Gleich in Keith in der Speyside findet sich die Destillerie Strathmill, die zu Diageo-Konzern gehört und seit 1891 in relativ überschaubaren Mengen Whisky produziert. Das Meiste wandert in Blends, erst ab 1993 finden wir eigene Single Malt Abfüllungen, aber die Originalabfüllungen lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Von Unabhängigen allerdings gibt es mittlerweile gut und gerne 140 verschiedene Strathmill-Abfüllungen – und eine davon hat unser Autor Bernhard Rems jetzt verkostet. Es handelt sich um die 23jährige Strathmill-Abfüllung des österreichischen Abfüllers Single Cask Collection, die mit 51,3% aus dem Sherry Butt abgefüllt wurde. 470 Flaschen davon gingen an Single Cask Collection, weitere 60 wurden als Clubflaschen für Munich Spirits abgefüllt, und zwar im Juli des vorigen Jahres. Die SCC-Abfüllung ist in deren Webshop noch erhältlich.

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Nase: Ganz ausgezeichnet, was einem da in die Nase steigt: für mich war da zuerst der Eindruck von warmen Rhabarber-Kompott oder Ananas-Erdbeeren, die mit Puderzucker bestreut und einem Spritzer Zitronensaft abgeschmeckt wurden. Dann ist da etwas Mandarine dahinter und diese generelle Sherry-Süße und -fruchtigkeit. Dann findet man Vanille in Spuren, etwas Apfel und ein Kirsch-Campino. Sehr weich und füllig kommt dieser Whisky in der Nase daher, eine wirkliche Freude, die einem gespannt macht auf das, was der Gaumen zu bieten hat.

Gaumen: Leicht ölig, als wäre etwas Honig in den Whisky gemischt, man hat Schokolade, etwas Pflaume (oder Zwetschge, wie der Österreicher sagt), Vanille, und dann Ingwer und Zitronenzeste. Diese würzigen Noten werden dann immer lauter, und zwar so laut, dass die Süße und Fruchtigkeit eigentlich keine Chance mehr dagegen haben. Wer das mag, ist damit gut bedient, aber ich persönlich finde den Alkohol und mit ihm die Würze und Schärfe zu aufdringlich, besonders nach der feinen Nase, die dieser Whisky bereithält. Er braucht einige Tropfen Wasser – und ich würde dazu raten – für die fruchtigen Noten, die er bietet.

Finish: Mittellang im Abgang, ohne Wasser ist der Alkohol immer noch sehr dominant. Ein Geschmack nach Traubenschalen bleibt am Zungenrand, wieder etwas Erdbeere und nach hinten dann zum ersten Mal etwas Holz.

Alles in allem: Die Nase ist ein Versprechen, das am Gaumen und im Abgang nicht ganz eingelöst werden kann. Für uns genau an der Grenze zwischen Sehr Gut und Gut: Ein paar Tropfen Wasser machen hier den Unterschied und bringen die Fruchtigkeit heraus, die ihm das Sehr Gut verleihen.

 


Über unser Ratingsystem:

Wir vergeben 0-5 Sterne in drei Kategorien: Nase, Gaumen, Finish

Die Gesamtnote ergibt sich aus dem Mittelwert dieser drei Kategorien. Unsere Skala geht von 0-5 Sternen und ist nicht mit dem Wertungssystem xx/100 vergleichbar. Sie kann so interpretiert werden:

0-1 Stern: Furchtbar. Nur äußerlich anwenden.

1-2 Sterne: Enttäuschend. Aber vielleicht kann man damit die Gäste zum Gehen bringen.

2-3 Sterne: Geht so. Kann man trinken. Muss aber nicht.

3-4 Sterne: Gut. Macht man gerne immer wieder mal auf.

4-5 Sterne: Sehr gut. Daumen hoch. Ab 4.5 Sternen: Spitzenklasse. Vor diesem Whisky verbeugt man sich.

Wichtig: Wir haben Geschmack. Unseren. Nicht Ihren. Unsere Verkostungsnotizen sind kein richterliches Urteil. Darum haben wir bei unseren  Reviews auch die Möglichkeit vorgesehen, dass unsere Leser selbst werten können. Machen Sie Gebrauch davon, falls Sie den Whisky schon probiert haben!

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