St. Kilian Whisky
 

Bladnoch Samsara
46.7%
Originalabfüllung
Californian red wine and bourbon casks
Abgefüllt: 25.04.2017
nicht kühlfiltriert, nicht gefärbt
Verkoster: Klaus Doblmann
Sample: Eigenbestand


Die Lowlands-Destillerie Bladnoch im Örtchen Wigtown hat eine bewegte Geschichte mit einigen Schließungen, Besitzerwechseln und Umbauten hinter sich. Vor einigen Jahren wurde sie nach einer produktionslosen Zeit vom Australier David Prior gekauft und wird derzeit entkernt und neu eingerichtet, um später im Jahr mit der eigenen Produktion wieder starten zu können. Bis man also eigenen Whisky verkaufen kann, werden noch ein paar Jahre ins Land gehen. So verkauft man aktuell drei Whiskys aus der Produktion der früheren Besitzer. Wir verkosten den Jüngsten, Samsara, offiziell ohne Altersangabe, aber wegen der Jahre ohne Produktion mindestens ca. 8 Jahre alt. Der Whisky wurde in kalifornischen Rotweinfässern sowie ehemaligen Bourbonfässern ausgebaut.

Nase: Gleich zuvorderst bekommt man typische, frische Bladnocharomen in die Nase: Zitrus, rote und grüne Äpfel sowie Banane. Gleich dahinter verbirgt sich jedoch mehr – der Einfluss der Rotweinfässer beginnt sich zu zeigen. Da sind Noten von leicht bitteren ausgepressten Traubenschalen, von säuerlichem, trockenem Wein, eine leichte Süße von Weingummi, aber auch alte Banane, grünes Gras, ein Tropfen Schweiß und Gewürze – Zimt und Nelken kommen in den Sinn. Ein Whisky mit zwei Seelen, die etwas gegeneinander ankämpfen – Wein gegen Spirituose.

Gaumen: Mal sehen, ob sich der erste Eindruck am Gaumen bestätigt!

Sehr voll im Antritt, mit einer unerwarteten Fruchtsüße, die sich mit den initialen Aromen von roten Äpfeln, Birnen und Zitrus mischt.

Gleich dahinter kommt das Weinfass in voller Stärke und mit einer Trockenheit daher: Trockene, ausgepresste Trauben, Apfelschale, süßer Weinmost, der gerade zu fermentieren beginnt, dazu Weingummi und vom Fass her rührende Gewürze im Hintergrund – Sternanis und Nelken. Der Weinfasseinfluss ist wirklich stark – und wie in der Nase reibt er sich etwas mit dem eher leichten, feinen, zurückhaltenden Destilleriecharakter.

Finish: Im Antritt ist das Finish sowohl fruchtig als auch trocken – der Einfluss des Weinfasses ist gewaltig. Die Aromen lassen schnell nach und hinterlassen den Geschmack von ausgepressten Trauben.

Alles in Allem: Unterm Strich kein schlechter Whisky, aber auch kein Überflieger. In den Grundzügen leicht, trocken und leicht fruchtig, sodass er perfekt zur aktuellen Hitze passt und gut trinkbar ist. Für meinen Geschmack sind die Weinfässer etwas zu viel und zu dominant, Spirit und Fasscharakter finden keine gemeinsame Harmonie. Sicherlich kein Whisky für jeden – aber das muss er ja auch nicht sein.

Klaus Doblmann
Maltklaus‘ Daily Drams

Seit 2016 verzichten wir in unseren Tasting Notes auf numerische Bewertungen und geben unseren Eindruck nur mehr über die Beschreibung wieder. Wir tragen damit unserem Gefühl Rechnung, dass man mit einem starren Punkteschema Vergleiche forciert, die den Whiskys nicht gerecht werden. PS: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind also kein richterliches Urteil, sondern unser persönlicher Eindruck.