Wer gemeint hat, dass die Whiskypreise bei Auktionen langsam an die Decke stoßen sollten, der wird durch einen neuen Verkaufsrekord eines Besseren belehrt und muss konstatieren, dass das Potential nach oben noch nicht wirklich ausgereizt zu sein scheint.
Zumindest gilt das für den Black Bowmore 1964 2nd Edition, der bereits im Jahr 2017 mit 9500 Pfund für eine Flasche einen Rekorderlös erzielte. 2000 Flaschen davon sind auf dem Markt, und wer sie damals, Mitte der Neunziger kaufte, musste (bitte festhalten) dafür gerade einmal 80 Pfund auf den Tisch legen.
Jetzt kam wieder einmal eine Flasche unter den Hammer, und zwar bei Whisky Auctioneer in Perth. Ein nicht näher genannter Investor/Sammler aus den USA ersteigerte die Flasche um 11900 Pfund – 2400 Pfund höher als der bisherige Rekord.
The Spirits Business listet noch ein paar andere Höchstgebote aus der Auktion auf, und man kommt nicht umhin, leicht zu schlucken, wenn man sie liest: Ein 41jähriger Single Cask Clynelish aus dem Jahr 1973 erzielte 6100 Pfund, ein Port Ellen 1981 Fèis Ile 2008 4600 Pfund, der Macallan Private Eye 3700 Pfund, und ein 27jähriger Laphroaig 1980 konnte 3000 Pfund erlösen.
Liebe Leser, was war eigentlich der teuerste Whisky, den Sie sich gekauft haben? Sagen Sie es uns unten über die Kommentarfunktion – wir sind gespannt 🙂
Eine spätere Ausgabe des Black Bowmore – diese stammt aus dem letzten verfügbaren Fass.
Bevor Amrut als Schöpfer des Indian Single Malts im Blickfeld der europäischen Whisky-Connoisseure erschien, betätigte sich die in Bangalore ansässige Firma hauptsächlich auf dem heimischen Markt. Schon kurz nach der Gründung 1947 war Amrut in der Produktion von sogenannten Indian Made Foreign Liquors (IMFL) tätig.
Kleiner Exkurs: Die Basis eines Indian Made Foreign Liquor ist Neutralalkohol, welcher durch Zusatz von Aromen veredelt wird. Bei indischem Blended Whisky wird dem Neutralalkohol, welcher meist aus Melasse gewonnen wird, Malt Whisky beigefügt. Je höher dieser Anteil, desto hochwertiger der indische Blended Whisky.
Produzierte Amrut vorher nur Neutralalkohol, begann man dort in den 60ern mit der Destillation und Herstellung eigenen Rums, in den 70ern kam dann auch Brandy dazu. Aus Sicht eines Destillateurs sind die Unterschiede zwischen Brandy, Rum und Whisky in der Produktion nur marginal. So begann Amrut auch zu Beginn der 80er Jahre, Whisky für den indischen Markt zu produzieren. Den dafür benötigten Single Malt destillierte Amrut selber, mit MaQintosh, Three Aces und Prestige ist man mit drei Whisky-Marken auf dem heimischen Markt vertreten.
Von der Qualität des eigenen, selbst produzierten Single Malt Whiskys war (und ist) man bei Amrut sehr überzeugt. Anfang des neuen Jahrtausends wollte man prüfen, da Single Malt zu diesem Zeitpunkt in Indien keinen Markt hatte, ob Amruts Single Malt in Europa einen Markt finden kann. In Schottland organisierte man unterschiedliche Tastings und führte einem „blinden“ Publikum den eigenen Indian Single Malt vor. Das dortige Tasting-Publikum war von der Qualität dieser Whiskys überzeugt, Amruts Single Malt wurde für einen Whisky aus der schottischen Region Speyside gehalten. Der Beginn von Amruts Single Malt kam dann 2004, im Glasgower Restaurant Cafe India wurde Amrut Indian Single Malt erst auf dem britischen und danach dann auch auf dem europäischen Markt eingeführt.
