Neue Deutsche Whiskyvideos der Woche (226)

Willkommen zur  226. Folge der Whiskyvideos und Podcasts der Woche. Wie immer bringen wir in ihr Beiträge aus dem deutschen Sprachraum zum „Wasser des Lebens“, die uns von den Vloggern und Podcastern zugesendet wurden. In den Videos werden sowohl neue als auch ältere Abfüllungen verkostet – alles nach dem eigenen Ermessen der Verkoster und ohne kommerziellen Hintergrund.

Die Liste der teilnehmenden Vlogs ist nicht fix: Wenn Sie meinen, dass Ihr Video ebenfalls dazu gehören sollte, dann können Sie unten herausfinden, wie das möglich wäre.

In der Ausgabe 226 finden Sie einen Podcast und vierzehn neue Videos:

Podcast – We talk Malts Folge 38 – Kilchoman Vertical Tasting

Whisky in Drag – Laphroaig 10 Sherry Oak Finish

Malts & Metal – Laphroaig 10 Jahre Sherry Oak vs. Lore

Friendly Mr. Z – Queen Margot 8

BarrelBeast – Glenglassaugh Octaves Classic Batch 2

The Malthead – Der neue Longrow Red

Whisky Plausch – Yellow Spot 12

World Wide Whisky – Mortlach 15 Jahre (G&M)

Malte talks Malts – Tamdhu – Batch Strength 004

The Bourbon Diaries – Der neue Knob Creek 9yo

Whisky Buzz – Ardmore 10yo The War of The Peat VIII

Whisky Enjoy – Blanton’s Gold Kentucky Straight Bourbon

WhiskyJason – Bud Spencer The Legend – Rauchig

Pat Hock – Redbreast 12 Cask Strength

https://youtu.be/AItXYTNp3Wg

The Whisky Waiter – Laphroaig Sherry Oak 10 vs. T-Wood


Wie wir die Beiträge aussuchen: Die Videos und Podcasts werden uns zugeschickt. Wir treffen dabei keine Auswahl außer jener, dass die von uns gezeigten Blogger/Vlogs schon länger aktiv sein sollten, eine gewisse Anzahl Follower/Hörer/Leser haben. Die Redaktion behält sich vor, eingereichte Videos ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen, hält aber gleichzeitig fest, dass ein Nichterscheinen nicht automatisch ein (sowieso immer subjektives) Statement über mangelnde Qualität ist, sondern viele verschiedene Gründe haben kann.

Wollen Sie mit Ihrem Beitrag dabei sein? Wenn Sie selbst Videos zum Thema Whisky machen, dann schicken Sie uns doch eine kurze Mail mit einem Link auf das wochenaktuelle Video und einer Inhaltsangabe dazu jeweils bis Freitag, 12 Uhr an press @ whiskyexperts.net. Vorgaben unsererseits gibt es natürlich keine, hilfreich ist aber, wenn Ihr Videokanal in aller Regel etabliert, regelmäßig publizierend und mit einer gewissen Anzahl Abonnenten ausgestattet ist, sowie mit hohem Qualitätsanspruch gemacht wird. Bitte halten Sie die eingereichten Videos auch werbefrei, sprich keine Links und Kaufaufforderungen im Video. Wir freuen uns auf Ihre Videos für unsere Leser!

Whisky Cycle – Eine Radreise durch Schottland von Uli Franz (Folge 18)

Wir freuen uns, Ihnen jeden Sonntag ein Stück einer wunderbaren Geschichte über Schottland, Whisky und das Reisen vorstellen zu dürfen: Exklusiv auf Whiskyexerts präsentieren wir Ihnen Whisky Cycle, das neueste Buch von Uli Franz, als Fortsetzungsgeschichte.

Uli Franz lebt als Schriftsteller im Chiemgau und auf der dalmatinischen Insel Brac’. Von 1977-80 arbeitete er als Zeitungskorrespondent in Peking. Über China und Tibet veröffentlichte er zahlreiche Bücher. Zuletzt erschienen Radgeschichten und „Die Asche meines Vaters“ (Rowohlt Verlag).

Das Buch Whisky Cycle – Eine Radreise durch Schottland (ca. 320 Seiten) ist momentan in der ersten Auflage vergriffen – über Neuigkeiten zu Bestellmöglichkeiten werden wir Sie natürlich rechtzeitig informieren.

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Die Radtour zu 17 schottischen Destillerien. Karte von Alba Collection

–hier geht es zur Folge 17–

Whisky Cycle – Eine Radreise durch Schottland von Uli Franz (Folge 18)

Punkt 10 Uhr machte Cadenhead’s auf. Punkt 10 Uhr trat ich durch die Tür und wurde von einer Duftwolke begrüsst, von der ein Barbetrieb nur träumen konnte. Peinlich nur, dass meine Sneakers nasse Tapser auf dem gefegten Dielenboden hinterließen.

Der altertümliche Whiskyladen bestand aus zwei nüchternen Räumen. Im vorderen bauten sich tannengrüne Holzregale entlang der Wände auf, hier befand sich die Heimat Hunderter lokaler Whiskys der Marke Cadenhead’s. Aromen von Vanille und Karamell bestimmten die Raumluft und sofort war der Miesepeter in mir verschwunden, das unwirtliche Draußen vergessen. Hier kannst du einen guten Tropfen in aller Ruhe verkosten, signalisierte der Bartisch mit den grünen, locker verkorkten Flaschen getorfter und ungetorfter Provenienz.

In Edinburgh hatte ich gleich am Tag nach meiner Ankunft Cadenhead’s urigen Kioskladen am unteren Ende der Royale Mile aufgesucht, um auf schottischem Boden meinen ersten Single Malt zu verkosten und ein putzig kleines, tulpenförmiges Glencairn Glas für die Reise zu kaufen. Zehn Tage waren mittlerweile vergangen, Edinburgh lag hinter dem Horizont, gefühlte 500 Meilen entfernt, als ich nun wieder in einem Cadenhead’s Laden stand und mich erneut fragte: schauen die Profis, die hier Whisky verkaufen, auch gerne ins Glas? In Edinburgh hatten sie bereits zur Mittagszeit eine schwere Zunge und hier, das stellte ich mit einer gewissen Heiterkeit fest, bereits um 10.30 Uhr. Schmunzelnd schlenderte ich erst einmal von Regal zu Regal und studierte die Etiketten – stocknüchtern tat ich dies, aber zunehmend irritiert. Ja, Verwirrung machte sich breit, weil alle Etiketten auf den ersten Blick gleich aussahen. Erst als ich die Lesebrille aufsetzte und die Aufschriften unter dem einheitlichen Cadenhead’s Logo studieren konnte, wurde mir klar, warum alle Flaschen so uniform auf den Regalböden standen.

