Glen Garioch zählt mit zu jenen Destillerien, bei denen Schreibweise und Aussprache weiter auseinanderklaffen als bei anderen. „Glen Gierie“ wäre die halbwegs korrekte deutsche phonetische Schreibweise, oder „Glen Geerie“ auf Englisch.
Gleich sieben der Whiskys aus der Brennerei verkostet Serge Valentin heute zum Wochenbeginn, beginnend mit drei offfiziellen Abfüllungen, wobei die erste, der Virgin Oak, so gar nicht zu gefallen weiß. Von da an sind aber die Wertungen durchgehend positiv, auch bei den vier unabhängig Abgefüllten.
Hier also die Wertungen der Verkostung in der tabellarischen Übersicht:
Glen Garioch ‚Virgin Oak No. 2‘ (48%, OB, +/-2019)
Noch ist es mit dem Reisen nicht einfach, was die Quarantänebestimmungen betrifft, aber es häufen sich die Anzeichen, dass der Whiskytourismus zunächst einmal für Einheimische langsam wieder möglich sein wird – und das lässt für die mittelfristige Zukunft auch für uns „Ausländer“ hoffen.
Nachdem nun einige schottische Brennereien wie zum Beispiel die Lagg Distillery auf Arran (ab morgen) oder Glengoyne (hier schon seit letzter Woche) für Besucher wiedereröffnen, ist es ab morgen auch bei der St. George’s Distillery der English Whisky Distilling Company soweit: Shop und Restaurant sind wieder geöffnet, ab 17. Mai soll es dann auch wieder Touren geben:
From Monday 12th April, we are re-opening our doors and can’t wait to welcome you back.
Our shop will re-open, fully stocked with our complete range of English whisky, along with a great range of glassware, clothing and gifts. Feel free to pop into browse!
The beautiful river walk within the distillery grounds will also be open.
Our friends at OakVilla Restaurant will also be opening their doors for the first time for outdoor service only. A beautiful stretch tent will keep the rain off, should the weather not be perfectly sunny.
Willkommen zur 227. Folge der Whiskyvideos und Podcasts der Woche. Wie immer bringen wir in ihr Beiträge aus dem deutschen Sprachraum zum „Wasser des Lebens“, die uns von den Vloggern und Podcastern zugesendet wurden. In den Videos werden sowohl neue als auch ältere Abfüllungen verkostet – alles nach dem eigenen Ermessen der Verkoster und ohne kommerziellen Hintergrund.
Die Liste der teilnehmenden Vlogs ist nicht fix: Wenn Sie meinen, dass Ihr Video ebenfalls dazu gehören sollte, dann können Sie unten herausfinden, wie das möglich wäre.
In der Ausgabe 227 finden Sie einen Podcast und zehn neue Videos:
Friendly Mr. Z – Linkwood 30yo Amarone Finish Riegger
Whisky Evening – John Walker Celebratory Blend
The Malthead – Caol Ila „A Dream of Scotland“ cs. 25yo
World Wide Whisky – Macallan 12yo Sherry Oak Cask
Malte talks Malts – GlenAllachie 15 Jahre
Whisky Enjoy – Murray Hill Club Bourbon Blend Whiskey
WhiskyJason – The Balvenie Week of Peat 14yo
Pat Hock – High Coast Dálvve
https://youtu.be/-9zXQrdnv3M
The Whisky Waiter – ADoS Rosenrot Penderyn 7 Jahre
Wie wir die Beiträge aussuchen: Die Videos und Podcasts werden uns zugeschickt. Wir treffen dabei keine Auswahl außer jener, dass die von uns gezeigten Blogger/Vlogs schon länger aktiv sein sollten, eine gewisse Anzahl Follower/Hörer/Leser haben. Die Redaktion behält sich vor, eingereichte Videos ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen, hält aber gleichzeitig fest, dass ein Nichterscheinen nicht automatisch ein (sowieso immer subjektives) Statement über mangelnde Qualität ist, sondern viele verschiedene Gründe haben kann.
Wollen Sie mit Ihrem Beitrag dabei sein? Wenn Sie selbst Videos zum Thema Whisky machen, dann schicken Sie uns doch eine kurze Mail mit einem Link auf das wochenaktuelle Video und einer Inhaltsangabe dazu jeweils bis Freitag, 12 Uhr an press @ whiskyexperts.net. Vorgaben unsererseits gibt es natürlich keine, hilfreich ist aber, wenn Ihr Videokanal in aller Regel etabliert, regelmäßig publizierend und mit einer gewissen Anzahl Abonnenten ausgestattet ist, sowie mit hohem Qualitätsanspruch gemacht wird. Bitte halten Sie die eingereichten Videos auch werbefrei, sprich keine Links und Kaufaufforderungen im Video. Wir freuen uns auf Ihre Videos für unsere Leser!
