Kein Wachstum, kein Schrumpfen – für das abgelaufene Jahr ist das in der Getränkeindustrie eine eher positive Nachricht. Und diese kommt von Beam Suntory, dem Unternehmen mit so klingenden Markennamen im Whiskybereich wie Jim Beam, Maker’s Mark oder Laphroaig und Bowmore.
Ein merkbares Wachstum im 2. Halbjahr konnte die Verluste aus der ersten Jahreshälfte abfedern. Besonders stark fiel das Wachstum in Deutschland und Südkorea aus, dort war es zweistellig und kompensierte die starken Verluste im Travel Retail und Spanien, Indien, China und Südafrika.
Jim Beam, die zweitgrößte US-Whiskeymarke weltweit, konnte erstmals die magische Grenze von 11 Millionen Cases zu zwölf Flaschen a 0,75l überspringen (in einfacheren Worten: 99 Millionen Liter). Auch die Premium-Bourbonmarke Basil Hayden’s zeigte sich stark, mit einem prozentuellen Wachstum im zweistelligen Bereich.
Über die schottischen und irischen Marken des Konzerns finden sich im Artikel auf The Spirits Business keine konkreten Zahlen.
Eggerssohn importiert seit dem Beginn des Jahres für den deutschen Markt den japanischen Blended Malt Kamiki – aufmerksamen Lesern unserer Seite des längeren für innovative Fassverwendung (japanisches Kirschholz oder Zedernholz) bekannt.
Mehr zu Kamiki und Eggerssohn in der nachfolgenden Presseaussendung:
Japanischer Kamiki-Whisky neu im Sortiment bei Eggerssohn
Das Whisky-Portfolio bekommt Verstärkung aus Japan, genauer aus Japans Stadt der Tempel. Für Kamiki werden seltene, japanische Malt Whiskys und feinste Malt Whiskys aus aller Welt verblendet und später mit reinstem Bergquellwasser verschmolzen. Kamiki reift als erster Whisky der Welt mit einem Finish in japanischen Zedernholzfässern.
Kamiki fügt der Erfolgsgeschichte japanischen Whiskys eine ganz neue Facette hinzu. Sein Name leitet sich von den japanischen Wörtern »Kami« für Gott und »Iki« für Atem ab und ist eine Hommage an die Winde des heiligen Berges Miwa. Der Blend erblickte in Nara, der antiken Hauptstadt Japans, die auch als Stadt der Tempel bekannt ist, das Licht der Welt. Um die zeitlose Tradition der Alkoholherstellung dieser Region zu feiern, werden für Kamiki seltene, japanische Malt Whiskys und feinste Malt Whiskys aus aller Welt verblendet und später mit reinstem Bergquellwasser verschmolzen. Kamiki reift als erster Whisky der Welt mit einem Finish in japanischen Zedernholzfässern. Die japanische Zeder, welche auch für den Tempelbau verwendet wird, wächst rund um die Stadt Nara in dichten Wäldern und ist unverzichtbarer Bestandteil der dortigen Kultur. Durch die Reifung in diesem einzigartigen Holz entwickelt Kamiki einen unnachahmlich weichen Geschmack mit Noten von Sandelholz, süßer Vanille, feinen Erdtönen und einem Hauch grünem Tee.
Über EGGERSSOHN
EGGERSSOHN verbindet den Namen eines traditionsreichen, hanseatischen Weinhandelshauses mit dem frischen Engagement eines agilen und modernen Unternehmens. Wir beliefern als eigenständige Tochter der Eggers & Franke Gruppe exklusiv den gehobenen Weinfachhandel und die Gastronomie mit hochwertigen Weinen und Spirituosen aus aller Welt.
Für viele ist Springbank DIE Paradedestillerie, wenn es um traditionelle und handwerkliche Herstellung von Whisky geht – verzichtet man dort doch weitgehend und aus Prinzip auf den Einsatz moderner Elektronik. Und auch nicht unwichtig für das Wohlwollen, das der Brennerei von Whiskygenießern entgegenschlägt: Die Qualität der Whiskys, ob sie nun Springbank, Longrow oder Hazelburn heißen, ist etwas, worauf man sich in den allermeisten Fällen verlassen kann.
Das gilt auch für die Verkostung, die Serge Valentin heute auf Whiskyfun präsentiert. Die niedrigste Bewertung ist 84 Punkte, die höchste, für einen 16 Jahre alten Springbank aus den frühen 80ern, sagenhafte 98 Punkte. Für ihn einer der Top Five Whiskys überhaupt, die er je verkostet hat.
