Donnerstag, 16. Juli 2020, 15:18:19

Was tut sich am Whisky-Sammlermarkt? Quartalsbericht für Januar 2019

Die Entwicklung ist sehr solide und keinesfalls überhitzt, Korrekturen gibt es nur in Teilbereichen

Waterford für Kirsch und Whic

Whisky wird seit jeher nicht nur getrunken, sondern auch gesammelt – sei es, um besondere Tropfen für später aufzuheben oder rein des Sammelns willen. Immer schon, und verstärkt in den letzten Jahren, war Whisky auch ein Gegenstand der Wertanlage – begünstigt durch den Umstand, dass ältere Jahrgänge immer rarer werden und sich der Markt für Whisky global ausweitet.

Märkte sind dynamisch und ändern sich. Gastautor Marco Jansen von der Whisky Investments GmbH wirft für uns vierteljährlich einen Blick auf den Sammlermarkt und berichtet dabei über relevante Ereignisse und Entwicklungen. Hier ist sein aktueller Beitrag:

Der Whisky-Sammlermarkt – Bericht über das Q4 2018

Im Jahr 2018 kehrte die Unsicherheit zurück an die internationalen Kapitalmärkte. Der Handelsstreit zwischen China und den USA, Wachstumssorgen in Europa sowie die unvorhersehbare Politik von Herrn Trump sorgten nicht nur für deutliche Abschläge an den Aktienmärkten – für den amerikanischen Leitindex Dow Jones war es sogar der schlechteste Dezember seit 1931 -auch andere Anlageklassen wie Gold oder Renten bescherten den Anlegern in 2018 Verluste.

Auch um die Briten war es in 2018 schwierig bestellt. Deal oder No-Deal, Brexit oder neues Referendum – die Politik liess die Anleger im Unklaren und konnte keine klare Marschroute aufzeigen und wirkte zerstrittener denn je. Umso erstaunlicher ist die Entwicklung der Notierungen an den Whiskysammlermärkten. Im Jahr 2018 konnte der von der schottischen Rare Whisky 101 Ltd. berechnete APEX 1000, der die Entwicklung der 1000 sich am Besten entwickelnden Abfüllungen wiederspiegelt, um 30% zulegen. Damit wurden die sehr guten Entwicklungen der letzten Jahre noch einmal in den Schatten gestellt. Seit Beginn der Berechnung Ende 2010 hat sich der Index mittlerweile verfünffacht.

Wie bereits in den letzten Quartalsberichten beschrieben war das Jahr 2018 aber auch ein Jahr der Favoritenwechsel .Während die Preise für Abfüllungen von Macallan in den letzten Jahren nur den Weg nach oben kannten, stagnieren diese mittlerweile auf einem sehr hohen Niveau und sind bei bestimmten Abfüllungen sogar eher rückläufig – die Anleger sind nicht mehr bereit jeden Preis zu bezahlen was sicherlich eine vernünftige Entwicklung ist. Weiter gefragt waren Abfüllungen von Lost Distilleries wie Brora und Port Ellen. Die geplanten Wiedereröffnungen scheinen die Sammlerpreise nicht zu belasten oder sogar gerade die alten Abfüllungen wieder mehr in den Fokus rücken zu lassen.

Eine Trendumkehr gab es bei den Malts aus Japan. Die begehrten Abfüllungen „der großen Drei“ – Yamazaki, Hanyu sowie Kariuzawa – konnten deutlich an Wert gewinnen nachdem die Preise zuvor fast ein Jahr auf niedrigeren Niveaus verharrten.

Die Ikone für Whiskysammler schlechthin sind sicherlich die Abfüllungen der Black Bowmore Serie. Die Malts stehen sinnbildlich für die grandiose Wertentwicklung in den letzten Jahren und das Interesse ist weiterhin ungebrochen. Im Jahr 2018 konnten sich die Preise der Serie fast verdoppeln und sind begehrter und teurer als je zuvor – ein Glück für jeden der solch einen Schatz sein Eigen nennen kann!

Bedingt durch die politischen Unsicherheiten in Bezug auf den Brexit wurden besonders im letzten Quartal ein Release Highlight nach dem anderen an den Markt gebracht. Auch hier hat sich wieder gezeigt, dass die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Abfüllungen ungebremst hoch ist und auch hier trotz höherer Preise durchaus noch Preissteigerungen erwartet werden dürfen. Als Beispiel hierfür seien z.B. der Rare Ayrshire aus der Signatory 30th Anniversary Serie sowie der Mortlach aus der Connoisseurs Choice Cask Strength Reihe von Gordon & MacPhail genannt. Beides Ausnahmeabfüllungen deren Preise binnen kürzester Zeit auf den Sekundärmärkten deutlich angestiegen sind.

In den letzten 1-2 Jahren mehren sich die Stimmen, die ein „Platzen der Blase“ oder eine deutliche Korrektur der Märkte für Whiskysammlerflaschen prophezeiten. In Teilbereichen konnte man dies in den letzten beiden Jahren in der Tat beobachten (z.B. Macallan in 2018). In der Gänze betrachtet ist die Entwicklung aber weiterhin sehr solide und keinesfalls überhitzt. Die Rückgänge an den internationalen Kapitalmärkten dürfte die Nachfrage nach Sachwertinvestments weiter befeuern so dass die Voraussichten für 2019 weiterhin positiv einzuschätzen sind.

Marco Jansen von Whisky-Investments.de

Autor Marco Jansen, Gesellschafter der Whisky Investments GmbH, arbeitet seit 16 Jahren in der Finanzbranche und sein Betätigungsfeld 1– neben der Betreuung von vermögenden Privatkunden – sind die internationalen Kapitalmärkte. Vor etwa 10 Jahren entdeckte er bei einer Reise nach Schottland seine Leidenschaft für Single Malt Whisky. Seitdem verfolgt er mit Interesse die Whiskymärkte und eine kleine Sammlung erlesener Tropfen füllt die speziell dafür eingerichtete Vitrine in seiner Heimat am Niederrhein.

Unser Titelbild zeigt die Catedral do Whisky – die größte Whiskysammlung der Welt

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