Jung, kräftig und aus Destillerien, die nicht immer ihren fairen Anteil an Aufmerksamkeit bekommen – so könnte man die Session bei Serge Valentin heute umschreiben. Er hat sich drei junge unabhängige Abfüllungen im Alter zwischen sieben und neun Jahren ausgesucht, von ebenso noch recht jungen neuen Labels – und die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen.
Wie wir vorgestern berichteten, hat sich der Umsatz bei Whiskyauktionen in Großbritannien über das letzte Jahr mehr als verdoppelt. Dass dem so ist, ist nicht allein den teuren oder außergewöhnlichen Flaschen zu verdanken, die dort unter den Hammer kommen, sondern auch den Whiskyfreunden, die auf diesem Weg nach Abfüllungen suchen, die im regulären Handel nicht mehr zu finden sind.
Aber natürlich machen diese außergewöhnlichen Flaschen den besonderen Reiz solcher Auktionen mit aus. The Spirits Business hat nun eine Auswahl von zehn interessanten Flaschen getroffen, die bei Auktionen gehandelt wurden – und sich dabei nicht nur von deren Wert, sondern auch von anderen Faktoren, wie zum Beispiel einer besonderen Präsentation leiten lassen. Das Preisspektrum reicht dabei von 550 bis 460.000 Dollar. Der von uns im Titel abgebildete Bowmore 1957 ist es übrigens nicht, der den höchsten Preis erzielte, er musste sich mit „nur“ 160.000 Dollar zufriedengeben.
Vor einigen Wochen kündigten die Besitzer der Destillerie Bunnahabhain, die Distell Group, an, eine Menge Geld in die Hand zu nehmen und die etwas heruntergekommene Islay-Destillerie von Grund auf zu renovieren (unser Bericht hier). Einiges wird sich dort also verändern.
Grund genug, noch einmal auf den Status quo zu schauen – mit einem fotografischen Reisebericht aus dem Mai 2017, den wir wieder einmal Alexandra Kreutz von Genuss am Gaumen zu verdanken haben, die uns freundlicherweise die Bilder zur Verfügung stellte. Begleiten Sie sie und uns also auf dieser und der nächsten Seite in den Norden Islays und schauen Sie mit uns in die Destillerie, die vielleicht gerade wegen ihrer Patina einen besonderen Charme zu besitzen scheint:
Und noch eine Meldung über die Lieferung neuer Stills können wir Ihnen heute bringen, diesmal aber von südlich der schottischen Grenze, wo die Aber Falls Welsh Whisky Distillery im Entstehen ist. Besitzer ist der britische Getränkehersteller Halewood International, der sich vor kurzem auch bei West Cork Distillers eingekauft hat (wir berichteten). Aber Falls in Abergwyngregyn ist die dritte Whisky-Destillerie in Wales nach Penderyn und Dà Mhìle, und die erste in Nord-Wales seit mehr als 100 Jahren.
Die im Bau befindliche Destillerie hat nun ihre Stills angeliefert bekommen. Das nachfolgende Foto, das die Brennblasen am Sattelschlepper zeigt, wurde von Stewart Hainsworth, dem CEO von Halewood Wine & Spirits Group, auf Linkedin gepostet:
Mangels eines Fotos der Destillerie zeigen wir Ihnen die namensgebenden Aber Falls, die landschaftliche Attraktion der Gegend, die sich kurz hinter dem Ort Abergwyngregyn befinden, als Titelbild. Photo credit: paul_p! via VisualHunt / CC BY
Unsere herzlichsten Glückwünsche an Serge Valentin zum 15. Geburtstag seiner Seite Whiskyfun.com – seit langem, noch immer und hoffentlich für lange noch DIE Quelle für ehrliche und interessante Tasting Notes.
Zur Feier des Tages verkostet Serge heute einen Whisky aus einer Destillerie, die noch vor dem 2. Weltkrieg stillgelegt wurde: Glenfyne. Der Whisky aus den 1930ern ist natürlich eine absolute Rarität – und dem Jubiläum angemessen. Die Wertung der Verkostung ist dabei gar nicht so wichtig, sei aber der Vollständigkeit halber hier natürlich auch angeführt:
Glamis (Glenfyne) 10 yo (86 US proof, OB, unblended pot still malt, for Greig, Lawrence & Hoyt, New York, 4/5 quart, 1930s): 88 Punkte
Interessant sind die Gedanken von Serge zum Jubiläum, zur Whiskyszene insgesamt und zu den Veränderungen, die im letzten Jahr stattgefunden haben. Dies, und die Geschichte von Glenfyne machen den Tagesbeitrag heute besonders lesenswert!