Wir freuen uns, Ihnen jeden Sonntag ein Stück einer wunderbaren Geschichte über Schottland, Whisky und das Reisen vorstellen zu dürfen: Exklusiv auf Whiskyexerts präsentieren wir Ihnen Whisky Cycle, das neueste Buch von Uli Franz, als Fortsetzungsgeschichte.
Uli Franz lebt als Schriftsteller im Chiemgau und auf der dalmatinischen Insel Brac’. Von 1977-80 arbeitete er als Zeitungskorrespondent in Peking. Über China und Tibet veröffentlichte er zahlreiche Bücher. Zuletzt erschienen Radgeschichten und „Die Asche meines Vaters“ (Rowohlt Verlag).
Das BuchWhisky Cycle – Eine Radreise durch Schottland (ca. 320 Seiten) ist momentan in der ersten Auflage vergriffen – über Neuigkeiten zu Bestellmöglichkeiten werden wir Sie natürlich rechtzeitig informieren.
Die Radtour zu 17 schottischen Destillerien. Karte von Alba Collection
Whisky Cycle – Eine Radreise durch Schottland von Uli Franz (Folge 19)
Ein Geräusch von oben lenkte meine Aufmerksamkeit zum Dachgiebel hinauf und schon durchzuckte mich ein Schreck. Auf einer wackeligen Europalette stand ein Arbeiter, über und über mit weißer Farbe bekleckert, und strich ohne Seilsicherung, von einem mobilen Teleskoparm in die Höhe gehoben, die Giebelfront des Hauptgebäudes mit frischem Weiß. Wie ein Artist turnte er gut acht Meter über dem Boden unterhalb des Schriftzugs „Glen Scotia Distillery 1832“. Sein Hantieren mit der Farbrolle, die an einer Holzstange mit schwarzem Klebeband festgetapt war, sah so waghalsig aus, dass ich schon das Schlimmste befürchtete und schnell um die Ecke zurück in die Dalaruan Street lief.
Nach einigem Suchen fand ich den niedrigen Eingang zum Visitors Center, das sich als holzgetäfelte und urgemütliche Probierstube entpuppte. Wie in den Brennereien zuvor hatte man die alte Mälztenne zu Räumlichkeiten für Verkauf und Verkostung umgewidmet. Wieder einmal durfte ich erleben, dass Gäste aus Deutschland gerngesehene Gäste sind. Nun gut, ich war alleine gekommen und außer mir war kein anderer Besucher anwesend. Aber nicht nur bei Glen Scotia, sondern auf der gesamten Radtour sollte ich erleben, dass Deutschlands Image im Ausland viel besser als zuhause ist. So stand ich am Tresen als beliebter deutscher Gast und wurde hofiert. Mister Callum, ein verrenteter Vorarbeiter, der das kleine Center betreute, schenkte mir einen exklusiven Tropfen ein, einen 15jährigen Glen Scotia mit 63,5 % vol. Alkohol, dessen leuchtendes Bernstein viel Sanftmut vermuten ließ.
In der Nase lockten Zitrusfrüchte, die sich wie bei einer Schichttorte cremig über eine vanillige Eichennote legten und einen federleichten Pfirsichduft verströmten. Der Strauß an Aromen hätte nicht harmonischer duften können. Am Gaumen erlebte ich gleich einen Reigen aus Rosinen, Feigen und Karamell. Erstaunlich – fruchtige Aromen und malzige Holznuancen lagen sich harmonisch in den Armen. Leider war diese Umarmung zu flüchtig, ihre Verbindung hielt nur kurz und hatte keinen Bestand. Schlimmer noch, es folgte eine echte Enttäuschung: eine Holzkeule zertrümmerte im Schlund und in der Speiseröhre die anfängliche Begeisterung und hinterließ im Abgang ein unversöhnliches Brennen in der Kehle. Nach einem zweiten Schluck lautete das Resümee: Antritt faszinierend frisch, doch im Abgang viel, viel trockenes Holz und herbes Kratzen. Bei bestem Willen, ich konnte dem exklusiven Glen Scotia nicht mehr als drei Stützräder geben.