Cadenhead’s, im Jahr 1842 in Aberdeen gegründet, gehört seit 1969 zu Springbank und vermarktet nicht nur Springbank Marken, sondern auch die Whiskys anderer Destillerien, die namenlos bleiben. Außerdem ist Cadenhead’s als selbstständiger Abfüller authorisiert, eigene Blends zu vermählen und diese Blends sind sehr zu empfehlen; alle in Fassstärke von 58 bis 46 % vol. auf die Flasche gezogen, was mir persönlich besser gefällt als das gesetzlich vorgeschriebenen Minimum von 40 %. Je nach Tageszeit und Stimmung kann ich so selbst entscheiden, ob ich mein Dram mit Wasser verdünnen oder pur genießen will, um das Bouquet gefälliger und meiner Stimmung angepasst zu formen.

Wohlgemerkt, Cadenhead’s vertreibt nicht nur Whiskys, sondern auch Gin, Rum, Grappa, Absinth, Cognac, Sherry und Portwein aus eigener Abfüllung. Nun weiß der Insider, dass man bei Cadenhead’s auch Sammlerstücke von geschlossenen Brennereien wie einen einundvierzigjährigen Carsebridge zu vertretbaren Preisen findet. Allein schon wegen der nostalgischen Etiketten sind Cadenhead’s Collections unter Sammlern äußerst beliebt.

Versonnen verließ ich die Heimat der lokalen Malts und schlenderte über einen knarzenden Holzboden in den offenen Nebenraum. Dort entdeckte ich zwei hüfthohe Eichenfässer, die aufrecht in einer Nische standen. Handelte es sich hierbei um eine urige Dekoration oder waren sie befüllt? Die beiden 250-Liter-Fässer, Hogsheads werden sie von den Küfern genannt, waren tatsächlich befüllt und mit niedlich kleinen Zapfhähnen versehen. Nach den leeren, etikettlosen Flaschen auf dem seitlichen Regal zu urteilen, konnte jeder Kunde seinen eigenen Whisky hand filled zapfen und zwar zu einem verdammt günstigen Preis.

Vor einer Glasvitrine mit silbernen Springbank-Manschettenknöpfen und versilberten, zweihenkligen Trinkschalen machte ich kurz Halt, weil diese Artikel ausgefallener als das bisherige Gros ewig gleicher Werbeprodukte waren. Schnell hatte ich mir einen Überblick über die käuflichen Gegenstände verschafft – das reichte wieder einmal, ich brauchte nichts aus der Auslage. Vielmehr zog es mich mit Macht an den Verkostungstisch, wo mehrere entkorkte Flaschen bereits auf mich warteten. Noch hatten wir Vormittag, doch ein Dram war dem Fußgänger erlaubt. Auch der Blick durch das Schaufenster nach draußen kam einer Trinkerlaubnis gleich – es regnete in Strömen. Warum also nicht im Trockenen ausharren und sich mit dem Coupon der gestrigen Tour das fröstelnde Herz erwärmen?

Der Hafen von Campbeltown. Photo credit: whiper via Visualhunt.com / CC BY-SA

Mittlerweile war ich nicht mehr der einzige Besucher. Der Laden füllte sich stoßweise mit Gruppen, die hier Tickets für die Springbank-Tour kauften oder ihre Coupons für einen Drink einlösten. Drängeln war inzwischen ein Muss, wahrlich unangenehm!Zwischen Leuten in tropfnassen Anoraks und Mänteln hindurch musste ich mich drängen, um zum Verkostungstisch, auf dem auch die Kasse stand, zu gelangen.

Der Reihe nach studierte ich die Flaschen mit dem uniformen Cadenhead’s Label, die sich nur im Kleingedruckten, im Jahrgang und der Fasslagerung unterschieden. Nach einigem Zögern entschied ich mich für den 15jährigen Springbank, einfach deshalb, weil mich die blockische Schrift auf dem smaragdgrünen Etikett ansprach. Aus optischen Gründen und ganz ohne Vorwissen traf ich meine Auswahl des kostenlosen Dram. Nun ja, vielleicht auch, weil mir die Brennerei mit ihren liebenswerten Arbeitern und Angestellten inzwischen ans Herz gewachsen war. Wie diese Schotten in Handarbeit Whisky produzierten, das beeindruckte mich doch sehr, zumal ich diese Kunstfertigkeit in keiner der bisher besuchten Destillerien so engagiert erlebt hatte. Als mir diese Gedanken durch den Kopf gingen, musste mir wie von selbst ein Lächeln übers Gesicht gehuscht sein. Prompt wertete der Verkäufer das unbewusste Lippenspiel als Aufforderung, mir tüchtig einzuschenken. Ich dankte ihm und zog mich in eine ruhige Ecke im Nebenraum zurück. Da mich niemand und nichts drängte und es draußen immer noch wie aus Kübeln goss, widmete ich mich dem Springbank, aged 15 years, Campbeltown Single Malt Scotch Whisky, 46 % vol.

Als Tribut an das Augenlicht schwenkte ich das halbvolle Glas in der Hand und ließ das hellbraune, mich an meinen Nougat-Riegel erinnernde Dram im Glas kreiseln. Gegen das Licht rannen ölige Schlieren in Bahnen die Glaswand hinab, Schlieren, die auch Tränen hätten sein können. Tränen der Freude, die Gaumenfreuden versprachen. Die Nase konnte es kaum erwarten, sie schnüffelte bereits und forderte ebenfalls Beachtung. Beide Nasenmuscheln kamen ins Spiel, kaum, dass ich die Mundatmung auf Nasenatmung umstellte. Die ätherischen Düfte aus der verengten Öffnung es handlichen Glases sog ich erst durch das rechte, dann durch das linke Nasenloch ein. Wieder einmal erwies sich der linke Nasenflügel als der bessere olfaktorische Detektiv. Karamell und Mandeln waren vorrangig zu riechen. Nein, kein Torf! Dafür begegnete mir trockenes Eichenholz und zwar mit Ellenbogengewalt. Erst jetzt kam der Gaumen, der sich lange hatte gedulden müssen, zum Zug. Aber nur im vorderen Zungenbereich benetzte ich die Mundhöhle. Viel Vanille zum Auftakt, umspielt von Zitrus, Feige und Marzipan – eine prächtige Komplettierung der fruchtigen Aromen. Als ich den Springbank einlud, den Gaumen weiter öffnete und auch die Backtaschen, setzte der Speichelfluss schnell und heftig ein und dämpfte das Brennen der dichten 46 %. Beim Kauen registrierte ich eine versöhnliche Milde und nicht lange dauerte es, bis das unvermeidliche Brennen in wärmendes Wohlgefühl umschlug. Mehrmals kaute ich diesen und einen zweiten Schluck, bevor ich mich dem Nachklang widmete. Dieser erfolgte lang anhaltend, von Eiche und Feige, auch von dunkler Schokolade geprägt. Plötzlich schmeckte ich Torf, aber schon überlagerte eine cremige Milde das alkoholische Brennen und ich war mir ganz sicher, einem Malt der Extraklasse begegnet zu sein. Ohne lange zu zögern, bewertete ich den fünfzehnjährigen Springbank mit vier Stützrädern und – frohlockte, hatte ich doch soeben meinen zweiten perfekten Schluck aufgespürt.