Die Gerste des bei Amrut verwendeten ungetorften Malzes wird im Norden Indiens angebaut. In Ermangelung indischen Torfs greift Amrut für ihre rauchigen Whiskys auf getorftes Gerstenmalz aus Schottland zurück und importiert dieses. Amruts Single Malts sind weder gefärbt noch kühlgefiltert (bis auf eine Ausnahme) und haben in der Regel keine Altersangabe. Wer sich die besonderen Bedingungen der Reifung in Indien anschaut, kann dies auch nachvollziehen. Die klimatischen Bedingungen mit ihren deutlich höheren Temperaturen in Süd-Indien führen zu einem beschleunigten Reifeprozess, allerdings auch zu einem höheren Angels‘ Share. Benötigt im deutlich kühleren Schottland ein Single Malt vielleicht zehn bis zwölf Jahre, um eine gewisse notwendige Reife im Fass zu erreichen, kommt man in Indien ungefähr mit der Hälfte der Zeit aus. Für den Durchschnitts-Whisky-Käufer ist das Alter ein vermeintliches Qualitätsmerkmal, einer Altersangabe bei Amruts Single Malts müsste daher eine längere Erläuterung der Wechselwirkungen Fass-Klima-Zeit beigefügt werden, um beim Thema Alter einen fairen Vergleich zu ermöglichen.
Im Rahmen unserer Destillerie-Führung hatten wir die einmalige Gelegenheit, uns vor Ort in einem kurzen Tasting einen Überblick über die unterschiedlichen Abfüllungen für den europäischen Markt aus dem Hause Amrut zu verschaffen.
Ungefiltert, mit seiner natürlichen Farbe und kräftigen 46 % Vol. abgefüllt – mit seinen Basis-Abfüllungen Indian Single Malt Whisky und Peated Indian Single Malt Whisky trifft Amrut den Nerv der westlichen Whisky-Liebhaber. In seiner ungetorften Version bietet uns Amrut viel kräftige Frucht und viel Reife. Bei der rauchig-torfigen Variante, welche in Batches abgefüllt wird, kommen rauchige Aromen hinzu und lassen ihn ein wenig trockener werden. Beiden gemein ist eine sehr hohe Präsenz, es sind keine zarten, verhaltenen Whiskys, sondern zeigen sich und ihre Aromen sehr deutlich. Diese Deutlichkeit nimmt bei den jeweiligen Cask Strength Abfüllungen natürlich noch zu. Mit über 60 % Vol. möchten sie manchmal mit Wasser ein wenig gebändigt werden.
Amrut Fusion, abgefüllt mit 50 % Vol., ist deutlich mehr als die Summe von ungetorften und getorften Amrut Single Malts. Hervorragend ausbalanciert, sehr dicht und mit hoher Komplexität, vollziehen die Aromen – exotische Früchte, deutliche Süße, Vanillie und Holz – ein feines Wechselspiel und werden durch hintergründigen Rauch ergänzt, welcher diesen Whisky leicht trocken werden lässt.
Amrut’s Limited Editions
Neben ihrer Core Range bietet Amrut des weiteren einige limitierte Abfüllungen an.
Amrut Raj Igala
Mit dem „König der Adler“ bieten die Amrut Destillers einen preisgünstigen Einstieg in die Indian Single Malts. Wo manch andere neu geschaffene Einstiegs-Abfüllung für ein breiteres Publikum dazu neigte, den eigenen Brennerei-Charakter zu verschleiern, finden wir beim Raj Igala eine ähnliche Präsenz seiner Aromen und Reife wie schon bei der Core Range. Abgefüllt mit 40 % Vol. und hier ausnahmsweise mal kühlgefiltert, ist er für ein breiteres Publikum zugänglich.
Amrut Naarangi
Naarangi ist Hindi und heißt Orange. Für diesen Whisky lagerten Orangenschalen für drei Jahre in ehemaligen Sherryfässern. Danach befüllte man diese Fässer mit dreijährigem Single Malt. Dieser Whisky durfte nun weitere drei Jahre reifen und wurde mit 50 % Vol. abgefüllt. Wie zu erwarten finden wir hier deutliche Orangen-Noten, dazu haben die Ex-Sherry-Casks auch ihren Einfluss hinterlassen. Schokolade und Würze ergänzen die fruchtigen Komponenten zu einem sehr dichten Whisky.
Amrut Intermediate Sherry Amrut Portonova
Die schnelle Reifung des Whiskys in Süd-Indien erfordert eine besondere Aufmerksamkeit beim Einsatz von Fässern, deren Einfluss recht schnell zu dominant werden kann. So ist der Intermediate Sherry kein rein in Sherry-Fässern gelagerter Whisky. Vor seiner Reifezeit in Ex-Oloroso Fässern lagerte er in, unter anderem, früheren Bourbon-Fässern, um auch in solche wieder gefüllt zu werden.
Ein ähnliches Fasskonzept finden wir beim Amrut Portonova, nur dass hier natürlich ehemalige Portfässer ihren Einsatz finden. Gemeinsam ist beiden, dass neben den prägenden Aromen der Oloroso- bzw. Portfässer die ebenfalls noch eingesetzten Fässer einen sehr dichten und vielschichtigen Whisky schaffen. Beide Abfüllungen kommen in Fassstärke (Intermediate Sherry 57,1 % Vol. bzw. Portonova 62,1 % Vol.) und laden zum Spiel mit einer Wasserbeigabe ein.