PS: Wer den Whisky auch kosten will (und gerade 7.500 Pfund locker hat) – er ist bei The Whisky Exchange erhältlich 😉
Hier, in der Nähe von Ardrishaig, lag die Destillerie Glenfyne. Photo credit: Draco2008 via Visual hunt / CC BY
Unsere heutigen News möchten wir mit einem exklusiven Feature beginnen: Die GlenWyvis-Destillerie in Upper Dochcarty, Dingwall, hat ja zu Anfang des Jahres mit dem Bau der durch Crowdfunding finanzierten Brennerei begonnen (Live-Bilder der Baustelle können Sie übrigens hier abrufen). Und während die Gebäude hochgezogen werden, hat man bei Forsyths in Rothes die Stills gefertigt.
Vor einigen Tagen nun sind sie bei, für Schottland untypisch wunderbarem Wetter, zur Destillerie geliefert worden. Wir haben die Verantwortlichen bei GlenWyvis ersucht, doch einige Bilder des Transports für unsere Leser zu machen und sie uns dann zur Verfügung zu stellen. Office Manager Josh Fraser hat sie uns nun gesendet (ganz herzlichen Dank dafür!) – und Sie können sie untenstehend sehen. Viel Vergnügen!
Für 6000 britische Pfund ist der neue The Dalmore 40yo zu haben, der heute der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Er reifte zunächst in ex-Bourbon Fässern aus amerikanischer Eiche, danach für 30 Jahre in Gonzalez Byass Matusalem Oloroso Sherry butts. Nach dieser Reifung kam er noch in ein drittes Fass, ein first fill Bourbon barrel.
750 Flaschen, die mit 42% abgefüllt sind, kann man noch in diesem Jahr von ausgesuchten Händlern weltweit erstehen. Man bekommt einen Whisky, der laut den offiziellen Tasting Notes nach kolumbianischem Kaffee und Orangenmarmelade riecht, am Gaumen den Geschmack von Gingerbread und Honig entfaltet und sich im Finish geschmacklich in Richtung Blutorange, Apfel und Lakritze entwickelt.
Präsentiert wird der Whisky in einem Decanter der französischen Firma Baccarat, natürlich handgeblasen und mit dem Emblem von Dalmore verziert, das von den Hoflieferanten Hamilton & Inches erzeugt wurde.
Verkoster: Reinhard Pohorec Sample: Die Whiskybotschaft
Farbe: hell klar, golden schimmerndes Ocker, zart Richtung Bernstein, dichte Perlen mit glänzender Corona, kräftig viskos
Nase: sauber, sehr prononciert, kraftvoll intensiv nach Nuss-Nougat, deutliche Sherry Anflüge bereits in der Nase, dunkle Würze, kräftig ledriger Touch wie von sauer eingelegten Dörrpflaumen, Umeshu, würzig kräutrig mit herbschalig maritimem Einschlag, fast umami-artig, packend grünlicher Touch, grüne Walnuss, kandierte Orangenzesten, Arancini. Dann macht sich Mandelcreme und braune Butter bemerkbar, auch Vanille stimmt mit ein, dicklich einreduzierter Karamell, schokoladig, Fleur de Sel. Verspielt im Duft, intensiv ausgeprägt – die Nase profitiert deutlich von Wasserzugabe. Da wird das Ensemble deutlich komplexer, breiter, etwas mehr Frucht, etwas mehr Kräuter, überreife Banane, Milchbrötchen.
Gaumen: rein am Gaumen, wiederum intensiv zupackend, kräftige Struktur, markanter Alkohol aber wohlig eingebunden und nicht offensiv, weicher Schmelz, extraktsüß und von fruchtig schokoladiger Rundung, dahinter dann etwas süßliche Nussnoten, cremig dichter Oloroso, schwer würzig, Anis, etwas Fenchelsaat, Karamellbonbon mit Salzflocken bestreut, analog zur Nase. Mit der Zeit entwickeln sich Kardamom, Minze und etwas Selleriegrün.
Finish: langer Abgang, getragen von alkoholischer Kraft, etwas Gerbstoff und süßlich schwerer Würze, breit üppig, dicht verwoben, straight in der Stilistik, füllig, mit viel Druck, ein Kraftlackel, der seine Jugendlichkeit wohlig zu umspielen versucht, der Sherry legt seinen süßlich, dicht-würzigen Deckmantel über das Destillat.
