Der Boden der Destillerie Invergordon ist geschichtsträchtig für Single Malt Enthusiasten, auch wenn Invergordon selbst eine Grain-Destillerie ist und relativ spät, erst im Jahr 1959, gegründet wurde. Sie beherbergte nämlich zwischen 1965 und 1977 die Destillerie Ben Wyvis, deren Abfüllungen heute zu begehrten und kaum mehr leistbaren Sammlerstücken geworden sind.

Aber auch Invergordon als Grain-Destillerie ist bemerkenswert – ist sie doch die einzige ihrer Art in den Highlands und nimmt so eine Sonderstellung ein. In 4 Coffey Stills wird in kontinuierlicher Destillation bis zu 3.6 Millionen Liter Spirit produziert, das Wasser dazu stammt aus dem Loch Glass. Nur ein ganz geringer Teil der Produktion wird als Single Grain Whisky abgefüllt, insgesamt gibt es knapp über 100 Abfüllungen daraus, nur fünf davon sind Originalabfüllungen.

Zu den 30+ unabhängigen Abfüllern, die Invergordon auf den Markt bringen, zählt auch die österreichische Single Cask Collection. Ihr Invergordon 1988, abgefüllt aus dem Bourbon Barrel #18589 im Jahr 2012, ergab insgesamt 188 Flaschen mit 55.5%. Eine davon haben Silvia Behrens und Bernhard Rems für Whiskyexperts verkostet. Das Sample wurde unseren Redakteuren von der Single Cask Collection zur Verfügung gestellt.

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Nase: Der Invergordon beginnt ganz typisch für einen Grain, mit einem Bouquet, das sich eher in Richtung einer Mischung aus Rum und Bourbon neigt als in Richtung eines Whiskys. Wir finden schwere, süße und holzige Noten, Vanille, Rosinen und Rumfrüchte, dann leichten Brotgeruch und später noch Karamellnoten. Etwas Zitrone bringt leichte Spitzigkeit.

Gaumen: Ölig weich geht es weiter, Rosinensüße finden wir, Backpflaumen und zur Würze Ingwer. Eine leichte Holznote schwingt mit, verborgen in der Cremigkeit. Der Alkohol zeigt sich gut eingebunden. Ein sehr erfreuliches Mundegfühl.

Finish: Angenehm und lang, wärmend, auch hier wieder viel Süße, die nur Anflüge von würzigen und metallischen Tönen mit sich nimmt.

Alles in allem: Ein sehr guter Grain, eine runde Sache von der Nase über den Gaumen bis hin zum Finish. Er zeigt sich für sein ohenhin nicht geringes Alter noch reifer als erwartet, erfreut durch seinen durchaus kräftigen Charakter, der zwar nicht besonders komplex, aber immer sehr harmonisch ist. Wir geben ihm ein deutliches „Sehr gut“.

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!