[alert type=white]Miltonduff 7yo, 60.3%, C&S Dram Collection
Hogshead, 211 Flaschen

destilliert: 5.3.2008
abgefüllt: 10.8.2015
nicht gefärbt , nicht kühlfiltriert
Sample: Caminneci Wine & Spirit Partner 
Verkoster: Reinhard Pohorec[/alert]

Gegen Ende des Jahres 2015 holen ein paar zusammengekratzte Zahlen von stolzer alkoholischer Gesamtausbringungsmenge jenseits der Millionengrenze niemanden mehr hinterm Kamin hervor. In einer Zeit der Kapazitätsaufstockung, Ausbauten, Umbauten, Zubauten und Neueröffnungen, fließt der destillierte Gerstensaft in rauen Mengen.

Miltonduff Distillery im Herzen der Speyside darf dennoch zweifellos als fleißiges Arbeitspferdchen beschrieben werden – kein Wunder, füttert man hieraus doch unter anderem die nicht ganz unbedeutende Weltmarke Ballantine’s des ebenso nicht unbekannten Corporate Multinationals Pernod Ricard.

Immer wieder einmal stößt man auf unabhängige Abfüllungen unter dem ureigenen Destillerie-Namen, wenngleich diese Ausprägungen rar sind – in diesem Falle als Jungspund in ehrgeiziger Fassstärke.

Nase: Schmeichelhaft lullen einen die ersten Wellen von Schokolade, cremig zarter Marille und röstig-sämiger Vanillecreme ein, süßlich galant ist der Duft, dann grünliche Einsprengsel, Getreide von frisch saftigem Charakter, Quitte, rohe Erdäpfel, Sandelholz und Rosen, etwas Earl Grey umkleidet die Erinnerungen an Obstbrand, Williams und Pfirsich, auch ein Zuckerl und Kaugummi Ton ist im Mix, Hubba Bubba, Banoffee Pie und unreife Erdbeeren, sehr frisch, sehr hell, glockenklar

Gaumen: Analog der Eindruck des ersten Schluckes, saftiger Zug, fesselnd prickelnde Jungendlichkeit, grünlich, Teeblatt, English Breakfast, auch die Adstringenz eines zu lange gezogenen Grüntees, Kardamom, Quittengelee, gesalzene Butter, unreife Melone, grüner Apfel und Zitrusfrische, dahinter dann eine süßlich wärmende Note, das Spiel aus Karamell und Alkohol, wieder Obstbrand, Marille ist ganz vorne mit dabei, Mürbeteig, Butterstreusel umhüllt von Vanillesauce, Blockmalz und trockenblättrig-stängelige Würze

Finish: Anhaltend, schmeichlerisch-verführerisch weich, grünlich und die bisherige Signatur noch einmal unterstreichend, es kommt wenig Neues ins Spiel, more of the same und ein süßlich sowie grünlicher Ausklang, harmonisch trotz der Kraft, insgesamt frisch und von mittlerer Länge

Alles in allem: Schließt man die Augen und geht gänzlich unvoreingenommen ans Glas, könnte man stundenlang in der Welt- und Spirituosengeschichte herumraten. Ein kraftvoller Steinobst-Brand würde da genauso passend daher schimmern wie ein dezent kerniges Getreidedestillat, die Spuren der Reife sind sehr hintergründig. Das Fass hat in den sieben Jahren wenig Charakter beisteuern können, lediglich leise Oxidationsnoten und eine Harmonisierung sind auszunehmen. Körnig, mit Biss und etwas Gerbstoff am Gaumen zeigt sich der Miltonduff, frische Würze, cremige Süße, ein spannendes Ensemble wenngleich doch Vielfalt und etwas Typizität abgehen. Von uns ein „Gut“.

Mit den besten Spirits,
Reinhard Pohorec

miltonduff_7_jahre

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!