Apropos Stützräder! Diese unsinnige Hilfskonstruktion gegen das Umfallen, in der Regel an Kinderrädern montiert, hätte ich jetzt tatsächlich gebrauchen können, denn das vortrefflich gefüllte Glas erfüllte langsam aber sicher seine Wirkung. Das deftige Frühstück war längst verdaut und beschwipst signalisierte der Magen: Mittagszeit. Leicht schwankend kämpfte ich mich durch eine Gruppe von Neuankömmlingen, die im Pulk die Ladentür versperrten, ihre nassen Schirme abklopften und diese aus Platzmangel vor meinen Füßen zusammenfalteten. Bevor mich Ärger über ihr gieriges Drängen zur Theke übermannen konnte, suchte ich das Weite – zum Glück zu Fuß.

Der asphaltierte Gehsteig fühlte sich unter meinen wattigen Schritten wie eine rutschige Gummimatte an, als ich sachte schlingernd Richtung Hafen lief. Keine fünfzig Meter war ich gelaufen, da kam es mir vor, als wirkte die herbe naße Luft wie ein Striptease, der die Hüllen des kleinen Rauschs fallen ließ. Zweifellos hatte ich einen in der Krone, das war inzwischen offenkundig. An der Beinarbeit merkte ich es, weil ich mehrmals über Risse im Asphalt stolperte. Das halbe Glas Springbank war für einen nüchternen Magen zwar kein Problem, doch zweifelsohne eine Herausforderung. Zum Glück bewegte ich mich auf zwei Beinen und nicht auf zwei Rädern. Mit dem Fahrrad hätte ich vier Stützräder für die Strecke zum Hafen gebraucht.

Dank eiserner, wenn auch verwurschtelter Beinarbeit schaffte ich es zur Promenade, wo ich mir im Café Bluebell eine schnelle Tomatensuppe und ein Salat-Sandwich bestellte. Für ein gemütliches Mahl, vorzugsweise fish & chips, fehlte die Zeit, denn ich wollte den Nachmittag sinnvoll nutzen. Das Ausnüchterungsmahl schlang ich hungrig in mich hinein und spülte mit viel Kaffee nach. Nicht weil es feuchtkalt zwischen den Resopal-Tischchen zog, beeilte ich mich mit dem Essen, sondern weil ich mir für den Nachmittag noch einen Besuch bei Glen Scotia vorgenommen hatte. 

Glen Scotia. By Lirazelf – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62323489

In den guten Jahren, als in Campbeltown noch in 37 Brennereien die Blasen befeuert wurden und Whisky nur so floss, hinüber ins nahe Irland und nach Schottland und England sowieso, war Glen Scotia ein großer Name. Als aber im Jahr 1929 die Weltwirtschaftskrise hereinbrach und die örtlichen Kohleminen schlossen, musste auch die ehrwürdige Destillerie dicht machen. In den späteren Jahrzehnten erlebte Glen Scotia ein trauriges Weitergereichtwerden von Eigentümer zu Eigentümer aus reiner Geldmacherei – ein großer Namen war zum Futter für Heuschrecken geworden. Schließlich begann eine halbherzige Zeit. Mit Leiharbeitern von Springbank wurde destilliert und produziert, aber diese Notlösung regelte nur das Allergröbste, um eine Insolvenz abzuwenden. Aktuell profitiert Glen Scotia von der Zentralisierung in der schottischen Whiskyindustrie und so fand das Waisenkind eine neue Familie. Die Brennerei gehört heute zur Loch Lomond Gruppe, die auch die Brennereien Loch Lomond und Littlemill besitzt. Allerdings blieb nach einem verheerenden Brand von Littlemill nur noch der Name und ein geringer Fassbestand übrig.

Das Tropfenkonzert in den Straßen und auf der Uferpromenade von Campbeltown war verstummt, eine unwirkliche Stille war nach dem Regen eingetreten. Selbst der Meerwind riss nicht mehr an den Falten und Laschen meines Anoraks und das Flattern hatte ein Ende. Es schien, als hielte der Himmel über der Stadt den Atem an. Mit leichtem Befremden lief ich an der Bucht entlang und bog am hinteren Ende in die Dalaruan Street ein, wo ich nach einigen hundert Metern die grauweiße Fassade eines Fabrikgebäudes erblickte. Das musste Glen Scotia sein! Allerdings vermisste ich den typischen Mostgeruch im Dunstkreis einer Destillerie. Befremdend!

Aus keinem der zahlreichen Fenster drangen Arbeitsgeräusche und auf der regennaßen Straße rauschte es nur ab und zu, wenn mich ein Auto überholte. Auch hier lag eine lähmende Stille in der Luft zwischen den Häusern. Am Ende des Blocks öffnete sich der Blick auf einen Hof, den mehrere hohe Gebäude umstanden – und augenblicklich verschlug es mir den Atem: hinter einem rostigen Maschendrahtzaun streckten mir mächtige Kirschbäume ihre Äste entgegen und diese Äste waren von Millionen und Abermillionen von rosaroten Flocken bestäubt. Kirschblüte in Schottland! Die Blütenpracht im Hof von Glen Scotia hätte jeden Japaner entzückt, so überwältigend schön blühten die beiden Bäume zwischen den tristen Fassaden. Und das im Mai! Auch noch an diesem Wind- und Regenort! Die Quelle der Pracht musste die Wärmepumpe des atlantischen Golfstroms sein, sagte ich mir und zückte mein Handy, um das Gemälde auf den Chip zu bannen.

(weiter zu Folge 19)

TTB Neuheit: Talisker 30yo 2021

Es ist mittlerweile an die vier Jahre her, dass zum letzen Mal ein Talisker 30yo direkt aus der Destillerie auf den Markt kam (sieht man einmal von der Einzelfassabfüllung in der „Casks of Distinction“-Serie ab). Aber nun ist es, folgt man dem neuesten Eintrag in der us-amerikanischen TTB-Datenbank, wieder soweit: Der Talisker 30yo 2021 wird abgefüllt, und es wird 3216 Flaschen geben, mit einer Alkoholstärke von 49,7%. Er soll laut Etikett „süßen Rauch mit pointierter Pfeffrigkeit“ verbinden.

Zu den Fassdaten geben die Label keine weiteren Infos preis, aber spätestens dann, wenn diese Abfüllung auch offiziell angekündigt wird, werden wir Ihnen auch dazu mehr erzählen können. Hier jedenfalls einmal die Label des Talisker 30yo, so wie sie vorliegen:

Wie üblich der Hinweis zu den TTB-Einträgen: Dass ein Label in der TTB-Datenbank eingetragen wurde, bedeutet nicht automatisch, dass die Abfüllung dann auch erscheinen wird. Es ist allerdings ein sehr starker Hinweis darauf. 