Amrut Spectrum
Die eigene Küferei (in diesem Beitrag können Sie die Wiederaufbereitung eines Fasses bei Amrut sehen) ermöglicht Amrut, ganz eigene Fässer zu bauen und diese dann für die Whisky-Reifung einzusetzen. So beim Spectrum: hier wurden Dauben vier unterschiedlicher Fass-Arten verwendet. Für ein Fass verwendete man Dauben aus neuer Amerikanischer Eiche und neuer Französischer Eiche sowie Dauben aus Ex-Oloroso- und Ex-PX Sherry Fässern. Viel dunkle Frucht, viel dunkle Schokolade und viel Nuss, ergänzt durch viele Gewürze. Abgefüllt mit 50 % Vol. in unterschiedlichen Batches mit einer übersichtlichen Flaschenanzahl (beim aktuellen Batch 04 sind es 1.800 Flaschen) ist diese Abfüllung nicht ganz günstig.
Die Ortsbezeichnung der Überschrift ist bewusst weiter gewählt als nur Schottland, denn der Boom bei den Brennereien ist kein schottisches Phänomen, sondern quer über das Vereinigte Königreich beobachtbar. The Scotsman hat dazu ein paar Zahlen veröffentlicht, die von der WSTA (Wine and Spirit Trade Association) stammen und sehr schön verdeutlichen, wie sehr das Segment wächst und gedeiht.
Die Zahl der Destillerien in Schottland ist seit 2010 um zwei Drittel gewachsen, von 90 auf 149. Natürlich sind dies nicht alles Whiskybrennereien – Gin hat einen erklecklichen Anteil daran. Ca. 95 Ginmarken soll es in UK geben, der Umsatz stieg in einem Jahr von 40 auf 47 Millionen Flaschen.
Südlich der schottischen Grenze werden es ebenfalls, und das können Sie auch an unserer Berichterstattung sehen, immer mehr Brennereien. 172% mehr seit 2010, um genau zu sein. 199 neue Destillerien sind da seit 2010 hinzugekommen. England ist dabei Spitzenreiter, dort stieg die Zahl von 23 auf 135. Auch hier sind es vor allem Gin-Destillerien, aber auch Whisky wird vermehrt in England und Wales produziert (unsere Berichterstattung zu Whisky in England ist hier übersichtlich zusammengefasst).
Eine Zahl, die zeigt, dass auch Whisky auf der Insel boomt: Die Zahl der Scotch-Marken, die dort verkauft wurden, stieg von 119 im Jahr 2010 auf 246 im Vorjahr, schreibt The Scotsman im Artikel.
Unser Titelbild zeigt die Cotswolds-Distillery in England, die im Vorjahr ihren ersten dreijährigen Whisky auf den Markt gebracht hat und eine der neuen englischen Brennereien ist.
Aberfeldy in den Highlands ist eine Destillerie, die unter Umständen überproportional in Sammlungen vertreten sein könnte; ist sie doch die erste in einer alphabetischen Liste der schottischen Whiskybrennereien und vor allem beginnende Sammler trachten zunächst einmal danach, die Liste der Destillerien zu vervollständigen.
Ansonsten aber tritt Aberfeldy nicht sehr groß in Erscheinung, auch wenn das vor einiger Zeit erfolgte Redesign der Verpackungen für etwas mehr Aufmerksamkeit in den Regalen gesorgt haben dürfte. Und Aufmerksamkeit verdienen die Whiskys von dort allemal.
Serge Valentin hat heute zwei davon verkostet, einmal eine Abfüllung von Gordon & MacPhail aus der Connoisseur’s Choice Serie, und einen in der Destillerie abgefüllten Aberfeldy, der allerdings nicht für unsere Gegend, sondern für China bestimmt war. Hier die Bewertungen dazu:
Aberfeldy 2003/2017 (46%, Gordon & MacPhail, Connoisseur’s Choice): 83 Punkte
Aberfeldy 33 yo 1983/2016 (52.4%, OB, Exceptional Cask Series, for China, Marsala finish, 588 bottles): 87 Punkte
Und wie üblich illustrieren wir unseren Artikel wieder mit einem Bild der Brennerei, diesmal eines mit einem herbstlichen Motiv:
In diesem Artikel geht es ausnahmsweise mal mehr um Geld als um Whisk(e)y – aber wir finden die Infos, die man bei der NZZ unter dem Titel „Amerikanischer Whiskey hält Anleger im Rausch“ finden kann, berichtens- und überdenkenswert.