Hier alle Wertungen als Tabelle:
Springbank 18 yo (46%, OB, 2020)
86
Springbank 21 yo (46%, OB, Open Day 2018, 534 bottles)
84
Springbank 23 yo 1997/2020 (54.6%, The Whisky Baron, fresh sherry butt, cask #289, 553 bottles)
90
Springbank 1994/2020 (48.5%, North Star, refill hogshead, 270 bottles)
93
Springbank 12 yo (100 proof / 57.1%, OB for Samaroli, early 1980s, 2400 bottles)
98
Springbank. Bild (c) Alexandra Kreutz, Genuss am Gaumen
Für alle, die sich auf Whiskymessen freuen (und wer tut das nicht?) gibt es einen weiteren Termin, auf den man ab jetzt hinhoffen kann: Wie das Team der Whisky Spring im Schloss in Schwetzingen soeben bekannt gegeben hat, hat man einen neuen Termin für die Messe erhalten, und zwar vom 17. bis 19. September 2021. Hier die Info, die das Team via Facebook verbreitet hat:
Liebe Freunde der Whisky-Spring,
es gibt endlich Neuigkeiten bzgl. der Messe: Gestern haben wir die Terminbestätigung für eine Open-Air Veranstaltung vom 17. – 19. September 2021 bekommen.
Der Februar-Termin fällt ja bekanntlich dem Lockdown zum Opfer und vor Ostern werden wir wohl nicht mit Lockerungen rechnen können, geschweige denn, eine große Veranstaltung vom 16. – 18. April durchführen dürfen.
ALLE BEREITS GEKAUFTEN TICKETS SIND NATÜRLICH WEITERHIN GÜLTIG und verfallen nicht…
Sollte uns das Virus auch noch im September einen Strich durch die Rechnung machen, wird der Termin in den Februar 2022 verlegt werden, was wir nicht hoffen…
Der Termin für 2022 ist der 18. – 20. Februar 2022.
Liebe Besucher, es leider derzeit wirklich schwer zu planen und habt bitte Verständnis dafür, dass wir keine Planungssicherheit von Seiten der Politik bekommen. Wenn wir könnten/dürften, würden wir auch mit Schnelltests arbeiten, aber leider ist so etwas derzeit seitens der Politik nicht geplant. Uns würde es aber die Möglichkeit geben, jeden Besucher vorher zu testen und alle wären (mehr, oder weniger) auf unserer Veranstaltung sicher. Deshalb hilft leider nur:
Warten…Sláinte & einen schönen Wochenausklang
Joe Seidel & Team
Wir drücken dem Team die Daumen, dass das wie geplant klappt – in unseren Eventkalender haben wir die Messe jedenfalls schon eingetragen…
Willkommen zur 219. Folge der Whiskyvideos und Podcasts der Woche. Wie immer bringen wir in ihr Beiträge aus dem deutschen Sprachraum zum „Wasser des Lebens“, die uns von den Vloggern und Podcastern zugesendet wurden. In den Videos werden sowohl neue als auch ältere Abfüllungen verkostet – alles nach dem eigenen Ermessen der Verkoster und ohne kommerziellen Hintergrund.
Die Liste der teilnehmenden Vlogs und Podcasts ist nicht fix: Wenn Sie meinen, dass Ihr Video ebenfalls dazu gehören sollte, dann können Sie unten herausfinden, wie das möglich wäre.
In der Ausgabe 219 finden Sie neun neue Videos:
Malte talks Malts – Laphroaig 16 Jahre
Pat Hock – Glenfiddich 14 Bourbon Barrel Reserve
https://youtu.be/ZPDVjIILzqc
Whiskyplausch – Kingsbarns Balcomie
WhiskyJason – High Coast Berg Swedish Single Malt
The Bourbon Diaries – Mint Julep
Malts and Metal – Glenturret 28 Jahre SV
Friendly Mr. Z – Auchentoshan American Oak
World Wide Whisky – Talisker 18 Jahre
Whisky Enjoy – Ranger Creek .44 Texas Rye Whiskey
Wie wir die Beiträge aussuchen: Die Videos und Podcasts werden uns zugeschickt. Wir treffen dabei keine Auswahl außer jener, dass die von uns gezeigten Blogger/Vlogs schon länger aktiv sein sollten, eine gewisse Anzahl Follower/Hörer/Leser haben. Die Redaktion behält sich vor, eingereichte Videos ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen, hält aber gleichzeitig fest, dass ein Nichterscheinen nicht automatisch ein (sowieso immer subjektives) Statement über mangelnde Qualität ist, sondern viele verschiedene Gründe haben kann.
