Montag, 06. Juli 2020, 05:08:06

Was können heimische Whiskys? Ein Diskussionsbeitrag

Waterford für Kirsch und Whic

Im Whiskyexperts.net Forum zeichnet sich eine sehr spannende Diskussion ab, bezüglich DACH Whisky und seinem Platz in der weiten Welt hochgeistiger Schätze.

Ich möchte den vorangegangen Beiträgen zusprechen und betonen, dass Whisky aus dem DACH Raum als eigenständiges Produkt und auch längst nicht mehr als Kuriosum oder halbernster Versuch zur Resteverwertung zu sehen ist.

Ganz grundsätzlich sei an dieser Stelle festgehalten: Edelbrände aus den drei Ländern gehören zum Besten und handwerklich Makellosesten, was es in der Welt der Destillate gibt – wenige Produzenten weltweit beherrschen ihre Kupferapparaturen ähnlich gut und genau, wie die Brenner unserer Umgebung – eine eingespielte und geölte Maschine. Dies ist vor allem für klare Brände, Obstdestillate usw. besonders wichtig, um absolute Präzision und Finesse sicherzustellen. Bei internationalen Spirituosen wird dieser Maßstab (sinnvollerweise natürlich) oft anders angesetzt, im Zuge der Fasslagerung laufen Prozesse ab, die auch etwas weitere, „schwammigere“ Cut Points zu einem gewollten großen Gesamtwerk zusammenspielen und reifen lassen.

Auch im Schwabenland wird Whisky gebrannt...
Auch im Schwabenland wird Whisky gebrannt…

Natürlich waren erste Gehversuche zu bemerken, wenn man sich mit altbewährten Instrumenten und Wissen auch einmal an Getreide und Whisky versucht hat und vielleicht war der Ein oder Andere von der Idee getrieben, einem globalen Trend zu folgen.

Aber eine Entwicklung weg von diesem Stadium und die Ausformung einer eigenen, regionalen Whiskytradition braucht vor allem Zeit, trial and error, Vorreiter, auch gescheiterte Projekte und mutige Pioniere.

Die DACH Whisky Landschaft wächst, ist jung, ist dynamisch, und mit dem Versuch, die jeweiligen Landeswhiskys zu konkretisieren, zu beschreiben und gewisse Kriterien auszuformulieren (siehe Austrian Whisky Association u. a.), geht man aktuell wichtige Schritte.

Eine Neuentwicklung einer Traditionsdestillerie aus dem Waldviertel
Eine neuentwickelte Linie der Whiskydestillerie J. Haider aus dem österreichischen Waldviertel

Japan hat zum Beispiel schon seit den 20er Jahren kommerziell an der Whiskyproduktion mitgenascht, erst in den letzten Jahren hat sich eine stabile, weltweite Akzeptanz eingestellt – relativ gesehen stecken wir also in den Kinderschuhen und dürfen ruhig auch einmal stolpern und hinfallen.

Ein ganz entscheidender Faktor ist sicher Holz – mit dem bewussten „Anders sein“ greift man oft zu regionalen Eichen. Viele europäische Varietäten sind weniger fein und vielleicht nicht so gut geeignet für delikate Reifung, generell fehlt ein wenig die Erfahrung im Umgang mit dem Balanceakt Reife/Holz/Tannin, … Weiters drängt die finanzielle Schwierigkeit beim Start eines Whiskyprojekts viele dazu, zu junge Brände abzufüllen, diesen Umstand mit frischem und sehr intensivem Holz zu kaschieren klappt selten (vielleicht denken manche gerade ein wenig an aktuelle Entwicklungen traditioneller Whiskyländer…?!). Wie gesagt, trial & error, man lernt durch Fehler und mit der Zeit.

Kurz auch noch ein Blick in die Weinwelt, wo der Terroirgedanke eine viel größere Rolle spielt, als bei vielen Spirituosen. Vor Jahren hat eine weltweite Nivellierung Einzug gehalten, plötzlich wollte man überall nur noch Chardonnay mit viel Barrique an- und ausbauen, Bordeaux Blends bis in die entlegensten Ecken des Globus, aber gerade heute suchen viele Genießer wieder das Regionale, das Typische, das Autochthone – das, was nicht überall gleich schmeckt. Und auch Whisky soll ruhig unterschiedliche Charaktere haben, regional und von Master Distiller zu Master Distiller anders sein. Die Vielfalt wirkt belebend, natürlich so lange am Ende oberste Qualität und das Streben dahin als Ziel auszumachen sind.

Auch in der Schweiz gibt es eine Whiskyvielfalt, die entdeckt werden will
Auch in der Schweiz gibt es eine Whiskyvielfalt, die entdeckt werden will

Unterm Strich: es gibt eine sehr lebhafte Szene in Deutschland, Österreich und der Schweiz, tolle Produzenten und eigenständige Produkte, die man besonders auch in Blindverkostungen ganz fair und ehrlich degustieren und genießen sollte. Oft wird man dann nämlich auch eine Überraschung erleben können und vielleicht bald erstaunt einen neuen Favourit Dram im Regal stehen haben.

Mit den allerbesten Grüßen und regionalen Spirits,

Reinhard Pohorec

Ihre Meinung zum Thema? Hier geht es zum Forum

Unsere Partner

Whiskybotschaft Button
Whiskyhaus Button
St. Kilian Partnerbutton
GaG Partnerbutton
JJCorryIW Button
Kaspar Button
Bruichladdich 125×125
Partnerbutton Frank Bauer
Button Kirsch Whisky
Mackmyra Partnerbutton

Werbung

- Advertisement -
Big Peat Rectangle 2019

Neueste Artikel

Neue Deutsche Whiskyvideos und Podcasts der Woche (187)

Whisky näher betrachtet - in Bild und Ton

Whiskyexperts Video Classic: Besuch bei FEW Whiskey in Evanston, Illinois

Im letzten Jahr waren wir in Chicago bei FEW Spirits von Paul Hletko - der Besuch zum Nach- und Wiedersehen

Fremde Federn (104): Verkostungsnotizen deutschsprachiger Blogger

Die neuesten Beiträge aus den Federn der deutschsprachigen Whiskyblogger

PR: Simple Sample veröffentlicht 8 Jahre alten Mackmyra aus 1st Fill Oloroso Cask (mit Video)

Die neueste Abfüllung von Simple Sample ist exklusiv im Onlineshop erhältlich - und wird auch in einem Video vorgestellt

PR: Whisky im Abo – der Craft Whisky Club

Der schottische Abo-Club bringt Whisky und Food in einer Box für spannende Pairings

Serge verkostet: Sechs aus Dailuaine

Die Speyside-Destillerie kann Serge Valentin bei diesen Abfüllungen nur partiell überzeugen...

Werbung

- Advertisement -
WA-September 2019

UNTERSTÜTZEN SIE JETZT IHRE LOKALEN HÄNDLER!

- unentgeltliche Werbung zum Support des Handels -
WeinRiegger
X