In der deutschen Whiskyszene gibt es kaum jemanden, der mehr über die Chemie des Whiskys weiß als „Whiskyprofessor“ Dr. Heinz Weinberger. Viele kennen ihn noch aus seiner Zeit bei St. Kilian, wo er unter anderem im Rahmen der Live-Tastings chemische Vorgänge bei der Reifung und im Zusammenhang mit Whiskyaromen einfach und unterhaltsam erklärte.
Und weil Whisky seine Leidenschaft ist, tut er das nach dem Abgang bei St. Kilian weiter: Bei Facebook – und nun auch bei uns auf Whiskyexperts, wo wir unter anderem seine Erklär-Postings in lockere Abfolge an Wochenenden wiedergeben wollen.
Diesmal beschäftigt sich der Artikel mit den „Legs“, die ein Whisky im Inneren des Glases entwickelt, wenn man ihn schwenkt und dann ablaufen lässt. Wie sie entstehen und was man aus ihnen lesen kann, erklärt der nachfolgende Artikel.
Hier ist noch der Link zu den ersten beiden Artikeln, falls Sie die versäumt haben:
Whisky & Chemie – Ein Blick hinter die Aromen (Folge 1): „Der Alkohol ist gut eingebunden.“
Whisky & Chemie – Ein Blick hinter die Aromen (Folge 2): „Warum Ardbeg rauchig UND fruchtig ist“
| Gastartikel | Autor: Dr. Heinz Weinberger |
Whisky & Chemie – Ein Blick hinter die Aromen
„Dieser Whisky hat Legs.“
Ein Satz, der bei Tastings gerne fällt – meist mit einem wissenden Blick auf die Schlieren, die langsam an der Glasinnenwand herabgleiten. Aber was steckt eigentlich dahinter?
Die Antwort heißt Marangoni-Effekt – benannt nach dem italienischen Physiker Carlo Marangoni, der dieses Phänomen bereits 1865 bei Wein untersuchte.

Das Prinzip: Ethanol verdunstet schneller als Wasser. Dort, wo Alkohol aus dem dünnen Flüssigkeitsfilm entweicht, steigt die Oberflächenspannung des verbleibenden Wassers. Die Flüssigkeit zieht sich zusammen, wandert an der Glaswand nach oben – und bildet schließlich jene charakteristischen Tropfen, die langsam wieder herablaufen.
Aber sagen Legs wirklich etwas über die Qualität eines Whiskys aus?
Nicht direkt. Sie geben eher Hinweise auf Viskosität, Alkoholgehalt und den Anteil schwerflüchtiger Aroma- und Extraktstoffe aus Destillation und Fassreifung. Breite, langsam laufende Tropfen wirken oft wie ein Hinweis auf einen gehaltvolleren, mundfüllenderen Whisky. Dünne, schnelle Legs deuten eher auf einen leichteren Stil hin.
(Bild: KI-generierte Illustration)