Wollen Sie mit Ihrem Beitrag dabei sein? Wenn Sie selbst Videos zum Thema Whisky machen, dann schicken Sie uns doch eine kurze Mail mit einem Link auf das wochenaktuelle Video und einer Inhaltsangabe dazu jeweils bis Freitag, 12 Uhr an press @ whiskyexperts.net. Vorgaben unsererseits gibt es natürlich keine, hilfreich ist aber, wenn Ihr Videokanal in aller Regel etabliert, regelmäßig publizierend und mit einer gewissen Anzahl Abonnenten ausgestattet ist, sowie mit hohem Qualitätsanspruch gemacht wird. Bitte halten Sie die eingereichten Videos auch werbefrei, sprich keine Links und Kaufaufforderungen im Video. Wir freuen uns auf Ihre Videos für unsere Leser!
Wir freuen uns, Ihnen jeden Sonntag ein Stück einer wunderbaren Geschichte über Schottland, Whisky und das Reisen vorstellen zu dürfen: Exklusiv im auf Whiskyexerts präsentieren wir Ihnen Whisky Cycle, das neueste Buch von Uli Franz, als Fortsetzungsgeschichte.
Uli Franz lebt als Schriftsteller im Chiemgau und auf der dalmatinischen Insel Brac’. Von 1977-80 arbeitete er als Zeitungskorrespondent in Peking. Über China und Tibet veröffentlichte er zahlreiche Bücher. Zuletzt erschienen Radgeschichten und „Die Asche meines Vaters“ (Rowohlt Verlag).
Das BuchWhisky Cycle – Eine Radreise durch Schottland (ca. 320 Seiten) ist am 01.02.2021 im Alba Collection Verlag GbR erschienen. Es kann zum Preis von 19,- Euro hier vorbestellt werden.
Die Radtour zu 17 schottischen Destillerien. Karte von Alba Collection
Whisky Cycle – Eine Radreise durch Schottland von Uli Franz (Folge 11)
Mit spontan geänderter Routenplanung stieg ich wieder in den Sattel und lenkte mein Rad auf die Straße, die ich gekommen war und deren traurigen Belag ich bereits kannte. Erneut folgte ich dem spiegelglatten Loch Indaal und erreichte nach drei Kilometern eine verschämt kleine Abzweigung, die mich landeinwärts lenkte. Bereits auf den ersten hundert Metern musste ich andauernd Felgenschläge abfedern, denn das Sträßlein entpuppte sich als besserer Feldweg, immerhin geteert. Allerdings war sein Patchwork Asphalt alles andere als hinternschonend, aber die Aussicht, die sich nach einem Kilometer auftat, sollte mich belohnen. Schon bald lenkte mich das Asphaltband durch bastbraunes Brachland einen tüchtigen Hügel hinauf. Wieder eine gute Gelegenheit, den Alkohol auszuschwitzen. Nach drei Kilometern musste ich aufgrund der Schlagloch-Parade Schlangenlinien fahren und fürchtete bereits um den Zustand der Vordergabel.
Ab jetzt wurde die Gegend immer einsamer und nur noch vereinzelt tauchten die rostigen Blechdächer von Farmgebäuden auf. An einem abgewrackten Hof kam ich so dicht vorbei, dass mich das Elend abgestellter Gerätschaften und ausgedienter Landmaschinen so flehend anbettelte, als verlangte es nach einer Spende. Ganz traurig wurde ich und machte mir bereits Sorgen um die schottische Landwirtschaft. Endlich lag die Steigung mit der Eschenallee hinter mir, schwer atmend hatte ich einen langgezogenen Hügelrücken erklommen. Während der kraftraubenden Auffahrt hatte ich schon meine spontane Routenänderung bereut, doch als ich in der Höhe angekommen und der Wadenkampf wieder zum Wadenvergnügen geworden war, freute ich mich über den Weitblick bis zum Atlantik. Ab jetzt ging es erhöht und flach oberhalb einer fellbraunen, bis zum Horizont rollenden Weidelandschaft in Richtung Meer. Für die Mühe wurde ich sogar ein zweites Mal belohnt, ab jetzt schob mich ein forscher Wind meinem Ziel entgegen.
Hier oben war die offene Weite menschenleer, sprühte aber trotzdem vor Leben: Tausende und Abertausende von weißen Wollknäueln, die Tag und Nacht im Freien lebten, bevölkerten die Weiden bis tief in den Horizont hinein. Weit entfernt von einem kitschigen Postkartenmotiv blickte ich auf ein Aquarell der Farben Grün, Braun und Blau, die von der Steinmauer zu meinen Füßen bis in den tiefen Horizont hineinflossen, so tief, dass mir die windbewegte, klare Luft eine gewaltige, kilometerweite Aussicht in den Horizont hinein erlaubte.
