Hazelburn, Longrow, Springbank – alle diese Whiskys stammen aus der Campbeltown-Destillerie Springbank. Während Longrow stärker getorft ist und Springbank sozusagen den Mainstream aus der Destillerie darstellt (nur sehr dezent torfig), ist Hazelburn, so wie irische Whiskeys, dreifach destilliert, ungetorft und damit vom Charakter her weicher.

Der unabhängige Abfüller Cadenhead und die Destillerie Springbank sind eng miteinander verbunden. So findet man bei Cadenhead, der übrigens auch der älteste unabhängige Abfüller Schottlands ist, meist ganz ausgezeichnete Abfüllungen aus dieser Destillerie. Wie das bei dem erst unlängst veröffentlichten zwölfjährigen Hazelburn (Einzelfassabfüllung) ist, wollen wir in unserer Verkostung herausfinden. Wieder haben sich für Whiskyexperts Silvia Behrens und Bernhard Rems zusammengesetzt, um gemeinsam den Whisky zu probieren. Das Sample dazu stammt von Cadenhead Salzburg.

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Hazelburn 2002, 12yo, 54.1%
Einzelfass, ungefärbt, nicht kältefitriert
ca. 70-80 Euro

Nase: Der erste Eindruck ist, dass das, was in die Nase anbrandet, unheimlich dicht und intensiv ist, so als hätte der Whisky in den 12 Jahren das Fass in sich aufgelöst. Ganz im Hintergrund ist dezenter Rauch erahnbar, und davor mischen sich Fruchtnoten (Boysenbeeren und Pfirsichmark) mit dem Duft von Balsaholz und Vollmilchschokolade. Vanille ist in der Nase und Lakritze, Vanillepudding mit Erdbeersauce, ein dichtes, intensives Gemenge, das Dich und die Nase beschäftigt und unterhält, aber immer weich, mit wenig Schärfe, sehr rund. Schön! Spannend!

Gaumen: Auch hier viel und das in einer herausfordernden Dichte. Nussnoten, Schokolade, Karamell, etwas Zitronenzeste, dann Aprikose, kandierter Ingwer. Milchkaffee ist da und Honig. Wunderschön die Intensität und das Changierende. Der Alkohol tritt jetzt etwas deutlicher zutage.

Finish: Wärmend, lang, zwar etwas trockener werdend, aber nie ins Holzige gehend. Es bleibt auf der süßen, fruchtigen Seite – und der Rauch, der in der Nase nur zu erahnen war, ist hier um Nuancen spürbarer.

Alles in allem: Der reifste Jugendliche, dem wir seit langem begegnet sind. Er ist spannend, vielschichtig, es macht richtig Spaß, ihn zu genießen, und er will nicht nur einmal verkostet sein. Weil er für einen Hazelburn wirklich überraschend ist, und weil er auf seine Art begeistern kann, erhält er von uns das Prädikat „Spitzenklasse“. Kaufempfehlung von uns, und vor allem: Trinkempfehlung!

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!