Höflich bedankte ich mich bei Mr. Callum, dem Pensionär, der Springbank und Glen Scotia gleichermaßen kannte, und trat durch die niedrige Tür auf den nassen Gehweg hinaus.
Neugierig, ob der Maler noch durch die Lüfte turnte, schaute ich wieder um die Ecke. Zum Glück hatte sich der Artist wider Willen verzogen, die Farbrolle und der Eimer standen allerdings noch verkleckert am Boden herum. Irgendwie lockte mich die Unordnung an und ich entschloss mich, den Innenhof zu erkunden. Das Tor des Lagerhauses stand offen und aus dem düsteren Inneren strömte der Duft der Engel, deren Odeur mich schon wieder beschwipste. Fässer über Fässer, sechs Regale hoch, stapelten sich im fensterlosen Raum bis knapp unter das dunkel verschattete Dach. Vor dem offenen Tor ratschten seelenruhig zwei Arbeiter mit dem Gabelstaplerfahrer, der gerade die Umschichtung einer Fässerreihe beendet hatte. Wieder mal auf Gälisch erklärte der Fahrer mir, dass die untere Lage nach oben rotieren müsste und die obere nach unten, damit der Whisky in unterschiedlichen Klimazonen reifen konnte. Im ersten Moment erschien mir diese Hoch-Tief-Aktion übertrieben, doch als ich den Kopf in den Nacken legte und hinaufsah, eröffnete sich mir der Sinn der Massnahme, denn das Blechdach wurde im Sommer sehr heiß und im Winter kalt, während die Kiesschüttung des Hallenbodens in der heißen Jahreszeit und im Winter kühl blieb.
By Abbieclements – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=99286834
Gerade als ich das Gelände verlassen wollte, pirschte der Gabelstapler an die Pritsche eines eingefahrenen Lasters heran und fing sofort an, Paletten mit graubraunen, nicht mehr neuen Fässern abzuladen. Auf den Fassköpfen der angelieferten Ware stand eingebrannt das Insignium: Beam, USA. Das Brandmal bewies, dass es sich bei der eingetroffenen Ladung um frisch aus den Staaten importierte Ex-Bourbonfässer handelte. Hätte ich mich nicht ausgekannt, ich hätte verächtlich die Nase gerümpft: gebrauchte Fässer, graubraun, dreckig und fleckig und durch die Bank unansehnlich anzuschauen! Doch diese Geringschätzung wäre fehl am Platz gewesen, denn die Karamell-Note der gebrauchten Fässer bildet das geschmackliche Rückgrat eines Single Malt. Seit 1940 ist es gang und gäbe, dass ein new make zur ersten, mehrjährigen Reifung in ein Ex-Bourbonfass gegeben wird, denn das Einmaleins lautet: gebrauchte Bourbonfässer aus nordamerikanischer Weißeiche verpassen ihm jene begehrte Note von Karamell und Vanille, während jungfräuliche Weißeiche eine holzige Note mit Röstaromen liefert.
Den Tesco-Supermarkt passierend, schlenderte ich die Esplanade entlang wieder in Richtung Zentrum. Das Meer an meiner Seite gehorchte dem Rhythmus von Ebbe und Flut und in den Stunden des Nachmittags warf es weit draußen Wellen. Das befestigte Ufer roch süßlich nach Algen und salzigem Tang. Niedlich anzuschauen, die großen graugrünen Krebse, zwischen den bemoosten Steinen huschten sie aus Angst vor den Möwen von Deckung zu Deckung.
Auch in mir zog sich etwas zurück und schürte Verlassensängste. Es war jenes wehmütige Gefühl, das jeder beim Abschied von einem liebgewordenen Menschen oder einem vertrauten Ort kennt. Schon bald musste ich einem Ort den Rücken kehren, wo ich viel erfahren hatte – viele technische und handwerkliche Kniffe des Vorbereitens, Destillierens und des Fassmanagements. Im verregneten Campbeltown hatte ich ein Plätzlein gefunden und gelernt, dass das Erzeugen einer vergnüglichen und komfortablen Spirituose ein ehrwürdiges Traditionshandwerk war, ein Handwerk, das sich aus harter Hand- und Maschinenarbeit speiste.
Glen Scotia. Bild Uli Franz
Schaukelt ein Whisky, egal ob Single Malt, Blend oder Bourbon, bernsteinfarben und verheißungsvoll im Glas, ist es nur schwerlich vorstellbar, wieviele Schweißtropfen und Handgriffe und dann Geduld, Geduld und nochmals Geduld es kostet, bis das perfekte Dram zum Trinken angerichtet ist. In den beiden Campbeltowner Regentagen dämmerte mir, dass Trinkgewohnheiten eine kulturelle Angelegenheit sind und dass genau deshalb die Geduld eine ehrbare Ingredienz des Whiskys ist. Nicht umsonst kursiert unter Kennern der Spruch „Geduld ist keine Eigenschaft, sondern eine Zutat“.
