Mittwoch, 12. August 2020, 10:35:57

Tasting-Splitter (17-20): Mortlach im Viererpack

Drei neue offizielle Abfüllungen - und ein 31-jähriger von G&M

Flaschenbilder © Whiskybase.com – mit freundlicher Genehmigung

Mortlach war immer ein mehr oder weniger heimlicher Liebling vieler Whiskyfreunde – dementsprechend wenig Freude hatten viele dann, als Diageo versuchte, die Whiskys der Brennerei ins Super-Premium-Segment zu hieven und zu Preisen zu verkaufen, die wir mal freundlich als „ambitioniert“ bezeichnen wollen. Wenig Freude scheint allerdings letztendlich auch Diageo mit diesem Versuch gehabt zu haben, denn jetzt gibt es wieder eine ganz normale Range aus der Speyside-Destillerie zu kaufen. Damit haben wir endlich wieder viel Freude, denn was wir jetzt im Glas hatten, gibt zu solcher jeglichen Anlass:

Mortlach 12yo, Originalabfüllung, 43.4% Alk./Vol. (Sample: Diageo) – Erfreulich frische Nase, fruchtig mit Zitrustönen und Grasnoten. Man erwartet, dass er dann am Gaumen einen gewissen „Punch“ zeigt, dass man drauf rumkauen kann, und er kommt diesen Erwartungen ziemlich nahe, ohne sie ganz erfüllen zu können. Fruchtig, angenehm süß und den Mund füllend ist er, und beim Abgang dann zeigt er sich wieder etwas anders mit einer freundlich säuerlichen, etwas kräuterigen Note, die allerdings nicht allzu lang präsent ist.

Schönes Ensemble, modern im Stil, aber nicht flach dabei. 
-br-

Mortlach 16yo, Originalabfüllung, 43.4% Alk./Vol. (Sample: Diageo) – In der Nase, gesetzter, reifer. Mehr Beerentöne, irgendwo hinten im Raum steht ein Mahagonitisch in der Sonne und duftet leise. Am Gaumen hat er das nach vorne Drängende nicht, ist weicher, schwerer, runder, mit schön balanciertem Sherry-Einfluss. Und: Null Schwefel. Ein langes, süß würziges Finish komplettiert den Eindruck, dass er seine 16 Jahre perfekt nutzte, ohne vom Fass erschlagen zu werden.

Famos gereifter Whisky, der zum Nachspüren und Nachschenken einlädt.
-br-

Mortlach 20yo, Originalabfüllung, 43.4% Alk./Vol. (Sample: Diageo) – Noch mehr dunkle Früchte, etwas mehr Alkohol in der Nase. Etwas Minziges und ein Hauch Nelkenpulver. Holznoten bringen dem Whisky mehr Trockenheit als erwartet, dabei bleibt er weich und sogar etwas filigran am Gaumen. Jede Menge Kraft entwickelt er dann im Finish, das lang und wärmend ist und das Alter der Abfüllung stolz verkündet. Hier ist das Fass dominanter Teil des dennoch sehr stimmigen Geschmacks.

Ein Whisky, der Aufmerksamkeit einfordert, mit einem etwas mürrischem Charakter, nicht einfach. 
-br-

Mortlach 1987, Gordon & MacPhail Connoisseurs Choice, 54.0% Alk./Vol. (Sample: Gordon & MacPhail) – Was für eine komplexe Nase. Tabak, Leder, Umami, und das alles verwoben zu einer eleganten Komposition. Am Gaumen breit, dunkel, fruchtig würzig, angebrannte Rosinen vom Boden einer Brioche, darauf Butter und Waldfruchtmarmelade sowie Gewürznelke. Das Finish so klassisch wie es nur sein kann, schwer, etwas Tabaksaft und viel Blutorange. Zum langen Ende hin dann etwas Crême brûlée.

Ein edler, gewichtiger Mortlach. Massiv und doch feine Klinge. Gut gereift und nicht überaltert. So mag man das.
-br-

Die Bilder der Abfüllungen für den Artikel und dessen Titelbild haben wir mit freundlicher Genehmigung aus der Whiskydatenbank Whiskybase.com übernommen. Vielen Dank dafür!

Links zu allen bisher erschienenen Tasting-Splittern finden Sie im Verkostungsarchiv.

Mit „Tasting-Splitter“ wollen wir unsere Verkostungsnotizen mit einem neuen Format ergänzen. In lockerer Abfolge berichten wir von den letzten Whiskys, die wir hier in der Redaktion im Glas hatten. Das tun wir nicht mit ausführlichen Beschreibungen des Geschmacks im klassischen Sinn, sondern wollen es auf eine ungezwungene Art tun. Eher emotional als analytisch wollen wir einige Fragen beantworten: Welchen Eindruck hinterlässt der Whisky? Was fällt uns besonders auf? Wie haben wir ihn im Moment erlebt? Welchen Charakter zeigt er?

Auch bei „Tasting-Splitter“ gilt, so wie bei den (nach wie vor geplanten) Verkostungen einzelner Whiskys: Unser Geschmack ist so subjektiv wie der Ihre. Wir fällen daher keine Urteile, sondern geben unseren persönlichen Eindruck kund. In diesem Sinne: Viel Vergnügen damit!

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