Aber der Reihe nach: Die NZZ berichtet über den andauernden Höhenflug der Aktien von weltweit operierenden Getränkekonzernen. Konkret geht es um Brown-Forman (Jack Daniel’s), ein Konzern, der durch seine Stärke im amerikanischen Markt und bei amerikanischem Whiskey die Konkurrenz wie Pernod Ricard oder Diageo am Aktienmarkt locker outperformt. Hier ein Ausschnitt aus dem Artikel:
An der Wall Street begeistern sich die Anleger für die Brown-Forman Geschichte. Man finde heutzutage kaum mehr ein Konsumgüterunternehmen, das einerseits dank starken Marken hohe Margen und Wachstum vorzeigen kann und anderseits kaum Konkurrenz hat. Brown-Forman sei so ein Unternehmen. Und die Aktien spiegeln diese Begeisterung, zumal sie mit einem Kursgewinnverhältnis von über 30 weit über dem Branchendurchschnitt handeln.
Aber, so die NZZ weiter, es ist nicht alles eitel Wonne, denn „Trends dauern nicht ewig“. Als Beispiel dafür nennt man den Vodka-Boom der Neunziger, der damals ebenso fulminant boomte und danach all seinen Glanz verlor. Selbiges könne auch beim Whisky passieren, meint die NZZ. Könne, müsse aber nicht.
Insgesamt ein schöner Blick auf den Whiskymarkt aus einem anderen Blickwinkel. Und so etwas ist für alle, die ihren Horizont erweitern wollen, immer lesenswert.
Wenn eines in Indien momentan konstant ist, dann ist es der Wandel. Wie hier, bei der Destillerie Amrut. Damals, in den späten 80er Jahren, war das, wo wir uns jetzt befinden, eine ländliche Gegend mit Feldern und kleinen Ansiedlungen. Bei unserer Reise, im Januar 2018, sind wir noch nicht ganz am Rand von Bangalore, der Hauptstadt der Provinz Karnataka, mit 9.5 Millionen Einwohnern. Die Stadt ist gewachsen, noch über den Horizont hinaus.
Der schmucklose Bau der Destillerie, an der Straße nach Mysore, liegt in der südindischen Wärme. 30 Grad sind es, sehr trockene 30 Grad. Ab März wird es hier schwül und drückend heiß, im Sommer dann selbst für die Einwohner schwer auszuhalten. Und wenn der Monsun kommt, ist es besonders schlimm.
Drinnen, im Büro, läuft die Klimaanlage. Angenehmes Licht, angenehme Temperaturen, und abgesehen davon ebenfalls angenehmes Klima: Wir werden vom Master Distiller, Surrinder Kumar, dem Technical Director M. Meyyappan, Ashok Chokalingam, Senior G.M. International Sales und Pramod Kashyap, Deputy General Manager Marketing herzlich begrüßt.
Wir sind nach Indien gekommen, um mehr über die Destillerie Amrut und ihre Single Malts zu erfahren. Diese fruchtigen, dichten Malts, von denen wir in Deutschland, einem Hauptexportland dafür, immer wieder welche verkosten konnten, haben uns durch ihre Lebendigkeit und erstaunliche Reife gefallen. Wir wollen jetzt wissen, wie sie entstehen, warum sie so sind, wie sie sind und wer die Menschen sind, die diese Whiskys machen.
Interessant ist zunächst einmal, dass Amrut mit den Single Malts erst in Europa präsent war (2004), bevor der Whisky auf den indischen Markt kam (2010). Und dieser boomt. Amrut befindet sich momentan in der glücklichen Lage, jeden Tropfen sofort verkaufen zu können, auch und gerade in Indien – wo die Nachfrage das Angebot mittlerweile bei weitem übersteigt.
Das liegt nicht nur daran, dass der Ausstoß an Single Malt bei Amrut klein ist, momentan an die 30.000 Liter pro Monat – und die sind es auch nur deshalb, weil man mittlerweile rund um die Uhr arbeitet. Indien hat Lust auf Single Malt bekommen, und deshalb werden es ab Mitte des Jahres dann 90.000 Liter sein, wenn der Ausbau der Brennerei fertig ist – und das wird wohl dann auch noch nicht reichen, um die Nachfrage zu stillen.
Die kommt nicht von ungefähr. Die Menschen hier sehen Single Malt mit anderen Augen, seitdem es sich der Mittelstand leisten kann zu reisen, und das Markenbewusstsein wächst. Zudem ist Bangalore ein Nabel der Welt, das Zentrum der Computertechnologie in Indien, ganz Asien. Die Menschen arbeiten hart, verdienen gut – und wollen dafür genießen.