Zu Beginn meines Whiskyunterrichts hatte ich mich noch in deutscher Manier gefragt, warum sind die Schotten solche Langweiler? Warum sind sie so einfältig und warten eine halbe Ewigkeit, bis sie den richtigen Trinkmoment für gekommen erachten? Warum halten sie es nicht wie wir Deutschen, wie die Polen oder die Russen und zwitschern den Korn oder Wodka gleich nach der Destillation? Langsam, ganz allmählich glaubte ich, das Geheimnis der Schotten, eben die Geduld, gelüftet zu haben. In diesem Sinn war Campbeltown zu einem Sesam-öffne-dich geworden.
Zum Abschluss meines Besuchs in Schottlands südlichster Whiskystadt gönnte ich mir nach einem Fischdinner noch einen Drink in der Hafenkneipe Bilbannam.
Kaum, dass ich durch die Schwingtür in die gerammelt volle Schankstube trat, sprangen mich von der Bar und von den vorderen Tischplätzen her strenge Blicke an, als wäre ich ein stadtbekannter Zechpreller. Augenblicklich schmolz der Schneid des Soloradlers dahin und vor lauter Verlegenheit wusste ich plötzlich nicht mehr, was ich inmitten all der Männer, der abgeheuerten alten Matrosen, der Destilleriearbeiter, der Automechaniker und der Bauarbeiter hier wollte. Gezwungen lächelnd nickte ich der glotzenden Gemeinschaft zu und stellte mich an einen freien Platz am langen Tresen. Der kurz abgeebbte Lärm gab mir ein wenig Zeit, um mich umzusehen. Die meisten Männer im schlecht belüfteten, von Zigarettenrauch geschwängerten Schankraum trugen karierte Flanellhemden über gewaltigen Bäuchen, die in blauen und schwarzen Arbeitshosen steckten. Urig wie man sie von Seebären kennt, sahen alle wettergegerbten, bartlosen oder bärtigen Gesichter aus und mittendrin kam ich mir vor wie ein frischgeschlüpftes Küken. Doch dann entdeckte ich ein zweites Küken im überhitzten Raum, ein ungemein kindlich wirkendes zartes Mädchen mit einem käsig bleichen, runden Gesicht unter rotbraunen Haaren, das als Barfrau die Gäste an der Theke und an den Tischen bediente. Das bleiche Kind wirkte zerbrechlich und irgendwie kränklich, so als käme es nie an die frische Luft. Wie ich bei ihr ein Draft bestellte, fiel mein Blick auf das Flaschenregal in ihrem Rücken.
Oh Wunder, da stand zum Greifen nahe inmitten vieler angebrochener und auch halbleerer Spirituosen mein Schicksalswhisky, die schwarzgrüne Flasche mit der großen weißen Zahl – der VAT 69. Aufgeregt zeigte ich mit ausgestrecktem Arm auf die Flasche und bat das zarte Barmädchen: „Bitte, von dem ein Dram“.
Verwundert sah sie mich an, gar befremdet, als behauptete ich, ihr Vater zu sein. Kurz angebunden sagte sie: „Die ist leer!“
„Was für ein Pech“, antwortete ich, „wo krieg ich davon eine Flasche her?“
„Weiß ich doch nicht!“
Eine solch knappe Antwort sollte ich noch öfters erhalten, sobald ich auf der weiteren Reise nach etwas Ausgefallenem und Nichtalltäglichem verlangte.
Da stand ich nun an der Theke und wusste nicht so recht, sollte ich als nächstes die VAT 69-Fährte aufnehmen oder die Suche ans Ende meiner Radtour vertagen? Schließlich entschied ich mich für das Hier und Jetzt und ließ mir von dem schrecklich bleichen Thekenkind ein blondes Belhaven zapfen. Mit einem großen Schluck wurde ich Teil der urigen Gemeinschaft, weil ich tat, was alle hier taten: Bier aus großen Gläsern trinken. Während um mich herum wieder lärmend auf Gälisch palavert wurde, stellte ich fest, dass alle vor sich Gläser mit Ale oder einem Blond stehen hatten. Keiner gönnte sich einen Kornwhisky oder gar einen teuren Single Malt. Überhaupt war mir inzwischen klar geworden, dass in Schottland im Vergleich zur Massenfertigung herzlich wenig Whisky getrunken wurde.
