Samstag, 25. September 2021, 16:42:22

Exklusiv: Die neuen Destillerien Irlands – ein Reisebericht (Teil 2)

Mareike Spitzer setzt ihre Rundreise zu den interessantesten neuen Destillerien fort

Im Frühjahr dieses Jahres reiste Mareike Spitzer, Gründerin von irish-whiskeys.de, auf die grüne Insel und besuchte viele der Destillerien, die momentan dort neu entstehen oder vor kurzem ihre Arbeit aufgenommen haben. Als Importeur verschiedenster Marken und langjährige Kennerin der irischen Whiskeyszene hat sie dabei natürlich Eindrücke gewinnen können, die Touristen verwehrt bleiben. Ihren Bericht hat sie exklusiv für die Leser von Whiskyexperts verfasst. Hier Teil 2 – den ersten Teil von gestern können Sie hier nachlesen:

Die neuen Destillerien Irlands – Teil 2

ein Reisebericht von Mareike Spitzer

Von Nordirland aus ging es runter ganz in den Süden nach Waterford. Mark Reynier, der ehemalige Besitzer der Bruichladdich Distillery hat dort eine neue eigene Destillerie eröffnet, Waterford Distillery. Wie schon bei John Teeling in der Great Northern Distillery, wurde auch hier vormals Guiness gebrannt, nur hat Mark Reynier extra Pot Stills aus Schottland kommen lassen. John Teeling arbeitet mit den vorhandenen Stills.

Einen typischen Destillerie-Eindruck macht Waterford nicht - war sie doch vorher eine Brauerei
Einen typischen Destillerie-Eindruck macht Waterford nicht – war sie doch vorher eine Brauerei

In Waterford wird momentan nur Single Malt gebrannt, aber dies nach einer sehr besonderen Methode. Sie arbeiten mit ca. 50 Bauern aus der Region zusammen, von denen sie ihre Gerste erhalten. Jeder Brennvorgang wird strickt nach der Gerste eines Bauern getrennt. Dies wird in der Schaltzentrale auch genau dokumentiert. Das ist ein sehr aufwendiges Konstrukt und wir sind gespannt, wie das in Zukunft sich gestalten wird, wenn das Produktionsvolumen größer wird.

Die Stills von Waterford
Die Stills von Waterford

Nicht weit von Waterford entfernt liegt die schöne Stadt Cahir. Dort haben wir uns mit Jennifer Nickerson und ihrem Verlobten Liam getroffen. Die beiden haben zusammen mit Jennifers Vater Stuart Nickerson (ex-Glenglassaugh) die Tipperary Boutique Distillery gegründet. Den ersten Whiskey haben sie bereits als unabhängige Abfüllung im Frühjahr dieses Jahres auf den Markt gebracht. Tipperary The Rising Single Malt Whiskey ist 11 Jahre alt, dreifach destilliert, im Bourbonfass gereift und mit 47 % abgefüllt. Ein wirklich toller Whiskey.

Der fruchtig- intensive Tipperary-Whiskey
Der fruchtig-intensive Tipperary-Whiskey

Auch der Standort für die Destillerie ist bereits gefunden. Liams Familie hat in der Nähe von Cahir eine Farm, die genug Platz bietet, um dort eine Destillerie zu bauen. Ihr Getreide bauen sie bereits dort an und hoffen im nächsten Jahr ihren ersten Whiskey aus diesem Getreide herstellen zu können.

Noch sieht man nichts, aber hier wird die Tipperary Distillery entstehen
Noch sieht man nichts, aber hier wird die Tipperary Distillery entstehen

Die Farm bietet wirklich den idealen Standort für eine Destillerie, weites Land mit viel Platz. Der Bau soll spätestens Anfang nächsten Jahres begonnen werden. Wir haben die Farm besucht und konnten uns selbst ein Bild von der Landschaft und dem Gelände für die ehemalige Destillerie machen. Dort kann wirklich eine tolle Destillerie entstehen.