Fremde Federn (143): Verkostungsnotizen deutschsprachiger Blogger

Jede Woche erscheinen viele neue Whisky-Abfüllungen – und gesellen sich zu den Abertausenden dazu, die es bereits gab oder gibt. Wer soll das alles trinken und herausfinden, was wie schmeckt?

Blogger tun es – und in der Summe ergibt sich durch sie ein recht schöner Überblick über das, was man ins Glas bekommen kann.

„Fremde Federn“ stellt Ihnen in der jetzt bereits 143. Folge Samstag für Samstag Verkostungsnotizen der Blogger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vor. Aus der Vielzahl von Neuerscheinungen und Klassikern haben die Blogger nach ihren Vorlieben Abfüllungen herausgesucht und für ihre Leser beschrieben.

Wir wünschen allen Whiskybloggern Frohe Ostern und schöne Feiertage!

Die Notes geben die persönlichen Eindrücke der Blogger wieder und müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. Viel Vergnügen beim Lesen und bis zur nächsten Ausgabe in einer Woche!


Haben Sie selbst aktuelle Tasting Notes, die wir hier verlinken sollen? Senden Sie uns unter press @ whiskyexperts.net den Link auf Ihre Verkostungsnotizen – bitte mit dem Betreff „Tasting-Link“. Wir publizieren dann jeden Samstag jene Notes, die bis Freitag 12:00 an uns gesendet werden. Wir publizieren die Links, ohne damit die Beiträge dahinter zu werten. Nicht publizieren werden wir Links auf Verkostungsnotizen von Seiten, die entweder kommerziell geführt sind, kommerzielle Links enthalten. in Verbindung mit Shops stehen oder solchen, bei denen Tasting Notes nur ein Bestandteil des Outputs der Seite sind, denn wir wollen gezielt der Verkosterszene eine Bühne bieten und für sie zusätzliche Öffentlichkeit schaffen.

Glengoyne ab 5. April wieder geöffnet, Tastings ab 17. Mai (mit Galerie)

Brechen für Schottlandfreunde und Whiskygenießer bald wieder bessere Zeiten an? Die südlichste Highland-Brennerei Schottlands, Glengoyne, teilt jedenfalls mit, dass die Destillerie ab Montag, den 5. April 2021, nach den aktuellen Vorgaben der schottischen Regierung wieder für Besucher geöffnet werden kann:

We are thrilled to announce the Glengoyne Distillery Shop will re-open from Monday 5th April following the latest Scottish Government announcement.

Etwas länger, nämlich bis zum 17. Mai, wird es dauern, bis wieder Tastings und Master Classes abgehalten werden können:

The distillery’s fantastic Tasting Experiences and Malt Master will resume from 17th May.

Es werden sicherlich auch andere, wenn auch nicht alle, Destillerien diese Öffnungsschritte nachvollziehen – und wer weiß, vielleicht kommt es im späten Frühjahr oder Sommer wieder zu so etwas wie einer gewissen Normalität? Dann müssen die Fallzahlen in der Pandemie nur noch soweit sinken, dass auch die Reisebeschränkungen wieder zurückgenommen werden können…

Und damit die Vorfreude noch etwas unterfüttert wird, hier eine Galerie mit einigen Bildern um und aus Glengoyne…

TTB-Neuheit: Macallan Classic Cut 2021 Limited Edition

An einem Tag, der in weiten Teilen Deutschlands als Feiertag im Kalender steht, sind die Nachrichten natürlich eher langsam unterwegs. Aber in der us-amerikanischen TTB-Datenbank sind wir dennoch fündig geworden. Dort gibt es die Etiketten einer neuen Abfüllung der Destillerie Macallan zu sehen, dem Macallan Classic Cut 2021 Limited Edition.

Er stammt aus ex-bourbon casks und sherry seasoned oak casks und wird mit 51% vol. abgefüllt werden. Wann er genau erscheint, können wir momentan noch nicht sagen, und ebenso wissen wir noch nichts über den Preis – aber sobald der Macallan Classic Cut 2021 Limited Edition offiziell angekündigt wird, lesen Sie natürlich bei uns darüber.

Und so sehen die Etiketten aus:

Wie üblich der Hinweis zu den TTB-Einträgen: Dass ein Label in der TTB-Datenbank eingetragen wurde, bedeutet nicht automatisch, dass die Abfüllung dann auch erscheinen wird. Es ist allerdings ein sehr starker Hinweis darauf. 

PR: Feuer und Flamme für Mars Tsunuki Peated

Kirsch Import vermeldet in der heutigen Aussendung einen Neuzugang aus Japan: Mars Tsunuki Peated heißt die zweite Abfüllung der Destillerie Mars Tsunuki. Alles Weitere zu diesem neuen Bottling finden Sie in der folgenden Aussendung:


Feuer und Flamme für Mars Tsunuki Peated:
Die lang ersehnte, zweite Abfüllung der Destillerie ist da

Zwei Destillerien, drei Fasslager, eine Marke: Mars destilliert abwechslungsreiche Ranges an hochwertigen Single und Blended Malts – in drei verschiedenen Klimazonen Japans.

Kiefernbäume, frische Bergluft und am Horizont die imposante Hügelkette der japanischen Alpen: Mars Shinshu, der Stammsitz der Brennerei, liegt in Japans kalt-feuchten Alpen. Mit ihren 798 Höhenmetern ist sie die höchstgelegene Destillerie des Inselstaates. Der Standort am Fuße des Gebirges ist bewusst gewählt: Kristallklares Quellwasser aus den Bergen fließt hier über mineralreiches Granitgestein und bildet eine natürliche Qualitätsgrundlage für den Whisky von Mars Shinshu. Das alpine Klima ist geprägt von kalten Temperaturen, Nebel und heftigen Schneefällen im Winter. Die bis zu -15°C sorgen so für einen besonders langsamen Reifeprozess der in Pot Stills nach Entwürfen der Brenner-Legende Kiichiro Iwai destillierten Whiskys.

Im völligen Kontrast dazu lässt Mars Whisky im Fasslager auf der Insel Yakushima, im Süden des Japans, reifen. Ein lokales Sprichwort besagt, es regne 35 Tage im Monat auf dem grünen Eiland. Entsprechend hoch ist die Luftfeuchtigkeit: Bei bis zu 76 Prozent entwickelt der Mars Whisky während seiner Reife ausgeprägt maritime Noten. Die gehaltvollen Experimente mit den verschiedenen Klimazonen des Landes komplettiert Mars mit einer zweiten Destillerie. Tsunuki liegt in Japans subtropischem Süden. Bei einer durchschnittlichen Luftfeuchtigkeit von 70-72 Prozent und Temperaturen zwischen -2 °C und 36 °C interagieren Destillate hier intensiv mit dem Fass.