Wie hatten sich doch die Zeiten seit den achtziger Jahren verändert! Wieviel zahmer und genügsamer waren die Schotten geworden! Noch vor vierzig Jahren wurde zu Silvester und Neujahr zuhause in der Familie und im Pub versöhnlich mit den Nachbarn bis zum Umfallen gepichelt. Und nicht nur zwischen den Jahren, sondern zu jeder Jahreszeit kreiste der Flachmann im Freien, beim Fischen oder Jagen oder unter den Wanderkameraden.
Dass sich kein Einheimischer zu mir gesellte und mich in ein Gespräch einband, gramte mich nicht. Das Alleinsein an der Stehtheke nutzte ich zum Bilanzieren. Obwohl es die beiden letzten Tage nur geregnet hatte, war mein Stimmungsbarometer nie unter Null gefallen, vielmehr hatte mich stets eine leichte Wohlfühlbrise umweht. Bei Springbank und in den Gesprächen mit den Adepten der Whisky Schule hatte ich so viel Grundwissen über das Whiskymachen erhalten, dass ich mich ab jetzt in einer Runde von Connaisseurs nicht mehr zu verstecken brauchte. Nun war der richtige Moment gekommen, am südlichsten Punkt meiner Radreise umzukehren und die Fahrt nach Norden anzutreten. Mit dem Auto wäre das ein Klacks von fünf Stunden Fahrt gewesen – aber mit dem Fahrrad? Wie lange würde die Fahrt nach Inverness wohl dauern? Noch hatte ich nur eine vage Vision, aber keinen Fahrplan.
Gut gemisch sind die Whiskys, die Angus MacRaild heute auf Whiskyfun verkostet – je ein Paar aus den Destillerien Craigellachie und Glenfiddich, zwei Mystery Malts von Islay und drei Abfüllungen aus der Brennerei Ben Nevis in den Highlands.
Hier alle neun Abfüllungen der Verkostung im tabellarischen Vergleich:
Glenfiddich Snow Phoenix (47.6%, OB, 2010)
84
Glenfiddich 1982 (58.7%, OB ‚Private Vintage‘ for Craigellachie Hotel, cask #3672)
Jede Woche erscheinen viele neue Whisky-Abfüllungen – und gesellen sich zu den Abertausenden dazu, die es bereits gab oder gibt. Wer soll das alles trinken und herausfinden, was wie schmeckt?
Blogger tun es – und in der Summe ergibt sich durch sie ein recht schöner Überblick über das, was man ins Glas bekommen kann.
„Fremde Federn“ stellt Ihnen in der jetzt bereits 144. Folge Samstag für Samstag Verkostungsnotizen der Blogger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vor. Aus der Vielzahl von Neuerscheinungen und Klassikern haben die Blogger nach ihren Vorlieben Abfüllungen herausgesucht und für ihre Leser beschrieben.
Wir gratulieren „Keine halben Drinks“ zum 5. Geburtstag!
Hier sind die Tasting Notes jener Blogger, die uns für die aktuelle Ausgabe ihre Links gesendet haben:
Die Notes geben die persönlichen Eindrücke der Blogger wieder und müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. Viel Vergnügen beim Lesen und bis zur nächsten Ausgabe in einer Woche!
Haben Sie selbst aktuelle Tasting Notes, die wir hier verlinken sollen? Senden Sie uns unter press @ whiskyexperts.net den Link auf Ihre Verkostungsnotizen – bitte mit dem Betreff „Tasting-Link“. Wir publizieren dann jeden Samstag jene Notes, die bis Freitag 12:00 an uns gesendet werden. Wir publizieren die Links, ohne damit die Beiträge dahinter zu werten. Nicht publizieren werden wir Links auf Verkostungsnotizen von Seiten, die entweder kommerziell geführt sind, kommerzielle Links enthalten. in Verbindung mit Shops stehen oder solchen, bei denen Tasting Notes nur ein Bestandteil des Outputs der Seite sind, denn wir wollen gezielt der Verkosterszene eine Bühne bieten und für sie zusätzliche Öffentlichkeit schaffen.
