DL BSC
 
Flaschenbilder z.T. © Whiskybase.com – mit freundlicher Erlaubnis

Was an Whisky so faszinierend ist, ist die Tatsache, dass kunstfertige Brenner mit so wenig Zutaten so unterschiedliche Genüsse erschaffen können. Schon die beiden ersten Whiskys, die wir in letzter Zeit trinken durften, könnten unterschiedlicher nicht sein. Hier der fruchtige Glen Keith, ein Inbegriff des Speysiders, dann ein Talisker, der so maritim ist, wie Whisky nur sein kann. Der unabhängige Arran ist wiederum recht unterschiedlich vom offiziellen Arran 21yo, den wir in der letzten Ausgabe verkosteten. Und dann floss uns noch ein Grain ins Glas, und der war dann nochmals unterschiedlichst…

Glen Keith 1993, Gordon & MacPhail Connoisseurs Choice, 49.3 Alk./Vol. (Sample: GM) – Saure Gartenfrüchte sagen in der Nase hallo, und dieser höchst freundliche Gruß wächst sich am Gaumen zu einer erfrischenden Konversation aus. Zunächst schmeichelt er sich zuckersüß ein, dann folgt ein Dialog mit den sowohl reifen als auch unreifen Aprikosen und Pfirsichen, bevor er etwas kräuterige Töne bringt. Das Finish pfeffert der Whisky leicht, sozusagen eine pikante Pointe 

Eine verschmitzte, pausbäckige Speyside-Schönheit im besten Alter. Zum Verlieben!
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Talisker 8yo,  OA 2018, 59.4 Alk./Vol. (Sample: privat) – Ein Traum vom Meer – Salzgischt springt Dich in der Nase an, aber Vorsicht: der Alkohol im Duft ist sehr potent, fast stechend, wenn man zu unvorsichtig ist. Er hier nichts Liebliches, aber etwas Rauch, und das erfreut. Am Gaumen badet sich der maritime Charakter in malziger Süße, mit einer erdigen Note bleibt er aber stets ruppig und rau. Was für ein Kraftpaket, das sich auch im Finish keine Blöße gibt und seine maritime, so typische Note mit ansprechender Länge präsentiert.

Jung, kräftig, mit viel Charakter – und definitiv nichts für Nebenbei. 
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Arran 1996 21yo, Claxton’s, Sherry Puncheon, 52.1 Alk./Vol. (Sample: Pinkernell’s Whisky Market) – Hier spricht die Ananas! Zumindest in der Nase ist sie, arran-typisch, sehr deutlich, untermalt von etwas Grapefruit. Der Alkohol ist präsent. Vollmundig und weich kommt er dann auf den Gaumen und kitzelt die Zunge mit etwas Pfeffer. Danach wird das Sherry Puncheon mundfüllend, im Abgang mit Schokonoten und kandiertem Ingwer. Auch etwas bitterer Schwarztee ist dabei.

Der macht sich nirgends klein. Der offizielle 21yo ist zugänglicher, der hier hat mehr Ecken und Kanten. Und die haben ja auch was. 
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Port Dundas 24yo 1991/2016, The Grain Man, Oloroso Finish, 55.1 Alk./Vol. (Sample: privat) – Nase? Zunächst fragt man sich, ob man eine hat. Nach ein paar Minuten kommt er aber mit Kokos, Mandelmus und ein wenig Pfeffer, wie es sich für einen Grain gehört. Am Gaumen wird die Sache klarer: Ein schön gereifter Grain mit wirklich famosen Sherrynoten, wunderbar in Balance und kräftig dabei – oha! Ein Dessert mit Süße, Malz und Frucht – und einem Hauch Schwefel, der aber selbst Empfindliche nicht stören sollte.

Spannend und höchst angenehm zu trinken. Eine Immer-Wieder-Darauf-Zurückkomm-Flasche.  
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Die Bilder der Abfüllungen für den Artikel und dessen Titelbild haben wir mit freundlicher Genehmigung zum Teil aus der Whiskydatenbank Whiskybase.com übernommen. Vielen Dank dafür!

Mit „Tasting-Splitter“ wollen wir unsere Verkostungsnotizen mit einem neuen Format ergänzen. In lockerer Abfolge berichten wir von den letzten Whiskys, die wir hier in der Redaktion im Glas hatten. Das tun wir nicht mit ausführlichen Beschreibungen des Geschmacks im klassischen Sinn, sondern wollen es auf eine ungezwungene Art tun. Eher emotional als analytisch wollen wir einige Fragen beantworten: Welchen Eindruck hinterlässt der Whisky? Was fällt uns besonders auf? Wie haben wir ihn im Moment erlebt? Welchen Charakter zeigt er?

Auch bei „Tasting-Splitter“ gilt, so wie bei den (nach wie vor geplanten) Verkostungen einzelner Whiskys: Unser Geschmack ist so subjektiv wie der Ihre. Wir fällen daher keine Urteile, sondern geben unseren persönlichen Eindruck kund. In diesem Sinne: Viel Vergnügen damit!