Alles in allem: ein gelungener, kraftvoller Whisky mit schokoladig-schmelzigem Sherry Überzeug, Magnum mit Extra Karamell gefüllt und von galant üppiger Struktur. Sanft ist anders.
Manche Whiskys kommen auf den Markt, ohne dass die Destillerie auf dem Etikett genannt wurde. Meistens sind das Blended Malts, also mehrere zusammengemischte Single Malts, manchmal aber auch Single Malts, bei denen der Abfüller die Destillerie nicht angeben darf.
Solche Whiskys verkostet Serge Valentin heute – wie er selbst sagt, eine Art Blindverkostung. Die Wertungen dabei sind ganz passabel, und natürlich kann es Serge nicht lassen, hin und wieder zu raten, was er da wohl im Glas hat:
Vega 23 yo 1993/2017 (51.1%, North Star Spirits, blended malt, 400 bottles): 87 Punkte
Speyside 18 yo 1998/2017 (52.7%, Archives, butt, cask #1034, 239 bottles): 88 Punkte
Speyside 15 yo (43%, Chieftain’s, single malt, butts, 8400 bottles, 2015): 84 Punkte
Red Snake ‘Redneck RC02’ (61.3%, Blackadder, Raw Cask, first fill bourbon, 248 bottles, 2016): 83 Punkte
Speyside 20 yo 1995/2015 (53.6%, Chieftain’s, single malt, first fill sherry butt, cask # 1378, 645 bottles): 81 Punkte
Was die Nachfrage nach besonderen Abfüllungen und die damit umgesetzten Werte anbelangt, ist kein Ende des Booms festzustellen: Um 71% stieg die Anzahl der ersteigerten Flaschen von April bis Juni 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – 21.617 Flaschen wechselten so die Besitzer, berichtet Rare Whisky 101.
Wertmäßig sieht das ganze noch imposanter aus: Statt 2.8 Millionen Pfund im Vergleichszeitraum wurden nun 6.18 Millionen Pfund umgesetzt, das sind um 121 Prozent mehr. Der Anstieg kam vor allem von Käufern aus dem asiatischen und US-amerikanischen Markt, die auf professioneller Ebene für Kunden als Wertanlage einkauften.
RW101 ist selbst erstaunt über diesen nach wie vor ungebremsten Anstieg, der auf ohnehin schon rekordbrechende Umsätze im Jahr 2016 folgte.
Die vielleicht ungewöhnlichste Destillerie in Dublin wird schon bald ihre Pforten öffnen: Die Pearse Lyons Distillery in der ehemaligen St. James Kirche in den Liberties in Dublin hat uns mit einer englischsprachigen Pressemitteilung darüber informiert, dass man ab September für Besucher geöffnet habe. Ihren Inhalt haben wir hier für Sie zusammengefasst (unseren ersten Bericht zur Brennerei aus dem Jahr 2015 können Sie hier nachlesen).
Pearse und Deirdre Lyons vor den Brennblasen der Destillerie in der ehemaligen St. James Kirche in Dublin
Pearse und Deirdre Lyons sind keine Neulinge im Destilleriegeschäft: Auch wenn sie Iren sind, so besitzen sie doch in Kentucky die Lexington Brewing and Distilling Company, die Teil des Kentucky Bourbon Trails ist. Zuvor hat Pearse bei Irish Distillers gearbeitet und war Teil des Teams, das die Midleton Distillery hochzog.
Auch zur St. James Kirche haben die Lyons eine Verbindung: Der Großvater des Milliardärs Pearse Lyons war unter den letzten, die 1948 auf dem Friedhof beerdigt wurden, bevor die Kirche säkularisiert wurde.
Seit 2014 hat man an der Destillerie gearbeitet, und auch durch die Auflagen für den Denkmalschutz haben sich die Kosten insgesamt auf 20 Millionen Euro addiert. Man hat aber auch nicht gespart, sondern versucht, eine echte Attraktion zu schaffen: Es wurden zum Beispiel moderne Glasfenster mit Motiven aus der Geschichte der Lyons und des Whiskybrennens eingebaut – man will den erwarteten 75.000 jährlichen Besuchern dort Besonderes bieten, das die Destillerie von den anderen abhebt.