Nach dem Kauf von Glenturret (zuvor im Besitz der Edrington Group) durch Art & Terroir, auch im Besitz von Lalique (wir berichteten hier), hat man die Brennerei in Richtung Luxus und Genuss positioniert. Ganz in diesem Sinne ist es auch zu verstehen, dass man in der Destillerie ein Luxusrestaurant eröffnen wird, und zwar bereits in diesem Frühsommer. Dort will man ausschließlich Degustationsmenüs anbieten, die lokale Produkte zelebrieren sollen.
Aus Chefkoch für das Glenturret Lalique Restaurant hat man nun Mark Donald, früher Chefkoch in The Balmoral, verpflichtet. Der in Glasgow geborene Donald, hat bei Noma in Kopenhagen, im Bentley-Restaurant in Sydney und in Claude Bosi’s Hibiscus gekocht und nach seiner Rückkehr nach Schottland 2018 im The Balmoral einen Michelin-Stern erkocht.
Im Lalique Restaurant wird man siebengängige Menüs anbieten, die zeitgenössische schottische Küche mit klassischer französischer Gastronomie verbinden sollen. Natürlich wird auch Whisky in diesen Menüs eine gewichtige Rolle spielen, und Mark Donald und sein Team erhalten eine Einführung in die Kunst der Whiskyproduktion, um aus den Schritten dort Ideen für die Küche zu gewinnen.
Die eigene Webseite des Restaurants wird in Bälde Reservierungen entgegennehmen, zur Zeit kann man Gutscheine für den Afternoon Tea, der im Restaurant angeboten werden wird, erwerben.
Aufmerksame Leser unserer Seite werden sich vielleicht daran erinnern, dass wir schon Anfang Februar über den geplanten Whisky zum Campbeltown Malts Festival 2021 (es findet auch in diesem Jahr leider nur virtuell statt) von Glen Scotia berichteten. Nun ist dieser auch offiziell veröffentlicht worden.
Der Glen Scotia Campbeltown Malts Festival 2021 Whisky stammt aus ungetorftem Destillat, das zwischen 2009 und 2011 in der Destillerie erzeugt wurde. Danach reifte er in First Fill Bourbon Fässern, bevor er für fünf Monate in Bordeaux-Fässern gefinisht wurde. Man hat den Whisky danach mit 56,1% vol. abgefüllt, ohne Farbstoff und ohne Kühlfiltrierung.
In der Nase findet man rote Beeren, florale Noten von Rosen und Veilchen, Heidehonig und maritime Noten. Am Gaumen zeigt der Whisky Erdbeeren und Äpfel, geröstete Vanille und eine Spur Limette.
Zu haben ist der neue Glen Scotia Campbeltown Malts Festival 2021 Whisky um 50 Pfund, der Preis bei uns (und er wird auch nach Deutschland kommen) steht noch nicht fest.
Die privat geführte New Riff Distillery in Kentucky, die seit 2014, dem Jahr der Gründung, Bourbon, Rye und Gin produziert, hat heute bekanntgegeben, dass sie im Mai mit dem Ausbau der Brennerei beginnen wird, wenn die Baugenehmigungen bis dahin vorliegen. Herzstück des Ausbaus werden drei neue Fermenter sein.
Ziel ist es, die Produktion der New Riff Distillery von 8000 auf 12000 Barrel pro Jahr zu erhöhen und an sechs anstatt an nur vier Tagen in der Woche produzieren zu können. Man will damit aber nicht sofort den Ouptput erhöhen, sondern mit der Mehrproduktion auch später Whiskeys mit längeren Reifungszeiten anbieten. Dazu wird man in absehbarer Zukunft auch neue Lagerhäuser bauen. Fünf neue Angestellte will man durch den Ausbau, der Ende 2021 abgeschlossen sein soll, beschäftigen.
Auch an Projekten wie diesen sieht man deutlich, dass der Boom bei den Destillerien in den USA nicht nachgelassen hat. Besonders der Konsum innerhalb der USA trägt zu diesem Wachstum bei.
Alt gegen neu – das ist ein beliebtes Setting für Verkostungen, auch bei Serge. Diesmal geht es um die Destillerie Aultmore in der Speyside, und drei relativ neue Abfüllungen werden gegen eine alte Samaroli-Abfüllung verkostet (die Erwähnung des Namens Samaroli sorgt in der Regel für leuchtende Augen bei langjährigen Whiskyfreunden).
Diesmal aber ist diese Abfüllung aus dem Jahr 1988 die mit der niedrigsten Punktezahl . Der „Sieger“ von heute ist ein Aultmore eines unabhängigen Abfüllers aus Österreich aus dem Vorjahr.