Durch die Kombination aus individuellen Destillerien und Fasslagern in verschiedenen Klimazonen gelingt es Mars, komplexe Whiskys hervorzubringen, die Genießer immer wieder aufs Neue zu überraschen wissen:

Die Experimentierfreude von Mars basiert auf der über 100-jährigen Spirituosen-Expertise des Unternehmens. Nach Japans Whisky-Boom der 1960er bis 1980er Jahre erlebte Mars Shinshu wie viele der zahlreich entstandenen Destillerien eine Talfahrt und war 1992 gezwungen, die Produktion einzustellen. Mitte der 2000er feierte das Unternehmen dank der gestiegenen Nachfrage nach japanischem Whisky ein Comeback – und eröffnete 2016 den Standort in Tsunuki, um den Bedarf decken zu können.

Knapp fünf Jahre sind ein Wimpernschlag in der Whiskywelt. Aus Tsunuki haben Genussmenschen weltweit daher erst eine einzige Abfüllung feiern können, Tsunuki The First. Jetzt legt Mars nach und erfüllt damit nicht nur die Hoffnungen von Fans der Destillerie, sondern auch von Freunden getorfter Single Malts. Tsunuki Peated heißt der Neue und macht seinem Namen alle Ehre. Weich und torfig entfaltet der Single Malt Japanese Whisky bei erhöhter Trinkstärke von 50% vol. harmonische Noten von Honig und Gerste, Apfel und Rauch.

Mars Tsunuki Peated

Single Malt Japanese Whisky

Dest. 2016-2017
Abgef. 2020
Fasstyp: Fässer aus amerikanischer Weißeiche
50% vol.
0,7 Liter
Nicht kühlfiltriert
Nicht gefärbt

PR: „Chasing Whiskey“ bringt die unerzählte Geschichte von Jack Daniel’s (mit Trailer)

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Der neue Dokumentarfilm „Chasing Whiskey – The Untold Story of Jack Daniel’s“ wird am 9. April auf verschiedenen Streaming-Kanälen uraufgeführt. Der Film von Regisseur Greg Olliver begleitet unter anderem, so die englischsprachige Pressemitteilung, Tim Matheson, Shooter Jennings, Eric Church, John Grisham, Tina Sinatra und weitere auf ihrer mehr als 57.000 Meilen langen Reise durch fünf Länder und 16 Zeitzonen. Der Film wird in den nächsten Formen auf verschiedenen Plattformen erhältlich sein. Eine genaue Auflistung finden Sie in der folgenden Presseaussendung, ebenso wie einen Trailer und das Plakat zum Film:


‘Chasing Whiskey’ Documentary Brings the Untold Story of Jack Daniel’s to Apple TV, Google Play and others – April 2021.

Journey Across the Globe With Director Greg Olliver, Pop Culture Icons and World-Famous Musical Artists To Discover the Heart and History of Jack Daniel’s Tennessee Whiskey

NASHVILLE – March 31, 2021 – The new documentary “Chasing Whiskey – The Untold Story of Jack Daniel’s” premieres across streaming channels on April 9. More than a simple narrative of the origins and impact of Jack Daniel’s, the documentary joins Tim Matheson, Shooter Jennings, Eric Church, John Grisham, Tina Sinatra and more, on a 57,000 mile journey across five countries and 16 time zones that is equal parts thought provoking, insightful, moving and hilarious.

Movie City Films, in association with Evolve Studios, present “Chasing Whiskey” for $9.99 for HD/SD purchase and $4.99 for HD/SD for rental on Video-On-Demand and the film will be available on Apple TV, Google Play, VUDU, Comcast Xfinity, Dish Network and Direct TV in the coming weeks.

“Why is whiskey so intertwined with popular culture, and how did Jack Daniel’s become the most iconic whiskey brand in the world? These are some of the questions we were asking as we began our journey on “Chasing Whiskey”. Fortunately, no matter where we went – from Tennessee to Japan to Cuba to the outback of Australia – and even Scotland – we always found someone who had a compelling, personal story to tell about Jack,” said director Greg Olliver. “With unprecedented access that was given to us by Jack Daniel’s, we uncovered surprising stories that began even before Jackstarted making his own whiskey. We’re proud to present this insightful, whiskey-infused adventure that tells the story of Jack that’s been 150+ years in the making.”

From the small town of Lynchburg, Tennessee, where every drop of Jack Daniel’s is made, to the outback of Australia, from Beverly Hills to the streets of Havana, Cuba, “Chasing Whiskey” documents a cultural exploration into why a world of people identifies with a distinctly American brand. Through it all, Jack Daniel’s serves as the compass on a journey that offers a unique glimpse into humanity, shared values and differing views, dreams and delusions.

PR: Scallywag Easter Edition No. 5 versüßt das Osterfest

Das Bremer Spirituosen Contor, deutscher Importeur für Abfüllungen von Douglas Laing & Co. , kündigt in ihrem heutigen Pressetext die Scallywag Easter Edition No.5 an. Hier alle Infos dazu, die wir mit der Pressemitteilung erhalten haben:


Wenn der Hund die Löffel spitzt…

Scallywag Easter Edition No. 5 versüßt das Osterfest

Bremen, 01. April 2021. Das schottische Familienunternehmen Douglas Laing & Co. versendet österliche Grüße und veröffentlicht die auf 600 Flaschen limitierte, Scallywag Easter Edition No. 5, exklusiv für Deutschland. Bereits zum fünften Mal bekommt der kleine Foxterrier der Familie Laing die Hasenohren aufgesetzt. Auch in diesem Jahr ist der Speyside Blended Malt, mit einem extra hohen Anteil Sherryfass gelagerter Whiskys, genau der richtige Begleiter zum Osterfest.

Die Ausstattung der limitierten Abfüllung präsentiert den Familienhund der Laings mit niedlichen Osterhasenohren und einem kleinen Halstuch inmitten bunter Ostereier und frühlingshaften Blumen. Ganz in Douglas Laing Tradition wurde bei der Abfüllung auf jegliche Kältefiltration oder Färbung verzichtet.

Cara Laing, Director of Whisky des Familienunternehmens, hierzu:

„Inmitten hellerer und fröhlicherer Tage freuen wir uns, die fünfte Scallywag Osteredition, exklusiv für Deutschland, zu enthüllen! Für diese spezielle Abfüllung unseres Speyside Malts haben Fred und ich uns zusammengetan, um einen einzigartig vollmundigen und fruchtigen Scallywag zu kreieren, der perfekt zu Schokoladeneiern an einem herrlichen Frühlingstag passt. Frohe Ostern!“

Die Scallywag Easter Edition No. 5 ist ab sofort im ausgewählten Fachhandel erhältlich.