Zu meinen Füßen war das Grün noch trocken gelb, in der fernen Senke hingegen schon vorwitzig grün und am Hang dahinter versöhnlich braun. Dieses weitentfernte, zerfließende Braun umspannte einen blauen Spiegel, der Loch Gorm hieß. Als mein Blick weiter vordrang, den braunen Hang hinauf und noch tiefer in den Horizont hinein, erspähte er hinter einem weißen Streifen wieder einen Spiegel, nur dass dieser nicht glatt, sondern geriffelt und smaragdgrün in der Landschaft lag und einen Namen trug, den jeder kennt: Atlantik. Zu guter Letzt, noch tiefer im Horizont, zerfloss dieses Smaragdgrün mit einem grenzenlosen Blau, belebt von Wattetupfern. Ich musste anhalten, ein Foto schießen und die Palette der Islay Farben festhalten. Ich musste dieses Bild, das ich von der Camargue, nicht aber von Schottland erwartet hätte, als Beweis dokumentieren.
Wer durch Schottland reist, wird der Farbe Braun, die bei uns unter einem schlechten Image leidet, mit neuem Respekt begegnen, denn sie ist alles andere als plump und einheitlich, nein, sie kennt viele feine Töne und ist von uralter Geburt, schmückte sie doch bereits die eiszeitliche Erde.
Noch immer schob mich ein wohlwollender Wind das Sträßlein auf dem Hügelrücken entlang und dem Ziel meines Abstechers entgegen – einem Pagodenturm, einem metallic glänzenden Silo und einem langgestreckten weißen Gebäude, hinter dem eine rotbraune Felsklippe in den Himmel wuchs. Auf dem letzten Abschnitt überholten mich überaus rücksichtsvoll Autos und sogar Busse im Schritttempo. Anscheinend war der Radler hier willkommen, denn als ich am Schild „Rockside Farm“ vorbeifuhr, wurde ich von einem tausendfachen „Mäh“ begrüsst. Schafe, diesmal erstaunlich zahme Artgenossen, drängten sich im Pulk an das Gatter und beäugten das nicht alltägliche Vehikel mit einem Menschen obendrauf. Dieses nicht alltägliche Vehikel hatte hier und immer wieder den großen Vorteil, dass ich auf ihm so dicht wie kein Automobil an das Visitors Center einer Destillerie heranfahren konnte. Autos, Wohnmobile und Busse mussten auf vorgeschriebenen Parkplätzen in der Entfernung abgestellt werden. So wollte es die Regel in allen Whiskybrennereien, auch auf der Rockside Farm. Und daran hielt sich auch jeder.
Privilegiert lehnte ich mein bepacktes Rad an die Ziegelmauer direkt neben dem Eingang und schloss es vorsichtshalber ab. Allerdings verzichtete ich darauf, meine verschwitzte Funktionswäsche auf der Toilette zu wechseln, auch die beiden Taschen schnallte ich nicht ab. Lediglich die Umhängetasche mit meinen Wertsachen warf ich mir über die Schulter und trat wieder einmal in Radklamotten durch die Tür, diesmal in das Kilchoman Café.
Alle Achtung, verdammt chic das Ganze, entfuhr es mir, als ich die ersten zögernden Schritte auf dem Dielenboden unternahm. Edle Holztäfelung und dezent illuminierte Fotografien entlang der Wände. In einem Seitentrakt reihten sich Glasvitrinen auf, in denen die Brennerei ihre edlen Tropfen präsentierte. Ich hätte schwören können, hier war ein Innenarchitekt am Werk, der sich in Skandinavien umgesehen hatte. Der Verkaufstresen, die Vitrinen, die Wanddekoration und auch die obligatorischen Vermarktungsprodukte vom Kilchoman-Schal bis zum Kilchoman-T-Shirt, alle made in China, waren einheitlich von der keltischen Ikonographie geprägt. Natürlich auch die edlen, bauchigen Flaschen der beiden Renner: Machir Bay und Sanaig.
Bevor ich mir ein Tasting gönnte, legte ich mir erst einmal ein Magenpolster zu, eine Tomatensuppe mit Brotbegleitung, die so sämig im Teller lag und so wundervoll schmeckte, dass sie meinen Radhunger restlos stillte. In der Vergangenheit ein Suppenkaspar, mutierte ich auf dieser Fahrt zum Suppenfan, denn außer dem Single Malt ist die Suppenküche eine weitere geniale Errungenschaft der Schotten. Kaum hatte ich mit einer Kilchoman Serviette die roten Lippen abgewischt, ließ ich mir auf eigene Kosten einen achtjährigen Machir Bay am Tisch servieren.
