Adelphi

Die lange Geschichte der Adelphi Distillery begann im Jahre 1826. Von diesem Zeitpunkt an war Adelphi eine der fortschrittlichsten und produktivsten Whisky-Brennereien Schottlands. 1880 erwarb Archibald Walker die Adelphi Distillery, ehe sie dann im Jahre 1907 schließlich ihre Whisky-Produktion einstellte. Es sollte fast ein Jahrhundert vergehen, bis Jamie Walker, Archibalds Ur-Großenkel, im Jahre 1993 Adelphi wieder zum Leben erweckte. Dieses Mal nahm ein Walker die Arbeit allerdings nicht auf, um selbst Whisky zu produzieren oder sie zu blenden.

Von Beginn an war es Jamies Bestreben, durch eine resolute Qualitätspolitik den Geheimnissen großer, rarer Malts auf die Spur zu kommen, sie abzufüllen, und so der Kennerschaft zugänglich zu machen. Adelphi Distillery’s Ziel war und ist es, seinen Kunden Ausgesuchtes aus den großen Produktionen der Destillerien anzubieten. Und in der Tat hat sich Adelphi über die Zeit bei Whiskyfreunden einen guten Namen gemacht. Und bald sollte Adelphi auch wieder mit eigener Destillerie eigene Whiskys abfüllen und so die ursprüngliche Tradition fortsetzen.

Unser Redakteur Simon Rosenkranz verkostete nun drei Adelphi-Abfüllungen aus der aktuellen Reihe:

 

1789_adelphi_s_fascadale_12_jahre_-_batch_release_no._6_-_single_malt_scotch_whisky_1Fascadale (Clynelish) Batch 6 12 year old Highland 46%

Nase: Ein leichtes Prickeln in der Nase, gepaart mit der Süße von Himbeeren, Vanillecupcakes und immer im Hintergrund eine dezente Zirtusnote. Frühling ist der erste Gedanke, der mir, als ich den ersten Nasenzug nahm, hier in den Sinn kam.

Gaumen: Sofort wieder die Süße, die einen an Cupcakes erinnert und Honig – ein angenhems gefühl. Teatime in der Fühlingssonne.

Finish: Der Abgang ist allerdings überraschend kurz und knackig. Schade.

Alles in allem: Der Fascadale ist ein guter und angenehmer Frühlingswhisky. Leider ist er im Abgang etwas zu kurz, daher  insgesamt ein Gut mit 3,8 Punkten.

 

ClynelishAdelphi0314Clynelish 1996 17 year old Speyside 57.1 %

Nase: Nachdem ersten Kribbeln in der Nase, was sicherlich den 57,1 % geschuldet ist, folgen getrocknete Früchte und Obstkuchen (eine sehr angenehme Kombi), sowie im Hintergrund etwas Mandeln.

Gaumen: Ein sattes Mundgefühl, sehr voluminös und wieder süß, was auch zu erwarten war. Auch erkennbar ist eine leichte Würze und Kräuter. Summa summarum irgendwie etwas verrückt, wie ich finde.

Finish: Trocken, lang und süß. Auch wenn ich nicht so sehr ein Fan von trockenen Finishes bin, ist es nicht unangenehm.

Alles in allem: Dieser Whisky überzeugt durch Fülle, und er lässt jedem Fan von süßen Whiskys das Herz schneller schlagen. Etwas Wasser ist hier nicht nur auf Grund der 57,1% unerlässlich, sondern es gibt ihm vor allem die Möglichkeit, seine Aromen deutlich zu verstärken. 4.0 Punkte und ein Sehr Gut.

 

 

GlenGrantAdelphi0314Glen Grant 1992 21 year old Speyside 55.1 % 

Nase: Ahhh sehr frisch – ein tolles fruchtiges Aroma. Sehr viel rote Beere, etwas Aprikose – man will kann sich gar nicht sattriechen an ihm…

Gaumen: Die erhoffte Süße, wie sie in der Nase zu erkennen war, ist sofort wieder da. Vor allem die roten Beeren sind sehr präsent und im Hintergrund  immer eine leichte Würze. Der Whisky lässt nicht einen einzigen Winkel im Mund aus. Trotz der 55% sehr weich und harmonisch … eine herrliche Sache.

Finish: laaaang und wärmend – ein Whisky, wie ich ihn mag.

Alles in allem: Eine wunderbare Abfüllung und von den dreien die Kompletteste. Vor allem besticht der Whisky durch seine Weichheit und Frische, die lange im Mund anhält. Sattes Sehr Gut mit 4,3 Punkten.

 

 

Summa summarum ist, meiner Meinung nach, Adelphi mit den neuen Abfüllungen wieder ein toller Wurf gelungen – auch wenn die Fans der torfigen Whisky hier zu kurz kommen werden. Aber auch für sie gilt: Wenn man auf der Suche nach einem etwas anderen Whisky ist, wird man hier in jeder Ausprägung fündig.

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!