Von Cahir aus ging es nochmal in die Wicklow Mountains. Dort haben wir uns mit Heike Owens getroffen. Sie stellt Dunbur Whiskey Liqueur her. Es gibt zwei verschiedene Sorten des Likörs: Raspberry Infusion und Mixed Berry Liqueur. Der Likör wird aus rein natürlichen Zutaten hergestellt und da wollten wir uns doch davon überzeugen, wo die Beeren für den Likör geerntet werden – und wir wurden fündig. Außerdem wurden wir mit einer traumhaften Landschaft belohnt. Wicklow Head ist nur zu empfehlen. Wer die Wicklow Mountains besucht sollte sich die Leuchttürme am Wicklow Head nicht entgehen lassen.

Der Dunbur Liqueur
Der Dunbur Liqueur

Nur wenige Kilometer von Wicklow entfernt liegt der kleine Ort Redcross. Hier ist die Heimat von Barr an Uisce Whiskey. Ian ist Eigentümer eines Pubs in Redcross und Jason ist der Musiker des Pubs. Was fehlt, wenn man einen Pub und einen Musiker hat? Genau, der passende Whiskey dazu und diesen haben Ian und Jason in diesem Jahr auf den Markt gebracht. Es gibt den 1803 Single Malt Whiskey, der nach der Kirche in diesem Ort benannt ist. Die Kirche wurde im Jahr 1803 wieder erbaut. Außerdem gibt es einen blended Whiskey, Wicklow Rare, benannt nach der atemberaubenden Landschaft rund um Redcross und den Landstrich Barranisky.

Das Pub von Ian...
Das Pub von Ian…

...und sein Whiskey
…und sein Whiskey

Den krönenden Abschluss unserer Reise bildete der Besuch der Walsh Distillery. Sie liegt etwas außerhalb von Carlow in Royal Oak. Kurz vor der offiziellen Eröffnung durften wir die Destillerie bereits besuchen. Zunächst wird man von einer tollen Einfahrt Richtung Destillerie empfangen. Mitten im Grünen gelegen ragt sie dann empor.

Die Walsh Distillery kurz vor ihrer offiziellen Eröffnung
Die Walsh Distillery kurz vor ihrer offiziellen Eröffnung

Woody Kane empfing uns zur Führung. Er arbeitet schon lange für die Walsh Familie und führte uns zunächst über das Gelände von Royal Oak. Es gleicht einer Parklandschaft und man könnte schon nur außerhalb geraume Zeit verbringen. Wir waren aber wegen der Destillerie hier und in diese ging es sogleich. Die Destillerie ist etwas verwinkelter, doch wir dürfen uns alles hautnah anschauen. In ihr werden Single Malt, Single Pot Still und Single Grain Whiskey hergestellt.

Die ersten Whiskeyfässer lagern bereits gefüllt in dem eigenen Warehouse. Wann der erste Whiskey aus der eigenen Destillerie auf den Markt gebracht werden soll steht noch nicht fest. Mittlerweile ist die Destillerie offiziell eröffnet und es wird sicherlich auch bald möglich sein als Endverbraucher dort eine Tour zu buchen.

Ein Blick auf die Stills bei der Walsh Distillery
Ein Blick auf die Stills bei der Walsh Distillery

Leider war danach unsere Zeit in Irland zu Ende. Wir hätten noch jede Menge weitere interessante Destillerien besuchen können, aber dafür war die Zeit zu knapp. Die werden auf der nächsten Reise besichtigt.

Irland ist mittlerweile sehr interessant geworden für Whiskeyliebhaber und ich kann es nur jedem empfehlen, der nach Irland reist, die ein oder andere bereits geöffnete Destillerie zu besuchen. Es muss nicht nur Jameson (Old Midleton) oder Bushmills sein, gerade die kleineren Destillerien bietet oft durchaus viel interessantere Touren an und man ist viel näher am Geschehen dran.

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