Die Augen sahen Bernstein, die Nase erschnüffelte viel Torf, abgelöst von Spuren von Vanille, schwarzem Pfeffer, Salz, Tang und Leder. Allerdings erschnupperte sie auch noch einen Nachzügler, ein Quentchen süßer Frucht dank eines mehrmonatigen Ausbaus im Ex-Olorosa Sherryfass. Nach dem Nosing legte ich einen kleinen Schluck Machir Bay unter die Zunge – was den Mundraum regelrecht erschreckte. In praller Fülle wurde er von geräuchertem Speck und Röstaromen bis in den hintersten Winkel okkupiert, was es den Fruchtnoten ungemein erschwerte, ihre Süße zu entfalten. Im rauchgeschwängerten Abgang dominierte eine trockene Note Nuss, die ich so noch nicht erlebt hatte. Dem Torfliebhaber mag der Machir Bay 46 % vol. eine Offenbarung sein, auf meiner Skala konnte er nur mit zwei Stützrädern punkten. Zweifelsohne war die schöne Nuss am Gaumen eine Novität, aber der kurze Abgang wurde von einem allzu ledrig-holzigen Nachhall dominiert.
Eigentlich hätte ich im seitlich angegliederten Vitrinenraum noch den Sanaig probieren sollen, aber als ich aus dem großen Giebelfenster blickte, schoben sich schwarze Regenwolken auf den Roten Felsen zu. Siedend heiß fiel mir plötzlich wieder ein, dass ich heute noch 30 Kilometer fahren müsste, um die Fähre von Port Askaig nach Kennacraig zu bekommen. Kurz entschlossen entschied ich mich gegen das Bleiben im skandinavischen Ambiente. Der beliebte Sanaig, ein getorfter und in Ex-Bourbon und Ex-Sherryfässern gereifter Kilchoman, verdiente eine gewissenhafte Verkostung, aber dafür fehlte mir plötzlich die Muße, denn in kürzester Zeit hatte sich der Himmel über der Rockside Farm pechschwarz zugezogen.
Von einer inneren Unruhe getrieben, beeilte ich mich ins Freie zu kommen und mit fahriger Hand öffnete ich das Kabelschloss am Rahmen. Sollte ich den Anorak jetzt schon überziehen, oder erst, wenn der Regen einsetzte? Noch war ich unerfahren, was die örtlichen Wetterkapriolen anging. Allerdings war ich auch kein deutscher Wetternörgler. Bereits zu Reisebeginn, auf der Fahrt von Edinburgh nach Glasgow, hatte ich registriert, dass selbst ein Himmel mit tiefhängenden, schwarzgrauen Wolkenmonstern nicht unbedingt Regen bedeuten musste. Meistens zerriss ein tüchtiger Wind die Wolkendecke und verhalf zumindest einigen Sonnenstrahlen für kurze Zeit zum Durchbruch. Es konnte dann tröpfeln, aber das musste noch kein Weltuntergang sein.
Nach kurzem Überlegen ließ ich die Regenbekleidung im Gepäck und trat die Rückfahrt wieder über dieselbe Hügelroute an. Als sich erneut die grünbraune Senke mit Loch Gorm ins Blickfeld schob, kam mir die Landschaft jetzt viel weniger spektakulär vor, viel eher wie ein beliebiger Landstrich. Verwunderlich, dachte ich beim flüchtigen Blick. Doch als ich länger hinüber blickte und überlegte, fand ich des Rätsels Lösung: das Licht! Es war das verschwundene Sonnenlicht, das zuvor den Blick verzaubert hatte! Das Licht der Sonne hatte zwei Stunden zuvor die sanftgewellte Weidelandschaft mit einem Zauberpinsel übermalt und das Faszinosum einer Turner-Landschaft geschaffen.
Auf halbem Weg baute sich vor meinem Vorderreifen ein blind summit auf, hinter dem sich ein entgegenkommendes Fahrzeug hätte vollständig verbergen können. Ich musste Acht geben, denn die Ausweichmöglichkeiten auf der schmalen Kilchoman Zufahrt waren auf drei, vier passing places beschränkt. Schwer atmend schaffte ich den ersten Anstieg. Von oben bot sich dann ein freier Blick auf ein leeres Asphaltband, das sich sanft abwärts zur Hauptstraße schlängelte. In einer Rechtskurve drehte ich mich nochmals um, Kilchoman war in einer Senke verschwunden und der rote Fels zeigte sich nur noch als Hubbel, den ein schwerer Wolkenhimmel niederzudrücken schien. Schneller als erwartet, erreichte ich wieder die Uferstraße um den Loch und eine halbe Stunde später wieder das triste Straßendorf Bridgend. Am Spar-Laden stoppte ich diesmal nicht, sondern bog mit Tempo gleich auf die belebte Verkehrsader nach Port Askaig ein.