Wieder einmal, und nach längerer Pause, wollen wir Ihnen in unserer Rubrik „Whisky im Bild“ ein Wallpaper in hoher Auflösung zum Download anbieten, das Sie für alle Zwecke, auch kommerzielle, nutzen können. Warum? Es ist frei von Rechten Dritter und daher in der Public Domain.
Diesmal haben wir ein Foto von Stirling Castle ausgesucht. Stirling Castle thront auf einem Hügel vulkanischen Ursprungs über der schottischen Stadt Stirling (dort gibt es auch die Stirling Distillery, die allerdings noch keinen eigenen Whisky in den Fässern hat, und auch die Wolfcraig Distillery soll dort entstehen) – und es ist nicht umsonst ein absoluter Touristenmagnet. Malerisch und imposant, so könnte man es mit zwei Worten beschreiben. Seit der Gründung um 1100 wurde es mindestens 16x belagert – bei seiner strategisch bedeutsamen Lage am Fluss Forth sollte das nicht wundern. Die meisten Gebäude, die man jetzt sehen kann, stammen aus der Zeit zwischen 1496 und 1583.
Unser Bild ist 5377×3082 Pixel groß und unkomprimiert hat es 4.4MB. Sie können es hier herunterladen – untenstehend finden Sie es komprimiert und verkleinert zum Ansehen. Viel Freude damit!
Ab sofort gibt es den tschechischen Whisky Old Hunter’s auch in Deutschland – importiert wird dieser Roggenwhisky von der SSG Trading GmbH in Velbert. Von ihr haben wir auch die nachfolgenden Informationen zu den in Deutschland erhältlichen Abfüllungen übermittelt bekommen – und teilen diese wie immer gerne mit Ihnen:
Old Hunter`s Whisky ab sofort in Deutschland erhältlich
Die älteste Brennerei Europas produziert ab sofort neue Spirituosen. Bereits seit dem Jahre 1518 wird in Tschechien in der Green Tree Distillery Inc. destilliert. Gegründet wurde die Brennerei Palirna U Zeleneho Stromu am 04. Juli 1518, als Wilhelm von Pernstein die Braurechte gewährte. Inzwischen ist die Brennerei eines der bedeutendsten und erfolgreichsten Unternehmen in der Tschechischen Republik. Das jährliche Produktionsvolumen beträgt 120.000 Hektoliter Alkohol. Das Unternehmen ist in 20 Ländern auf fünf Weltkontinenten vertreten. Fachwissen, Professionalität und Kreativität zeichnen die Brennerei aus.
Über Old Hunter`s Whisky
Ab sofort sind in Deutschland der Old Hunter`s Whisky verfügbar. Importeur der Marke ist die SSG Trading GmbH in Velbert. Der Old Hunter`s Whisky ist noch relativ neu auf dem Markt, konnte jedoch bereits außerordentliche Erfolge auf dem chinesischen Markt erzielen. Bei den China Wine & Spirits Awards 2020 übertraf der Old Hunters 4 Jahre alle Mitbewerber seiner Kategorie und gewann die Goldmedaille. Ebenso konnte der Whisky im Jahr 2019 die Gold Medal in Hongkong erzielen. Die Einzelfassabfüllung der Brennerei, der Old Hunters 8 Jahre Limited Edition 500 years gewann 2020 die höchste Auszeichnung in Großbritannien bei den The Spirits Business 2020. Er bekam die Auszeichnung Master 2020. Die letzte Gold Medal erhielt der Old Hunter`s Whisky auf der Catavinum World Wine & Spirits Competition 2021 in Spanien. Verfügbar ist der Whisky als Old Hunter`s Reserve und Old Hunter`s Selection in Deutschland.
Geschmacksprofil Old Hunter`s Reserve 4 Jahre:
Destilliert mit Roggen ist der Whisky besonders aromatisch. Behält jedoch eine leichte typische herbe Note bei. In der Farbe metallisches Kupfer. Der Geruch ist süßlich abgerundet mit einem leichten Holzschleier und Vanille. Im Geschmack reif und voller Leben. Mit weichen Holznoten und einem süß wärmenden Nachgeschmack von Früchten.
Geschmacksprofil Old Hunter`s Selection 4+3 Rye Whisky:
Fünf Meter unter der Erde reifte der Roggenwhisky für sieben Jahre. In der Farbe glänzendes Kupfer. Der Geruch überzeugt mit einem Hauch von frisch geschnittenen Roggen. Im Geschmack komplex, außergewöhnlich zart mit einem verführerischen Vanillegeschmack. Der Abgang ist süßlich mit einem Hauch von Roggen.
