Freitag, 29. Mai 2020, 21:16:39

Wir verkosten: Glenglassaugh Torfa

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Glenglassaugh Torfa
Highland Single Malt Whisky
0.7 Liter, 50%
Verkoster: Klaus Doblmann
Sample: Privatsammlung

 

Glenglassaugh Torfa hero LR

Nase: Die Nase erzählt eine Geschichte von einem sehr jungen, rauchigen Whisky: Der dominierende Torfrauch mit Lagerfeuernoten (demnach Mainland-Torf) macht einen halbwegs guten Job um den jungen Charakter des Destillats zu verstecken. Die sich dahinter verbergenden Aromen sind anfangs sehr dezent und mit leichter Süße von ehemaligen Bourbonfässern. Es finden sich Noten von mit Vanille angereichertem Honig, deutlicher Ingwer, weißer Pfeffer, Orangenschale mit Anflügen von Eukalyptus und Menthol.

Gaumen: Der Gaumen schreibt die Geschichte, welche die Nase begann, fort: Eine leicht metallische Jugend, New Make, Lagerfeuerrauch, verdünnter Honigsirup, Orangenzesten, Ingwer, bittere Küchenkräuter, Malzcerealien (gepresste Malzflocken?). Noch deutlich jung im Herz (oder grün hinter den Ohren). Die Aromen hüpfen herum wie ein junges Kind, sie sind noch nicht gesetzt und gefestigt, wie es die Erziehung und Zeit mit sich bringen. Wasser verträgt der Glenglassaugh Torfa trotz seiner 50% nicht wirklich, dazu ist die Aromenstruktur zu fragil – er hat Wasser aber auch gar nicht nötig, ist trotz seiner 50% gut trinkbar.

Finish: Der Abgang eröffnet mit einer Wucht an Gewürzen und Kräutern just im Moment des Schluckens um dann mit deutlich leichteren Noten den Rest des Weges zu bestreiten. Rauch ist ebenfalls deutlich spürbar vorhanden. Mit der Zeit entwickelt sich eine leichte Süße, aber immer gepaart mit Kräutern und Gewürzen. Lang anhaltend, aber ohne große Komplexität.

Alles in Allem: Zwischen 1986 und 2008 war die Destillerie Glenglassaugh geschlossen mit ungewisser Zukunft, bevor sie wiedererweckt und schließlich im Jahre 2013 von BenRiach aufgekauft wurde. Da ist es nur logisch, dass wir hier einen sehr jungen Malt im Glas haben, maximal 5 Jahre alt, realistischerweise, dem Eindruck nach, eher 3-4 Jahre. Nunja, junge (wiedereröffnete) Destillerien brauchen Cash-Flow um zu überleben – also wird logischerweise blutjunger Whisky verkauft. Im Falle des Glenglassaugh Torfa ist es ein junger, stürmischer, stark rauchiger Malt. Nicht überaus komplex, aber ein schöner daily dram für Maltheads und preislich nicht völlig daneben kalkuliert, sodass man durchaus gerne zugreifen und die Destillerie für die Zukunft – und damit für die Herausgabe von älteren Whiskies – unterstützen kann. Von uns ein Gut.

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!

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