Inzwischen schaute der Himmel grimmig auf das radelnde Männlein herab, das der Nordspitze von Islay entgegenstrampelte und ab und an zu ihm hinaufschielte. Kurz hinter Bridgend schlug diesem strampelnden Wicht eine Böe ins Gesicht, als wollte sie ihm die Flucht von der Insel verwehren. Aber das Radmännlein gab nicht klein bei, sondern trat um so heftiger in die Pedale. Sofort änderte der Wind seine Taktik und schoss von der Seite daher, als wollte er das Rad zum Kippen bringen. Wäre ich freihändig gefahren, wäre ich definitiv im Graben gelandet. Reflexartig packte ich den Lenker mit Kraft und beugte windschnittig das Kreuz. Ich musste mich sputen, noch waren es 20 Kilometer bis Port Askaig, wo die Fähre zum Festland ablegte.
Finster war es geworden und die Wolkendecke hing tonnenschwer über den dunkelgrünen Weiden mit ihren tausenden Schafen, deren Wollkleid vor dem tintenschwarzen Himmel wie angestrahlt leuchtete. Als wären sie motorisiert, drängten immer neue Wolkenwalzen auf mich zu und senkten sich regenschwanger tiefer und tiefer. Die Schafe kümmerten sich nicht um das Himmelschauspiel, ihre langen Köpfe sahen nur das sprießende Grün vor ihren rosigen Schnauzen. Da mir ihr dichter Winterpelz fehlte, schielte ich immer wieder nach oben – sollte ich anhalten und die Regensachen überziehen oder ohne Halt schneller weiterfahren?
Mir war bewußt, dass ein Anorak und eine Überhose mit verschweißten Nähten wie eine Plastiktüte wirkt, nämlich die Haut darunter schnell und heftig ins Schwitzen bringt. Im Nu ist man unter der Kleidung so klatschnass, als wäre man nackt durch den Regen geradelt. Kurzum, ich blieb im Sattel und fuhr mit Tempo weiter. Keine zehn Minuten später wurde mir die Rechnung vom Himmel präsentiert.
Urplötzlich schossen heftige Regensalven aus den schwarzgrauen Wolken hervor und zwangen mich auf der Stelle abzubremsen. Zum Glück hatte ich beim Packen am Morgen den Wetterumschwung bedacht und den Anorak und die kurze Überhose nach oben auf die „Abendkleidung“ gelegt. Harsch bremsend hielt ich an und riss den Klettverschluss der roten Satteltasche auf und keine zehn Sekunden später hatte ich den Anorak übergestreift und war mitsamt der Turnschuhe in die kurze Überhose gestiegen. Nun war ich bis auf die Turnschuhe und die weißen Streifen am Helm in Schwarz gekleidet und konnte nur hoffen, dass mich keiner im Straßenverkehr übersah. Dieses Hoffen war nicht aus der Luft gegriffen, denn das Gebaren auf Islays Straßen war um einiges rabiater als im Rest von Schlottland – auf Islay regierte die Devise „time is money“.
Von Glenmorangie wird es bald wieder eine neue Ausgabe des Grand Vintage Malt geben, wenn man den neuesten Eintrag in der us-amerikanischen TTB-Datenbank als Hinweis nimmt.
Die neue Ausgabe, der Glenmorangie Grand Vintage Malt 1997, ist diesmal 23 Jahre alt und im Bond House No. 1 in nicht näher spezifizierten Eichenfässern gereift. Der mit 43% vol. abgefüllte Malt wird im Geschmack am Etikett wie folgt beschrieben: Lebendig und floral, mit würzigen und süßen Aromen.
Die Limitation ist hier auf dem eingereichten Etikett noch nicht spezifiziert, aber so sieht es jedenfalls aus:
Mal nicht ganze Flaschen kaufen zu müssen, um Neues bei Whisky auszuprobieren, sondern Samples davon zu verkosten – das ist die Idee hinter vielen Flaschenteilungen, wie sie in Clubs oder unter Freunden passieren, und die Idee hinter Simple Sample, der gemeinsam mit Importeuren und Abfüllern immer wieder einmal neue Sets auf den Markt bringt – so wie mit den jetzt angekündigten Sampleset Selections #2.
Alles Wissenswerte dazu und die Bestellmöglichkeiten finden Sie in der nachfolgenden Pressemitteilung:
Simple Sample stellt vor: Sampleset Selections #2
Nach den erfolgreichen Samplesets #1 aus der Serie „Selections“ geht es nun weiter mit neuen, ausgewählten Spezialitäten.
Simple Sample stellt 3 brandneue Samplesets vor, die es wie gewohnt in dieser Zusammenstellung zu absoluten Sonderpreisen gibt.