SCALLYWAG EASTER EDITION NO. 5
in der 0,7-Liter-Flasche; 48,0 % Vol.; UVP: 47,99 Euro

Tastingnotes:

Oh, du süße Versuchung! Fein, süße Sherrynoten in der Nase werden am Gaumen von einer wahren Geschmacksexplosion von süßen Sommerfrüchten und cremiger Schokolade abgelöst und machen Scallywag Easter Edt. No. 5 zum perfekten Begleiter zur kleinen Nascherei.

McAllister Distillery Ahascragh startet Fassprogramm (mit Video)

In Ahascragh, in der Mitte Irlands im Galway County gelegen, baut die McAllister Distillers Ltd. das alte Mühlengebäude an der Main Street in eine Whiskey- und Gin-Craft-Brennerei um. In einem Video, welches Sie im oberen Bereich dieses Posts sowie auf Youtube finden, stellen Gareth und Michelle McAllister das Gebäude und ihre Vision der McAllister Distillery Ahascragh vor. Die notwendigen Genehmigungen erteilte der Galway County Council im letzten Oktober (wir berichteten). Und wenn wir die Bilder auf Facebook richtig interpretieren, haben zumindest die Arbeiten am The Old Mill Shop and Café bereits begonnen.

Die Brennerei startet nun ihr Fassprogramm unter dem Namen The Ahascragh Distillery Founders Cask Programme. Einzelpersonen, Familien, Gruppen von Freunden, Clubs oder Unternehmen haben jetzt die Möglichkeit, ein eigenes Fass Whiskey der McAllister Distillery Ahascragh zu erwerben. Alle Informationen zum The Ahascragh Distillery Founders Cask Programme erhalten Sie in einer Broschüre, die Sie nach Angabe einer Email-Adresse auf der Website der Brennerei erhalten. Das Ahascragh Distillery Founders Cask Program läuft bis voraussichtlich Mitte 2023, dem Ende des ersten Produktionsjahres.

Brexit, Covid und Handelskrise: Schottische Whiskyindustrie verklappt 7 Mio. Liter einjährigen Spirit im Atlantik

Gleich mehrere Faktoren haben die schottische Whiskyindustrie in den letzten 12 Monaten in eine veritable Krise getrieben: Durch die Pandemie sind wichtige Absatzmärkte und vor allem der Global Travel Retail enorm geschrumpft (siehe unseren Bericht hier), der Brexit hat zusätzlich den wichtigen Markt Europa de facto marginalisiert (auch darüber haben wir bereits berichtet), und als wäre dies nicht schon schlimm genug, ist durch den Einbruch des internationalen Warenverkehrs und den damit verbundenen verkleinerten Transportkapazitäten von der Öffentlichkeit bislang unbemerkt auch der Nachschub an für die schottische Whiskyindustrie verwertbaren Fässern rapide zurückgegangen.

Fässer sind für die schottische Whiskyindustrie von Jahr zu Jahr teurer geworden – jetzt sind die Preise explodiert, selbst für die bislang noch günstigen Weinfässer

Dieses Konglomerat an Problemen ist nicht nur für die momentane Absatzlage fatal, sondern wird seine Wirkung in Zukunft noch drastischer entfalten. Die SWA (Scotch Whisky Association) hat in einem der Redaktion vorliegenden internem Papier prognostiziert, dass in spätestens vier Jahren durch die während des letzten Jahres kaum zurückgefahrene Produktion ein „Whiskysee“ entstehen würde, der durch die exorbitante Verteuerung der so knapp gewordenen Fässer viel zu teuer für den Markt und damit unverkäuflich würde.

In einer Krisensitzung Anfang Februar haben sich Repräsentanten der großen Destillerien und ihrer Konzernmütter darauf geeinigt, mit einem bislang einzigartigen konzertierten Vorgehen zwei Fliegen mit einer Klappe zu erschlagen: Die Überproduktion und den Mangel an Fässern. Man hat sich angesichts der krisenhaften Lage darauf geeinigt, einen Teil der Whiskyproduktion von 2020, der nun fast für ein Jahr bereits in Fässern reift, zu vernichten und die dadurch freiwerdenden Fässer als preisdrückendes Element wieder in den Produktionskreislauf zurückzuholen. Das betrifft sowohl Single Malt als auch Grain Whisky.

Mit dieser Vernichtung von Lagerbeständen im „passenden“ Alter will man seitens der schottischen Whiskyindustrie Druck aus den Entwicklungen des Whiskymarkts herausnehmen, wenn er nach dem Abflachen der Pandemie und nachdem sich die Wirren im Außenhandel, verursacht durch den Brexit, gelegt haben, wieder ins Wachstum dreht. Man hofft dadurch, das Heft wieder selbst in die Hand nehmen zu können und eigene Steuerungsmaßnahmen effektiver zu machen.

Wie aber dazu vorgehen? Als man in der eigens eingerichteten „Operation Vanish“ genannten Arbeitsgruppe nach Wegen suchte, wie man diese Vernichtung des Spirits durchführen sollte, zog man zunächst eine Nutzung als Industriealkohol in Betracht, was aber durch die Lagerung in Holzfässern nicht mehr in der nötigen Reinheit möglich gewesen wäre. Auch Gespräche mit der Abwasserwirtschaft zeigten bald, dass eine stille Entsorgung über Klärwerke nicht möglich wäre (auch in Deutschland, wo im Gegensatz zu Schottland nicht junger Spirit, sondern abgelaufenes Bier das Problem ist, warnen Klärwerke vor dem Entsorgen des Gerstensaftes auf diesem Weg – Der SPIEGEL Online berichtete darüber).

Schließlich fand man mit der Hilfe von Experten aus der chemischen Industrie und der Atomwirtschaft eine diskrete Methode, die angepeilte Menge von 7 Millionen Litern einjährigen Spirit zu entsorgen: durch Verklappung im atlantischen Ozean auf halber Strecke zwischen Schottland und Island.

Man mietete dazu einen unter libanesischer Flagge fahrenden mittelgroßen Tanker mit einem Fassungsvermögen von 45.000 Barrel (die zweitkleinste Kategorie von Tankschiffen) und befüllte ihn über zwei Wochen in der Marinebasis Coulport, gelegen auf einer Halbinsel nordwestlich von Glasgow. Dann lief der Tanker den Informationen nach Mitte März in eine Region ca. 120 Seemeilen südwestlich von den Faröerinseln aus, um dort über insgesamt vier Tage den Inhalt seiner Tanks in kleinen Tranchen in den Atlantik zu entleeren, bei strammer Fahrt, um die Verteilung des Tankinhalts zu begünstigen.

Der Ort war nach Insiderinformationen bewusst gewählt: Man hatte berechnet, dass die dort vorherrschende Strömung den verklappten Whisky in Richtung einiger großerer und von der öffentlichen Hand geführten Lachszuchtbecken im Meer vor der schottischen Küste treiben würde, und man so, faktisch als Nebenprodukt, eine Aromatisierung des Lachsfleisches erwarten konnte. Insbesondere der hohe Anteil der Islay-Malts sollte für Raucharomen ohne zusätzliche Räucherung sorgen, so die Hoffnung nach einem eilends durchgeführten Praxistest in einer Aquakultur.