Whisky erscheint uns Genießern vor allem als eines: als Tradition, als Handwerk des Brennens, das sich aus alten Zeiten in unsere gerettet hat. Dabei übersehen wir gerne, dass die Whiskyzunft immer wieder durch Neuerungen bestimmt und verändert wurde. In der letzten „Whiskyepoche“ waren dies vor allem zwei Innovationen: Das Aufkommen der Single Malts, die plötzlich im Mittelpunkt des Interesses standen, und die überbordende Experimentierfreudigkeit mit Fassarten und Finishes. Die Whiskywelt von heute hat mit der von vor 60 Jahren kaum mehr etwas zu tun.
Und nicht nur aus Marketingründen muss sich die Whiskywelt immer wieder neu erfinden – auch und vor allem Marktgegebenheiten erzeugen den Druck, neue Konzepte anzugehen. Ein Ansatzpunkt, neben der Suche nach neuen Geschmackssensationen, war immer auch die Zeit, die Whisky zum Reifen braucht. Denn Zeit ist Geld, und Geld ist auch bei der Erzeugung von Whisky der Motor des Handelns.
An diesem Angelpunkt namens Zeit setzt ein Schweizer Unternehmen an, das das Konzept des Finishings von Grund auf verändern will. Das Verfahren der Seven Seals Distillery AG verspricht, auf völlig natürliche Weise mit einem neuen Finishingverfahren den Reifeeindruck eines zuvor ganz normal für mindestens drei Jahre im Fass gelagerten Whisky binnen weniger Wochen auf ein Mehrfaches zu potenzieren – und zwar so, dass der daraus resultierende Whisky auch in Blindverkostungen jenen, die durch reine Lagerung reiften, absolut ebenbürtig ist. Aus einem drei Jahre alten Whisky kann das Team rund um Erfinder Dolf Stockhausen nach eigenen Angaben in kurzer Zeit einen Whisky reifen lassen, der so schmeckt, als hätte er 12 bis 15 Jahre im entsprechenden Fass gelegen. Dazu braucht es laut Stockhausen, der langjähriger Whiskyfan und Mitbesitzer der Schweizer Destillerie Langatun ist, die auch die gereiften Whiskys für Seven Seals erzeugt und vorlagert, keinerlei Chemie, sondern nur eine ausgeklügelte mechanische Methode. Und tatsächlich können die Whiskys von Seven Seals bei renommierten Wettbewerben immer wieder die internationalen Jurys überzeugen.
Wir haben mit den Verantwortlichen rund um die Seven Seals Distillery AG gesprochen, damit sie Ihnen vom Verfahren und den Whiskys erzählen können. Auch über die Destillerie Langatun und ihre Besonderheiten erfahren wir vom Brennmeister Reto Salfinger und Mitbesitzer Chris Lauper Genaueres, bevor uns Oliver Schneider die aktuellen Whiskys vorstellt und uns gemeinsam mit Dolf Stockhausen Ausblicke auf Neuerscheinungen gibt. Danach sprechen wir noch mit Patricia Haas über das Interesse anderer Brennereien an dem Verfahren.
Unser obenstehendes Video dauert 38 Minuten, Sie können es auch auf unserem Kanal auf Youtube sehen. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen und gute Unterhaltung.
Es ist schon einige Zeit her, seitdem wir über die White Peak Distillery in Ambergate berichtet haben. Damals, im Juli 2017, wurde dem Projekt die Baugenehmigung erteilt.
Seitdem ist dort viel geschehen – man hat erfolgreich einen Gin auf den Markt gebracht und begonnen, Whisky zu reifen, der noch heuer erscheinen wird. Und weil man damit rechnet, dass dann das Wachstum der White Peak Distillery sich noch mehr beschleunigt, will man auch finanziell dafür gerüstet sein, mehr Personal einzustellen und das Marketing zu intensivieren.
Das Kernteam der White Peak Distillery
Also hat man auf Crowdcube ein Programm aufgesetzt, bei dem man Mitinhaber der Brennerei werden kann. Bislang haben 583 Personen bereits fast eine Million Pfund investiert, das Ziel von 500.000 Pfund ist also bereits weit überschritten, obwohl die Kampagne noch für 15 Tage offen ist und Interessierte sich weiterhin an der Brennerei beteilgen können.
Um mehr über die Bedingungen erfahren zu können, müssen Sie sich bei Crowdcube anmelden – ein vierminütiges Video über die Brennerei und ihre Ambitionen haben wir unten beigefügt.