Im Detail:
Basic Selection #2
Enthält:
Benromach – Contrasts: Organic
Spey – Tenné
Penderyn – Madeira Wood Finish
Kirkwall Bay – Orkney
Normalpreis: 21,90€ Aktueller Sonderpreis: 15,50€ (100 ml = 7,75 €)
Advanced Selection #2
Enthält:
Kavalan – Concertmaster: Sherry Cask Finish
Heaven’s Door – Tennessee Bourbon
Spey – 12 Jahre – Tawny Port Finish
Benromach – Contrasts: Peat Smoke
Normalpreis: 26,90€ Aktueller Sonderpreis: 19,90€ (100 ml = 9,75 €)
Expert Selection #2
Enthält:
Heaven’s Door – Double Barrel
Kavalan – Solist Vinho Barrique
Penderyn – Ex-Tawny Port – Single Cask
Benromach – Single Cask No. 5 – First Fill Sherry
Normalpreis: 37,90€ Aktueller Sonderpreis: 27,90€ (100 ml = 13,95 €)
Die sorgfältig zusammengestellten Samplesets zum verschenken oder selbst genießen sind ab sofort in limitierter Stückzahl exklusiv im Online Shop von Simple Sample erhältlich.
Woche für Woche erscheinen viele neue Whisky-Abfüllungen – und gesellen sich zu den Abertausenden dazu, die es bereits gab oder gibt. Wer soll das alles trinken und herausfinden, was wie schmeckt?
Whiskyblogger tun es – und in der Summe ergibt sich durch sie ein recht schöner Überblick über das, was man ins Glas bekommen kann, was gefällt und was weniger.
„Fremde Federn“ stellt Ihnen in der jetzt bereits 136. Folge Samstag für Samstag Verkostungsnotizen der Blogger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vor. Aus der Vielzahl von Neuerscheinungen und Klassikern haben die Blogger nach ihren Vorlieben Abfüllungen herausgesucht und für ihre Leser beschrieben.
Hier sind die Tasting Notes jener Blogger, die uns für die aktuelle Ausgabe ihre Links gesendet haben:
Die Notes geben die persönlichen Eindrücke der Blogger wieder und müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. Viel Vergnügen beim Lesen und bis zur nächsten Ausgabe in einer Woche!
Haben Sie selbst aktuelle Tasting Notes, die wir hier verlinken sollen? Senden Sie uns unter press @ whiskyexperts.net den Link auf Ihre Verkostungsnotizen – bitte mit dem Betreff „Tasting-Link“. Wir publizieren dann jeden Samstag jene Notes, die bis Freitag 12:00 an uns gesendet werden. Wir publizieren die Links, ohne damit die Beiträge dahinter zu werten. Nicht publizieren werden wir Links auf Verkostungsnotizen von Seiten, die entweder kommerziell geführt sind, kommerzielle Links enthalten. in Verbindung mit Shops stehen oder solchen, bei denen Tasting Notes nur ein Bestandteil des Outputs der Seite sind, denn wir wollen gezielt der Verkosterszene eine Bühne bieten und für sie zusätzliche Öffentlichkeit schaffen.
Zur Einstimmung ein (laut Angus MacRaild ausgezeichneter) Kilchoman, und danach fünf verschiedene, schon ältere Abfüllungen aus der demolierten und jetzt im Wiederaufbau befindlichen Brennerei Port Ellen – das ist das Programm auf Whiskyfun für heute. Und ein schönes Programm muss das für den Verkoster gewesen sein, denn keiner der Whiskys im Tasting erhielt dabei unter 90 Punkte:
Kilchoman 13 yo 2007/2020 (55.5%, OB private cask for Max & Julia, cask #69, bourbon barrel, 215 bottles)
90
Port Ellen 10 yo ‚Scottish Wildlife‘ (43%, Signatory Vintage, bottled 1993, mini)
91
Port Ellen 18 yo 1981/2000 (43%, Douglas Laing ‚Provenance Winter Edition‘, sherry)
90
Port Ellen 29 yo 1979/2009 (53.2%, Douglas Laing ‚Platinum‘ for World Duty Free, 270 bottles)
91
Port Ellen 25 yo 1983/2008 (58.4%, Scotch Single Malt Circle, cask #2542, refill sherry, 247 bottles)
91
Port Ellen 22 yo 1974/1997 (59.2%, Signatory Vintage ‚Silent Stills‘, cask #6754, 260 bottles)
Es sind keine guten Nachrichten für die schottische Whiskyindustrie, die uns heute von dort erreichen: Im Jahr 2020 ist der Exportwert von schottischem Whisky wegen der Pandemie und den US-Strafzöllen um eigentlich unglaubliche 23% eingebrochen – in realen Zahlen sind das 1,1 Milliarden Pfund weniger. Damit haben sich alle Zugewinne eines gesamten Jahrzehnts über ein Jahr verflüchtigt.
Auch wenn man die Zahl der exportierten Flaschen ansieht, ist der Rückgang ungemein stark: -13% sind es, die Schottland im Jahr 2020 verlassen haben.
