, getan – am 12.06.26 ging es also zu Fary Lochan. Die Destillerie liegt etwas versteckt im kleinen Dörfchen Farre in Jütland. Über einen Kiesweg erreicht man die Gebäude der Destillerie, welche sich in der Mitte eines kleinen Waldes befinden. Dabei rahmen das Besucherzentrum mit Shop, das Brennhaus, das externe Fasslager mit Tasting- und Eventlocation, sowie ein Gebäude mit Abfüllanlage (hier passiert noch alles on-site) und Warenlager einen kleinen See in der Mitte der Lichtung ein. Dieser See und das Dorf herum sind dabei für Fary Lochan namensgebend. Lochan leitet sich dabei vom schottischen „Loch“ her und soll den Bezug zum Whisky verdeutlichen.

Empfangen wurden wir vor Ort von Thomas Smidt-Kjærby für eine Tour durch die Geschichte und Produktion von Fary Lochan. Thomas ist einer der Eigentümer, verantwortlich für Marketing und ein Stiefsohn des verstorbenen Gründers Jens-Erik Jørgensen. Dieser gründete die Destillerie 2009 mit dem Anspruch einen qualitativ hochwertigen und einzigartigen dänischen Whisky zu kreieren. Heute leiten dessen Frau und drei Kinder die Geschäfte und tragen seine Ambitionen fort.

Nun möchte ich auch Sie auf eine kleine Tour durch die Produktion von Fary Lochan mitnehmen. Doch wie produziert die Destillerie eigentlich?
Die Destillerie verwendet zum einen gemälzte Gerste der Brauerei Fuglsang aus dem Süden Dänemarks für ihre nicht rauchigen Abfüllungen. Für die rauchigen Whiskys bekommt Fary Lochan ungemälzte Gerste von einem Landwirt aus der Region. Diese mälzt der Braumeister John Sørenson vor Ort. Die Trocknung und Räucherung des Malzes findet auf dem Hof der Destillerie statt. Hierzu werden frische Brennnesseln aus dem umliegenden Wald gesammelt, in einem recht kleinen Ofen verbrannt und der Rauch über eine Röhre in die Gerste geleitet. Der Wald rund um die Anlage gehört zum Grundstück der Destillerie und bietet je nach klimatischen Bedingungen den Nährboden für die heimischen Brennnesseln, welche vor dem Räuchern mit langen Handschuhen geerntet werden.

Beide Arten des Malts werden anschließend in einer 1.200 Liter Mashtun verarbeitet und die Maische über Rohre, welche die einzelnen Gebäude der Destillerie unterirdisch verbinden, in zwei Washbacks (auch 1.200 Liter) geleitet, um dort für vier bis fünf Tage (bis zu 120h) zu fermentieren. Anschließend erfolgt der erste Brennvorgang in einer ebenso 1.200 Liter fassenden kupfernen Washstill. Im Anschluss werden die Low Wines erneut über unterirdische Rohre in das Brennhaus geleitet, wo zwei Spirit Stills á 200 und 300 Liter warten. Die Form der Brennblasen ist birnenförmig und die Lynearms der Brennblasen sind leicht abfallend, was für weniger Rückfluss sorgt. Diese Eigenschaften tragen zu dem öligen Charakter des Endproduktes bei.

Alle drei Brennblasen stammen von Forsyths aus Schottland. Gestartet hatte die Destillerie 2009 allerdings mit den beiden kleinen Stills als Wash- bzw. Spirit Still. Hier konnte Fary Lochan die lange Warteliste auch nur umgehen, da die Brennblasen wohl die kleinsten waren, die Forsyths jemals herstellen durfte. 2016 folgte dann die Installation der 1.200 Liter Wash Still und die bisherige 300 Liter Wash Still wurde zu einer weiteren Spirit Still umfunktioniert.

Der New Make wird im Anschluss in Ex-Bourbon-, Süßwein- oder anderweitig vorbelegte Fässer gefüllt und darf entweder im externen Fasslager oder dem Warehouse 1 im Keller unter dem Brennhaus und dem Besucherzentrum reifen. Aktuell werden so Fässer mit etwas unter 30.000 Litern Jahresproduktion befüllt und eingelagert.

Gegen Ende der Tour zeigte uns Thomas im Warehouse die aktuellen Schätze der Destillerie – drei Armontillado Sherry-Fässer aus dem Jahr 1925! Auf jene Fässer wurde Fary Lochan bei einem Besuch in Jerez de la Frontera in einem Kellerraum ihrer Stamm-Bodega aufmerksam. Nach mehrfacher Nachfrage war die Bodega dann bereit, zumindest eines der Fässer an die Destillerie zu verkaufen. Nach kurzer Zeit kam allerdings die Nachricht aus der Bodega, dass die zwei anderen Fässer auch zum Verkauf stünden, da die zwei übrigen Fässer nebeneinander ohne das dritte obendrauf „would look stupid“ (Zitat) und optisch nicht mehr in das Solera-System passten. So hatte Fary Lochan das Glück auch die beiden anderen Fässer zu einem für die Branche verhältnismäßig guten Preis zu erwerben.  Die erste Abfüllung aus diesen Fässern kam übrigens 2025 in die Flaschen. Der Whisky durfte dabei fünf Jahre in Ex-Bourbon-Fässern und 4,5 Jahre in einem der fast 100 Jahre alten Amontillado-Fässern reifen.

Zum Abschluss der Tour durften wir im Besucherzentrum noch einen Blick auf das Sortiment von Fary Lochan werfen und die aktuelle Core-Range der Destillerie probieren, sowie einige Single Cask Proben (unter anderen der Amontillado-Reifung) mitnehmen. Das Sortiment gliedert Fary Lochan in Single Cask Abfüllungen, ihre Core Range an Whisky und diverse anderen Spirituosen, unter anderen Gin (auch mit Brennnesseln).

Die Einzelfass-Abfüllungen werden dabei in 0,5 Liter Flaschen, meistens in Fassstärke und limitierter Menge auf den Markt gebracht. Da die Destillerie jedoch auch Restaurants und Bars beliefert, musste irgendwann eine Core-Range und damit eine gleichbleibende und dauerhaft verfügbare Produktreihe geschaffen werden. So entstand im Jahr 2024 die Reihe SÆSON mit gänzlichen von den bisherigen Abfüllungen abweichendem Design – schwarze Flaschen mit einem Label, welches grafisch immer einen anderen Produktionsschritt in Szene setzt. Abgefüllt wird die Reihe in Trinkstärke und 0,7 Litern Füllmenge. Der Name SÆSON ist eine Hommage an die Anfänge der Destillerie, zu welchen vier verschiedene Whiskystile benannt nach den vier Jahreszeiten produziert wurden. Die drei Whiskys der Reihe sollen nun die aktuelle Bandbreite von Fary Lochan abbilden. SÆSON 1 ist nicht rauchiger Whisky, welcher zum Großteil in Ex-Bourbon und einem kleineren Anteil PX-Sherry Fässern gereift wurde. SÆSON 2 enthält über Brennnessel-Rauch getrocknetes Malz und ist entspricht einer rauchige Abfüllung. Die Reifung erfolgte ebenso hauptsächlich in Ex-Bourbon und PX-Sherry Fässern. SÆSON 3 wurde ausschließlich in Sherry-Fässern gereift und soll den Fasseinfluss auf den Charakter des Whiskys aufzeigen.

Die Destillerie bietet regelmäßig Touren in Englisch an. Sollten Sie also interessiert sein und in der Gegend Urlaub machen – ein Besuch lohnt sich!
[Ågade 41, 7323 Farre, Dänemark]

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