Am Ende der Aktion fuhr der Tanker mit einer Sondergenehmigung der britischen Regierung, die von dem Vorhaben informiert wurde, ohne weiteren Zwischenstopp nach Gibraltar. Von dort soll er unseren Informationen nach in den nächsten Wochen wieder ins östliche Mittelmeer aufbrechen.

Dass diese Aktion völlig ohne Risiko für die Umwelt in unmittelbarer Umgebung der Ausbringung war, darf zumindest in Zweifel gezogen werden. Allerdings: In die Entscheidung, die Verklappug durchzuführen, waren auch Repräsentanten des schottischen Umweltministeriums eingebunden. Eine erste Anfrage von uns zu möglichen ökologischen Konsequenzen blieb bis zum heutigen Tag unbeantwortet – wir werden aber natürlich dranbleiben.

Neu: Littlemill Testament

The Loch Lomond Group gibt in dieser Woche die Veröffentlichung der bislang ältesten Abfüllung der Lost Distillery Littlemill angekündigt. Littlemill Testament ist ein 44 Jahre alter Single Malt Scotch Whisky, der am 4. Oktober 1976 destilliert wurde. 1996 wurde er in Hogsheads aus amerikanischer Eiche umgefüllt. Abschließend genoss dieser Malt noch ein viermonatiges Finish in First-Fill Oloroso Sherry Hogsheads. Mit einer Alkoholstärke von 42,5 % Vol. abgefüllt, konnten aus diesem Fass noch 250 Flaschen befüllt werden.

Littlemill Testament präsentiert sich in einem mundgeblasenen Dekanter aus Glencairn-Kristall, der am Boden einen Facettenschliff aufweist. Der Dekanter befindet sich in einem handgefertigten kleinen Kabinett. Dies enthält noch einen dress stopper, der aus den Sandstein-Überresten der Littlemill-Brennerei gefertigt wurde.

Solch eine besondere Abfüllung erhält selbstverständlich auch eine besondere Preisempfehlung. Der Littlemill Testament, der diesen Monat im Fachhandel erhältlich sein wird, erhält eine UVP von £ 8,000 (nicht ganz 9.500 €).

Serge verkostet: Einige anonyme Speysider

Wir haben uns ein wenig an sie gewöhnt, an diese Abfüllungen, die ihre Herkunfts-Brennerei nicht nennen können, wollen oder dürfen. Zu einem Verkostungs-Paket schnürt Serge Valentin heute sechs Bottlings zusammen, bei denen zumindest die Whisky-Region Speyside bekannt ist. Dass ein Whisky durch den Brennerei-Namen nicht schlechter wird, zeigen die Bewertungen dieser Sesssion auf Whiskyfun. Konsequent hohe Bewertungen erhalten diese Whiskys ohne Herkunftsangabe, wie Sie natürlich auch heute erneut in unserer tabellarischen Übersicht sehen können.

April Fool ‚Extremely Young‘ (51.7%, The Whisky Exchange, Speyside Single Malt, First Release, 1st fill bourbon, 869 bottles, 2021)88
Speyside Blended Malt 30 yo 1989/2020 (56.8%, Le Gus’t, blended malt, fino butt, cask #1852, 535 bottles)91
The Old Speysider 27 yo 1992/2019 (46.3%, Svenska Eldvatten, bourbon hogshead, cask #SE111, 257 bottles)90
Secret Speyside Distillery 1994/2020 (48.1%, Whisky Nerds, hogshead, cask #30, 324 bottles)88
Speyside Distillery 47 yo 1973/2020 (45%, The Whisky Agency, hogshead, 338 bottles)90
Ben Mhor 11 yo (55%, James MacArthur, +/-2005)86

Whisky des Monats April 2021: Laphroaig 10yo Sherry Oak Finish

Es geht um Qualität, Preis und Verfügbarkeit, dies zusammen muss uns überzeugen. So ist die monatliche Aufgabe formuliert. Und manches Mal müssen wir von diesen knallharten Bedingen etwas abweichen und die Kriterien aufweichen. Denn uns gefällt zum April der Laphroaig 10yo Sherry Oak Finish. Und das ist nicht ganz so einfach.

Bingo!

Unverwechselbar, legendär und charaktervoll. Ausgewählte Fässer, süße Noten und Oloroso-Sherry-Fass. Limitierte Edition: Die perfekte Ergänzung jeder Whisky-Sammlung.

Beim Durchlesen der offiziellen deutschen Mitteilung zur Markteinführung des Laphroaig 10yo Sherry Oak Finish gleitet unser Stift pfeilschnell durch den Text. Und bereits nach kurzer Zeit können wir ausrufen: Bingo! Denn wir finden hier all die Buzzwords, die benötigt werden, um im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts die Aufmerksamkeit für eine neue Whisky-Abfüllung zu erhalten. Und es sind ebenfalls die erforderlichen Formulierungen, um bei den Kunden den zum Kauf notwendigen Reflex auszulösen. So kommt eins zum anderen und wird ein Ganzes. Und wir sind weder überrascht noch verwundert.

Sonderausgabe oder neues Mitglied der Standard-Range?

Als wir Ende September 2020 in der der us-amerikanischen TTB-Datenbank das Label dieses Bottlings der Islay-Brennerei fanden, stellten wir (uns) die Frage: Sonderausgabe oder neues Mitglied der Standard-Range? Nach dem Studium unterschiedlicher Quellen lautet unsere momentane Antwort: Beides.

Bei der Vorstellung dieses neuen Laphroaig war von einer limitierten Ausgabe die Rede, wie bei Sonderausgaben üblich. Die Zahl der veröffentlichten Flaschen ist allerdings nicht erwähnt (wir finden die Praxis bei manch anderer Brennerei, und haben uns daran gewöhnt – nein, gewöhnen müssen). Zusätzlich wird der Laphroaig 10yo Sherry Oak Finish als „a new addition for the brand’s core range“ vorgestellt, also als „Neuzugang im Kernsortiment der Marke“.
Beim gestrigen #LaphroaigLive Spring 2021 sprach Distillery Manager John Campbell unter anderem auch über die neue Laphroaig Veröffentlichung, und dies sehr ausführlich und detailiert. Es war die Rede von ungefähr 4.000 Cases, die wohl in den ersten jahren von diesem Single Malt erscheinen. Und auch davon, dass es einige Zeit dauern wird, bis Laphroaig mehr ihres 10-jährigen Sherry Oak Finish veröffentlichen können. Wenn wir es richtig verstanden haben.
Dies addiert lässt uns eine hoffentlich gute und eine leider schlechte Nachricht vermuten: Der Laphroaig 10yo Sherry Oak Finish wird regelmäßig erscheinen, doch werden die Flaschen nicht für alle reichen.