Organisch gewachsen
Begonnen hat Amrut 1948 nicht mit Whisky, sondern zunächst mit Neutralalkohol und danach, in den 60ern, mit Rum – und nicht am momentanen Standort, sondern im Zentrum von Bangalore. Rum? Was auf den ersten Blick seltsam erscheint, wird schnell verständlich, wenn man weiß, dass Indien der zweitgrößte Zuckerrohrproduzent der Welt ist, gleich nach Brasilien. Amrut kauft den Spirit aus Melasse (und für den Brandy aus ebenfalls heimischen Trauben) zu und lagert diesen in großen Tanks. Dieser wird von dort über Rohre in die Produktion gebracht. Übrigens: Auch indischer Whisky für den Heimatmarkt (IMFL = Indian Made Foreign Liquors) besteht zum Teil aus Alkohol, der aus Melasse gewonnen wurde.
Wir beginnen die Tour mit Surrinder Kumar, dem Master Distiller (wenn Sie mehr über seinen Werdegang und seine Philosophie wissen wollen, sehen Sie hier unser Interview mit ihm). Er führt uns in die Produktionsgebäude. Innen sieht es ein wenig anders aus, als man es von schottischen Destillerien gewohnt ist. Auf Schmuckheit oder Flair wird wenig Wert gelegt, alles ist funktional und doch nicht ohne Charme. Während wir uns einen ersten Eindruck verschaffen, erzählt Surrinder Kumar mehr über die Anfänge von Amrut und den Bau der Destillerie hier am Rande von Bangalore:
Was uns natürlich brennend interessiert: Wie kam man dazu, Whisky zu produzieren und was war der Anlass, als erste Brennerei in großem Stil Single Malt zu erzeugen und als solchen zu vermarkten? Warum entschloss man sich, die Vermarktung zunächst in Schottland und Europa zu forcieren? Auch hier gibt Surrinder Kumar bereitwillig Auskunft:
Es beginnt mit Gerste
Mit diesem Wissen ausgestattet begeben wir uns mit Surrinder zu dem Teil der Destillerie, in dem die Produktionskette ihren Anfang nimmt, dort, wo das Getreide angeliefert und gemahlen, oder besser gesagt: aufgebrochen wird. Bei Amrut verwendet man für ungetorften Malt (er macht ca. 70% der Produktion aus) indisches Getreide. Nicht aus der Gegend, wie der Master Distiller sagt, denn hier in diesem Klima wächst keine Gerste, man holt es aus Nordindien:
Wie schon erwähnt, ist bei Amrut nichts auf Ästhetik ausgelegt, sondern auf Praktikabilität. Das ergibt dann als Resultat einen der hässlichsten Mashtuns, den wir jemals gesehen haben, aber auch einen stimmigen, denn die Isolierung, die wahrlich keine Augenweide ist, ist gerade unter den gegebenen lokalen Umständen sinnvoll und richtig.
Zwei nicht so einfach erhältliche Abfüllungen von Springbank sind heute die Objekte des Interesses von Serge Valentin auf seiner Seite. Springbank ist ja ein erklärter Liebling vieler Whiskyfans – die handwerkliche Produktion und vor allem viele sehr gute Abfüllungen machen Springbanks, Longrows und Hazelburns (drei Marken aus der Destillerie) zu begehrten Whiskys.
Diesmal geht es um „echte“ Springbanks, also die Kernmarke der Brennerei. Einer davon ist eine siebzehnjährige Originalabfüllung aus dem Sherryfass für eine Bar in Singapur, der zweite ein unabhängiger Springer von Whiskynerds. Der stammt aus einem reinen Bourbonfass und ist mit 21 Jahren deutlich älter.
Die Wertungen sind hoch – aber das war bei Springbank in einer Verkostung von Serge ja auch irgendwie anzunehmen :). Hier die Details:
Springbank 17 yo 1999/2017 (49.2%, OB, for Quaich Bar Singapore, fresh sherry hogshead): 87 Punkte
Springbank 21 yo 1996/2017 (58.1%, Whisky Nerds, cask #471): 92 Punkte
Aus der Destillerie Balblair gibt es zwei neue Abfüllungen zu vermelden. Beide sind, wie bei Balblair Geschäftspolitik, Vintage-Abfüllungen, diesmal ein Balblair 2000 (die zweite Ausgabe davon) und ein Balblair 1991 (Ausgabe Nummer 3). Beide sind mit 46% vol abgefüllt.
