Dienstag, 13. April 2021, 01:11:57

Wir verkosten: Glentauchers 8yo, 53.4% (A Dream of Scotland)

Ein Junger aus der Speyside - mit schönen Ecken und Kanten

Glentauchers 8yo – A Dream of Scotland

First Fill Oloroso Sherry Butt
53.4% Cask Strength, Single Cask
369 Flaschen
Sample: Marco Bonn/Brühler Whiskyhaus
Verkoster: Bernhard Rems

Nase: Es beginnt mit gedämpften Äpfeln, Johannisbeeren, Honignoten und Milchschokolade. Darüber liegt ein Duft wie von einem abgebrannten Feuerwerk, von einer Abriebfläche einer Zündholzschachtel. Etwas später taucht warmer, mit Alkohol getränkter Biskuitteig auf, wie der Boden einer Obsttorte. Dazu spürt man das leicht muffige eines Fasskellers, hinzukommend Anflüge von türkischem Honig.

Gaumen: Pfeffriger Antritt, saure Drops in Zuckerglasur. Holznoten, etwas Karamell und wieder dieser ein wenig dreckig/schwefelige Unterton. Herbe Zitronenschalen, Kakaonoten und später Milchschokolade und gebuttertes Popcorn. Mit Fortschreiten der Verkostung setzt sich schwere Süße durch.

Finish: Sehr dicht und für sein Alter sehr lang. In Schießpulver gerollte Honigfrüchte, hinten abtrocknend und herb, Kakaopulver und Schokoladetöne.

Alles in allem: Es gibt den höfischen Stand, der seinen Sherrywhisky aus Kristallgläsern nippt und sich danach die Lippen mit dem Spitzentüchlein abtupft, und es gibt den mürrischen, aber dennoch liebenswerten schottischen Landadel, der schon auch mal mit den sumpfverkrusteten Gummistiefeln übers Hirschfell vor dem Kamin steigt, während er Dir den Sherrywhisky aus dem Tonkrug nachschenkt. Bei dem ist man mit dem Glentauchers zu Gast. Im ersten Eindruck ist er ein ruppiger Geselle, aber gib ihm und Dir Zeit, dann beginnst Du hinter dem Odeur von Schwarzpulver seine liebenswerte Verquertheit zu entdecken. Je länger der Whisky nämlich im Glas ist, desto weichere und üppigere Züge zeigt er zusätzlich zum „schmutzigen“ Unterton. Und diese Melange kann man sehr mögen. Muss man nicht, aber kann man. Sehr.

Seit 2016 verzichten wir in unseren Tasting Notes auf numerische Bewertungen und geben unseren Eindruck nur mehr über die Beschreibung wieder. Wir tragen damit unserem Gefühl Rechnung, dass man mit einem starren Punkteschema Vergleiche forciert, die den Whiskys nicht gerecht werden. PS: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind also kein richterliches Urteil, sondern unser persönlicher Eindruck.

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