Dienstag, 22. September 2020, 02:59:00

Exklusiv: Interview mit Stephanie MacLeod, Master Blenderin bei Aberfeldy

Ein Gespräch zu ihrem Werdegang, der Brennerei und wie neue Whiskys entstehen

Wee Beastie AUT

Die Destillerie Aberfeldy in der Highland-Region Schottlands blickt auf eine über hundertjährige Tradition zurück. Gegründet 1896 von den Brüdern John und Tommy Dewar, gehört sie seit 1998 zum Bacardi-Konzern, ebenso wie die Brennereien Craigellachie und Aultmore.

Aberfeldy kennt man vor allem durch die Standardabfüllungen mit einem Alter von 12, 16 und 21 Jahren, vor kurzem kamen aber drei neue Abfüllungen in der Serie der „exceptional casks“ in den Handel – allesamt erschaffen von Master Blenderin Stephanie MacLeod. Wie so viele Master Blender hat sie einen wissenschaftlichen Hintergrund – und ein besonderes Talent, das ganz unabhängig davon wohl vorhanden sein muss, wenn man sich in den Bereichen der Sensorik bewegt.

Wir wollten mehr über Stephanie MacLeod und ihre Arbeit wissen und haben bei Aberfeldy um ein schriftliches Interview mit ihr gebeten. Finden Sie nachfolgend unsere Fragen und ihre Antworten zu ihrem Leben, der Brennerei und den Whiskys von dort.


Whiskyexperts: Stephanie MacLeod, gab es in Ihrem Leben einen Punkt als Sie entschieden: Ich will in die Whiskyindustrie einsteigen – oder ist Ihnen das einfach “passiert”?

Stephanie MacLeod: Mein erster Job nach dem Studium war in der Softdrink-Industrie. Ich hatte noch nicht einmal mein erstes Jahr abgeschlossen, als mein ehemaliger Projektleiter von der Universität Strathclyde mich fragte, ob ich mich seiner Gruppe als Forschungswissenschaftlerin anschließen und unter anderem dort die Lehre des schottischen Whiskys studieren möchte. Ich wusste zuerst gar nichts über Whisky. Mir war gar nicht klar, dass ich Whisky mochte, bis ich begann, die Komplexität dieser Spirituose zu erleben. Mich faszinierte die Art und Weise, wie Whisky mit den Sinnen spielt und die Vielzahl von Faktoren, die den Geschmack beeinflussen.  Von da an war ich Feuer & Flamme und es gab kein Zurück mehr.

Whiskyexperts: Wie wird man eigentlich Master Blender? Welchen Werdegang hatten Sie bis zu Ihrer momentanen Position bei Aberfeldy?

Stephanie MacLeod: Es gibt keinen vorgeschriebenen Weg, um Master Blender zu werden – meine Karriere in der Kategorie des schottischen Whiskys begann als Mitarbeiterin an der Universität von Strathclyde, bevor ich begann bei der Destillerie Dewar’s zu arbeiten. Nach etwa einem Jahr begann ich unser erstes Sensorik-Panel zu erstellen – jeder Bestandteil von Dewar’s Whisky wird gerochen und verkostet, um sicherzustellen, dass dieser von höchster Qualität ist. Kurz darauf folgte die Frage, ob ich eine Ausbildung zum Master Blender in Betracht ziehen würde, um die Nachfolge des damaligen Master Blenders anzutreten. Natürlich musste ich keine Sekunde überlegen, dieses Angebot anzunehmen. Im Jahr 2006 wurde ich dann zum Master Blender ernannt.

Whiskyexperts: Ist das ein Beruf, den man erlernen kann oder haben Sie „unerlernbare“ Fähigkeiten, die Sie zu einem guten Blender machen? Oder anders gefragt: Ist es ein Handwerk oder eine Kunst?