Der Balblair 1991 stammt aus ex-Bourbon casks, in denen er 24 Jahre reifen durfte. Danach kam er für weitere drei Jahre in first fill Eichen-butts aus Spanien. Geschmacklich wird er so beschrieben:
Zitrusfrüchte, Vanille, Toffee, Schokolade, Wintergewürze und Aprikose in der Nase. Am Gaumen Zitrus, cremige Schokolade, gedämpfte Äpfel und Birnen, Weihnachstkuchen und heiße Vanillesauce. Im Finish finde man Orange, geröstete Kokosnuss, Vanille und Karamell.
In Großbritannien kostet der Balblair 1991 125 Pfund.
Günstiger, nämlich um 70 Pfund, erhält man den Balblair 2000. Er stammt aus amerikanischen Eichenfässern, ex-Bourbon casks und first fill Eichen-butts aus Spanien. Sein Geschmacksprofil:
In der Nase Eichennoten, gebratene roteÄpfel, Fruchtkuchen, Vanille und tropische Früchte. Am Gaumen gemahlene Gewürze und altes Hartholz, dazu Ananas aus der Dose, Orangenschalen und Honig. Das Finish soll süß, cremig und mit Anflügen von Bitterschokolade sein.
Die Rolf Kaspar GmbH, Importeur der Whiskys des unabhängigen Abfüllers Adelphi, hat uns über vier neue Adelphi-Bottlings informiert, die ab sofort in Deutschland erhältlich sind. Dabei auch der THE E&K – 5 year old Scotch Indian Fusion Malt Whisky, ein fassstarker Whisky, der aus einem indischen Single Malt und schottischen Single Malts komponiert wurde und in einer weltweiten Auflage von nur 800 Flaschen auf den Markt kommt (über ihn haben wir vor Weihnachten bereits ausführlich berichtet).
Zu ihm und zu einem vom Importeur in den Blickpunkt gestellten Glenallachie 10yo haben wir die englischsprachigen Tasting Notes bekommen, die anderen beiden listen wir hier punktuell auf:
Neues von Adelphi in Deutschland
THE E&K 5y Scotch Indian Fusion Malt Whisky 0,7 lt
Diese Edition besteht aus 2 Barrels aus Amrut, einem Barrel aus Ardmore und einem Teil eines Sherry butts aus Glenrothes und ist mit 57.8% abgefüllt. UVP: 129,- Euro. Die englischsprachigen Tasting Notes finden Sie untenstehend:
1 of only 800 bottles, bourbon/sherry
Tasting Notes:
Vibrant copper gold (spun honey) with amber light with moderate beading.
Some nose prickle; nose drying. Very ripe tropical fruits to the fore (mango, papaya, pineapple) on a dry wood base (tea chest, faded sandalwood). Scents reminiscent of India, until you add water, when it becomes more Speyside-like: Sweet, sooty smoke and moorland scents, fused with spices, coconut, milk chocolate and lingering hessian.
At natural strength, the taste is honey-sweet and surprisingly rich. Fruit salad with a chilli-powder finish; Arbroath Smokies combine well with Highland Toffee and dark chocolate.
In the finish, distant peat fires, bitter chocolate, exotic spices and dusty fruit.
GLENALLACHIE 2007 10 year old Speyside
1 von 592 Flaschen aus einem refill sherry cask, Cask Nummer #900828. Abgefüllt mit 57.8%. UVP 79,95 Euro. Nachfolgend die englischsprachigen Tasting Notes:
Tasting Notes:
Deep amber with copper lights; very little beading. Drawn from a First fill Spanish oak Sherry butt.
A mellow and tannic-dry nose-feel, but quite closed to start with. After a while it opens to a burnt brown sugar top note on a base of ‘dusty desk drawer’ with traces of rose-scented furniture polish, giving way to dried raisins in a waxed wrapping.
Teeth coating texture and a taste of dry Oloroso sherry, with a suggestion of cordite in the finish. Water brings up brandy butter, stem ginger and tablet; the taste is now sweeter, less tannic and mouth cooling (star anise); the cordite becomes matchbox striker in the finish.
Weitere neue Abfüllungen:
CLYNELISH 1996, 20 year old Highland 50.6% vol, 1 of only 257 bottles from bourbon cask 11449 – UVP: 170,- Euro
ARDMORE 1996, 21 year old Highland 61.0% vol, 1 of only 236 bottles from bourbon cask 149026 – UVP 170,- Euro
Alle neuen Bottlings erhalten Sie bei Ihrem Fachhändler in Deutschland!
Von den Spreewood Distillers haben wir eine Presseinfo über eine neue Web-Applikation erhalten, mit der man sich als User sein eigenes Fass zusammenstellen und damit seinen persönlichen Whisky konfigurieren kann. Ideal für Leute, die immer schon ihr eigenes Fass kaufen und den Whisky darin reifen lassen wollten.