Laphroaigs Distillery Manager John Campbell

Weniger Ecken, weniger Laphroaig

Eine Zeitlang konnten Scotch Whiskys nicht rauchig genug sein. An der ppm-Schraube wurde gedreht, um die Messlatte immer weiter nach oben zu verschieben. Und manche Brennerei erweiterte ihr Portfolio auch um einen Malt aus getorfer Gerste. Oder fanden in alten Unterlagen, in der hintersten Ecke des ware houses in einem alten Fass, den Beweis, dass in ihrer Brennerei eigentlich schon früher ein rauchiger Whisky hergestellt wurde. Und reaktivierten diese alte Art und Weise.

Bild © Jochen Wied

Laphroaig hatte eine Teilnahme an diesem Wettbewerb nicht nötig. Ihr Single Malt war und ist auf dem Gebiet Rauchig/Torfig eigentlich der Maßstab, auch wenn andere Brennereien ihr Produkt für ultimativen Islay Single Malt Scotch Whisky halten. Vielmehr schien das Problem zu sein, oder sprechen wir hier besser von anstehender Aufgabe, aus diesem „the most richly flavoured of all Scotch whiskies“ ein Produkt zu gestalten und formen, das auch einem breiteren Publikum vorgestellt und verkauft werden kann. Durch den deutlichen Einfluss unterschiedlicher Fass-Sorten schliff Laphroaig einige Ecken ihres prägnanten Single Malts weg und präsentierten neue Abfüllungen. Diese wurden dann zugänglicher. Jedoch oft auch etwas weniger Laphroaig.

Süß ist das neue rauchig

Das Schöne an Trends ist ihr absehbares Ende. Nun gilt es seit einiger Zeit bei den Neuerscheinungen der schottischen Malts eine neue Mode. Durch den massiven Einsatz von Fässern soll ein maximal süßes Ergebnis erreicht werden. Der Genuss von Scotch Whisky wird hier dann zur Fortbildungsmaßnahme auf dem Gebiet „Süßweine der Welt“: Sauternes, Tokajer, Eiswein, Portwein, Madeira, Moscatel und natürlich Sherry. Es sind alle Arten der (vermeintlich) süßlichen Weine hier zu finden. Und bei mancher Abfüllung drücken diese den Charakter der Brennerei und ihres Destillats gänzlich an den Rand des Geschmacks und raus aus dem Profil. Nicht jede Abfüllung scheint gelungen.

Auch im Portfolio von Laphroaig fanden sich bereits Abfüllungen, die einen deutlichen Einfluss von Süßwein-Fässern aufwiesen: Der Brodir, eine alterslose Abfüllung mit einem Finish in Portwein-Fässern. Und Laphroaig PX Cask, auch ohne Altersangabe. Dieser lagerte zunächst in Ex-Bourbon Barrels und dann in Quarter Casks, bevor er dann in Pedro Ximénez Sherry Fässern reifen durfte. Und nun kommt jetzt noch der Laphroaig 10yo Sherry Oak Finish hinzu.

Bild mit freundlicher Genehmigung von whiskybase.com

Reifung in Refill Oloroso und Ex-Bourbon Fässern

Dieser Single Malt lagert sowohl in Refill Oloroso Sherry Hogsheads (25 % reifen vollständig in diesen Fässern) und Ex-Bourbon Casks. Diese 75 % wechseln nach 9 Jahren dann für 12 Monate in First Fill Oloroso Sherry Hogsheads. Abgefüllt mit 48 % Vol. kommt der Laphroaig 10yo Sherry Oak Finish ungefärbt und ohne Kühlfiltrierung in unser Glas.

Der wuchtige Start bringt uns in der Nase das Beste von Beidem, also typische Laphroiag-Noten und deutliche Oloroso-Aromen. Medizinisch, Jod und Rauch mit einem trockenen, fruchtigen, leicht süßem Aromen-Spiel. Sehr präsent, sehr deutlich, sehr raumgreifend. Am Gaumen erscheinen zuerst eine Meeresbrise, der eine leicht bittere, würzige Fruchtigkeit mit einem süßen deutlichem Hauch folgt. Mit der Zeit ergänzen im Hintergrund Noten von dunkler Schokolade und alles verbindet sich sehr Mund füllend. Mit andauernder Zeit am Gaumen wirkt er ein wenig gebändigt, um sich dann aufbäumend mit einem vollem Finish zu verabschieden: Medizinische Noten, Honig und würziger Rauch. Der Laphroaig 10yo Sherry Oak Finish vollzieht den Spagat zwischen Destillerie-Charakter und Fasseinfluss ohne zu wackeln und steht souverän auf diesen beiden Beinen. Ein kräftiger und voller Single Malt mit wunderbar eingebundenen 48 % Vol.. Was wir uns nach diesem Dram fragen, weil wir es gerade auf der Tube entdecken: Warum ist denn Laphroaig nur noch „One of the most richly flavoured of all Scotch whiskies“?

Die Preisfrage

Wir müssen an dieser Stelle auch einmal über den Preis reden. Friends of Laphroaig können den Laphroaig 10yo Sherry Oak Finish als exklusiven Artikel online (Stand 29.03.2021) zu einem Preis von 59,90 € erwerben (plus 6,06 € Versandkosten nach Deutschland). Die unverbindliche Preisempfehlung für den Markt in Groß-Britannien beträgt £65, was etwas mehr als 75 € entspricht. Dieser Betrag ist für diese Abfüllung auch in den Ergebnislisten diverser Preis-Suchmaschinen zu finden. Einige Händler gehen mit ihrem Preis sogar deutlich die Richtung der 100 € Marke. Und beim größten deutschen Online-Händel ist diese Abfüllung nur noch zusammen im Set mit dem Laphroaig 10 yo für 99,99 € erhältlich (lieferbar ab 21.04.2021, nur ein Set pro Kunde). Ziehen wir hier den dortigen Preis für letzteres Bottling (32,99 €) ab, steht für den Sherry Oak eine 67 als Verkaufspreis.

Wir sind damit beim und mit dem Laphroaig 10yo Sherry Oak Finish eigentlich deutlich oberhalb unseres nicht exakt formulierten Budgets für einen Whisky des Monats. Wir finden allerdings auch beim und mit dem Laphroaig 10 yo Sherry Oak eine außergewöhnliche Neuerscheinung, der wir gerne unser monatliches Label verleihen möchten. Aus diesem Grund machen wir im April von unserem Recht auf Ausnahmen Gebrauch und empfehlen den Laphroaig 10 yo Sherry Oak – unter Vorbehalt. Denn einerseits wird er auf dem Markt zu Preisen angeboten, die wir hier nicht kommentieren möchten. Und andererseits ist er limitiert, ohne dass wir die Zahl der veröffentlichten Flaschen kennen. Die Markteinführung in Groß-Britannien erfolgt scheinbar erst am 12. April. Beam Suntory wird also erst mit der Zeit sehen, welcher Markt wie auf diese Abfüllung reagiert.