Stephanie MacLeod: Die Fähigkeit des Blendens ist ein Gleichgewicht zwischen Kunst und Wissenschaft, welche in höchster Perfektion beherrscht werden muss. Es ist unheimlich wichtig, dass das Wissen über die Generation hinweg weitergegeben wird, aber jeder Master Blender muss auch seine eigenen Erfahrungen sammeln, um seine persönliche Note beifügen zu können.

Whiskyexperts: Kommen wir nun zu Aberfeldy: Wenn Sie den Whisky von Aberfeldy als Person beschreiben müssten, wie würden Sie ihn charakterisieren?

Stephanie MacLeod: Der Charakter von Aberfeldy als junge Spirituose ist fruchtig, grasig und getreidelastig. Beim fortlaufenden Reifeprozess treten Noten von Honig und Heidekraut auf. Spannend ist natürlich, dass der Whisky mit zunehmendem Altem immer mehr den Eichencharakter der Fässer annimmt.

Whiskyexperts: Wie erzeugt man diesen Charakter? Gibt es etwas Spezielles an der Ausstattung von Aberfeldy, und was ist sonst noch daran beteiligt?

Stephanie MacLeod: Der Charakter von Aberfeldy wird durch eine Reihe von verschiedenen Faktoren geprägt, wie der relativ langen Gärung und des erhöhten Kupferkontaktes. Auch die Fässer, die wir für die Reifung verwenden, sind unglaublich wichtig. Wir reifen mit Bourbon-, Sherry-und Refill-Fässern, welche den Geschmack des Whiskys maßgeblich beeinflussen.

Whiskyexperts: Wie erschaffen Sie einen neuen Whisky? Bittet man Sie, ein spezielles Geschmacksprofil zu erstellen oder schlagen Sie etwas selbst vor, weil Sie es für eine passende Ergänzung des Angebotes halten? 

Stephanie MacLeod: Die Herstellung eines neuen Whiskys erfordert ein klares Verständnis des Reifeprozesses, des Charakters der Spirituose und der benötigten Menge – die Anforderung kommt normalerweise von unseren Whiskytrinkern auf der ganzen Welt, aber auch durch Vorschläge von mir und meinem Team.

Whiskyexperts: Wie lange dauert es von der ersten Idee bis zu einem Geschmacksmuster?

Stephanie MacLeod: Das hängt grundsätzlich vom Produkt ab, welches in der Planung ist. Aber in der Regel habe ich ein paar Monate Zeit, um erste Testversionen der Blends zu entwickeln. 

Whiskyexperts: Momentan sehen wir eine Menge von verschiedenen Finishes von verschiedenen Destillerien. Was halten Sie davon? Haben Sie Sorge, dass die Vielfalt die Individualität zerstört (in Bezug auf Destilleriecharakter, regionalem Charakter) oder braucht die Industrie diese Vielfalt?

Stephanie MacLeod: Die verschiedenen Destillerien mit ihren unterschiedlichen Fassausführungen bereichern den gesamtem Markt und zeigen die verschiedenen Facetten dieser spannenden und außergewöhnlichen Spirituose. Der Zweck der Veredelung ist es, das grundgegebene Geschmacksprofil des Whiskys zu ergänzen und nicht zu dominieren. Daher sind die Veredelungen aus den diversen Häusern eine wichtige Methode, um den jeweiligen Charakter der Brennerei darzustellen.

Whiskyexperts: Abschließend: Was sind Ihre Gedanken zu den Chancen und Risiken bei Whisky und den Herstellern in den kommenden Jahren?

Stephanie MacLeod: Die Zukunft ist für schottischen Whisky überaus vielversprechend. Vorausgesetzt, wir halten ihn für unsere bestehenden und zukünftigen Whisky-Liebhaber interessant und relevant. Das planen wir mit außergewöhnlichen Fasskreationen, die wir immer wieder auf dem Markt etablieren möchten. Ein gutes Beispiel hierfür ist der 15 Jahre gereifte Aberfeldy, der in Rotweinfässern aus Pomerol gelagert wird und so ein exquisites Finish erlangt.

Whiskyexperts: Stephanie MacLeod, herzlichen Dank für dieses Interview.

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