Untenstehend bringen wir Ihnen die Pressemitteilung mit allen relevanten Infos. Darin finden Sie auch den Link zum Konfigurator:
Design your own Whisky!
Mit dem neuen Whisky-Fass-Konfigurator der Spreewood Distillers können sich Kunden ab sofort ihren ganz individuellen STORK CLUB Whisky selber kreieren.
Die leicht zu bedienende Web-Applikation bietet dem Nutzer alle Möglichkeiten: Destillat, Art und Größe des Fasses sowie die Lagerzeit sind frei konfigurierbar. Jedes Fass kann zudem mit einem Firmenlogo, dem Namen des Besitzers und weiteren Angaben personalisiert werden. Nach Abschluss der Reifung erfolgt die Lieferung nach Hause oder alternativ die Abfüllung in Flaschen.
Der Geschmack einer gereiften Spirituose wird mit 60-80% ganz wesentlich durch das Fass bestimmt, in dem sie gelagert wurde. Was liegt also näher, dem interessierten Kenner die Möglichkeit zu geben, selbst zu entscheiden, in welchem Fass und wie lange sein Whisky reifen soll. Die Optionen sind ebenso vielfältig wie verführerisch (siehe unten).
Wer sich angesichts der großen Auswahl überfordert fühlt, muss nicht verzweifeln. Das Team der Spreewood Distillers berät gerne persönlich, damit am Ende jeder Kunde das Fass bekommt, das zu ihm passt. Die Möglichkeit, sich einen 100-prozentigen Rye-Whisky in ein Fass abfüllen zu lassen, ist weltweit einmalig. Mit dem Angebot zielt man daher auch ganz bewusst auf internationale Kunden. Die englische Version des Navigators ist für Frühjahr 2018 geplant.
Folgende Optionen stehen bei der Konfiguration zur Auswahl:
Destillat/Mash Bill
· STORK CLUB 100% Rye Malt „Sweet & Mellow“
· STORK CLUB 100% Rye Grain „Bold & Spicy“
Lagerzeit
· 3,5,8,10 oder 12 Jahre
· Alternativ ist natürlich auch die Lagerung zuhause möglich!
Die Preise pro Fass variieren je nach Destillat, Fassart, Größe und Lagerzeit. Hier zwei Beispiele: Ein 20 Liter Fass Rye Whisky, drei Jahre in einem Ex-Bourbon-Fass gereift, kostet 1.649,90 EUR. Als 190 Liter Fass-Version und 12 Jahre in Islay-Fässern gereift, kostet das Fass 5.948,90 EUR.
Der Konfigurator bietet darüber hinaus einen privaten Login-Bereich, in dem der Fassbesitzer regelmäßige Updates zu seinem Fass erhält und zusätzliche Informationen wie z.B. die aktuelle Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit im Lagerhaus abrufen kann.
Den Link zum Private Cask Whisky Navigator finden Sie hier.
2018 werden wir noch mehr von Glenallachie hören, der Speyside Destillerie, die sich jetzt im Besitz einer Gruppe rund um Billy Walker befindet. Die ersten regulären Abfüllungen seit dem Besitzerwechsel sind von dort zu erwarten, und dies soll bereits im Frühjahr beginnen.
Zunächst aber gibt es eine Personalie von dort zu vermelden: Richard Beattie, der bislang für Mossburn Distillers Ltd, die Mutterfirma der Torabhaig Distillery auf der Isle of Skye und der Akashi Distillery in Japan, gearbeitet hat, ist neuer Operations Director der Destillerie. Begonnen hat er seine Karriere vor über 30 Jahren bei der Speyside Distillery.
Billy Walker hat ihn wegen seiner reichen Erfahrung geholt, berichtet SBNN im Artikel. Er wird auch bereits mitverantwortlich für die ersten neuen Abfüllungen im Alter zwischen 10 und 25 Jahren sein, die wir für 2018 ebenso erwarten dürfen wie einige Spezialabfüllungen.
Ein weiterer Schwerpunkt in der Whiskyproduktion von Glenallachie werden übrigens Blends sein, die man verstärkt vermarkten will.
Destillerie Glenallachie. Bildrechte bei Lars Pechmann.
Wenn man heute über Whiskys aus der Brennerei auf der Insel Mull spricht, dann sprechen wir zumeist über Ledaig, die torfige Variante von Tobermory. Sie stand und steht momentan wegen vieler ausgezeichneter Bottlings im Rampenlicht.
Tobermory aber, wie Serge heute anmerkt, kann von diesem Ruhm nicht wirklich profitieren. Die ungetorfte Variante findet weit weniger Beachtung als der rauchige Zwilling, der fast schon einen Hype erlebt. Ist das gerechtfertigt? Serge versucht mit einer Verkostung verschiedener Tobermory-Abfüllungen eine Antwort darauf zu finden.
