Mittwoch, 25. November 2020, 12:00:32

Wir verkosten: Glencadam 15yo, 46%, OA

Beam 2020 Bowmore

Glencadam 15yo, 46%, Originalabfüllung
Verkoster: Klaus Doblmann
Whisky aus eigenen Beständen

Nase: Eine ganz brave, klassische Refill-Bourbon Nase. Zu Beginn Vanillepudding (nicht zu süß) mit etwas Zitrone. Damenparfüm, Kiwi, Ananas, Mango, Marille, Kokosnuss, Honig, Schlagobers (ungezuckert) und etwas Schulkreide. Sehr leicht und dezent aromatisch, keine dunklen Früchte oder gar Anklänge von Holz.

Gaumen: Am Gaumen schmeckt dieser Glencadam deutlich jünger als 15 Jahre, immer noch sehr frisch und jung (aber nicht metallisch). Wie man schon an der Nase erahnen konnte, sieht das nach nicht allzu aktiven Refill Ex-Bourbonfässern aus, was ja nicht unbedingt verkehrt sein muss. Es gibt durchaus auch einen Markt für dezentere Whiskys, die einen nicht mit Aromen überfordern. Eine ziemlich heftige Ladung Alkohol, Vanille, wiederum süßes Damenparfüm, aber ohne die tropischen Früchte von der Nase. Etwas Honig und dazu leicht bittere, grasige, salzig-trockene Komponenten. Etwas Wasser zügelt den Alkohol und bringt mehr Noten von Vanille und Apfel hervor.

Finish: Im mittellangen Abgang ist der Whisky genauso leicht wie Nase und Gaumen. Eine schöne anfängliche Süße, die dann trockeneren Noten von Kreide, Eiche und Malz weicht.

Alles in Allem: Unterm Strich ein ehrlicher, schön zu trinkender, leichter und nicht überfordernder Highlander. Als Pluspunkte sind definitiv die Abfüllung mit 46% Vol. und die nicht erfolgte Kühlfiltrierung zu erwähnen. Ein „Gut“.

Was man (nicht nur) an diesem Whisky merkt: Glencadam fehlen anscheinend etwas die richtig krachenden Fässer. Ich behaupte, dass die Vorbesitzer, Allied Domecq, Glencadam als Zulieferer für die Blends verwendet haben und sich deshalb viele Refill-Fässer in den Lagern tummeln, aus denen Angus Dundee, seit 2003 der unabhängige Besitzer, das Beste machen muss. Nicht umsonst sind gleich zwei Abfüllungen aus dem Standardsortiment, der 12- und der 14-jährige, in Port- bzw. Oloroso Sheryfässern nachgereift. Eine Destillerie wird kaum Standardabfüllungen nachreifen, wenn die Fässer es nicht nötig haben.

Aber, wie gesagt, das ist nun Spekulation meinerseits aufgrund des Geschmacksprofils dieses Whiskys und der Betrachtung der restlichen Standardproduktpalette. Es wird spannend sein, wie sich diese Abfüllungen ändern, wenn genügend gereifte Whiskys aus der Ära der neuen Besitzer verfügbar sind. Potential hat die Destillerie mit ihrem leichten, tropisch-fruchtigen Charakter allemal und auch dieser hier verkostete 15-Jährige ist durchaus einen Kauf wert, wenn man etwas Neues von den unabhängigen Destillerien sucht.

Glencadam 15

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!

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