Die amerikanische Website CNBC hat heute einen längeren Artikel über die Unwichtigkeit des Alters bei Whisk(e)ys gebracht – und bezieht sich dabei auf den Buchautor Dave Broom, der „The Complete Bartender’s Guide“ geschrieben hat und auf einem von Diageo gesponsorten Seminar mit dem Titel „The Blind Truth About Aging Whisky“, also „Die nackte Wahrheit über das Altern des Whiskys“ den Zusammenhang zwischen Dauer der Reifung und der Qualität des Whiskys in Abrede stellte. „Das Alter eines Whiskys sagt einem nur, wie lange er im Fass war, nicht wie gut er ist“ – so Broom.

Welche weiteren Argumente aus seiner und Diageo’s Sicht gegen die Fixierung der Konsumenten auf das Alter sprechen (eine Fixierung, die ja die Whiskyindustrie über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte gefördert hat), können Sie im CNBC-Artikel nachlesen.

Ihre Meinung dazu würde uns sehr interessieren…

Whiskyfässer in der Destillerie Invergordon. Foto von John Haslam, CC-Lizent
Whiskyfässer in der Destillerie Invergordon. Foto von John Haslam, CC-Lizent

3 KOMMENTARE

  1. Ich denke, die Wahrheit liegt – wie bei vielem – in der Mitte. Einfach NAS und Whisk(e)ys mit Altersangabe zu vergleichen ist ähnlich wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Man kann nicht verallgemeinern. Auch bei den älteren gibt es gute und schlechtere Fässer und das haben wir bei den NAS (und damit den jüngeren) genauso.
    Ich finde es nur bedenklich, dass wir als Konsumenten so von den Konzernen mit ihrer neuen Altersphliosophie zugeschüttet werden, die halt komplett ihrem alten Credo widerspricht. But that’s business. Der zweite sehr unschöne Punkt an der Sache ist, dass sich immer mehr Experten (wie aktuell Dave Broom) von der Whiskyindustrie „kaufen“ lassen, um deren aktuelle Verkaufsstrategie kund zu tun. Im Endeffekt müssen die Komsumenten entscheiden, was sie kaufen wollen und wie überall, kann eine Blase auch mal platzen …

  2. Nun ist es eine alte Weisheit, dass die Güte eines Whiskys nach dem Brennvorgang von 3 Faktoren beeinflusst wird: Fassqualität, Fassgröße und Lagerungslänge. Damit hat Broom ja schon recht. Daraus aber nun abzuleiten, dass NAS schon was Tolles ist, erschließt sich mir nicht. Wenn man sich die aktuelle NAS-Entwicklung anschaut, fällt ja ein ganz gravierender Unterschied zu den letzten Jahren auf. Früher war der NAS immer am unteren Ende der Preisskala und wurde vermarktet nach dem Motto: „Schau mal lieber Kunde, was wir hier Interessantes aus unseren unter 8 bzw. 10 jährigen Fässern zusammenkomponieren können. Wir sehen nicht, dass wir die Fässer weiter ausbauen können, bzw. sehen wir nicht, dass die Qualität in den Fässern zukünftig besser wird, also füllen wir die jetzt ab. Wir machen Dir dafür auch einen guten Preis.“ (Als Beispiel seien nur mal die ganzen Springbanks mit CV-Bezeichnung im Vergleich zu denen mit Altersangaben genannt.) Nun haben wir ja die Situation, dass wir im dreistesten Marketingsprech gesagt bekommen, dass da nun ganz ganz supertolle NAS-Whiskys kommen, nach denen wir uns die Finger lecken sollen UND für die dann Preise aufgerufen werden, die oberhalb der 10jährigen Abfüllung liegen. Auffällig ist dabei, dass diese NAS durch die Bank in der Verkostung sämtlichst schlechter bewertet werden, als die klassische Standardabfüllung (siehe Laphroaig Select, Talisker Strom; in diesem Zusammenhang — da es hier letztens hier auf Wishkyexperts gepostet wurde — ich fürchte mich vor dem Highland Park Origin jetzt schon). Die interessante Frage wird sein, wie es weitergeht: Insgesamt versucht man meines Erachtens in weiten Teilen der Brache gerade die Qualität kräftig nach unten zu drücken. Aber was passiert dann im mittleren Segment (10-18 Jahre), wird man das ausdünnen und den 20+ Markt mit Phantasiepreisen ausstatten oder wird das mittlere Segment in den nächsten Jahren kräftig anziehen (sodass Diageo und Beam Suntory für ihre derzeitigen Standardabfüllungen dann 60 € abrufen)? Zu guter Letzt. Wie verhalte ich mich? Alle Brennereien, die mir derzeit mit NAS-Spech kommen, der mir nicht einleuchtet, werden konsequent nicht mehr gekauft.