Schlimm sind die Unstände, wenn man sich die Gastronomie und den Travel Retail ansieht: Hier sind es 70% aller weltweiten Märkte, die Rückgänge verzeichnen mussten. Und wenn man nach Regionen aufschlüsselt, ist der Export in die EU um 15% zurückgegangen, der in die USA wegen der Strafzölle sogar um 32%, also knapp ein Drittel.
Es wird wohl einige Zeit dauern, bis diese Verluste wieder zum Teil wettgemacht werden können, und der Brexit wird dabei sicherlich nicht helfen, wie man schon im Januar gesehen hat (nicht nur Privatleute klagen, dass es sehr schwierig ist, in UK zu bestellen, auch der Handel sieht sich mit Problemen konfrontiert). Umso mehr drängt die schottische Whiskyindustrie darauf, dass zumindest bei den Exportzöllen in die USA Besserung durch die britische Regierung ausgehandelt wird.
Keine guten Voraussetzungen hatte – so wie die meisten Getränkegiganten – auch Pernod Ricard im abgelaufenen Jahr: Der Besitzer von Whiskymarken wie Glenlivet, Jameson oder Chivas Regal musste, bedingt durch dein Einbruch im Travel Retail, die Coronakrise und ungünstige Wechselkurse ein Verkaufsminus von 3,9% im ersten Halbjahr 2020 hinnehmen.
Rechnet man den Travel Retail heraus, dann kommt dennoch eine Steigerung von 1% heraus, sogar 13% im Handel mit China und 5% mit den USA. In Europa hingegen gab es ein Minus von 5%, wobei Deutschland, UK, Russland und Polen starkes Wachstum verzeichneten, Irland, Spanien und Frankreich einen starken Einbruch.
Trotzdem rechnet sich die nach Diageo zweitgrößte Gruppe für das Gesamtjahr 2020 ein leichtes Verkaufswachstum aus, und zwar wegen der starken Dynamik in Märkten wie China, den USA und Indien, die man als „must win“-Märkte bezeichnet.
Ein Trio aus der Highland Destillerie Deanston ist heute das Thema der Verkostung bei Serge Valentin auf Whiskyfun. Zwei unabhängige Bottlings sind es, und eine Originalausgabe, aber bis auf den Deanston von Cadenhead ist keiner dabei, bei dem Serge über ein punktemäßiges Achselzucken hinauskommt.
Aber sehen Sie selbst, hier unsere tabellarische Übersicht der Verkostung:
Deanston 10 yo (46%, Cadenhead, Original Collection, 2020)
In UK sind sie jetzt erschienen, die beiden lang erwarteten Neuheiten aus der Destillerie Springbank, allerdings gleich mit einem warnenden Zusatz: wegen andauernder Verzögerungen im Versand durch den Brexit, werden sie in Europa leider noch nicht verfügbar sein. Laut der Destillerie wird es aber bald ebenfalls soweit sein – wenn wir davon erfahren, informieren wir natürlich gesondert darüber.
Hier die Infos zum Longrow Red 10yo Refill Malbec Matured und zum Kilkerran 8yo CS 2021:
Longrow Red (52,5% vol.)
Der getorfte Whisky reifte 7 Jahre in Bourbonfässern, danach 3 in refill Malbec Rotweinfässern. Diese stammen aus den Beständen des De Toren Weinguts in Stellenbosch, Südafrika. Insgesamt wurden 10.000 Flaschen abgefüllt. Preis in UK. 57 Pfund.
Die englischsprachigen Tasting Notes:
Nose
Aromas of chewy vanilla fudge and butterscotch with a hint of tart and sticky stewed rhubarb and grape juice.
Palate
Delicate peat smoke is balanced with notes of juicy red apples and ripe black cherries. Freshly baked pretzels, vanilla and sugar-coated almonds offer buttery, sweet characteristics whilst there is a developing earthy hint of tobacco leaves towards the end.
Finish
The ashy, earthy, buttery characteristics continue with notes of burnt embers and warm buttered toast.
Kilkerran 8-Year-Old Cask Strength (56,9% vol.)
Vollreifung in first fill Oloroso Sherry Casks. Die Anzahl der abgefüllten Flaschen ist uns nicht bekannt, der Preis in UK: 48 Pfund.
Auch hier wieder die englischsprachigen Tasting Notes:
Nose
Well-balanced, rich and softly peated.
Juicy and sticky with notes of maraschino cherries, vanilla fudge, toffee pudding and coffee beans. Jam and fruit, balanced with a light smoky aroma.
Palate
Lovely dark fruit flavours continue with plum, cherry and sweet raspberry. Cooking apples, lemon glazing, a dusting of dark chocolate powder and a dry yet delicate peat smoke towards the end. A familiar coastal brine influence draws out the unique Campbeltown characteristics.
Finish
Notes of sea salt, dark cacao, smouldering campfire, sandalwood, BBQ meat and dry peat smoke.