Samstag, 17. April 2021, 07:39:02

Wir verkosten: Prometheus, 26yo, 47%

Um den Prometheus, einen 26jährigen rauchigen Speysider aus einer nicht genannten Destillerie, wurde schon vor seinem Erscheinen sehr viel Aufhebens und PR-Arbeit gemacht. Der Abfüller, die Glasgow Distillery Company, präsentiert ihn gemeinsam mit dem deutschen Distributor A Wee Taste of Scotland erstmals auf der Hanse Spirit an diesem Wochenende – und gibt in drei Tastings dort dem Publikum die Möglichkeit, den exklusiven Whisky aus First Fill Sherry Casks live zu verkosten.

Es handelt sich beim Prometheus übrigens um keine Einzelfassabfüllung – dass später einmal noch länger gereifte Batches am Markt erscheinen werden, scheint eine Passage in der englischsprachigen Pressemitteilung anzudeuten. Der Preis des Prometheus wird neuesten Informationen nach um die 600 Euro liegen.

Wir haben bei Whiskyexperts ein Sample des Prometheus erhalten und damit die Möglichkeit, ihnen unsere Geschmackseindrücke zu diesem Whisky bereits vor dem offiziellen Erscheinen vorzustellen. Verkostet hat ihn unser Redakteur Bernhard Rems.

Promethus_small1

Prometheus
Speyside Single Malt, 26yo, 47%
First Fill Sherry Cask
Verkoster: Bernhard Rems
Sample: The Glasgow Distillery/A Wee Taste of Scotland

Nase: Zuerst, nach dem Einschenken, ist der Prometheus in der Nase verschlossen und zurückhaltend. Orangennoten von Fruchtfleisch und Schale findet man, und sehr dezenten Rauch. Der Prometheus braucht 20-30 Minuten im Glas, bevor er seine Zurückhaltung aufgibt. Dann belohnt er mit einem wunderschön ausbalancierten Bouquet aus Frucht, Heidekraut und deutlicher werdendem, sehr luftigem Rauch – wie von Dampflokomotiven. Die zarte Frische von Lauch ist dazugemengt, eine malzige Süße ebenso. Der Alkohol hält sich im Hintergrund, der Gesamteindruck bleibt weich und für die 26 Jahre unbeschwert. Anregend unlangweilig!

Gaumen: Cremig, aber dabei nicht ölig, komplex, aber nicht laut und brachial – am Gaumen tanzen rote Beeren mit dem Prickeln von Ingwer, Kaffeenoten wie aus einem Schweizer Eiskaffee, Milchschokolade und kandierte Orangenscheiben. Anfänglich kommt er pfeffrig, dann wird nach einiger Zeit die Vanille dominanter, Röstaromen und etwas Säuerliches wie von Stachelbeeren mengen sich dazu. Der Rauch tritt hier am Gaumen sehr in den Hintergrund, aber er ist immer leise da. Keine Sherrybombe, keine Rauchbombe, aber deswegen nicht weniger, sondern mehr.

Finish: Milchkaffee mit Vanilleeis, so beginnt das, und mit etwas Frucht und spürbarem Rauch geht es weiter, und zwar lange, sehr lange, sehr, sehr lange. Ein beeindruckendes Finish, für mich völlig ohne Holzton, dafür mit der Süße von Toffee und einem cremigen Film, der sich über den Gaumen und sogar die Lippen legt. Habe ich schon gesagt, dass das Finish sehr, sehr lange ist?

Alles in allem: Beeindruckend ist der Prometheus, und zwar vor allem durch seine Subtilität. Vergleicht man ihn zum Beispiel mit getorften Benriachs gleichen Alters, so wirkt der Prometheus fast filigran, aber dabei nicht einfacher oder flacher. Vielleicht beschreibt eine gewisse Femininität seinen Charakter recht treffend, vielleicht hätte man ihm einen weiblichen mythologischen Namen geben sollen, um ihm gerecht zu werden. Jedenfalls ein Whisky, mit dem man sich beschäftigen muss; einer, der gleichzeitig den Genießer beschäftigt mit seiner Vielschichtigkeit. Er verdient ein „Spitzenklasse“.

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!

2 KOMMENTARE

  1. Just tasted this today at Hanse Spirit and my friends and I are blown away by it – cannot wait until this comes on the market next month! But 600€ a bottle? Without a doubt it is well worth it. We tried The Dalmore 25 years today too – and Prometheus stands above it in finish. We are still not sure who the original distiller is but they sure know what they are doing. When I think about The Dalmore 25 costing around 700€ a bottle – I would say that Prometheus is easily worth at least that and after having tasted it I would gladly pay 900€ or more. An amazing whisky and my rating would need to be 4,85. So excited about other bottles coming from the Glasgow Distillery too and so refreshing to speak directly with the distillery owner, their head distiller and the owners of the import company too. With David Robertson involved in their new spirits I really have great expectations from these guys. Awesome Sunday.

  2. Thanks for your feedback. It’s interesting for us to hear what others think of a whisky we tasted for our audience. We were not touching the subject of price on purpose, since this is not only influenced by quality in this price range, but rarity has to be taken into account as well.

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