Destilliert wird dort natürlich auch, und dafür haben sich die Lyons Tracey Flinter als General Manager und Gearoid Cahill als Head Distiller ausgesucht, die die Destillerie dort leiten werden.
Pearse and Deirdre Lyons, die Gründer der Pearse Lyons Distillery
Ein wenig Glamour und jede Menge Arbeit – das ist eine recht knappe, aber wohl treffende Beschreibung des Jobs als globaler Markenbotschafter für eine Whiskymarke. Normalerweise wird diese Position nicht einfach so besetzt – der Weg, den Grant’s Whisky mit seiner Aktion jetzt beschreitet, ist wohl eher ein Marketing-Vehikel. Spannend und ansprechend ist er auf jeden Fall, und wir möchten Ihnen die Gelegenheit, sich zu bewerben, keineswegs vorenthalten.
Das dreistufige Bewerbungsverfahren (das mit einem selbst komponierten Drink auf Facebook, Instagram oder auf der Website beginnt, für 20 Leute bei einem Event in Schottland fortgesetzt wird und für die drei Finalisten mit einer zehntägigen Reise zu drei Weltstädten endet, bevor einer von ihnen Global Brand Ambassador wird), können Sie auf der Website von Grant’s Whisky genauer studieren. Obenstehend finden Sie das Video zur Aktion, das vor dem Wochenende online ging und jetzt schon über 60.000 Views hat – soweit scheint die Aktion bereits gelungen zu sein. Viel Vergnügen damit und – falls Sie mitmachen: Viel Erfolg!
Diese Geschichte verfolgen wir seit einiger Zeit: Chivas wird viele seiner Aktivitäten in Zukunft am Standort Kilmalid bündeln. Dafür müssen 450 Arbeiter von Paisley nach Kilmalid/Dumbarton übersiedeln – die Arbeitsplätze bleiben aber erhalten. Schon das läuft nicht ganz friktionsfrei, denn nebenbei geht es um Gehaltsforderungen, die der Konzernleitung zu hoch erschienen. Die Gewerkschaft hat deshalb in einer Urabstimmung Kampfmaßnahmen beschlossen.
Bislang ist es beim Dienst nach Vorschrift geblieben, doch nun haben sich über 85 Prozent der Angestellten für einen Streik entschieden. Er wird am 7. August stattfinden. Man wirft der Konzernleitung vor, die Mitarbeiter nicht genügend am Erfolg des Unternehmens teilhaben zu lassen. Ein Angebot von 1.5% mehr Gehalt, dass dann weitere 3 Jahre nur mehr der offiziellen Inflationsrate angepasst wird, ist der Belegschaft zu wenig, berichtet die BBC in ihrem Artikel.
Ob der Konzern einlenken wird und damit den Streik abwenden kann, wird abzuwarten sein. Wir bleiben jedenfalls für Sie dran.
Anmerkung 7. August 2017: Wie Tullibardine in einer Aussendung nachträglich anmerkte, war deren Erstinformation lückenhaft. Der Tullibardine The Murray Châteauneuf-du-Pape Finish ist als Exklusivabfüllung für einen einzelnen deutschen Händler vorgesehen und wird nicht allgemein auf den Markt kommen Wir haben den Text dementsprechend geändert.
Im Oktober 2016 veröffentlichte die Destillerie Tullibardine „The Murray“, eine fassstarke, alterslose Abfüllung (unseren Bericht dazu finden Sie hier). Es war der erste Whisky in der jährlich erscheinenden „TheMarquess Collection„, die jeweils einen limitierten Whisky in Fassstärke vorstellen sollte.
Mit „The Murray Châteauneuf-du-Pape Finish“ ist nun ein weiterer Whisky in der Serie erschienen. Er ist mit 49% abgefüllt. Ob diese 49% Fassstärke sind, bleibt offen, doch diesmal gibt es eine Jahresangabe auf der Flasche: Vintage 2004. Der Whisky aus den Highlands reifte zunächst in First Fill Bourbon Hogsheads, danach wurde er in französischen Rotweinfässern aus der südlichen Rhône-Region gefinisht.
Der Tullibardine The Murray Châteauneuf-du-Pape Finish soll an der Nase würzige und süße Aromen bieten, nach saftigen Kirschen schmecken und Minzschokoladen-Geschmack im Finish zeigen.
Die Ausgabe des Whiskys ist allerdings auf einen einzigen deutschen Händler beschränkt und wird nicht in den allgemeinen Handel kommen, wie Tulibardine zunächst in der Ursprungsquelle verlautbarte.