Sechs Bottlings sind es, allesamt von Unabhängigen, die sich Serge dafür ausgesucht hat, die meisten davon erst kürzlich erschienen. Und es ist in der Tat so, dass beim „normalen“ Tobermory bei ihm der Funke nicht so recht überspringen will. Zwischen 78 und 88 Punkten bewegen sich die Bewertungen, im Durchschnitt bei ca. 85, was bei Serge gerade die Grenze zwischen gut und sehr gut darstellt. Hier die Wertungen der Verkostung im Detail:
Tobermory 21 yo 1996/2017 (51.5%, Douglas Laing, Old Particular, refill hogshead, cask #11768, 290 bottles): 78 Punkte
Tobermory 22 yo (51.5%, Valinch & Mallet, cask #17-2022, 124 bottles): 83 Punkte
Tobermory 21 yo 1996/2017 (56.7%, Dramfool, bourbon hogshead, 247 bottles): 85 Punkte
In der US-amerikanischen TTB-Datenbank sind wieder einige neue Whiskys aufgetaucht, die wir Ihnen hier in einer Liste vorstellen wollen (die Bilder bringen wir nach wie vor aus Copyright-Gründen nicht – die können Sie aber hinter unseren Links finden). In der Datenbank müssen die Unternehmen alle alkoholischen Getränke eintragen lassen, die sie in den USA veröffentlichen wollen – meist sind es aber internationale Releases, die man dort findet. Und es gibt keinen Automatismus, dass eine Anmeldung auch eine (baldige) Veröffentlichung bedeutet.
Diesmal haben wir aus den vielen Einträgen dreieinhalb herausgesucht. Viele, die offensichtlich nur für den amerikanischen Markt und dort als Spezialabfüllungen für einzelne Händler gedacht waren, haben wir ausgeschlossen. Das ist der interessante Rest der Jagd:
Jane Walker Edition, eine Spezialausgabe eines zwölfjährigen Johnnie Walker Black Label – eine „weibliche“ Ausgabe des beliebten Blends? Interessanterweise gab es schon einmal, vor den Präsidentenwahlen in den USA, Pläne für so eine Edition, die wurden aber, vermutlich nach dem Wahlsieg von Trump, auf Eis gelegt
Ein Highland Park 50yo – 274 Flaschen mit 42.5% Alkohol, wohl mit einem ordentlichen Preisschild versehen und nicht im Laden um die Ecke verfügbar
Der BenRiach Temporis 21yo, ein getorfter Speysider, der bereits im August in der Datenbank zu finden war, jetzt aber mit einem etwas geänderten Design (Farbe) nochmals eingereicht wurde (und damit ein schönes Beispiel dafür ist, dass man bei diesen Einträgen immer im Konjunktiv denken sollte)
Wie üblich der Hinweis zu den TTB-Einträgen: Dass ein Label in der TTB-Datenbank eingetragen wurde, bedeutet nicht automatisch, dass die Abfüllung dann auch erscheinen wird. Es ist allerdings ein sehr starker Hinweis darauf.
Ein neues Video von Ralfy ist online, und diesmal dreht es sich um ein Bottling des unabhängigen Abfüllers „The Single Cask Ltd.“. Dabei handelt es sich um einen Glentauchers, also einen Whisky aus der Speyside, der 14 Jahre im Fass reifen durfte. Mit 45.8% war das Fass nicht unbedingt ein Safe, aber der Qualität des Whiskys hat das nicht geschadet, wenn man die Wertung von Ralfy als Maß nimmt: Ganze 91 von 100 Punkten konnte der im Januar 2002 gebrannte und im Februar 2016 abgefüllte Whisky für sich verbuchen, eine hohe Wertung, die bei Ralfy nur relativ selten vorkommt. Es scheint so, dass dies wieder eine der Perlen aus Glentauchers ist, die diese Brennerei immer wieder mal produziert.
Wer diesen Whisky allerdings selbst verkosten will und ihn noch nicht besitzt, der wird es wohl schwer haben, denn eine kurze Recherche hat keine Shops zu Tage gebracht, die dieses Bottling noch führen, das vormals um ca. 90 Euro zu haben war. Schade, aber auch das macht den Reiz unserer Vorliebe aus, dass nicht alles endlos erhältlich ist und manches Vergnügen an einem vorbeigehen muss…
Finden Sie obenstehend das Youtube-Video von Ralfy, das diesmal an die 13 Minuten dauert und wie immer sehr kurzweilig ist…