Die Scotch Whisky Association (SWA) hat nach einem Bericht in der Financial Times nun Zahlen für die schottische Whiskyindustrie veröffentlicht, die die nicht gerade einfache Situation der Branche verdeutlichen: Der Export in die USA ging im Vorjahr um ganze 9,2% volumensmäßig zurück – nach der Verhängung der Strafzölle durch Donald Trump sogar um 15%. Wertmäßig war der Rückgang nicht so hoch – er betrug 4% im Jahr.
Dieser Einbruch zwingt die schottischen Brennereien dazu, ihre Produktion herunterzufahren und Mitarbeiter zu entlassen. Unter dem Eindruck dieser Probleme haben sowohl der Premierminister Keith Starmer als auch der schottische First Minister John Swinney versucht, in Gesprächen mit der amerikanischen Seite die Zölle wieder zu senken – allerdings bislang ohne Ergebnis. Sie stehen nach wie vor auf 25% und könnten im Juli sogar auf 35% steigen, wenn eine getroffene Vereinbarung ausläuft.
Auch in UK sieht man seitens der SWA heftigen Gegenwind für die Branche – dort hat man in den letzten drei Jahren die Steuern auf Alkohol um 17% angehoben, was natürlich die Nachfrage zusätzlich zurückgehen lässt.
Im Vergleich hier die globalen Zahlen: Hier verbuchte Scotch einen volumensmäßigen Rückgang um 4,3%, und was den Wert betrifft, „nur“ um 0,6%. Aber: Wenn man sich die Zahlen der einzelnen Regionen ansieht, dann könnte man fast meinen, die Probleme wären vielleicht viel komplexer als man im ersten Ansehen der Gesamtzahlen erwartet:
Hier fällt auf, dass neben den USA unter den Top 10 Märkten auch Frankreich, Spanien und Japan die Sorgenkinder sind – Regionen, in denen es traditionell immer gut lief. Hingegen zeigt die Grafik der Scotch Whisky Association einen deutliches Wachstum in Deutschland – hier sind es im Vorjahr wertmäßig +4,6% und mengenmäßig +5,8%. Und: Der Exportwert beim schottischen Whisky liegt trotzt dreijährigem Rückgang immer noch weltweit weit über dem Umsatz vor der Pandemie.
Gute Nachrichten gibt es laut Financial Times für die Whiskyindustrie aus China: Dort hat man nach einem Handelsabkommen mit Großbritannien die Zölle auf Scotch von 10% auf 5% gesenkt (das resultiert in +14% Steigerung in der Menge und Stagnation um Wert). Und auch mit Indien hat man im Vorjahr eine Halbierung der Zölle auf Spirituosen von astronomischen 150% auf immer noch hohe 75% erreicht – mit dem fixen Ziel, diese Zölle innerhalb der nächsten 10 Jahre auf 40% zu senken. Zudem ist Indien stark wachsend: +15% in der Menge und im Wert. Und auch in der Türkei geht es laut Grafik steil nach oben.
Interessante Zahlen also, die ein differenziertes Bild zeichnen. Die SWA, die Interessensvertretung der Whiskyindustrie, empfiehlt der britischen Regierung laut dem Bericht der FT, zur weiteren Unterstützung der Branche in der derzeitigen Situation möglichst rasch Abkommen mit Thailand, der Mercosur-Gruppe und den Golfstaaten abzuschließen, um den Export abseits der Top Ten in Hoffnungsmärkten zu stärken.

















