Mittwoch, 25. Mai 2022, 06:28:09

Wir verkosten: George T. Stagg 2013

Der 19. Dezember 1835, Gerrard County, Kentucky, sah die Geburtsstunde einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Geschichte Amerikanischer Whiskeys. Wenn auch wenig über die jungen Jahre von George T. Stagg bekannt ist, so wissen wir, dass er später als Salesman in St. Louis tätig war und mit dem wohl ebenso berühmten Colonel E. H. Taylor zusammenarbeitete, um eine Destillerie zu gründen, die für das 19. Jahrhundert eine klare Vorreiterrolle innehaben sollte. 1904 wurde diese Brennerei sogar nach dem erfolgreichen Herren selbst benannt – den Namenszug trug die Produktionsstätte fast ein gesamtes Jahrhundert lang.

Seit mehr als einer Dekade bringt Buffalo Trace jedes Jahr im Herbst eine streng limitierte und mit akutem Speichelfluss erwartete Serie von Whiskeys heraus, die einigen Grand Seigneurs der Branche Tribut zollt – unter anderem dem zuvor beschriebenen Herrn Stagg, der Hirsch ist nicht nur die adäquate deutsche Übersetzung sondern sein Geweih auch signifikant auf der Flasche zu finden. Der Bourbon George T. Stagg ist so gut wie jedes Jahr in diesem speziellen Line Up, genannt „Antique Collection“ zu finden, ergänzt durch unterschiedliche Ryes, wie Thomas H. Handy oder Sazerac, Wheated Bourbons wie William Larue Weller – insgesamt fünf Ausprägungen amerikanischer Brennkunst mit unterschiedlichen Mash Bills, Lagerzeiten und abv’s. Diese Band weiß eindeutig, wie Musik klingen muss.

Antique-Collection

George T. Stagg hat in seiner Geschichte haufenweise Awards, Auszeichnungen und Lobeshymnen eingeheimst, uncut, unfiltered, zirka 15Jahre alt und von einer Alkoholstärke, dass „muskulös“ schwerst untertrieben und jeder Kraftlackel stumm vor Neid wäre.

Nun, ich wollte mich dem Koloss stellen und darf hier die Tasting Notes dieses außergewöhnlichen Drams in der Abfüllung von 2013 vorstellen.

stagg

Tiefdunkel schon die Farbe, mahagony, Olivreflexe…

Nase: Was für eine Granate, die Duft macht voll auf, natürlich kommt hier einmal viel Alkohol, aber die Fülle, der Druck ist mehr als beeindruckend und es ist kein sprittiger oder spitzer Eindruck, der sich offenbart! Kirsche, weiße frische Eichenspäne, Karamell, Butterscotch, verbrannter Toffee, gelbfruchtig, Vanille, frisch aufgeschnittene Schoten, rauchig, fast etwas Lapsang Souchon, Olive, dunkle geröstete Toastbrotscheiben, Tabakrauch, der alte Ledermöbel umschmeichelt, etwas Politur, im positivsten Sinne, unglaublich verspielt, vielfältig, verliert nie den Druck und zeigt trotzdem seine Finesse, mit etwas Zeit kommt Himbeere, dunkle Schokolade, Mokka, Datteln, Feigenhonig
Etwas Wasser muss dazu: geröstete Mandeln, dann Haselnuss und eingelegte Walnüsse, Picklebrine und Olivenlake, Zedernholz, tropisch, verbrannte geröstete Kokosnussraspeln, auch etwas Salz, Pfeffer, kandierter Ingwer, noch mehr Kaffee, Tiramisu, umwerfend

Gaumen: Auch am Gaumen monströs, Vorsicht bissig!! aber nach dem ersten kolossalen Alkoholblast erschließt sich die ganze Fülle und Finesse, wie weich und smooth kann ein dermaßen hochprozentiger Dram eigentlich im Mundraum herumtanzen und den ganzen Körper wärmen, ohne je zu brennen? Volle weiche vanillige Süße, trocken – no na! Ledrig, in Karamell getauchte Kornellkirschen, Mon Cherie, Schokolade mit hohem Kakaoanteil
Am Gaumen kommen mit Wasser mehr trockene Noten, ledrig holzige Chiptöne, Minze, frisch geröstete Kaffeebohnen, wieder Datteln und überreife Feigen, etwas tropische Anklänge, Würze, Rosmarin, Kubebenpfeffer

Finish: unglaublich langes Finish, in dem die alkoholischen Noten nur die Aromen tragen und niemals unangenehm werden, die filigrane Struktur eines solchen Monsters ist bezaubernd, ein Dinosaurier der am Whisky-Drahtseil balanciert. Salzig maritime Eindrücke umspielen die weiche frische Kokos- und Popcornmischung, im Abgang Kirschkuchen, Butterstreusel, dunkler Karamell, gegen Ende nocheinmal wunderbar volle Süße, im Widerstreit mit Gewürzen, trockenen Holznoten, Bananoffeepie, wieder dieses wunderbare Muskat Dessert Spiel, Tiramisu, sehr trocken floraler Honigtouch

Alles in Allem: Ein Whisky, dem man geschätzte zweieinhalb Tage Zeit geben muss, was für ein Erlebnis… Mehr gibt es da nicht zu sagen. Wenn man die Hände an die Flasche oder ein Glas bekommen kann: GO FOR IT! Aber mit Vorsicht muss man diesem Biest begegnen, Respekt ringt einem George T. Stagg ab. Und ganz ehrlich, wenn auch recht stattlich, so ist der Preis, den man – wenn überhaupt erhältlich – für diesen Whisky löhnt, unschlagbar. Auch wenn man unweigerlich in den großen Chor der Lobpreissänger einstimmt, dies ist ein Tropfen von Weltformat und was will man sich mehr erwarten von einem Whisky?

Enjoy, Cheers und mit den allerbesten Spirits!
Reinhard Pohorec

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